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Filme | Kritiken
  • Me Before Me | Netflix Film – Kritik: Ein Sohn auf der Suche nach sich selbst

    Me Before Me

    TitelMe Before Me
    Genre Drama, Komödie
    Jahr2026
    FSK12
    RegieGina S. Noer

    Starttermin: 16.07.2026 | Netflix

    Netflix erzählt vom Druck des Erfolgs – und verliert dabei seine Hauptfigur aus den Augen

    Für manche Menschen ist es ein Gefühl, das sie seit ihrer Jugend begleitet. Für andere klingt es vielleicht fremd: der Eindruck, dass aus kleinen Erwartungen irgendwann eine große Last werden kann. Wenn die Frage, was man selbst möchte, langsam von der Frage überlagert wird, was andere von einem erwarten. Besonders die Wünsche der Eltern begleiten einen oft länger, als man denkt. Sie sind in den eigenen Alltag eingewoben, in Erinnerungen, Gespräche und all jene kleinen Gesten, die eigentlich von Liebe erzählen – und sich trotzdem manchmal wie Druck anfühlen können. Während man versucht, den eigenen Weg zu finden, läuft im Hintergrund immer das Gefühl mit, jemanden enttäuschen zu können. Die Angst, nicht genug zu sein. Nicht erfolgreich genug, nicht zielstrebig genug, nicht so, wie man es sich einst für die eigene Zukunft vorgestellt hat. Dabei geht es häufig gar nicht um große Konflikte oder laute Auseinandersetzungen. Manchmal genügt ein Satz beim Abendessen, ein Vergleich mit anderen oder die stille Enttäuschung in einem Blick. Das Erwachsenwerden kann deshalb auch bedeuten, mit diesen Erwartungen zu leben. Mit dem Wunsch, die Menschen stolz zu machen, die einen geprägt haben, und gleichzeitig der leisen Erkenntnis, dass das eigene Leben nicht nach einem fremden Entwurf funktionieren kann. Doch was bleibt von einem jungen Menschen, wenn er unter den Erwartungen seiner Eltern langsam zerbricht? Netflix‘ „Me Before Me“ stellt genau diese Frage.

    Me Before Me Netflix Film 2026
    Me Before Me ©Netflix

    Im Mittelpunkt der indonesischen Netflix Produktion steht der hochbegabte Schüler Jati (Bima Sena), dessen Leben von außen betrachtet kaum besser verlaufen könnte. Er gewinnt einen renommierten Wissenschaftswettbewerb, gilt als Vorzeigeschüler und erfüllt scheinbar jede Erwartung seines Umfelds. Hinter dieser Fassade wächst jedoch ein Druck heran, der sich längst nicht mehr kontrollieren lässt. Als Jati plötzlich von Panikattacken heimgesucht wird, gerät das sorgsam aufgebaute Bild des perfekten Sohnes ins Wanken. Ausgerechnet ein Schulprojekt über die Geschichte seiner eigenen Familie zwingt ihn dazu, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen – und mit seinem Vater Jaya (Ringgo Agus Rahman), dessen hohe Ansprüche tiefer reichen, als es zunächst den Anschein hat. Auf dieser Reise begegnet Jati der gleichaltrigen Asa (Widuri Puteri), die ebenfalls versucht, die verborgenen Kapitel ihrer Familie zu verstehen. Gemeinsam stoßen sie auf Wahrheiten, die ihre Sicht auf Herkunft, Erfolg und das eigene Selbst nachhaltig verändern.

    Filmpodcast Netflix

    Am Ende bleibt nur ein gut gemeinter Versuch

    Vielleicht liegt genau darin eine der schwierigsten Seiten des Erwachsenwerdens: Nicht nur herauszufinden, wer man sein möchte, sondern auch zu akzeptieren, dass dieser Mensch nicht immer mit der Vorstellung übereinstimmt, die andere von einem hatten. Jatis Vater setzt Erfolg mit Glück gleich – sein Sohn mit Druck. Eine Dissonanz, die nicht lange gut gehen kann. Jati bricht unter dieser Last zusammen. Doch „Me Before Me“ weiß mit dieser starken Ausgangslage erstaunlich wenig anzufangen. Anstatt die vielversprechende Prämisse zu nutzen, um das Innenleben seines Protagonisten zu erkunden, sucht der Film nach einer erstaunlich einfachen Antwort. Er flüchtet sich in einen fast märchenhaften Eskapismus, indem er nicht zeigt, wie Jati lernen muss, mit dem Druck und den Erwartungen umzugehen, sondern die Lösung in einem vollständigen Gegenentwurf findet. Die starre Leistungsschule mit ihrem Fokus auf Wettbewerb und Perfektion wird einer freien Bildungseinrichtung gegenübergestellt, in der Kreativität und Selbstentfaltung plötzlich den Ausweg aus allen Problemen darstellen. Aus dem regelorientierten Vater wird zudem ein unangepasster Freigeist als Gegenpol in Gestalt des entfremdeten Bruders. Der Film denkt seine Figuren dabei selten weiter, sondern ersetzt Zwischentöne konsequent durch Gegensätze. Alles wirkt wie das Spiegelbild des Vorherigen, als gäbe es zwischen strikter Disziplin und grenzenloser Freiheit keinen Raum für Nuancen. Diese Schwarz-Weiß-Zeichnung setzt sich auch tonal fort. 

