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Filme | Kritiken
  • Kill Me Again | Film – Kritik: Die fieseste Zeitschleife des Jahres 

    Kill Me Again

    TitelKill Me Again
    Genre Horror, Thriller
    Jahr2025
    FSK16
    RegieKeith Jardine

    Heimkinostart: unbekant

    Mehr als nur der neue Happy Death Day: Kill Me Again bestreitet einen eigenen Weg

    Und täglich grüßt nicht mehr nur das Murmeltier. Seit Bill Murray am „Murmeltiertag“ lernen musste, dass Erlösung manchmal bedeutet, denselben Tag so lange zu ertragen, bis man ein besserer Mensch wird, hat sich die Zeitschleife durch alle Genres gefressen. Mal komisch, mal romantisch, mal existenziell erschöpft. In „Palm Springs“ wurde daraus eine sonnige Apokalypse mit Alkohol und Andy Samberg, in „Meet Cute“ eine verschrobene Variation auf die Frage, ob Liebe überhaupt noch etwas wert ist, wenn man sie ständig neu justieren kann. Und natürlich hat auch der Horror die Wiederholung längst für sich entdeckt: „Happy Death Day“ verwandelte den Loop in ein Slasher-Spiel mit poppiger Todesmechanik, während „Redux Redux“ auf dem Fantasy Filmfest eher durch ein Multiversum irrte, aber denselben fiebrigen Effekt erzeugte: Sterben, zurückkehren, weitermachen. „Kill Me Again“ reiht sich nun in diese Gesellschaft ein, bringt aber einen kleinen, bösen Kniff mit. Denn diesmal steckt nicht das Opfer in der Schleife. Nicht die junge Frau, die um ihr Leben rennt. Nicht der Zyniker, der lieben lernen muss. Nicht der traumatisierte Held, der seine Lektion bekommt. Sondern Charlie. Der „Midnight Mangler“. Ein Serienkiller. Ein Mensch, dem man nicht entkommen möchte, schon gar nicht in einem einsamen, neonbeleuchteten Diner mitten in der Nacht. 

    Kill Me Again Film 2025
    Kill Me Again ©VRC

    Und genau dort landet er nach einem weiteren Gewaltverbrechen: in einem Ort, der aussieht wie ein Zwischenraum. Nicht ganz real, nicht ganz Hölle, aber entschieden zu hell ausgeleuchtet, um Trost zu spenden. Mit dem Schlag zur Stunde Null bricht die Welt zurück auf Anfang. Charlie wacht wieder auf. Wieder dieselbe Nacht. Wieder dieselben Menschen. Wieder Blut, Panik, Gewalt. Doch was zunächst wie eine boshafte Variation des bekannten Time-Loop-Prinzips wirkt, entwickelt bald eine erstaunlich unangenehme Kraft. Denn „Kill Me Again“ interessiert sich nicht nur dafür, wie oft ein Körper sterben kann. Er interessiert sich dafür, was Wiederholung mit einem Täter macht, der sein Leben lang glaubte, Kontrolle sei sein natürliches Recht. Es ist nicht neu, einen Film aus der Perspektive des Täters zu erzählen. „Bloodline“ stellte Sean William Scott als Killer ins Zentrum, „Maniac“ ließ Elijah Wood durch eine subjektive Hölle aus Begehren, Einsamkeit und Mord taumeln. Solche Filme zwingen einen nicht dazu, mit ihren Figuren mitzufiebern. Eher schaut man ihnen zu, wie man in einen dunklen Raum blickt, in dem etwas atmet. Faszination und Abscheu liegen nah beieinander, aber sie berühren sich nicht wirklich. 

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    Kein Ende in Sicht: Wie die Schleife den Täter erklärt

