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Filme | Kritiken
  • Lee Cronin’s The Mummy | Film – Kritik: Body Horror statt Abenteuer 

    Lee Cronin’s The Mummy 

    TitelLee Cronin’s The Mummy
    Genre Horror
    Jahr2026
    FSK16
    RegieLee Cronin

    Heimkinostart: 16.07.2026 

    Mehr als eine Mumie: Der Horror von „Lee Cronin’s The Mummy“

    Es gibt Horrorfilme, die Angst machen. Und es gibt Horrorfilme, die einen daran erinnern, dass man einen Körper besitzt. „Lee Cronin’s The Mummy“ gehört zur zweiten Sorte. Schon nach kurzer Zeit entsteht dieses unangenehme Gefühl, das man von den besten Body-Horror-Filmen kennt. Die Schultern verspannen sich. Die Finger krallen sich unbewusst in die Armlehne. Man verzieht das Gesicht, obwohl eigentlich noch gar nichts passiert ist. Als würde der Film den eigenen Körper langsam darauf vorbereiten, dass er gleich Dinge sehen wird, die er lieber nicht sehen möchte. Lee Cronin macht früh klar, dass seine Mumie nichts mit den charmanten Abenteuerfilmen zu tun hat, mit denen viele Zuschauer aufgewachsen sind. Hier gibt es keine romantisierte Mythologie, keine lockeren Sprüche, keine Schatzsuche. Und ganz sicher kein in Lumpen gewickeltes Schwarz-Weiß-Gespenst aus der alten Monsterfilm-Vitrine. Das hier fühlt sich eher an wie die Begegnung mit etwas, das niemals hätte ausgegraben werden dürfen. Etwas, das die natürliche Ordnung von Fleisch und Knochen nicht akzeptiert. Gleichzeitig ist „Lee Cronin’s The Mummy“ im Kern ein Familiendrama, und gerade das funktioniert überraschend gut. Unter dem Ekel liegt eine Geschichte über Nähe, Schuld und Bindungen, die nicht einfach zerreißen, nur weil der Horror sie längst infiziert hat. Cronin findet darin einen emotionalen Anker, der den Schmerz der Figuren spürbar macht.

    Lee Cronin’s The Mummy Film 2026
    Lee Cronin’s The Mummy ©Plaion Pictures

    Schon „Evil Dead Rise“ zeigte, wie präzise Cronin körperlichen Horror inszenieren kann. Doch „Lee Cronin’s The Mummy“ treibt diese Qualität noch weiter. Die Geschichte interessiert sich weniger für sein Monster als für die Auswirkungen seiner Existenz. Für die Spuren, die es hinterlässt. Für die Veränderungen, die es auslöst. Der eigentliche Horror liegt nicht darin, dass Menschen sterben könnten. Sondern darin, was vorher mit ihnen geschieht. Cronin besitzt ein bemerkenswertes Gespür für Bilder, die nicht bloß schockieren, sondern instinktiven Widerwillen auslösen. Haut wirkt plötzlich zu eng für das, was sich darunter befindet. Bewegungen erscheinen minimal falsch. Gesichter verlieren etwas Vertrautes. Immer wieder entsteht der Eindruck, dass Körper nicht verletzt werden, sondern langsam ihre Menschlichkeit verlieren. Der Film findet dabei Bilder, die sich festsetzen wie Splitter unter der Haut. Nicht die großen Schockmomente. Nicht das Blut. Sondern die grausame Konsequenz, mit der die Kamera genau dort verweilt, wo es weh tut. Nicht aus Sensationslust, sondern weil Cronin versteht, dass Ekel oft dann entsteht, wenn man keine Möglichkeit bekommt auszuweichen. Man muss hinschauen. Und genau das macht „Lee Cronin’s The Mummy“ so unangenehm effektiv.

    Filmpodcast

    Am Ende bleibt der Ekel

    Atmosphäre entsteht hier nicht durch Dunkelheit allein. Sie entsteht durch das Gefühl, dass mit dieser Welt etwas grundsätzlich nicht stimmt. Dass jeder Raum kontaminiert wirkt. Dass die Luft selbst belastet ist. Der Film entwickelt eine Schwere, die sich immer weiter ausbreitet. Wie eine Infektion. Je länger er dauert, desto stärker entsteht das Gefühl, dass niemand diesem Albtraum wirklich entkommen kann – nicht einmal die Zuschauerschaft selbst. Visuell ist das stellenweise wirklich beeindruckend. Cronin inszeniert mit einer Sicherheit, die modernen Studio-Horrorfilmen oft fehlt. Seine Kamera beobachtet Räume nicht einfach, sie tastet sie ab. Umso deutlicher fällt auf, wie unglaubwürdig das erzählerische Gerüst oft wirkt. Situationen scheinen konstruiert, Figuren handeln irrational, Eskalationen verpuffen, ohne echte Folgen zu hinterlassen. Doch am Schmerz der Figuren ändert das wenig. Wenn Körper leiden, wenn Angst in Gesichtern steht, bleibt der Film trotzdem unmittelbar.

