Kill Me Again
| Titel | Kill Me Again |
| Genre | Horror, Thriller |
| Jahr | 2025 |
| FSK | 16 |
| Regie | Keith Jardine |
Heimkinostart: unbekant
Mehr als nur der neue Happy Death Day: Kill Me Again bestreitet einen eigenen Weg
Und täglich grüßt nicht mehr nur das Murmeltier. Seit Bill Murray am „Murmeltiertag“ lernen musste, dass Erlösung manchmal bedeutet, denselben Tag so lange zu ertragen, bis man ein besserer Mensch wird, hat sich die Zeitschleife durch alle Genres gefressen. Mal komisch, mal romantisch, mal existenziell erschöpft. In „Palm Springs“ wurde daraus eine sonnige Apokalypse mit Alkohol und Andy Samberg, in „Meet Cute“ eine verschrobene Variation auf die Frage, ob Liebe überhaupt noch etwas wert ist, wenn man sie ständig neu justieren kann. Und natürlich hat auch der Horror die Wiederholung längst für sich entdeckt: „Happy Death Day“ verwandelte den Loop in ein Slasher-Spiel mit poppiger Todesmechanik, während „Redux Redux“ auf dem Fantasy Filmfest eher durch ein Multiversum irrte, aber denselben fiebrigen Effekt erzeugte: Sterben, zurückkehren, weitermachen. „Kill Me Again“ reiht sich nun in diese Gesellschaft ein, bringt aber einen kleinen, bösen Kniff mit. Denn diesmal steckt nicht das Opfer in der Schleife. Nicht die junge Frau, die um ihr Leben rennt. Nicht der Zyniker, der lieben lernen muss. Nicht der traumatisierte Held, der seine Lektion bekommt. Sondern Charlie. Der „Midnight Mangler“. Ein Serienkiller. Ein Mensch, dem man nicht entkommen möchte, schon gar nicht in einem einsamen, neonbeleuchteten Diner mitten in der Nacht.

Und genau dort landet er nach einem weiteren Gewaltverbrechen: in einem Ort, der aussieht wie ein Zwischenraum. Nicht ganz real, nicht ganz Hölle, aber entschieden zu hell ausgeleuchtet, um Trost zu spenden. Mit dem Schlag zur Stunde Null bricht die Welt zurück auf Anfang. Charlie wacht wieder auf. Wieder dieselbe Nacht. Wieder dieselben Menschen. Wieder Blut, Panik, Gewalt. Doch was zunächst wie eine boshafte Variation des bekannten Time-Loop-Prinzips wirkt, entwickelt bald eine erstaunlich unangenehme Kraft. Denn „Kill Me Again“ interessiert sich nicht nur dafür, wie oft ein Körper sterben kann. Er interessiert sich dafür, was Wiederholung mit einem Täter macht, der sein Leben lang glaubte, Kontrolle sei sein natürliches Recht. Es ist nicht neu, einen Film aus der Perspektive des Täters zu erzählen. „Bloodline“ stellte Sean William Scott als Killer ins Zentrum, „Maniac“ ließ Elijah Wood durch eine subjektive Hölle aus Begehren, Einsamkeit und Mord taumeln. Solche Filme zwingen einen nicht dazu, mit ihren Figuren mitzufiebern. Eher schaut man ihnen zu, wie man in einen dunklen Raum blickt, in dem etwas atmet. Faszination und Abscheu liegen nah beieinander, aber sie berühren sich nicht wirklich.

Kein Ende in Sicht: Wie die Schleife den Täter erklärt
„Kill Me Again“ macht etwas anderes. Die Zeitschleife zerstört diese sichere Distanz. Weil Charlie nicht einfach mordet, sondern selbst in die Mechanik seines eigenen Grauens eingespannt wird, verändert sich der Blick. Er verliert die Kontrolle über sein Ritual. Er leidet. Er verzweifelt. Er wird gejagt von einer Nacht, die er selbst mit Blut gefüllt hat. Und plötzlich passiert etwas sehr Unangenehmes: Man ertappt sich dabei, dass man möchte, dass er den Ausgang findet. Nicht, weil man ihm verzeiht. Nicht, weil der Film ihn reinwäscht. Sondern weil Wiederholung Mitleid erzeugt, selbst dort, wo es eigentlich keines geben sollte. Das ist die fiese moralische Falle des Films. Die Leichen stapeln sich wieder und wieder, und irgendwo dazwischen rutscht dem Zuschauer ein falscher Gedanke heraus: Vielleicht soll er es doch schaffen. Genau darin liegt die eigentliche Stärke von „Kill Me Again“. Oberflächlich betrachtet ist auch dieser Film ein weiteres Stück Genrekino, in dem Körper fallen, Messer blitzen und Nebenfiguren oft nicht viel mehr sind als wartende Opfer. Manche Dialoge klingen, als hätten sie selbst schon zu viele Durchgänge hinter sich. Auch die Figuren rund um Charlie bleiben eher Funktion als Mensch, eher Blutspur als Biografie. Doch Regisseur Keith Jardine findet in dieser Begrenzung einen merkwürdigen Sog. Sein Film ist nicht besonders elegant, nicht immer subtil, manchmal sogar ein wenig grob zusammengenäht. Aber er besitzt eine Idee, die stark genug ist, um durch diese Schwächen hindurchzuschlagen. Er zwingt einen in eine Nähe, die man nicht bestellt hat.

Denn irgendwann geht es nicht mehr nur um das Morden. Es geht um den Zwang dahinter. Um diesen Trieb, immer wieder zur Tat zurückzukehren, selbst wenn die Wiederholung jede Lust daran vergiftet. Charlie wird nicht interessant, weil er ein faszinierender Serienkiller wäre. Gerade diese alte Genre-Falle umgeht die Handlung halbwegs klug. Er wird interessant, weil sein Sadismus plötzlich gegen ihn arbeitet. Weil die Schleife aus seinem Tätersein ein Gefängnis baut. Was macht einen Täter zum Täter? Der Wunsch? Die Gewohnheit? Die Entscheidung? Oder irgendwann nur noch die Unfähigkeit, etwas anderes zu tun? „Kill Me Again“ stellt diese Fragen nicht mit feiner Pinzette, sondern eher mit blutigen Fingern. Aber er stellt sie. Das Ende führt diese Idee konsequent weiter, vielleicht sogar zu konsequent. Die späte Wendung passt zum Motiv des Films, keine Frage, sie rundet Charlies Albtraum auf eine bittere Weise ab. Und doch hätte „Kill Me Again“ hier etwas mehr Vertrauen in seine eigene Unruhe haben dürfen. Nicht alles muss ausgesprochen, nicht jeder Mechanismus erklärt, nicht jede moralische Wunde noch einmal ausgeleuchtet werden. Gerade ein Film über Wiederholung hätte wissen können, wann ein Schnitt genügt. Trotzdem bleibt „Kill Me Again“ eine dieser kleinen Genre-Überraschungen, die nicht durch Perfektion auffallen, sondern durch einen schmutzigen, eigenwilligen Gedanken. Ein Film, der sein Publikum in eine unangenehme Komplizenschaft zieht und genau dort am stärksten ist, wo man sich selbst beim falschen Mitgefühl erwischt.

Fazit
„Kill Me Again“ erfindet das Rad des Zeitschleifen-Kinos nicht völlig neu, biegt es aber an einer entscheidenden Stelle um. Regisseur Keith Jardine nutzt die Mechanik der ewigen Wiederholung nicht für billige Slasher-Effekte, sondern als psychologische Daumenschraube für ein Monster.
































