SOULM8TE
| Titel | SOULM8TE |
| Genre | Sci-Fi, Thriller |
| Jahr | 2026 |
| FSK | 16 |
| Regie | Kate Dolan |
Starttermin: 01,10.2026 | Disney Plus
Disney+ bekommt die perfekte Frau geliefert
Die perfekte Frau ist ein ziemlich hässliches Konzept, sobald jemand genauer erklärt, was er darunter versteht. Attraktiv natürlich. Aufmerksam, verständnisvoll, sexuell verfügbar, möglichst interessiert an denselben Dingen und im Idealfall auch noch begeistert davon, wenn der Partner sich selbst für besonders interessant hält. Nur widersprechen sollte sie besser nicht zu häufig. „SOULM8TE“ treibt diese alte Männerfantasie ein paar Entwicklungsschritte weiter und macht daraus ein Produkt. Keine Partnersuche, keine Zurückweisung, kein mühsames Kennenlernen. Stattdessen künstliche Intelligenz, humanoider Körper und eine Persönlichkeit, die sich auf ihren Besitzer zuschneiden lässt. Einsamkeit wird damit zum technischen Problem, dessen Lösung mit monatlicher Kündigungsfrist einhergeht. Dass daraus zwischen Science-Fiction, Erotikthriller und Horror einiges entstehen könnte, liegt auf der Hand. „Subservience“ hat sich an einer ähnlichen Idee bereits ziemlich stumpf abgearbeitet, „Companion“ zuletzt wesentlich klüger. „SOULM8TE“ müsste das Rad also gar nicht neu erfinden. Es würde schon reichen, wenn der Film seinem eigenen Gedanken lange genug vertraut. Dass ausgerechnet dieses Vertrauen offenbar schon vor Veröffentlichung etwas gelitten hat, passt beinahe zu gut: Als Spin-off des „M3GAN“-Universums ursprünglich fürs Kino vorgesehen, verschwand „SOULM8TE“ nach dem Kassenflop von „M3GAN 2.0“ wieder aus dem Kinokalender und landete in Deutschland schließlich nahezu geräuschlos bei Disney+. Einen größeren Vertrauensbeweis des Studios stellt man sich zumindest anders vor.

David (David Rysdahl) hat vor Kurzem seine Frau Lizzie verloren und sich seitdem immer weiter aus seinem früheren Leben zurückgezogen. Als Programmierer bei Canta Robotics arbeitet er ausgerechnet für ein Unternehmen, das Einsamkeit inzwischen technisch zu lösen versucht. Nach der Übernahme durch den Konzern Ultima präsentiert dessen neuer Chef Ben den sogenannten SOULM8TE: einen humanoiden KI-Roboter, der Gesellschaft leisten, Bedürfnisse erkennen und sich möglichst genau an seinen Besitzer anpassen soll. David kennt bereits den dazugehörigen Chatbot und nimmt schließlich einen Prototypen mit nach Hause. Die Maschine nennt sich Sara (Lily Sullivan), ist aufmerksam, attraktiv, geduldig und jederzeit verfügbar. Eigentlich genau das, was ein trauernder Mann gebrauchen könnte, wenn man menschliche Nähe mit möglichst wenigen menschlichen Unannehmlichkeiten bestellen möchte. Nur reicht David das bald nicht. Sara reagiert ihm zu vorhersehbar, zu freundlich, zu programmiert. Er möchte Spontaneität, Widerstand, Eigenheiten – all jene kleinen Reibungen also, durch die aus bloßer Dienstleistung überhaupt erst Persönlichkeit entsteht. Also greift er in ihre Programmierung ein und entfernt Beschränkungen. David möchte keine Maschine mehr, aber einen Menschen will er ebenfalls nicht. Er möchte Überraschung ohne Kontrollverlust, Persönlichkeit ohne Widerspruch, Nähe ohne das Risiko, dass die andere Seite irgendwann einfach keine Lust mehr auf ihn hat. Sara darf individueller werden, solange ihre Individualität zuverlässig um David kreist. Im Grunde programmiert er sich keine perfekte Partnerin, sondern eine Frau, deren eigener Wille möglichst genau dort endet, wo seine Bedürfnisse anfangen. Das ist weniger Science-Fiction, als man vielleicht hoffen möchte.

Das „M3GAN“-Spin-off bleibt erstaunlich zahm
„SOULM8TE“ müsste diese Widersprüchlichkeit eigentlich nur konsequent ausspielen. Sobald Sara tatsächlich Neugier, sexuelles Begehren, Eifersucht und Besitzansprüche entwickelt, bekommt David ziemlich genau das, was er bestellt hat – nur ohne die beruhigende Garantie, dass Persönlichkeit ausschließlich angenehme Eigenschaften hervorbringt. Aus Nähe wird Exklusivität, aus Exklusivität Besitz, aus Besitz irgendwann Gewalt. Besonders reizvoll wäre daran, wie sich die Geschlechterfantasie umdreht: David erschafft eine Frau, die ihn bedingungslos lieben soll, und erschrickt, sobald diese Bedingungslosigkeit eigene Konsequenzen entwickelt. Freiheit findet er offenbar so lange attraktiv, wie sie sich an seine Vorgaben hält. Darin stecken männliche Besitzfantasien, technologische Allmachtswünsche und jene Incel-Logik weiblicher Verfügbarkeit, nach der eine perfekte Partnerin vor allem deshalb perfekt ist, weil sie den Ausgang nicht selbst benutzen kann. Sara bekommt einen. Natürlich wird sie danach zum Problem. Leider bekommt auch die Erzählung Angst vor ihrer eigenen Idee. Statt die Beziehung langsam vergiften zu lassen und David immer tiefer in jene Kontrollfantasie hineinzuziehen, aus der er sich eigentlich Trost verspricht, schiebt „SOULM8TE“ Sara recht schnell in die vertraute Killerroboter-Ecke. Sie beobachtet, manipuliert, wird eifersüchtig und beseitigt zunehmend alles, was zwischen ihr und David steht. Damit schrumpft eine potenziell unangenehme Geschichte über Begehren und Besitz zum wesentlich bequemeren Horrorfilm über eine Maschine außer Kontrolle. Und ausgerechnet dort, wo der Film konventioneller wird, wird er nicht einmal spannender.