    Lee Cronin’s The Mummy Film 2026
    Lee Cronin’s The Mummy ©Plaion Pictures

    „Lee Cronin’s The Mummy“ ist einer dieser wenigen Filme, deren narrative Schwächen der starken Inszenierung kaum etwas anhaben können. Denn wenn Cronins Albtraum nachhallt, dann nicht wegen einzelner Handlungspunkte. Man erinnert sich später kaum an bestimmte Dialoge oder Wendungen. Man erinnert sich an ein Gefühl. An den Moment, in dem sich die eigene Haut plötzlich zu eng anfühlte. Als hätte der Film etwas hinterlassen. Nicht auf dem Bildschirm, sondern irgendwo unter den eigenen Rippen. „Lee Cronin’s The Mummy“ ist kein perfekter Horrorfilm, schon alleine wegen des lückenhaften Skripts. Aber er ist ein bemerkenswert konsequenter Albtraum, der nicht einfach erschrecken will. Er will Unbehagen erzeugen. Ekel. Körperlichen Widerstand. Und genau deshalb funktioniert er so gut. Man verlässt das Kino – oder die heimische Couch – nicht mit Angst. Man verlässt es mit dem Bedürfnis, sich die Hände zu waschen.

    Lee Cronin’s The Mummy Film 2026
    Lee Cronin’s The Mummy ©Plaion Pictures

    Fazit

    Manche Horrorfilme erschrecken für einen Moment. „Lee Cronin’s The Mummy“ hinterlässt etwas Hartnäckigeres. Ein Gefühl, das nicht verschwindet, sobald der Abspann läuft. Sondern eines, das noch eine Weile unter der Oberfläche weiterarbeitet. 

    Bewertung: 3.5 von 5.
    Amazon Prime Video
  • One More Shot | Film – Kritik: Der Tequila ist ’ne Zeitmaschine

    One More Shot – Der Tequila ist ’ne Zeitmaschine

    TitelOne More Shot – Der Tequila ist ’ne Zeitmaschine
    Genre Fantasy, Komödie
    Jahr2025
    FSK16
    RegieNicholas Clifford

    Heimkinostart: 28.05.2026

    Ein Shot verändert alles

    Manchmal ist es ein Serienkiller, der einen Tag für Tag auf neue Weise abschlachtet. Manchmal endet alles immer wieder im selben Autounfall. Und manchmal wird es so verworren, dass man am Ende gegen sich selbst kämpft. Ob „Happy Death Day“, „Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“ oder „Triangle“: Seit „Und täglich grüßt das Murmeltier“ wird das Konzept der Zeitschleife immer wieder neu interpretiert, mal kreativ, mal weniger gelungen. In Nicholas Cliffords Spielfilmdebüt „One More Shot“ ist diesmal ausgerechnet Alkohol der Auslöser der endlosen Wiederholung.

    One More Shot – Der Tequila ist 'ne Zeitmaschine Film 2025
    One More Shot ©Plaion Pictures

    Emily Browning, bekannt aus „Sucker Punch“ und zuletzt vor allem in Serien wie „American Gods“ oder „The Affair“ zu sehen, übernimmt die Hauptrolle der Minnie, die noch immer an ihrem Exfreund Joe (Sean Keenan) hängt. Eine Millennium-Party soll die beiden wieder näher zusammenbringen, doch der Abend läuft völlig aus dem Ruder. Frustriert nimmt Minnie einen Schluck aus einer mysteriösen Tequila-Flasche und findet sich plötzlich wieder am Anfang der Nacht. Jeder weitere Schluck eröffnet neue Möglichkeiten, Dinge anders zu machen. Doch mit jeder Wiederholung leert sich auch die Flasche und damit schwinden Minnies Chancen auf einen echten Neuanfang.

    Filmpodcast

    Der schlimmste Kater ihres Lebens

    Und täglich grüßt der Kater. Eine Flasche Tequila als Auslöser für eine Zeitschleife? Das mag auf den ersten Blick albern klingen. Und irgendwie ist es das auch. Doch das Wie ist letztendlich nebensächlich. Am Ende ist es nur eine moderne Variation einer bekannten Geschichte. Viel wichtiger ist das Warum. Egal wie humorvoll oder chaotisch das Drumherum inszeniert ist: Im Kern handeln Zeitschleifenfilme fast immer von Menschen, die sich selbst verloren haben und vor unbequemen Wahrheiten davonlaufen. Es geht darum, sich den eigenen Ängsten zu stellen und an ihnen zu wachsen. Genau das trifft auch auf Minnie in „One More Shot“ zu. Dass der Film so gut funktioniert, liegt vor allem an Emily Browning. Ihre Performance fängt kleinere Schwächen des Drehbuchs gekonnt auf. Minnie ist fehlerhaft, impulsiv und voller Widersprüche. Genau das macht sie so interessant, menschlich und nahbar – eine Figur, in der man sich leicht wiedererkennt.