    Me Before Me Netflix Film 2026
    Me Before Me ©Netflix

    Wo das Drama zunächst einen betont überdramatisierten Blick auf Leistungsdruck und psychische Überforderung wirft, schlägt die Inszenierung später unvermittelt in eine bemüht heitere, stellenweise sogar alberne Richtung um. Der Wechsel wirkt nicht befreiend, sondern entfremdend, weil er den emotionalen Kern der Geschichte immer weiter verwässert. Statt die Widersprüche seiner Figuren auszuhalten, entscheidet sich „Me Before Me“ immer wieder für den offensichtlichsten Weg. Die Erzählung bringt dem Publikum dabei auffallend wenig Vertrauen entgegen. Kaum bleibt ein Gefühl einmal unausgesprochen, wird es wenige Minuten später in Dialogen erklärt. Figuren sprechen aus, was ihr Handeln bereits vermittelt hat, ordnen Situationen ein, die längst verständlich waren, und formulieren Emotionen, die eigentlich zwischen den Zeilen hätten wirken dürfen. Dadurch entsteht der Eindruck einer Erzählweise, die jede Unsicherheit vermeiden möchte – auf Kosten der Subtilität. Am schwersten wiegt jedoch, dass sich der Fokus zunehmend verschiebt. Aus der intimen Geschichte eines Kindes, das unter den Erwartungen seines Vaters zusammenbricht, entwickelt sich immer mehr ein breit angelegtes Familiendrama, das Generationenkonflikte und Stammbaum-Enthüllungen miteinander verknüpft. Das mag einzelne Figuren erweitern, nimmt dem Film aber genau das, was ihn anfangs so interessant macht: die persönliche Perspektive Jatis. Seine Überforderung bleibt Behauptung. Der Film zeigt die Symptome, selten aber den Menschen dahinter. So bleibt am Ende eine Tragikomödie, die ihr Thema durchaus ernst nimmt und einen wahren Kern berührt, sich jedoch nie traut, diesem wirklich nahezukommen. Statt den Schmerz seiner Hauptfigur aus ihrem Inneren heraus erfahrbar zu machen, sucht „Me Before Me“ nach Antworten im Außen – und verschenkt damit das Potenzial einer Geschichte, die weit mehr hätte sein können als ein gut gemeintes Plädoyer gegen Leistungsdruck.

    Me Before Me Netflix Film 2026
    Me Before Me ©Netflix

    Fazit

    „Me Before Me“ besitzt eine Ausgangslage, die viel emotionales Potenzial verspricht. Der Konflikt zwischen elterlicher Liebe, Erfolgsdruck und dem Wunsch nach Selbstbestimmung bietet eigentlich genügend Stoff für ein eindringliches Coming-of-Age-Drama. Doch statt sich wirklich in die innere Welt seiner Hauptfigur zu wagen, entscheidet sich der Film für einfache Gegensätze und offensichtliche Antworten. 

    Bewertung: 2 von 5.
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  • Die Odyssee | Film – Kritik: Nolans Meisterwerk oder monumentaler Fehlschlag? 

    Die Odyssee

    TitelDie Odyssee
    Genre Historie, Action
    Jahr2026
    FSK12
    RegieChristopher Nolan

    Kinostart: 16.06.2026

    Christopher Nolans größtes Kinoabenteuer führt zurück zum Mythos

    Kaum ein Regisseur wird heute so eng mit dem Kino als Erlebnis verbunden wie Christopher Nolan. Während sich viele Blockbuster zunehmend an der heimischen Leinwand orientieren, setzt der Oscarpreisträger konsequent auf Filme, die für die größte mögliche Projektionsfläche gedacht sind. Mit „Die Odyssee“ wagt sich Nolan nun an eines der einflussreichsten Werke der Weltliteratur – und zugleich an das wohl ambitionierteste Projekt seiner Karriere. Entsprechend groß sind die Erwartungen an eine Verfilmung, die schon lange vor ihrem Kinostart als eines der wichtigsten Filmereignisse des Jahres gehandelt wird. Dass „Die Odyssee“ mehr sein soll als eine weitere Adaption von Homers Epos, zeigt bereits der enorme Produktionsaufwand. Der Film entstand vollständig mit IMAX-Kameras und setzt erneut auf praktische Effekte, reale Drehorte und aufwendig gebaute Kulissen statt einer überwiegend digitalen Inszenierung. Gedreht wurde unter anderem in Griechenland, Italien, Marokko und Schottland. Vor der Kamera versammelt Nolan ein hochkarätiges Ensemble mit Matt Damon („The Rip“) als Odysseus, Tom Holland („The Crowded Room“) als Telemachos, Anne Hathaway („Mothers‘ Instinct“) als Penelope und Zendaya („Das Drama – Noch einmal auf Anfang“) als Athene. Gemeinsam mit Kameramann Hoyte van Hoytema und Komponist Ludwig Göransson verfolgt der Regisseur einmal mehr das Ziel, Bilder und Klang zu schaffen, die ihre volle Wirkung erst im Kinosaal entfalten. Für viele Filmfans ist genau dieser kompromisslose Anspruch ein Grund dafür, warum Nolan immer wieder als einer der wichtigsten Fürsprecher des modernen Kinos gilt.

