Don’t Say Good Luck
| Titel | Don’t Say Good Luck |
| Genre | Drama |
| Jahr | 2026 |
| FSK | 12 |
| Regie | Julia Hart |
Starttermin: 14.08.2026 | Netflix
Wenn hinter dem Bühnenlicht das Leben wartet
Im Theater gibt es Wörter, die man besser nicht in den Mund nimmt. „Viel Glück“ gehört dazu. Ausgerechnet vor dem Moment, in dem jemand Nerven wie Drahtseile gebrauchen könnte, gilt der gut gemeinte Wunsch als schlechtes Omen. Stattdessen heißt es „Hals- und Beinbruch!“. Der Aberglaube hat Methode: Wo auf der Bühne alles nach festen Regeln abläuft, soll selbst das Glück seine eigene Dramaturgie besitzen. Nur außerhalb des Theaters hält sich das Leben bekanntlich an keine Regeln. Eine Krankheit fragt nicht nach dem richtigen Zeitpunkt. Eine Diagnose wartet nicht auf den Schlussapplaus. Und auch das Schicksal lässt sich weder umschreiben noch auf Kommando ausblenden. Was also passiert, wenn ausgerechnet eine Teenagerin zwischen Bühnenlicht und einer familiären Katastrophe landet? Muss man dann nicht gerade deshalb viel Glück wünschen? Oder wäre das bei Netflix’ Coming-of-Age-Geschichte „Don’t Say Good Luck“ bereits der erste Fehler?

Sophie Birenbaum (Sunny Sandler) bekommt genau das, worauf sie hingearbeitet hat: die Hauptrolle im Schulmusical. Für die begeisterte Theater-Schülerin könnte der große Auftritt kaum näher sein. Doch kurz vor ihrem Vorsprechen erfährt Sophie, dass der Krebs ihrer Mutter Elizabeth (Melanie Lynskey) zurückgekehrt ist. Während auf der Bühne Textsicherheit, Timing und einstudierte Bewegungen gefragt sind, beginnt Sophies Leben hinter den Kulissen aus dem Takt zu geraten. Ihr Vater (Max Greenfield), ihr Freundeskreis und das erste Aufkeimen dieses verrückten Irrsinns namens Liebe werden plötzlich Teil eines Alltags, in dem die Krankheit der Mutter immer stärker in den Mittelpunkt rückt. Sophie muss damit umgehen, dass sich ausgerechnet in dem Moment, in dem sie selbst ins Rampenlicht treten will, das Leben ihrer Familie verdunkelt. Zwischen Schulmusical, Teenagerchaos und der Angst vor dem, was kommen könnte, wird die ohnehin schon überwältigende Gefühlswelt des Erwachsenwerdens um eine Prüfung erweitert, für die es weder Textbuch noch Regieanweisung gibt.