    One More Shot – Der Tequila ist 'ne Zeitmaschine Film 2025
    One More Shot ©Plaion Pictures

    Ihre Entwicklung folgt zwar den vorhersehbaren Mustern des Genres, doch Browning verleiht ihr mit viel Charme genau die Tiefe, die dem Storytelling stellenweise fehlt. Die Nebenfiguren sind liebenswert und amüsant, bleiben letztlich aber bloße Stichwortgeber für Minnies Reifeprozess. Der eigentliche Reiz des Films liegt ohnehin im Konzept selbst. Vieles davon kommt einem bekannt vor: Mit jeder Wiederholung eskaliert das Chaos ein Stück mehr. Das radelt vertraute Pfade ab, macht aber verdammt viel Spaß. Das 90er-Jahre-Setting, die Y2K-Thematik, die Outfits und der Soundtrack verleihen dem Ganzen eine ordentliche Portion Nostalgie. Gepaart mit Minnies katastrophalen Entscheidungen, jeder Menge Lachern, und ein paar überraschenden Twists fühlt sich der Film am Ende an wie ein gelungener Party-Cocktail: gemixt aus genau den richtigen Zutaten.

    One More Shot – Der Tequila ist 'ne Zeitmaschine Film 2025
    One More Shot ©Plaion Pictures

    Fazit

    „One More Shot“ ist eine charmante Zeitschleifen-Komödie, die zwar bekannten Mustern folgt, diese aber mit viel Herz, Humor und einer sympathischen Hauptfigur ausgleicht. Vor allem Emily Browning verleiht dem Film eine Leichtigkeit, die über kleinere Schwächen hinwegträgt. Kein Neuanfang für das Genre, aber genau die Art von leichtfüßiger Unterhaltung, die man sich von einem solchen Film erhofft.

    Bewertung: 3.5 von 5.
    One More Shot – Der Tequila ist 'ne Zeitmaschine Film 2025 Amazon Prime Video
    One More Shot – Der Tequila ist 'ne Zeitmaschine Film 2025 Amazon Prime Video
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  • Bloody Axe Wound | Film – Kritik: Wenn der Titel zum Programm wird

    Bloody Axe Wound

    TitelBloody Axe Wound
    Genre Horror, Komödie
    Jahr2024
    FSK16
    RegieMatthew John Lawrence

    Heimkinostart: 22.05.2026

    Zwischen Highschool und Hackebeil

    2026 ist für Horrorfans ein echtes Fest. Selten erschienen innerhalb so kurzer Zeit so viele starke Genrebeiträge, und gleichzeitig steht noch einiges in den Startlöchern: „Passenger“, „Obsession“ oder auch „Backrooms“, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Das Beste daran ist jedoch, dass es sich nicht nur um Remakes oder Sequels handelt, sondern auch um viele originelle Ideen. Und dann gibt es noch die Filme, die weiterhin voller Liebe auf der Nostalgiewelle reiten und an der Ästhetik der 80er festhalten. Genau dazu zählt auch „Bloody Axe Wound“. Wobei man fairerweise sagen muss, dass der Film bereits 2024 produziert wurde und es erst jetzt nach Deutschland geschafft hat.

    Bloody Axe Wound Film 2024
    Bloody Axe Wound ©Lighthouse Home Entertainment

    Verantwortlich für den Slasher ist Regisseur Matthew John Lawrence, der offensichtlich eine große Vorliebe für die Videotheken-Ära besitzt und diese ähnlich wie „The Last Video Store“ zum Zentrum seines Films macht. Die junge Schülerin Abbie (Sari Arambulo) hilft in der Videothek ihres Adoptivvaters aus. Doch dort werden nicht nur gewöhnliche Blockbuster verliehen, sondern hinter den Kulissen arbeitet auch der berüchtigte Serienkiller Roger Bladecut (Billy Burke), der Teenager auf brutale Weise ermordet und die Taten für ein zahlendes Publikum filmt. Abbie spielt mit dem Gedanken, in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten. Als sie sich jedoch ausgerechnet in das nächste potenzielle Opfer Sam (Molly Brown) verliebt, wird die Situation kompliziert.

    Filmpodcast

    Videotheken-Horror mit Blutgarantie

    Versucht erst gar nicht, nach Logik zu suchen, ihr werdet sie nicht finden. Wer filmt die Morde? Wer schneidet und vertreibt die Aufnahmen? Und wenn diese Videos nur in der Videothek dieser Kleinstadt erhältlich sind, warum bemerkt niemand, dass darin wortwörtlich die ermordeten Teenager zu sehen sind? Nichts ergibt wirklich Sinn, doch genau das ist letztendlich Teil des Konzepts. „Bloody Axe Wound“ versteht sich als Hommage an klassische Slasher wie „Freitag der 13.“ und deren herrlich absurde Klischees, etwa das ständige Wiederauferstehen der Killer. Der Film spielt bewusst damit und macht das über weite Strecken durchaus unterhaltsam. Durch seine Meta-Ebene erinnert Lawrence‘ zweiter Spielfilm stellenweise sogar an den kleinen Kultklassiker „Behind the Mask“, ergänzt das Ganze allerdings zusätzlich um Coming-of-Age-Elemente. Und genau dort beginnt der Film leider etwas zu schwächeln.