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    Worum geht es in „Die Odyssee“?

    Im Mittelpunkt steht Odysseus, der nach dem Ende des Trojanischen Krieges endlich nach Ithaka zurückkehren möchte. Was als Heimreise beginnt, entwickelt sich zu einer jahrelangen Irrfahrt voller Gefahren, Versuchungen und Prüfungen. Während seine Familie zu Hause auf seine Rückkehr hofft, muss sich der legendäre König immer neuen Herausforderungen stellen, die ihn körperlich und seelisch an seine Grenzen bringen. Die Geschichte der „Odyssee“ wurde bereits unzählige Male erzählt, doch Christopher Nolan nähert sich dem Stoff aus einer anderen Perspektive. Statt die Mythologie ausschließlich als Fantasy-Spektakel zu inszenieren, rückt er den Menschen hinter der Legende in den Mittelpunkt. Themen wie Heimkehr, Identität, Familie und die Folgen des Krieges sollen ebenso wichtig sein wie monumentale Bilder und spektakuläre Abenteuer. Das Versprechen ist klar: Nolan will seiner Handschrift treu bleiben und großes Blockbusterkino mit einer erzählerischen Tiefe verbinden, für die Filme wie „Inception“, „Interstellar“ oder „Oppenheimer“ bekannt sind. Genau diese angestrebte Mischung macht „Die Odyssee“ schon im Vorfeld zu einem der meistdiskutierten Kinostarts des Jahres und weckt die Hoffnung auf ein Leinwanderlebnis, das weit über klassische Unterhaltung hinausgehen soll.

    Die Odysee Film 2026
    The Furious ©Capelight Pictures

    Doch hält „Die Odyssee“ den enormen Erwartungen tatsächlich stand? Gelingt Christopher Nolan die definitive Verfilmung von Homers berühmtem Epos oder beeindruckt vor allem die technische Umsetzung? Diese Fragen lassen sich erst beantworten, wenn der Film seine Wirkung vollständig entfaltet. Wie sich „Die Odyssee“ im Kino schlägt, welche Stärken und Schwächen der Film besitzt und ob sich der Gang auf die große Leinwand lohnt, besprechen wir ausführlich in unserer Videokritik.

    Amazon Prime Video
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  • Paris Murder Mystery | Film – Kritik: Ein Mordfall für die Seele

    Paris Murder Mystery

    TitelParis Murder Mystery
    Genre Krimi
    Jahr2025
    FSK12
    RegieRebecca Zlotowski

    Heimkinostart: 23.07.2026

    Mord ist ihre Therapie

    Eine regnerische Nachmittag, eine Tasse Tee und ein guter Krimi – was für eine wunderbare Vorstellung. Das Problem dabei? Moderne Krimifilme sind rar geworden. Früher flimmerten Reihen wie „Mord ist ihr Hobby“ oder die zahlreichen Agatha-Christie-Verfilmungen regelmäßig über die Bildschirme. Heute gibt es abseits neuer Christie-Adaptionen oder des „Knives Out“-Franchises kaum noch vergleichbare Filme. Selbst „Glennkill: Ein Schafskrimi“ konnte zwar Kritiker überzeugen, blieb an den Kinokassen jedoch hinter den Erwartungen zurück. Stattdessen dominieren düstere Thriller und Horrorfilme das Genreangebot, wie aktuelle Erfolge à la „Backrooms“ oder „Obsession“ eindrucksvoll zeigen.

    Paris Murder Mystery Film 2025
    Paris Murder Mystery ©Plaion Pictures

    Dabei haben gute Krimis einen ganz eigenen Charme. Sie wirken vertraut und nostalgisch, bieten gleichzeitig Spannung und laden dazu ein, selbst mitzurätseln. Die etablierte Regisseurin Rebecca Zlotowski möchte dieses Genre nun wieder stärker in den Fokus rücken und konnte für „Paris Murder Mystery“ Jodie Foster gewinnen, die erstmals seit rund 20 Jahren wieder in einem französischen Spielfilm zu sehen ist. Sie spielt die Psychiaterin Lilian, deren Patientin Paula (Virginie Efira) sich plötzlich das Leben nimmt. Von Schuldgefühlen getrieben beginnt Lilian, die Umstände des Todes zu hinterfragen, und geht der Frage nach, ob hinter dem vermeintlichen Suizid nicht doch ein Mord steckt.