    „Kill Me Again“ macht etwas anderes. Die Zeitschleife zerstört diese sichere Distanz. Weil Charlie nicht einfach mordet, sondern selbst in die Mechanik seines eigenen Grauens eingespannt wird, verändert sich der Blick. Er verliert die Kontrolle über sein Ritual. Er leidet. Er verzweifelt. Er wird gejagt von einer Nacht, die er selbst mit Blut gefüllt hat. Und plötzlich passiert etwas sehr Unangenehmes: Man ertappt sich dabei, dass man möchte, dass er den Ausgang findet. Nicht, weil man ihm verzeiht. Nicht, weil der Film ihn reinwäscht. Sondern weil Wiederholung Mitleid erzeugt, selbst dort, wo es eigentlich keines geben sollte. Das ist die fiese moralische Falle des Films. Die Leichen stapeln sich wieder und wieder, und irgendwo dazwischen rutscht dem Zuschauer ein falscher Gedanke heraus: Vielleicht soll er es doch schaffen. Genau darin liegt die eigentliche Stärke von „Kill Me Again“. Oberflächlich betrachtet ist auch dieser Film ein weiteres Stück Genrekino, in dem Körper fallen, Messer blitzen und Nebenfiguren oft nicht viel mehr sind als wartende Opfer. Manche Dialoge klingen, als hätten sie selbst schon zu viele Durchgänge hinter sich. Auch die Figuren rund um Charlie bleiben eher Funktion als Mensch, eher Blutspur als Biografie. Doch Regisseur Keith Jardine findet in dieser Begrenzung einen merkwürdigen Sog. Sein Film ist nicht besonders elegant, nicht immer subtil, manchmal sogar ein wenig grob zusammengenäht. Aber er besitzt eine Idee, die stark genug ist, um durch diese Schwächen hindurchzuschlagen. Er zwingt einen in eine Nähe, die man nicht bestellt hat.

    Kill Me Again Film 2025
    Kill Me Again ©VRC

    Denn irgendwann geht es nicht mehr nur um das Morden. Es geht um den Zwang dahinter. Um diesen Trieb, immer wieder zur Tat zurückzukehren, selbst wenn die Wiederholung jede Lust daran vergiftet. Charlie wird nicht interessant, weil er ein faszinierender Serienkiller wäre. Gerade diese alte Genre-Falle umgeht die Handlung halbwegs klug. Er wird interessant, weil sein Sadismus plötzlich gegen ihn arbeitet. Weil die Schleife aus seinem Tätersein ein Gefängnis baut. Was macht einen Täter zum Täter? Der Wunsch? Die Gewohnheit? Die Entscheidung? Oder irgendwann nur noch die Unfähigkeit, etwas anderes zu tun? „Kill Me Again“ stellt diese Fragen nicht mit feiner Pinzette, sondern eher mit blutigen Fingern. Aber er stellt sie. Das Ende führt diese Idee konsequent weiter, vielleicht sogar zu konsequent. Die späte Wendung passt zum Motiv des Films, keine Frage, sie rundet Charlies Albtraum auf eine bittere Weise ab. Und doch hätte „Kill Me Again“ hier etwas mehr Vertrauen in seine eigene Unruhe haben dürfen. Nicht alles muss ausgesprochen, nicht jeder Mechanismus erklärt, nicht jede moralische Wunde noch einmal ausgeleuchtet werden. Gerade ein Film über Wiederholung hätte wissen können, wann ein Schnitt genügt. Trotzdem bleibt „Kill Me Again“ eine dieser kleinen Genre-Überraschungen, die nicht durch Perfektion auffallen, sondern durch einen schmutzigen, eigenwilligen Gedanken. Ein Film, der sein Publikum in eine unangenehme Komplizenschaft zieht und genau dort am stärksten ist, wo man sich selbst beim falschen Mitgefühl erwischt. 

    Kill Me Again Film 2025
    Kill Me Again ©VRC

    Fazit

    „Kill Me Again“ erfindet das Rad des Zeitschleifen-Kinos nicht völlig neu, biegt es aber an einer entscheidenden Stelle um. Regisseur Keith Jardine nutzt die Mechanik der ewigen Wiederholung nicht für billige Slasher-Effekte, sondern als psychologische Daumenschraube für ein Monster. 

    Bewertung: 3.5 von 5.
    Amazon Prime Video
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  • Braut des Jahres | Netflix Film – Kritik: Trockene Torte mit viel Zuckerguss

    Braut des Jahres

    TitelBraut des Jahres
    Genre Romanze, Komödie
    Jahr2026
    FSK6
    CreatorJoshua Rous 

    Starttermin: 15.05.2026 | Netflix

    Die Netflix-Mottenkiste: Warum diese Hochzeitskomödie überhaupt nicht funktioniert