    Bloody Axe Wound Film 2024
    Bloody Axe Wound ©Lighthouse Home Entertainment

    Obwohl Horror und Coming-of-Age normalerweise hervorragend zusammenpassen, will die Mischung in „Bloody Axe Wound“ nicht immer aufgehen. Abbies Gewissensbisse und ihr Widerstand gegen den Druck, in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten, bleiben zu oberflächlich und bremsen den ansonsten spaßigen Slasher immer wieder aus. Es wirkt fast so, als würden hier zwei unterschiedliche Filme gleichzeitig ablaufen, die nie vollständig zueinanderfinden. Auch die queere Liebesgeschichte zwischen Abbie und Sam funktioniert nur bedingt, da es den beiden Figuren deutlich an Chemie fehlt. Der Rest der Freundesgruppe bleibt ebenfalls eher blass. Was den Film letztlich über Wasser hält, sind die unterhaltsamen Slasher-Momente und die überraschend effektiven Gore-Effekte. Und natürlich eine amüsante, wenn auch viel zu kurze Cameo von Jeffrey Dean Morgan.

    Bloody Axe Wound Film 2024
    Bloody Axe Wound ©Lighthouse Home Entertainment

    Fazit

    „Bloody Axe Wound“ punktet mit viel Liebe zur Slasher-Ära, einer charmanten Videotheken-Nostalgie und angenehm blutigen Gore-Effekten. Doch während die Horror- und Metaelemente meist unterhaltsam funktionieren, wirkt der Coming-of-Age-Aspekt deutlich unausgereifter und bremst den Film immer wieder aus. So bleibt am Ende ein spaßiger, aber auch ziemlich unausbalancierter Slasher-Hommage.

    Bewertung: 2.5 von 5.
    Bloody Axe Wound Film 2024 Amazon Prime Video
    Bloody Axe Wound Film 2024 Amazon Prime Video

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  • Ladys First: Netflix Film – Kritik: Am Thema vorbei, aber amüsant

    First Lady

    TitelFirst Lady
    Genre Romanze, Komödie
    Jahr2026
    FSK12
    RegieThea Sharrock

    Starttermin: 22.05.2026 | Netflix

    Das Patriarchat als Netflix-Satire – oder doch nicht?

    Das Patriarchat ist kein besonders origineller Bösewicht mehr. Nicht, weil es verschwunden wäre, sondern weil seine Mechanismen so offen daliegen, dass man sie eigentlich nicht mehr erklären müsste. Männer nehmen Raum ein, Frauen sollen ihn sich verdienen. Männer gelten als durchsetzungsstark, Frauen als schwierig. Männer altern interessant, Frauen verwelken. Männer dürfen begehren, Frauen werden es. Und selbst dort, wo die Dinge längst moderner klingen, bleibt oft genug dieselbe alte Ordnung darunter erhalten: etwas aufpolierter, höflicher, aber nicht weniger wirksam. Es sind Blicke, Erwartungen, Kommentare, das Vermessen des Körpers, der Stimme, der Kleidung, der Laune, die Frauen klein halten sollen. Zu laut, zu weich, zu ehrgeizig, zu kalt, zu emotional, zu undankbar. Und während viele Männer noch immer glauben, es sei doch bestimmt ganz angenehm, begehrt, angeschaut und auf den Körper reduziert zu werden, stellt sich eine sehr einfache Gegenfrage: Haben sie sich jemals wirklich damit auseinandergesetzt, was es bedeutet, wenn diese Reduktion nicht Ausnahme, sondern Alltag ist? Eine Frage, die sich auch „Ladies First“ auf Netflix stellt – und die Antwort fällt wenig überraschend aus: Nein, ganz so geil ist das alles dann vielleicht doch nicht.

    Ladies First Netflix Film 2026
    First Lady ©Netflix

    Sacha Baron Cohen („Balls Up“) spielt Damien Sachs, einen reichen, selbstgefälligen Geschäftsmann, der kurz davorsteht, beruflich noch weiter nach oben zu kommen, als er ohnehin schon getragen wurde. Die CEO-Position ist in Reichweite, sein Ego längst dort angekommen. Nur gibt es da ein kleines Problem: In seinem Führungskreis fehlt eine Frau. Nicht etwa, weil er plötzlich an Gleichberechtigung glaubt, sondern weil man heutzutage ja aufpassen muss, was man sagt, wen man einstellt und wie man nach außen wirkt. Also holt er Alex Fox, gespielt von Rosamund Pike („Saltburn“), ins Unternehmen – eine Frau, die engagiert ist, kompetent wirkt und offenbar sehr genau weiß, was sie tut. Natürlich geraten die beiden sofort aneinander. Für ihn ist sie weniger Kollegin als Störfaktor, weniger ernstzunehmende Kraft als lästige Korrektur seiner Weltordnung. Nach nur einem Tag feuert er sie wieder. Kurz darauf stürzt er, stößt sich den Kopf und wacht in einer Welt auf, in der die Machtverhältnisse umgedreht sind. Frauen bestimmen, Männer werden beurteilt, belächelt, sexualisiert und ausgebremst. Alex ist nun seine Chefin, während er selbst erleben muss, wie es sich anfühlt, nicht mehr automatisch als Mittelpunkt der Welt behandelt zu werden. Ironisch, oder?