    Filmpodcast

    Mehr Charakterstudie als Krimi

    Was für ein Glück, dass Jodie Foster die Filmwelt bis heute bereichert. Die 63-Jährige besitzt eine Ausstrahlung und Präsenz, der man sich kaum entziehen kann. In „Paris Murder Mystery“ verleiht sie ihrer Figur Lilian allein durch ihr Spiel eine beeindruckende Tiefe. Entsprechend funktioniert auch das Drehbuch immer dann am besten, wenn es sich auf den inneren Konflikt der Psychiaterin konzentriert: ihren Umgang mit Schuld, Emotionen und alten Traumata. Der titelgebende Mordfall ist dabei letztlich eher Mittel zum Zweck. Er dient dazu, Lilian als fehlerhaften, vielschichtigen Menschen zu zeichnen und sie auf eine Reise zu schicken, auf der sie sich ihren eigenen Beziehungen und ungelösten Konflikten stellen muss. Das ist ein spannender Ansatz, der sich wie ein roter Faden durch den Film zieht, jedoch immer wieder vom eigentlichen Krimiplot ausgebremst wird.

    Paris Murder Mystery Film 2025
    Paris Murder Mystery ©Plaion Pictures

    Denn „Paris Murder Mystery“ will eben gleichzeitig auch ein klassisches Mordrätsel sein. Und genau hier gerät Regisseurin und Drehbuchautorin Rebecca Zlotowski ins Straucheln. Der Film scheint sich nie ganz entscheiden zu können, was er eigentlich sein möchte. Als Krimi fehlt es ihm an echter Spannung, und auch die Auflösung fällt überraschend unspektakulär aus, auch wenn sie im Hinblick auf Lilians Entwicklung durchaus Sinn ergibt. Als Komödie ist er nicht witzig genug, und als Satire mangelt es an Biss. Als wäre das nicht schon genug, bringt Zlotowski später auch noch frühere Leben ins Spiel und lässt den Film endgültig in ein tonales Durcheinander abdriften. Unterhaltsam bleibt „Paris Murder Mystery“ zwar trotzdem, doch er wirkt spürbar überladen. Weniger Genre-Spielereien und mehr Vertrauen in die starke Charakterstudie und Jodie Fosters herausragende Performance hätten dem Film deutlich besser getan.

    Paris Murder Mystery Film 2025
    Paris Murder Mystery ©Plaion Pictures

    Fazit

    „Paris Murder Mystery“ überzeugt vor allem als feinfühlige Charakterstudie und lebt von der großartigen Präsenz Jodie Fosters. Der eigentliche Kriminalfall bleibt dagegen überraschend blass und die Mischung aus Krimi, Komödie und Satire findet nie ganz ihre Balance. Trotzdem ist Rebecca Zlotowski ein sehenswerter Film gelungen, der seine größte Stärke in seiner Hauptfigur findet.

    Bewertung: 3 von 5.
    Paris Murder Mystery Film 2025 Amazon Prime Video
    Paris Murder Mystery Film 2025 Amazon Prime Video
  • Glennkill: Ein Schafskrimi | Amazon Film – Kritik: Mord auf der Weide 

    Glennkill: Ein Schafskrimi

    TitelGlennkill: Ein Schafskrimi
    Genre Krimi, Komödie
    Jahr2026
    FSK6
    RegieKyle Balda

    Starttermin: 08.07.2026 | Prime Video

    Bei Prime Video grasen die Schafe durch einen Mordfall

    Es gab einmal eine Zeit, da war das Kino für Filme noch ein Ereignis, ein Ort, an dem ein Start nicht nur Veröffentlichung bedeutete, sondern Erwartung, Sichtbarkeit, ein bisschen Glanz und manchmal sogar die leise Behauptung, dass dieser Film genau dorthin gehöre: auf die große Leinwand, vor Menschen, die sich für zwei Stunden in einen dunklen Raum setzen, statt ihn nebenbei zwischen Abendessen, Handy und Sofakissen verschwinden zu lassen. Heute wirkt das Kino immer häufiger wie eine höfliche Durchgangsstation. Ein kurzer Auslauf vor der endgültigen Heimkehr ins Abo. Amazon hat dieses Modell inzwischen zur eigenen Veröffentlichungslogik erhoben. Erst darf ein Film noch ein paar Wochen auf der großen Leinwand grasen, Kritiken einsammeln, ein bisschen Prestige erzeugen, vielleicht sogar so tun, als wäre er ein klassischer Kinofilm – und kurz darauf steht er schon bei Prime Video im digitalen Streamingregal. „Crime 101“ folgte zuletzt genau diesem Muster: Starensemble, Kinostart, überschaubares Fenster, schnelle Verwertung im Streaming. „Glennkill: Ein Schafskrimi“ tut es ihm gleich. Und das passt fast zu gut. Ein Film über eine Herde, die aus ihrer gewohnten Ordnung ausbrechen muss, landet selbst in einer Auswertungslogik, die Kino und Streaming längst nicht mehr als Gegensätze behandelt, sondern als zwei Weiden desselben Schäfers.