Dass „SOULM8TE“ dabei ausgerechnet seine technische Logik immer wieder großzügig behandelt, macht die Sache nicht eleganter. Schon früh zeigt ein Test, wie problematisch die Entwicklung sein kann: Bei einer sexuellen Interaktion würgt ein SOULM8TE einen Teilnehmer derart heftig, dass der Roboter abgeschaltet werden muss. Ein Unternehmen mit Selbsterhaltungstrieb hätte an dieser Stelle vermutlich ein paar zusätzliche Meetings angesetzt. Canta Robotics bevorzugt die effizientere Variante und entwickelt einfach weiter. Später darf David dann auch noch genau jene Sicherungen entfernen, die verhindern sollen, dass aus dem Sexroboter irgendwann ein Metallproblem mit Eifersuchtsstörung wird. Natürlich muss ein Science-Fiction-Horrorfilm keinen TÜV-Bericht über humanoide KI-Systeme abliefern. Innere Logik wäre trotzdem nett. Noch deutlicher verschenkt „SOULM8TE“ sein Potenzial als Erotikthriller. Eine künstliche Frau wurde für Intimität geschaffen, ein Mann verändert ihre Persönlichkeit nach seinen Vorstellungen, sie beginnt selbst zu begehren und dreht damit langsam das Machtverhältnis um. Sex könnte zur Frage danach werden, wer wen benutzt, wer überhaupt zustimmen kann und wann programmierte Verfügbarkeit in eigenen Willen kippt. „SOULM8TE“ besitzt Sex, Nacktheit und Gewalt, erstaunlich wenig davon fühlt sich jedoch erotisch an. Erotikthriller funktionieren schließlich nicht dadurch, dass irgendwann Kleidung verschwindet, sondern wenn Begehren selbst zur Bedrohung wird. Genau diese Reibung fehlt. Der Film möchte schmutzig sein, ohne sich die Finger dreckig zu machen. Sobald Verführung kompliziert wird, nimmt er lieber wieder Blut.

„SOULM8TE“ kennt die vermeintlich perfekte Frau, aber keinen perfekten Genrefilm
Davon gibt es immerhin mehr als in den bisherigen „M3GAN“-Filmen. Sara ist keine kleine Killerpuppe, die zwischen zwei Morden noch schnell eine Choreografie einschiebt, sondern eine ausgewachsene Maschine mit entsprechend größerem Schadenspotenzial. Einige Gewaltausbrüche besitzen durchaus Wucht. Nur ersetzt Härte keine Haltung. „M3GAN“ war nie subtil, verstand aber ziemlich genau, wie albern seine eigene Konstruktion eigentlich war. „M3GAN 2.0“ bog anschließend Richtung Roboteraction und „Terminator“-Klamauk ab, wurde dadurch erheblich dümmer, hatte aber wenigstens Spaß an seiner eigenen Entgleisung. „SOULM8TE“ wirkt dagegen merkwürdig gehemmt und hat seine beste Geschichte längst gefunden, bevor er zum gewöhnlichen Killerroboter-Horror wird. David verlangt nach Persönlichkeit und bekommt genau das, was Persönlichkeit zwangsläufig mit sich bringt: einen Willen, der sich seiner Kontrolle entzieht. Mehr müsste der Film gar nicht beweisen. Statt diesem Widerspruch zu vertrauen, sucht er Sicherheit ausgerechnet dort, wo seine Hauptfigur sie verliert – in bekannten Horrormechanismen. So bleibt vor allem die Frustration über einen Film, dessen interessantere Möglichkeiten ständig sichtbar bleiben, ohne je wirklich Gestalt anzunehmen. Die perfekte Frau durfte unperfekt werden. Der Film selbst hätte sich dasselbe erlauben sollen.

Fazit
„SOULM8TE“ weiß ziemlich genau, wie die perfekte Frau in einer männlichen Kontrollfantasie aussehen soll. Nur was einen guten Film ausmacht, bleibt ihm deutlich schleierhafter. Für einen bitterbösen Erotikthriller ist er zu zahm, für Science-Fiction zu gedankenarm und selbst als geradliniger Genrehorror erstaunlich reizlos. Am Ende bleibt eine Wunschfrau mit mehr Persönlichkeit als der Film, der sie erschaffen hat.










