    Filmpodcast Netflix

    Netflix macht aus Feminismus eine Rollentausch-Klamotte

    Das Patriarchat ist schlecht. Ja. Das ist keine heiße These, kein gefährlicher Gedanke, kein intellektueller Sprengsatz. Das wissen im Grunde alle, außer ein paar Incel-Kinder, Machos und Andrew-Tate-Jünger, die ohnehin hinter jeder Veränderung eine Verschwörung wittern – danke Merkel! Natürlich ist Netflix hier auf der richtigen Seite. Natürlich will „Ladies First“ das Richtige. Und natürlich steckt in der Prämisse eine Idee, die funktionieren könnte: Wie wäre es, nicht nur kurz in einer anderen Rolle aufzuwachen, sondern wirklich zu spüren, was ein ganzes Leben aus gesellschaftlichen Zuschreibungen mit einem Menschen macht? Nur verwechselt die Handlung Feminismus leider allzu oft mit der simpelsten Form von Rollentausch-Comedy. Statt Sexismus wirklich zu dekonstruieren, dreht „Ladies First“ die Klischees einfach um – und hält das Ganze für Erkenntnis. Plötzlich sind Männer weinerlich, hormonell überfordert, eitel, verletzlich, körperlich ausgestellt. Frauen benehmen sich wie die schlimmsten Karikaturen jener Männer, die das Drehbuch eigentlich kritisieren will. Aus „Mann“ wird „Frau“, aus „Frau“ wird „Mann“, und irgendwo dazwischen wandert ein Humor, der sich weniger nach Gesellschaftssatire anfühlt als nach Mario Barth mit progressivem Feigenblatt. Oft lustig, aber selten smart – immerhin mehr als der nie lustige Comedian.

    Ladies First Netflix Film 2026
    First Lady ©Netflix

    Das mag nicht automatisch ein Problem sein. Eine Klamotte darf eine Klamotte sein. Derber Humor kann funktionieren, politisch unkorrekte Komik kann großartig sein, wenn sie präzise sitzt. Seth MacFarlane hat mehr als nur einmal gezeigt, wie man Vulgarität mit treffsicherer Gesellschaftskritik verbindet. Will Ferrell konnte aus männlicher Hybris ganze Kathedralen der Dummheit bauen. Auch Sacha Baron Cohen hat seine besten Momente immer dann, wenn Peinlichkeit und Wahrheit kaum noch voneinander zu trennen sind. Aber „Ladies First“ tut so, als wäre er schärfer, mutiger und klüger, als er tatsächlich ist. Und genau das macht ihn immer wieder ärgerlich. Dabei funktioniert nicht alles schlecht. Cohen hat ein gutes Gespür für körperliche Demütigung, für beleidigte Eitelkeit, für Männer, die plötzlich merken, dass ihre Macht nie mit ihrer Persönlichkeit verwechselt werden sollte. Rosamund Pike wiederum trägt ihre Szenen mit dieser kühlen, präzisen Überlegenheit, die bei ihr fast immer mühelos wirkt. Auch einige der zotigen Gags sitzen, und die Zeit vergeht kurzweilig. Man schaut zu, man lächelt, manchmal lacht man sogar – wenngleich leise. Aber im Hintergrund bleibt ständig dieses Gefühl: Da wäre mehr möglich gewesen. Mehr Bosheit, mehr Schärfe, mehr Witz, mehr Schmerz. Netflix schießt mit „Ladies First“ nicht völlig daneben, aber es zielt auch nicht besonders gut. Am Ende sagt die Geschichte das Richtige, nur auf eine erstaunlich grobe Weise. Sie will das Patriarchat bloßstellen und landet doch zu oft bei alten Klischees. Das ist unterhaltsam genug für einen Abend. Aber für eine Satire, die angeblich den Spiegel vorhält, ist die Oberfläche dann doch ziemlich beschlagen.

    Ladies First Netflix Film 2026
    First Lady ©Netflix

    Fazit

    „Ladies First“ will scharfe Satire sein, bleibt aber zu oft beim einfachen Rollentausch hängen. Ein paar Gags sitzen, Cohen und Pike retten einiges, doch der Film schießt mit seiner eigentlich richtig gemeinten Botschaft am Thema vorbei. Das ist kurzweilig, manchmal derb, selten wirklich klug – und als Abrechnung mit dem Patriarchat deutlich stumpfer, als es sein müsste.