    Glennkill: Ein Schafskrimi Amazon Prime Video Film 2026
    Glennkill: Ein Schafskrimi ©Prime Video

    Die Prämisse von „Glennkill: Ein Schafskrimi“ klingt zunächst nach jener Sorte Familienfilm, bei der schon der Titel nach weichgespülter Harmlosigkeit riecht: Schafe lösen einen Mordfall. Das kann nach niedlichem Tierquatsch klingen, nach Sonntagnachmittag, nach synchronisierten Wollknäueln mit Gagquote, nach einem Film also, der seine eigene Absurdität so lange anstupst, bis auch wirklich jeder verstanden hat, dass Tiere hier Dinge tun, die Tiere normalerweise nicht tun. Lustig, weil Schafe. Fertig. Doch ganz so einfach ist es nicht. Hinter dieser albern wirkenden Ausgangslage steckt eine erstaunlich dankbare Krimimechanik, weil der Mordfall eben nicht aus der Perspektive zynischer Ermittler betrachtet wird, nicht aus dem üblichen Blick eines kaputten Kommissars, der wieder einmal mehr über seine eigene Vergangenheit als über das Opfer herausfinden soll, sondern aus der Sicht von Wesen, die die Menschenwelt nie wirklich verstanden haben. Die Schafe kennen die Regeln des Genres, weil ihr Schäfer ihnen jeden Abend Krimis vorgelesen hat. Sie kennen Verdächtige, Spuren, Motive und falsche Fährten. Nur die Menschen selbst bleiben ihnen ein Rätsel.

    Filmpodcast Netflix

    Amazon zeigt einen Krimi im Schafspelz

    Schäfer George Hardy (Hugh Jackman) führt ein friedliches Leben mit seiner Herde, liest ihr abends Kriminalgeschichten vor und hält das vermutlich für eine liebevolle Marotte, vielleicht auch nur für einen dieser seltsamen kleinen Rituale, mit denen einsame Menschen ihre Welt zusammenhalten, ohne sich eingestehen zu müssen, wie einsam sie eigentlich ist. Dass seine Schafe jedes Wort verstehen, ahnt er nicht. Dann liegt George plötzlich tot auf der Weide. Die Idylle ist vorbei. Für die Herde ist sofort klar, dass hier kein gewöhnlicher Unfall passiert ist, sondern ein Fall, und weil der örtliche Polizist Tim Derry (Nicholas Braun) mit der Situation eher überfordert als erhellend wirkt, bleibt den Schafen kaum etwas anderes übrig, als selbst zu tun, was ihnen George jahrelang beigebracht hat: hinsehen, kombinieren, misstrauen. Zum ersten Mal verlassen sie ihre vertraute Umzäunung, folgen Spuren, beobachten Menschen und begreifen Stück für Stück, dass die Welt außerhalb ihrer Weide deutlich komplizierter ist als in den Kriminalromanen, die ihnen vorgelesen wurden. Zwischen Dorfgeheimnissen, menschlicher Gier und tierischer Naivität wird aus der putzigen Idee ein Whodunit, in dem die eigentliche Frage nicht nur lautet, wer George getötet hat, sondern was diese Herde über die Menschen lernen muss, um seinen Tod überhaupt begreifen zu können.

    Glennkill: Ein Schafskrimi Amazon Prime Video Film 2026
    Glennkill: Ein Schafskrimi ©Prime Video

    Wer bei „Glennkill: Ein Schafskrimi“ allerdings ein Gag-Feuerwerk erwartet, bei dem jede Szene auf den nächsten tierischen Kalauer zuläuft, dürfte schnell merken, dass der Film daran nur bedingt interessiert ist. Sein Humor entsteht weniger aus Pointendruck als aus Haltung, aus kleinen Beobachtungen, aus dem liebevollen Blick auf eine Herde, deren einzelne Mitglieder nicht bloß als flauschige Stichwortgeber angelegt sind, sondern als erstaunlich klar gezeichnete Schafcharaktere mit eigenen Eigenheiten, Ängsten und Formen von Klugheit. Natürlich ist das alles seichte Unterhaltung. Niemand sollte hier einen besonders raffiniert konstruierten Kriminalfall erwarten, der Agatha Christie nervös an der Teetasse rütteln lässt. Die Whodunit-Geschichte erfüllt ihren Zweck, setzt Spuren, verteilt Verdächtige, hält die Bewegung am Laufen und bleibt dabei vor allem das Gerüst, an dem sich die eigentliche Stärke des Films entlanghangelt: seine Wärme. Denn so harmlos der Amazon Film auf den ersten Blick wirkt, so schön ist sein Blick auf Tierliebe, Verlust und die Frage, was von einem Leben bleibt, wenn diejenigen zurückbleiben, die es vielleicht nie ganz verstanden haben, aber trotzdem gespürt haben, dass sie geliebt wurden. Das ist nicht groß. Aber ehrlich süß.

    Glennkill: Ein Schafskrimi Amazon Prime Video Film 2026
    Glennkill: Ein Schafskrimi ©Prime Video

    Fazit

    „Glennkill: Ein Schafskrimi“ ist kein besonders scharfsinniger Krimi, aber ein erstaunlich liebenswerter. Zwischen Wolle, Weide und Todesfall findet der Film eine sanfte Wärme, die seine Harmlosigkeit nicht versteckt, sondern fast trotzig umarmt. Flauschig, seicht, herzlich – und damit genau richtig.

