Culpa Tuya – Deine Schuld: London
| Titel | Culpa Tuya – Deine Schuld: London |
| Genre | Romanze |
| Jahr | 2026 |
| FSK | 12 |
| Regie | Charlotte Fassler, Dani Girdwood |
Starttermin: 17.06.2026 | Prime Video
Bleibt Prime Video der Red Flag auch in „Culpa Tuya – Deine Schuld: London“ treu?
Manchmal liegt die Messlatte so tief, dass bereits ein Film, der nicht mit voller Wucht dagegen prallt, wie ein kleines Wunder wirkt. Wer sich schon einmal durch Amazons unerträgliche Vertreter des New-Adult-Genres „Culpa Tuya – Deine Schuld“ und „Culpa Nuestra – Unsere Schuld“ gearbeitet hat, dürfte wissen, wie sich diese Form cineastischer Anspruchslosigkeit anfühlt. Zweimal 0,5 Sterne, zweimal die Erkenntnis, dass romantische Leidenschaft offenbar auch als mehrstündiger Belastungstest für das menschliche Nervensystem verstanden werden kann. Umso befremdlicher wirkte es, als ausgerechnet die britische Neuauflage, die das toxische Beziehungsdrama von Madrid nach London verpflanzte, plötzlich beinahe freundliche Worte provozierte. Zwei Sterne bekam „Culpa Mia – Meine Schuld: London“ am Ende – kein Triumph, nicht einmal ein Achtungserfolg, innerhalb dieser Reihe aber fast schon ein diplomatisches Zugeständnis. Dabei blieb auch das Remake weit davon entfernt, einen umgangssprachlichen Blumentopf zu gewinnen. Mehr kurzweilige Action, etwas weniger Toxizität und eine insgesamt ansehnlichere Umsetzung machten aus der alten Geschichte lediglich die erträglichere Version desselben Elends. Gut war daran wenig, weniger schmerzhaft hingegen überraschend viel. Und so fällt die Aussicht, dass in „Culpa Tuya – Deine Schuld: London“ erneut die schüchterne Maus dem coolen Bad Boy verfällt, zumindest nicht ganz so bedrohlich aus wie bei „Mala influencia – Verbotene Liebe“ oder „Love Me, Love Me“.

Hoffnungslose Optimisten könnten nun vermuten, die Fortsetzung setze den zaghaften Aufwärtstrend ihres Vorgängers tatsächlich fort. Realistischer wäre allerdings die Annahme, dass sie wieder genau in jene alten Muster zurückfällt, aus denen dieses Genre seit Jahren seine fragile Persönlichkeit zusammenbaut. Der Weg dorthin ist jedenfalls bereits bestens ausgeschildert. Noah (Asha Banks) beginnt ihr Studium an der Universität Oxford und lässt damit nicht nur London, sondern vorerst auch Nick (Matthew Broome) hinter sich. Der arbeitet inzwischen im Unternehmen seines Vaters und versucht, zwischen beruflichen Erwartungen und familiärem Druck so etwas wie ein erwachsenes Leben zu führen. Für eine Beziehung, die schon unter günstigeren Bedingungen kaum ohne emotionalen Flächenbrand auskommt, wird die räumliche Trennung erwartungsgemäß zum nächsten Brandbeschleuniger. Neue Bekanntschaften, alte Feindseligkeiten und Menschen, die das liebestolle Stiefgeschwisterpaar lieber heute als morgen auseinanderbringen würden, liefern Eifersucht, Misstrauen und melodramatische Verwicklungen gleich im Komplettpaket. Noah und Nick müssen also beweisen, dass ihre große Liebe mehr aushält als ein paar Kilometer Entfernung und die nächste strategisch platzierte Red Flag. Mit anderen Worten: dieselbe Geschichte, die „Culpa Tuya – Deine Schuld“ bereits mit bemerkenswerter Gründlichkeit an die Wand gefahren hat. Soweit, so schlecht.

Madrid, London – Hauptsache, das Drama reist mit
Aus Mist können Rosen wachsen, heißt es. Im Kino bleibt Mist allerdings meistens einfach Mist – nur gelegentlich hübscher ausgeleuchtet. Genau darin lag bereits die bescheidene Leistung von „Culpa Mia – Meine Schuld: London“: Es verwandelte den alten Unrat nicht in etwas Gutes, sondern sorgte lediglich dafür, dass er weniger streng roch. Von „Culpa Tuya – Deine Schuld: London“ nun plötzlich eine romantische Erleuchtung zu erwarten, wäre deshalb selbst für hoffnungslose Optimisten ein gewagter Schritt. Zu schwer wiegt der Ballast eines Genres, das seine Schwächen längst für unverzichtbare Zutaten hält. Dialoge klingen wie ausrangierte Kalendersprüche, Gefühle werden so lange aufgedreht, bis jedes Zwischengeräusch verstummt, und der Sex knistert ungefähr so leidenschaftlich wie feuchtes Brennholz. Rosen sehen jedenfalls anders aus. Immerhin verzichtet die britische Variante auf einen Teil jener besonders unangenehmen Machtspiele, mit denen ihre Vorgänger toxisches Verhalten als große Leidenschaft verkauften. Noah ist hier nicht bloß das naive Opfer eines übergriffigen Bad Boys, Nick nicht ausschließlich der dominante Mann, dessen Kontrollzwang mit einem hübschen Blick entschuldigt werden soll. Toxisch sind sie höchstens gemeinsam – nicht aufgrund eines eindeutigen Machtgefälles, sondern weil beide unfähig sind, vernünftig miteinander zu sprechen. Das ist zunächst sogar glaubwürdiger. Wer verliebt ist, will Nähe. Wer eine Beziehung führt, hat Sex, vermisst den anderen, begehrt ihn und reagiert nicht immer vollkommen souverän, wenn plötzlich eine andere Person auftaucht. Ein gesundes Maß an Eifersucht ist kein Beweis emotionaler Verdorbenheit, ebenso wenig wie Lust und Hingabe automatisch Ausdruck einer alles verschlingenden Schicksalsliebe sind. All das gehört zu Beziehungen. Entscheidend ist nicht, dass diese Gefühle existieren, sondern wie zwei Menschen mit ihnen umgehen. Genau dort versagen Noah und Nick – und mit ihnen auch der gesamte Film.