    Bewertung: 2.5 von 5.
    Amazon Filme Blu-ray

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  • Kill Me Again | Film – Kritik: Die fieseste Zeitschleife des Jahres 

    Kill Me Again

    TitelKill Me Again
    Genre Horror, Thriller
    Jahr2025
    FSK16
    RegieKeith Jardine

    Heimkinostart: unbekannt

    Mehr als nur der neue Happy Death Day: Kill Me Again bestreitet einen eigenen Weg

    Und täglich grüßt nicht mehr nur das Murmeltier. Seit Bill Murray am „Murmeltiertag“ lernen musste, dass Erlösung manchmal bedeutet, denselben Tag so lange zu ertragen, bis man ein besserer Mensch wird, hat sich die Zeitschleife durch alle Genres gefressen. Mal komisch, mal romantisch, mal existenziell erschöpft. In „Palm Springs“ wurde daraus eine sonnige Apokalypse mit Alkohol und Andy Samberg, in „Meet Cute“ eine verschrobene Variation auf die Frage, ob Liebe überhaupt noch etwas wert ist, wenn man sie ständig neu justieren kann. Und natürlich hat auch der Horror die Wiederholung längst für sich entdeckt: „Happy Death Day“ verwandelte den Loop in ein Slasher-Spiel mit poppiger Todesmechanik, während „Redux Redux“ auf dem Fantasy Filmfest eher durch ein Multiversum irrte, aber denselben fiebrigen Effekt erzeugte: Sterben, zurückkehren, weitermachen. „Kill Me Again“ reiht sich nun in diese Gesellschaft ein, bringt aber einen kleinen, bösen Kniff mit. Denn diesmal steckt nicht das Opfer in der Schleife. Nicht die junge Frau, die um ihr Leben rennt. Nicht der Zyniker, der lieben lernen muss. Nicht der traumatisierte Held, der seine Lektion bekommt. Sondern Charlie. Der „Midnight Mangler“. Ein Serienkiller. Ein Mensch, dem man nicht entkommen möchte, schon gar nicht in einem einsamen, neonbeleuchteten Diner mitten in der Nacht. 

    Kill Me Again Film 2025
    Kill Me Again ©VRC

    Und genau dort landet er nach einem weiteren Gewaltverbrechen: in einem Ort, der aussieht wie ein Zwischenraum. Nicht ganz real, nicht ganz Hölle, aber entschieden zu hell ausgeleuchtet, um Trost zu spenden. Mit dem Schlag zur Stunde Null bricht die Welt zurück auf Anfang. Charlie wacht wieder auf. Wieder dieselbe Nacht. Wieder dieselben Menschen. Wieder Blut, Panik, Gewalt. Doch was zunächst wie eine boshafte Variation des bekannten Time-Loop-Prinzips wirkt, entwickelt bald eine erstaunlich unangenehme Kraft. Denn „Kill Me Again“ interessiert sich nicht nur dafür, wie oft ein Körper sterben kann. Er interessiert sich dafür, was Wiederholung mit einem Täter macht, der sein Leben lang glaubte, Kontrolle sei sein natürliches Recht. Es ist nicht neu, einen Film aus der Perspektive des Täters zu erzählen. „Bloodline“ stellte Sean William Scott als Killer ins Zentrum, „Maniac“ ließ Elijah Wood durch eine subjektive Hölle aus Begehren, Einsamkeit und Mord taumeln. Solche Filme zwingen einen nicht dazu, mit ihren Figuren mitzufiebern. Eher schaut man ihnen zu, wie man in einen dunklen Raum blickt, in dem etwas atmet. Faszination und Abscheu liegen nah beieinander, aber sie berühren sich nicht wirklich. 

    Filmpodcast

    Kein Ende in Sicht: Wie die Schleife den Täter erklärt

    „Kill Me Again“ macht etwas anderes. Die Zeitschleife zerstört diese sichere Distanz. Weil Charlie nicht einfach mordet, sondern selbst in die Mechanik seines eigenen Grauens eingespannt wird, verändert sich der Blick. Er verliert die Kontrolle über sein Ritual. Er leidet. Er verzweifelt. Er wird gejagt von einer Nacht, die er selbst mit Blut gefüllt hat. Und plötzlich passiert etwas sehr Unangenehmes: Man ertappt sich dabei, dass man möchte, dass er den Ausgang findet. Nicht, weil man ihm verzeiht. Nicht, weil der Film ihn reinwäscht. Sondern weil Wiederholung Mitleid erzeugt, selbst dort, wo es eigentlich keines geben sollte. Das ist die fiese moralische Falle des Films. Die Leichen stapeln sich wieder und wieder, und irgendwo dazwischen rutscht dem Zuschauer ein falscher Gedanke heraus: Vielleicht soll er es doch schaffen. Genau darin liegt die eigentliche Stärke von „Kill Me Again“. Oberflächlich betrachtet ist auch dieser Film ein weiteres Stück Genrekino, in dem Körper fallen, Messer blitzen und Nebenfiguren oft nicht viel mehr sind als wartende Opfer. Manche Dialoge klingen, als hätten sie selbst schon zu viele Durchgänge hinter sich. Auch die Figuren rund um Charlie bleiben eher Funktion als Mensch, eher Blutspur als Biografie. Doch Regisseur Keith Jardine findet in dieser Begrenzung einen merkwürdigen Sog. Sein Film ist nicht besonders elegant, nicht immer subtil, manchmal sogar ein wenig grob zusammengenäht. Aber er besitzt eine Idee, die stark genug ist, um durch diese Schwächen hindurchzuschlagen. Er zwingt einen in eine Nähe, die man nicht bestellt hat.