    Bewertung: 3 von 5.
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  • Bis zum Ende | Netflix Film – Kritik: Wie weit geht eine Mutter für ihr Kind?

    Bis zum Ende

    TitelBis zum Ende
    Genre Drama, Thriller
    Jahr2026
    FSK12
    RegieNawell Madani, Ludovic Colbeau-Justin

    Starttermin: 08.07.2026 | Netflix

    Netflix fragt, wie weit Mutterliebe gehen darf

    Wie weit geht eine Mutter, wenn das Leben ihres Kindes auf dem Spiel steht? Es ist eine dieser Fragen, die in ihrer Schlichtheit fast unverschämt wirken, weil jede vernünftige Antwort sofort an ihre Grenzen stößt. Natürlich: weit. Sehr weit. Bis dahin, wo Moral plötzlich weich wird, Regeln wie Luxus erscheinen und das Gesetz nicht mehr wie Ordnung klingt, sondern wie ein Hindernis. Das Kino kennt solche Ausnahmesituationen. In „John Q.“ war es Denzel Washington, der als verzweifelter Vater ein Krankenhaus besetzte, weil das Leben seines Sohnes an Versicherungsklauseln, Kostenfragen und institutioneller Kälte zu scheitern drohte. Ein Film, der seine moralische Zuspitzung grob, aber wirkungsvoll ausspielte: Was ist ein Menschenleben wert, wenn es erst durch ein System bezahlbar gemacht werden muss? Tyler Perrys „Straw“ nahm sich zuletzt ein ähnliches Eskalationsmuster vor, scheiterte aber daran, Wut mit Wucht zu verwechseln und gesellschaftliche Überforderung in plakativen Alarmismus zu verwandeln. „Bis zum Ende“ schlägt nun in eine verwandte Kerbe. Wieder steht ein Elternteil im Zentrum, wieder geht es um ein krankes Kind, wieder wird aus Hilflosigkeit Druck, aus Druck Verzweiflung und aus Verzweiflung irgendwann eine Grenzüberschreitung. Doch findet der Netflix Film dafür wirklich eine menschliche Form – oder nur den nächsten moralischen Ausnahmezustand im Streaming-Gewand?

    Bis zum Ende Netflix Film 2026
    Bis zum Ende ©Netflix

    Was zunächst wie ein vertrautes Mutterdrama klingt, wird in „Bis zum Ende“ schnell zu einer Geschichte darüber, wie dünn die Wand zwischen Verzweiflung und Verbrechen wirklich ist. Jada (Nawell Madani) und ihr Mann Paul (Guillaume Gouix) haben lange versucht, ein Kind zu bekommen. Als es endlich klappt, scheint das Leben ihnen doch noch etwas geschenkt zu haben, das vorher immer knapp außerhalb ihrer Reichweite lag. Doch wenige Jahre später will das Schicksal genau dieses Geschenk wieder zurückfordern. Ihr Sohn (Paul Fouré) erkrankt an Leukämie und braucht dringend eine passende Spende. Während die Zeit gegen die Familie arbeitet und jede medizinische Möglichkeit zur nächsten Sackgasse wird, klammert sich Jada an alles, was noch nach Chance aussieht. Was als verzweifelte Suche nach Rettung beginnt, entwickelt sich zu einem Kampf, in dem eine Mutter nicht mehr nur gegen eine Krankheit antritt, sondern gegen Ohnmacht, Zufall und irgendwann auch gegen die Grenzen dessen, was erlaubt ist. Hoffnung, Schuld und Gesetz lassen sich dabei immer schwerer sauber voneinander trennen. 

    Filmpodcast Netflix

    „Bis zum Ende“ macht Mutterliebe zur Thriller-Prämisse 

    Subtilität aus, Film an. Bevor „Bis zum Ende“ überhaupt dazu kommt, seine eigentliche moralische Versuchsanordnung aufzubauen, muss der Netflix Film erst einmal alles abräumen, was nach Vorgeschichte, Schicksal und Charakterzeichnung aussieht. Jada ist Boxtrainerin, also natürlich eine Kämpferin. Eine Frau, die nicht aufgibt, die einsteckt, austeilt, weitermacht. Eine Löwin, wie es solche Filme gern behaupten, wenn sie keine Lust haben, eine Figur wirklich zu ergründen. Nach vergeblichen Schwangerschaftsversuchen folgt die Embryonenspende, das Schicksal wird ausgetrickst, zumindest vorerst, Noah kommt zur Welt, ein paar Jahre vergehen, die Beziehung zu Paul ist inzwischen zerbrochen, die Trennung wird beiläufig im Nebensatz entsorgt, und dann schlägt das Leben wieder zu. Leukämie. Diagnose. Ausnahmezustand. Kurz davor darf Noah noch einen Boxkampf gegen einen Gegner gewinnen, der natürlich größer, schwerer und eigentlich überlegen ist. Auch er ist also ein Kämpfer. Egal, wie schlecht die Chancen stehen. Eine Metapher, so dick aufgetragen, dass sie nicht mehr getroffen werden muss, weil sie längst mit beiden Fäusten ins Gesicht schlägt. „Bis zum Ende“ lässt kaum ein Klischee aus, sondern arbeitet sie ab, als läge dem Drehbuch eine Checkliste vor: unerfüllter Kinderwunsch, spätes Glück, Krankheit, getrennte Eltern, Kampfgeist, Mutterinstinkt, Zeitdruck. Nur entsteht daraus kein Emotion. Keine Figur wird wirklich geöffnet, keine Situation erhält Raum, keine Verzweiflung darf sich entwickeln, weil der Film sie schon fertig beschriftet hat, bevor sie überhaupt spürbar werden kann.