„Culpa Tuya – Deine Schuld: London“ behandelt jede Form von Eifersucht und jeden Anflug von Unsicherheit, als würde sich darin eine Liebe offenbaren, die größer ist als das Leben selbst. Musik schwillt an, Blicke werden verlängert, Körper in dekoratives Licht getaucht. Die Inszenierung ruft ununterbrochen: Seht her, wie außergewöhnlich diese Leidenschaft ist. Das Drehbuch und der Cast liefern dafür allerdings kaum einen Grund. Denn eigentlich ist an dieser Beziehung nichts außergewöhnlich. Zwei junge Menschen fühlen sich zueinander hingezogen, schlafen bei jeder Gelegenheit miteinander, vermissen sich und werden eifersüchtig, wenn der andere sich wie ein Arsch verhält. Das ist keine romantische Offenbarung, sondern ein ziemlich gewöhnlicher Zustand. Erst der Umgang damit könnte daraus eine interessante Geschichte machen. Doch statt ehrlich zu reden, verschweigen beide ihre Gefühle, treffen zweifelhafte Entscheidungen und erwarten anschließend, dass der andere die unausgesprochenen Regeln ihrer Beziehung trotzdem versteht. Keine Schicksalsliebe, nur schlechte Kommunikation. „Culpa Tuya – Deine Schuld: London“ möchte erzählen, dass äußere Umstände eine große Liebe auf die Probe stellen. Das Geheimhalten der Beziehung, misstrauische Eltern, neue Bekanntschaften und alte Feinde sollen Noah und Nick wie tragische Figuren erscheinen lassen, die von einer feindseligen Welt auseinandergetrieben werden. Tatsächlich braucht es diese Hindernisse kaum. Die beiden erledigen das schon selbst.

Amazon legt wieder den Rückwärtsgang ein
Wer Gefühle für eine andere Person entwickelt und sich bereitwillig auf sie einlässt, sollte vielleicht keine Beziehung führen. Wer jede Unsicherheit in Schweigen, Vorwürfe oder demonstrative Rücksichtslosigkeit verwandelt, ebenfalls nicht. Und wer erwartet, dass der Partner Gedanken lesen kann, sollte nicht überrascht sein, wenn die gemeinsame Zukunft irgendwann an Dingen zerbricht, die ein einziges ehrliches Gespräch hätte klären können. Das Problem ist nicht, dass Noah und Nick zu leidenschaftlich lieben. Es ist auch nicht ihre Eifersucht. Nicht die räumliche Trennung, nicht das Verheimlichen ihrer Beziehung und nicht die Menschen, die von außen auf sie einwirken. Das Problem ist, dass beide unreif sind, nicht kommunizieren und sich wiederholt beschissen behandeln. Darin liegt nichts Süßes, nichts Tragisches und schon gar nichts Romantisches. Als Charakterdrama könnte diese Erkenntnis durchaus funktionieren. Ein Film über zwei Menschen, die sich aufrichtig lieben und trotzdem erkennen müssen, dass Liebe allein keine funktionierende Beziehung ergibt, hätte sogar etwas Schmerzhaftes. Er könnte davon erzählen, wie Nähe in Besitzdenken kippt, wie Leidenschaft Konflikte überdeckt und wie zwei Menschen einander verlieren, weil beide erst bei sich selbst aufräumen müssten. Doch dafür müsste „Culpa Tuya – Deine Schuld: London“ seine Figuren ernst nehmen. Er müsste ihnen Widersprüche, Einsicht und Entwicklung zugestehen. Stattdessen braucht es eine psychotische Ex, illegale Straßenrennen und künstlich platzierte Versuchungen, weil Noah und Nick selbst erschreckend wenig hergeben. Wo keine Figuren sind, muss eben das Drehbuch Lärm machen. So bleibt keine große Liebesgeschichte, die an widrigen Umständen zerbricht. Nur die Bestandsaufnahme zweier Menschen, die nicht zusammen sein sollten, solange sie nicht gelernt haben, miteinander zu reden. Der Film hält das für Schicksal. Tatsächlich ist es bloß eine schlecht funktionierende Beziehung mit zu lauter Musik.

Fazit
Nach dem kurzen Aufwärtstrend fährt „Culpa Tuya – Deine Schuld: London“ wieder rückwärts. Weniger toxisch als Madrid, aber ebenso substanzlos, bleibt nur eine laut inszenierte Beziehung ohne Tiefe, Reife oder echte romantische Wirkung.



