    Kill Me Again Film 2025
    Kill Me Again ©VRC

    Denn irgendwann geht es nicht mehr nur um das Morden. Es geht um den Zwang dahinter. Um diesen Trieb, immer wieder zur Tat zurückzukehren, selbst wenn die Wiederholung jede Lust daran vergiftet. Charlie wird nicht interessant, weil er ein faszinierender Serienkiller wäre. Gerade diese alte Genre-Falle umgeht die Handlung halbwegs klug. Er wird interessant, weil sein Sadismus plötzlich gegen ihn arbeitet. Weil die Schleife aus seinem Tätersein ein Gefängnis baut. Was macht einen Täter zum Täter? Der Wunsch? Die Gewohnheit? Die Entscheidung? Oder irgendwann nur noch die Unfähigkeit, etwas anderes zu tun? „Kill Me Again“ stellt diese Fragen nicht mit feiner Pinzette, sondern eher mit blutigen Fingern. Aber er stellt sie. Das Ende führt diese Idee konsequent weiter, vielleicht sogar zu konsequent. Die späte Wendung passt zum Motiv des Films, keine Frage, sie rundet Charlies Albtraum auf eine bittere Weise ab. Und doch hätte „Kill Me Again“ hier etwas mehr Vertrauen in seine eigene Unruhe haben dürfen. Nicht alles muss ausgesprochen, nicht jeder Mechanismus erklärt, nicht jede moralische Wunde noch einmal ausgeleuchtet werden. Gerade ein Film über Wiederholung hätte wissen können, wann ein Schnitt genügt. Trotzdem bleibt „Kill Me Again“ eine dieser kleinen Genre-Überraschungen, die nicht durch Perfektion auffallen, sondern durch einen schmutzigen, eigenwilligen Gedanken. Ein Film, der sein Publikum in eine unangenehme Komplizenschaft zieht und genau dort am stärksten ist, wo man sich selbst beim falschen Mitgefühl erwischt. 

    Kill Me Again Film 2025
    Kill Me Again ©VRC

    Fazit

    „Kill Me Again“ erfindet das Rad des Zeitschleifen-Kinos nicht völlig neu, biegt es aber an einer entscheidenden Stelle um. Regisseur Keith Jardine nutzt die Mechanik der ewigen Wiederholung nicht für billige Slasher-Effekte, sondern als psychologische Daumenschraube für ein Monster. 

    Bewertung: 3.5 von 5.
    Amazon Prime Video
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  • Braut des Jahres | Netflix Film – Kritik: Trockene Torte mit viel Zuckerguss

    Braut des Jahres

    TitelBraut des Jahres
    Genre Romanze, Komödie
    Jahr2026
    FSK6
    CreatorJoshua Rous 

    Starttermin: 15.05.2026 | Netflix

    Die Netflix-Mottenkiste: Warum diese Hochzeitskomödie überhaupt nicht funktioniert

    Es gibt diese alten, klebrigen Konventionen, die sich anfühlen wie Zuckerguss auf einer längst vertrockneten Torte. Sie erzählen davon, dass jedes Mädchen irgendwann vor dem inneren Schaufenster ihres Lebens steht und dort dieses eine Bild betrachtet: ein Kleid wie aus geschlagenem Eiweiß, Rosenbögen in Pastell, Tränen in Großaufnahme, eine Hochzeitstorte mit Fondantpanzer und irgendwo daneben ein Mann, der gerade rechtzeitig in die richtige Zukunft hineinlächelt. Der wichtigste Tag im Leben, sagen sie dann. Als wäre ein Leben erst vollständig, wenn es einmal im Brautschleier durch eine festlich geschmückte Erwartungshölle geschoben wurde. Zum Glück hat sich diese Vorstellung verändert. Frauen sind mehr als Ehefrauen, mehr als Mütter, mehr als die dekorative Mitte einer Feier, bei der alle so tun, als sei Liebe vor allem eine Frage der Sitzordnung. Und dann kommt Netflix’ „Braut des Jahres“ daher, mit rückwärtsgewandtem Konfettiregen, schlechten Gags und einem Weltbild, das aus der Mottenkiste gefallen scheint.