    Bis zum Ende Netflix Film 2026
    Bis zum Ende ©Netflix

    Also wird geweint, gestritten, gekämpft – und doch bleibt nichts haften. „Bis zum Ende“ weiß genau, welche Knöpfe ein Krebsdrama drücken müsste, findet aber keinen Zugang zu ihnen. Der Schmerz bleibt Behauptung, die Angst bleibt Funktion, die Wut bleibt Motor für den nächsten Schritt in Richtung Thriller, der dem Drama schließlich wie eine zweite Haut übergezogen wird. Denn ohne Knochenmarktransplantation wird Noah nicht überleben. Die Warteliste ist lang, die Regeln sind streng, die Zeit läuft davon. Für Jada ist das nicht länger ein System, das alle schützen soll, sondern nur noch ein Hindernis zwischen ihr und der möglichen Rettung ihres Sohnes. Dass andere Familien ebenfalls warten, ebenfalls hoffen, ebenfalls an denselben Grenzen scheitern könnten, interessiert weder Jada noch den Film, der sich ganz auf Jadas Tunnelblick verengt. Als sich dann auch noch die anonymen Spender des Embryos gegen eine Knochenmarkprüfung aussprechen, kippt die Verzweiflung endgültig in Eskalation. Jada rennt durch die Stadt, übertritt Absperrungen, fordert Kontakt zu Menschen, deren Anonymität geschützt ist, und prallt immer wieder an Datenschutz, Regeln und Zuständigkeiten ab. Das könnte funktionieren, wenn die Geschichte einen emotional wirklich an ihre Seite gezwungen hätte. Wenn ihre Grenzüberschreitung nachvollziehbar und schmerzhaft ambivalent wäre. So aber bleibt vor allem eine verzweifelte, in erster Linie jedoch nervige Mutter, die ihren Ego-Trip als moralische Notwendigkeit behandelt. Am Ende liegen die Parallelen zu „Straw“ näher, als einem lieb sein kann: zum Glück ohne die polemische Sozialkritik, die dort im Kern nur dumm war, aber ähnlich naiv, grob und seelenlos.

    Bis zum Ende Netflix Film 2026
    Bis zum Ende ©Netflix

    Fazit

    „Bis zum Ende“ will Mutterliebe als moralischen Ausnahmezustand verkaufen, hat dafür aber weder emotionale Tiefe noch Ambivalenz im Gepäck. Übrig bleibt ein grobes, klischeeverliebtes Krebsdrama mit angeklebtem Thriller-Motor, das laut verzweifelt tut und dabei erschreckend wenig fühlen lässt.

    Bewertung: 1 von 5.
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  • Normal | Film – Kritik: Der normale Wahnsinn trägt Winterjacke

    Normal

    TitelNormal
    Genre Action, Thriller
    Jahr2026
    FSK18
    RegieBen Wheatley

    Heimkinostart: 31.07.2026

    Ein Actionfilm, der seinen Titel Lügen straft

    Normal klingt nach beige. Nach Mittelfeld, Mehrheitsentscheidung, Alltagsverwaltung. Nach Menschen, die in der Schlange nicht vordrängeln, aber auch nie etwas sagen würden, wenn es jemand anderes tut. Normal ist kein Versprechen, sondern ein Achselzucken. Für einen Actionfilm also denkbar schlechtes Ausgangsmaterial, denn normale Actionfilme gibt es inzwischen nicht nur wie Sand am Meer, sondern wie Patronenhülsen nach einem John-Wick-Finale. Männer mit Vergangenheit. Kleinstädte mit Geheimnissen. Eine Bank, ein Überfall, ein Held wider Willen. Alles schon gesehen. Mehrfach. In Zeitlupe. Mit schlechterem Schnitt. Dass „Normal“ ausgerechnet aus dieser Wiedererkennungskiste einen der unterhaltsameren Genrebeiträge des Jahres baut, ist deshalb fast schon eine kleine Frechheit. Nichts an den Einzelteilen ist neu. Ihre Zusammensetzung aber hat einen sehr eigenen Knall.