Sunny Sandler bringt Netflix zum strahlen
Sunny Sandler ist Zucker. Nachdem ihre Schwester Sadie mit ihrer ersten eigenen Hauptrolle in „Du bist sowas von nicht zu meiner Bat-Mizwa eingeladen“ gezeigt hat, dass sie mehr ist als nur ein Nepo-Baby und durchaus eine Hauptrolle tragen kann, ist nun also Sunny dran. Und die gibt eine fantastische Performance ab. Von Happy Madison, also Adam Sandlers Produktionsfirma, produziert und mit einigen Sandler-Bekannten wie Steve Buscemi im Gepäck, kommt „Don’t Say Good Luck“ dabei gar nicht so klamaukig daher, wie es auch heute noch überraschend oft erwartet wird. Dabei ist genau das inzwischen doch fast schon eine kleine Tradition im Hause Sandler. Papa Sandler hat mit „Hustle“, „Uncut Gems“ oder auch „The Meyerowitz Stories“ schließlich immer wieder bewiesen, dass unter all dem albernen Quatsch ein verdammt guter Charakterdarsteller steckt, der ein erstaunlich gutes Händchen für Rollen besitzt, in denen er sich selbst ein Stück weit zurücknehmen darf. Bei seinen Töchtern scheint dieses Gespür nun weitergereicht worden zu sein. Eigentlich ist es unfair, an dieser Stelle über Adam Sandler zu reden, wo Sunny doch ganz allein dafür sorgt, dass man ihr in „Don’t Say Good Luck“ so gerne zusieht. Der Vergleich ist dermaßen naheliegend, dass er schon fast weh tut: Sunny Sandler ist tatsächlich ein Sonnenschein. Einer, der nicht künstlich strahlt, sondern einfach diese natürliche Wärme besitzt, die sich irgendwann ganz selbstverständlich auf einen selbst überträgt. Sie verleiht Sophie eine Natürlichkeit, eine Glaubwürdigkeit und eine Lockerheit, durch die man ihr ihre Teenagerwelt sofort abnimmt. Und plötzlich sitzt da nicht einfach irgendeine Filmfigur mit einem viel zu großen Problem auf den Schultern, sondern ein Mädchen, das eigentlich gerade nur Theater spielen, sich verlieben, mit Freunden herumalbern und herausfinden möchte, wer es selbst überhaupt sein will. Dass ihre Mutter an Krebs erkrankt ist, macht diesen ohnehin schon komplizierten Weg natürlich nicht gerade leichter.

Gerade deshalb funktioniert das Drehbuch so gut. Es behandelt Sophies Situation einfühlsam, ohne sie ständig mit der Tragik ihrer Geschichte zu erschlagen. „Don’t Say Good Luck“ ist herzerwärmend, manchmal traurig, manchmal ausgesprochen leicht und findet dabei eine Tonalität, die sich erstaunlich ausgewogen anfühlt. Und wenn es dann wirklich wehtut, tut es eben umso mehr weh. Denn natürlich hängt über allem die Frage, ob Elizabeth diese Krankheit überleben wird. Der Film weiß das, und trotzdem muss nicht jede Szene mit einem musikalischen Taschentuch winken, damit man versteht, was hier auf dem Spiel steht. Vieles entsteht einfach aus den Figuren heraus. Aus einem Blick. Einer Umarmung. Einem Moment, in dem Sophie plötzlich nicht mehr weiß, wohin mit ihren Gefühlen. Die Geschichte will einem seine Emotionen nicht aufdrücken. Sie lässt sie wachsen. Auch das Musical fügt sich erstaunlich organisch in die Handlung ein. Wer bei singenden Teenagern sofort innerlich die Flucht ergreift, darf also ruhig noch ein paar Minuten sitzen bleiben. Die Musik ist hier nicht bloß schmückendes Beiwerk und schon gar kein Grund, die Handlung regelmäßig für ein paar Gesangsnummern anzuhalten. Für Sophie wird sie zu einer Sprache für all das, was sie sonst nicht herausbekommt. Gefühle, die irgendwo zwischen Angst, Wut, Liebe und Hilflosigkeit feststecken, finden plötzlich einen Weg nach draußen. Dass Sunny Sandler die Songs dabei selbst singt, macht die Sache umso beeindruckender. Und ja, sie kann es auch verdammt gut. Vor allem aber kann sie spielen. Und genau deshalb möchte man nach „Don’t Say Good Luck“ umso mehr von ihr sehen. Möglichst bald. Möglichst oft. Und wenn Netflix dafür wieder die Tür aufmacht, darf sie von mir aus sehr gerne einfach durchgehen. Denn hier steht eine junge Darstellerin vor der Kamera, bei der man nicht das Gefühl bekommt, dass sie gerade erst ausprobiert, ob sie das vielleicht auch kann. Sie kann es. Und wie.

Fazit
„Don’t Say Good Luck“ ist eine kleine, herzerwärmende Überraschung im Coming-of-Age-Dschungel. Netflix liefert hier ein erstaunlich reifes und feinfühliges Drama ab, das ohne billige Tränendrüsen-Tricks auskommt und die Balance zwischen Teenager-Alltag und Familienschicksal perfekt hält.





