    Braut des Jahres Netflix Film 2026
    Braut des Jahres ©Netflix

    An ihrem Hochzeitstag zerbricht für Lienkie (Carine Rous) nicht nur der Traum von der Ehe, sondern gleich das ganze sorgfältig inszenierte Märchen: Kurz vor der Trauung erwischt sie ihren zukünftigen Ehemann inflagranti mit seiner Assistentin. Doch statt dass die Hochzeit platzt, läuft die Maschine einfach weiter. Denn ihre Schwiegermutter hat längst ein ganz anderes Ziel vor Augen: den prestigeträchtigen Titel „Braut des Jahres“, der ausgerechnet bei dieser Hochzeit gewonnen werden soll. Also wird nicht etwa der Bräutigam zur Rechenschaft gezogen, sondern kurzerhand die Braut ausgetauscht. Lienkie wird aus ihrem eigenen Leben gedrängt, während die Affäre ihres Verlobten plötzlich ihren Platz einnimmt. Gedemütigt, verletzt und sichtbar austauschbar gemacht, beschließt sie, nicht still zu verschwinden. Sie will sich zurückholen, was ihr genommen wurde: Würde, Aufmerksamkeit und vielleicht auch ein Stück Genugtuung. Mit neuer Strategie, vorgetäuschtem Liebesglück und reichlich Hochzeitschaos stürzt sie sich selbst in den Wettbewerb um den Titel „Braut des Jahres“.

    Filmpodcast Netflix

    „Braut des Jahres“ gibt dem Kitsch das Ja-Wort

    Natürlich darf Comedy übertreiben. Sie darf die Regeln der Realität sprengen, Figuren ins Absurde treiben und Situationen so lange eskalieren lassen, bis aus dem Unwahrscheinlichen etwas Komisches entsteht. Sonst könnte man über die grotesken Welten eines Will Ferrell kaum lachen. Das Problem von „Braut des Jahres“ ist also nicht, dass das südafrikanische Netflix Original überzogen ist. Das Problem ist, dass seine Übertreibung keinen Rhythmus, keine Fallhöhe und keine echte Pointe besitzt. Schon die ersten Minuten sind derart absurd, dass man nicht über die Zuspitzung lacht, sondern gegen das Szenario ankämpft. Der Film verwechselt Willkür mit Komik und glaubt offenbar, ein besonders bekloppter Ausgangspunkt reiche bereits aus, um eine funktionierende Farce zu tragen – tut er aber nicht. Statt den Wahnsinn der Situation wirklich auszukosten, hangelt sich „Braut des Jahres“ an ausgelaugten Gags, grellen Reaktionen und bekannten Pointen entlang. Der Humor entsteht selten aus Figuren oder Timing, sondern wirkt wie nachträglich über die Handlung gestreut. Dabei hätte das Thema durchaus Potenzial. Man kann sich dem Hochzeitskult humoristisch nähern, weibliche Sehnsüchte und gesellschaftliche Erwartungen auseinandernehmen, den Wettbewerbsgedanken satirisch zuspitzen oder die Absurdität eines Systems zeigen, das Frauen nur dann wahrnimmt, wenn sie perfekt lächeln, perfekt lieben und perfekt heiraten.

    Braut des Jahres Netflix Film 2026
    Braut des Jahres ©Netflix

    „Braut des Jahres“ scheint all diese Möglichkeiten zwar zu berühren, weiß aber mit keiner davon wirklich etwas anzufangen. Die Handlung stolpert durch Klischees, ohne sie zu brechen, sie zeigt Oberflächen, ohne sie zu hinterfragen – und wenn sie so tut, als ginge es um Selbstermächtigung, bleibt davon meist nur die nächste turbulente Szene übrig. Auch romantisch kommt wenig bis gar nicht zusammen. Wo eigentlich Chemie wachsen müsste, herrscht Leerlauf; wo Gefühle entstehen sollen, stehen Behauptungen im Raum. Lienkies Verletzung könnte der emotionale Kern des Films sein, doch die Inszenierung interessiert sich viel stärker für Klamauk als für Konsequenzen. So bleibt die Hauptfigur weniger Mensch als Spielfigur in einer Mechanik, die sie von einer Demütigung zur nächsten Pointe schiebt. „Braut des Jahres“ möchte leicht, chaotisch und charmant sein, aber Leichtigkeit entsteht nicht dadurch, dass man Logik, Figurenzeichnung und emotionale Glaubwürdigkeit einfach auslädt. Gerade weil der Ausgangspunkt so gemein ist, bräuchte es mehr Präzision: mehr Biss, mehr Haltung, mehr Mut zur Boshaftigkeit oder wenigstens mehr echte Romantik. Stattdessen bekommt man eine Geschichte, die sich in Tropen einrichtet, als wären sie ein gemütliches Sofa – eben Liebe auf Netflix-Art.

    Braut des Jahres Netflix Film 2026
    Braut des Jahres ©Netflix

    Fazit

    Hier wurde die Rechnung ohne den Hochzeitsplaner gemacht: „Braut des Jahres“ erweist sich als filmische Schnapsidee in Weiß. Statt einer spritzigen Satire über den Heirats-Hype liefert Netflix eine Klamauk-Hochzeit, bei der Logik und Timing schon vor dem Ja-Wort durchgebrannt sind. 

    Bewertung: 1 von 5.
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