    Normal Film 2026
    Normal ©LEONINE

    Ulysses Richardson (Bob Odenkirk) kommt als vorübergehender Sheriff in das verschneite Städtchen Normal, Minnesota. Der bisherige Gesetzeshüter ist tot, der Ort wirkt schläfrig, die Menschen freundlich bis leicht sonderbar, und alles sieht erst einmal so aus, als müsste hier höchstens ein entlaufener Hund eingefangen oder ein Streit im Tante-Emma-Laden geschlichtet werden. Dann wird eine Bank überfallen. Ulysses greift ein, tut, was ein Sheriff eben tut, und merkt dabei ziemlich schnell, dass in Normal ungefähr nichts normal ist. Hinter der gepflegten Kleinstadtfassade liegt ein Geheimnis, das nicht nur ein paar Bewohner betrifft, sondern den ganzen Ort in eine Art Verschwörungsschneekugel verwandelt. Einmal kräftig geschüttelt, und plötzlich fliegen nicht mehr nur Flocken.

    Filmpodcast

    Fargo-Schnee, Wick-Bodycount und Wheatley-Wahnsinn

    Wer „John Wick“ kennt, wer irgendeinen x-beliebigen Liam-Neeson-Spätphasenprügler kennt, wer „Fargo“ kennt, kennt auch „Normal“. Nur eben nicht in diesem Zusammenschluss. Wenn Wick sich durch Menschenmengen schießt, dann in einem abstrakten Unterweltuniversum aus Goldmünzen, Neonlicht und Killeretikette. Hier aber stehen einheimische Ladenbesitzer, unfähige Deputys, grantige Nebenfiguren und alte Damen mit erstaunlich belastbarem Nervenkostüm im Weg. Wenn Liam Neeson im Rentenalter zuschlägt, dann meist mit der trockenen Effizienz eines Mannes, der nur noch schnell seine Tochter, seinen Sohn, seine Würde oder irgendeinen anderen dramaturgischen Wertgegenstand retten möchte. Bob Odenkirk dagegen greift zur Bazooka im Eins-gegen-eins – und aus dem Gegner wird plötzlich nur noch ein sehr roter Vorschlag von Mensch. Und wenn in „Fargo“ im Schnee Verbrechen geplant und Dialoge getauscht werden, dann zynisch, gemein, oft leise. „Normal“ nimmt diese frostige Kleinstadtkomik und jagt ihr ein brachiales Actionfeuerwerk unter den Hintern. Das funktioniert, weil der Film seinen Ton erstaunlich genau trifft. Die Dialoge haben diesen trockenen, leicht vergifteten Humor, bei dem nicht jede Pointe mit dem Ellenbogen in die Rippen stößt. Ben Wheatley inszeniert das nicht als ehrfürchtige Genreverbeugung, sondern als Blut-und-Schnee-Groteske mit erstaunlich viel Rhythmus. Der Schnitt sitzt. Die Eskalation hat Druck. Und wenn die Gewalt kommt, dann kommt sie nicht halbherzig, sondern ultrabrutal, cartoonhaft, absurd komisch – nur leider manchmal auch ziemlich dunkel. Etwas mehr Wintersonne hätte dem Gemetzel gutgetan.

    Normal Film 2026
    Normal ©LEONINE

    Gerade diese Überzeichnung bewahrt „Normal“ davor, nur ein weiterer Odenkirk-prügelt-wieder-Film zu sein. Natürlich spielt der Film mit der „Nobody“-Persona, mit diesem immer noch leicht unwahrscheinlichen Bild eines Mannes, der aussieht, als könne er einem die Steuererklärung erklären und anschließend mit demselben Kugelschreiber einen Gangster kampfunfähig machen. Aber Odenkirk trägt diese Rolle nicht als Machofantasie. Er hat Müdigkeit im Gesicht. Zwischen all den Kugeln, Gedärmen und Kleinstadtfratzen bleibt Ulysses ein Mensch, der eigentlich längst woanders sein müsste, aber nun einmal hier steht, mitten im winterlichen Blutbad. Das macht „Normal“ zu einem Film, der sein bekanntes Actiongerüst nicht neu erfindet, aber erfreulich schräg zusammensetzt. Er schraubt Fargo-Schnee, Westernmoral, Wick-Bodycount und schwarzen Humor daran und jagt das Ding dann mit quietschenden Bremsen durch die finstere Winternacht. Am Ende liegt der Schnee nicht mehr rein da, sondern voller Blut, Gehirn, Gedärm und schlechter Entscheidungen. Umso lieber hätte man manchmal das Licht etwas länger angelassen, damit dieses hübsch hässliche Gemetzel auch seinen vollen Kontrasteffekt entfalten kann. Die FSK hätte diesem Treiben vermutlich schon aus Selbstschutz kaum weniger gegeben. Normal ist daran fast nichts. Zum Glück. 

    Normal Film 2026
    Normal ©LEONINE

    Fazit

    „Normal“ nimmt bekannte Actionbausteine und baut daraus eine herrlich dreckige, trockene, brutale Kleinstadtgroteske. Nicht tief, nicht makellos, aber verdammt unterhaltsam. 

    Bewertung: 3.5 von 5.
    Amazon Prime Video
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  • Peacemaker: Kritik –  Das DCEU macht wieder Spaß

    Peacemaker: Kritik –  Das DCEU macht wieder Spaß

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