    Es gibt diese alten, klebrigen Konventionen, die sich anfühlen wie Zuckerguss auf einer längst vertrockneten Torte. Sie erzählen davon, dass jedes Mädchen irgendwann vor dem inneren Schaufenster ihres Lebens steht und dort dieses eine Bild betrachtet: ein Kleid wie aus geschlagenem Eiweiß, Rosenbögen in Pastell, Tränen in Großaufnahme, eine Hochzeitstorte mit Fondantpanzer und irgendwo daneben ein Mann, der gerade rechtzeitig in die richtige Zukunft hineinlächelt. Der wichtigste Tag im Leben, sagen sie dann. Als wäre ein Leben erst vollständig, wenn es einmal im Brautschleier durch eine festlich geschmückte Erwartungshölle geschoben wurde. Zum Glück hat sich diese Vorstellung verändert. Frauen sind mehr als Ehefrauen, mehr als Mütter, mehr als die dekorative Mitte einer Feier, bei der alle so tun, als sei Liebe vor allem eine Frage der Sitzordnung. Und dann kommt Netflix’ „Braut des Jahres“ daher, mit rückwärtsgewandtem Konfettiregen, schlechten Gags und einem Weltbild, das aus der Mottenkiste gefallen scheint.

    Braut des Jahres Netflix Film 2026
    Braut des Jahres ©Netflix

    An ihrem Hochzeitstag zerbricht für Lienkie (Carine Rous) nicht nur der Traum von der Ehe, sondern gleich das ganze sorgfältig inszenierte Märchen: Kurz vor der Trauung erwischt sie ihren zukünftigen Ehemann inflagranti mit seiner Assistentin. Doch statt dass die Hochzeit platzt, läuft die Maschine einfach weiter. Denn ihre Schwiegermutter hat längst ein ganz anderes Ziel vor Augen: den prestigeträchtigen Titel „Braut des Jahres“, der ausgerechnet bei dieser Hochzeit gewonnen werden soll. Also wird nicht etwa der Bräutigam zur Rechenschaft gezogen, sondern kurzerhand die Braut ausgetauscht. Lienkie wird aus ihrem eigenen Leben gedrängt, während die Affäre ihres Verlobten plötzlich ihren Platz einnimmt. Gedemütigt, verletzt und sichtbar austauschbar gemacht, beschließt sie, nicht still zu verschwinden. Sie will sich zurückholen, was ihr genommen wurde: Würde, Aufmerksamkeit und vielleicht auch ein Stück Genugtuung. Mit neuer Strategie, vorgetäuschtem Liebesglück und reichlich Hochzeitschaos stürzt sie sich selbst in den Wettbewerb um den Titel „Braut des Jahres“.

    Filmpodcast Netflix

    „Braut des Jahres“ gibt dem Kitsch das Ja-Wort

    Natürlich darf Comedy übertreiben. Sie darf die Regeln der Realität sprengen, Figuren ins Absurde treiben und Situationen so lange eskalieren lassen, bis aus dem Unwahrscheinlichen etwas Komisches entsteht. Sonst könnte man über die grotesken Welten eines Will Ferrell kaum lachen. Das Problem von „Braut des Jahres“ ist also nicht, dass das südafrikanische Netflix Original überzogen ist. Das Problem ist, dass seine Übertreibung keinen Rhythmus, keine Fallhöhe und keine echte Pointe besitzt. Schon die ersten Minuten sind derart absurd, dass man nicht über die Zuspitzung lacht, sondern gegen das Szenario ankämpft. Der Film verwechselt Willkür mit Komik und glaubt offenbar, ein besonders bekloppter Ausgangspunkt reiche bereits aus, um eine funktionierende Farce zu tragen – tut er aber nicht. Statt den Wahnsinn der Situation wirklich auszukosten, hangelt sich „Braut des Jahres“ an ausgelaugten Gags, grellen Reaktionen und bekannten Pointen entlang. Der Humor entsteht selten aus Figuren oder Timing, sondern wirkt wie nachträglich über die Handlung gestreut. Dabei hätte das Thema durchaus Potenzial. Man kann sich dem Hochzeitskult humoristisch nähern, weibliche Sehnsüchte und gesellschaftliche Erwartungen auseinandernehmen, den Wettbewerbsgedanken satirisch zuspitzen oder die Absurdität eines Systems zeigen, das Frauen nur dann wahrnimmt, wenn sie perfekt lächeln, perfekt lieben und perfekt heiraten.

    Braut des Jahres Netflix Film 2026
    Braut des Jahres ©Netflix

    „Braut des Jahres“ scheint all diese Möglichkeiten zwar zu berühren, weiß aber mit keiner davon wirklich etwas anzufangen. Die Handlung stolpert durch Klischees, ohne sie zu brechen, sie zeigt Oberflächen, ohne sie zu hinterfragen – und wenn sie so tut, als ginge es um Selbstermächtigung, bleibt davon meist nur die nächste turbulente Szene übrig. Auch romantisch kommt wenig bis gar nicht zusammen. Wo eigentlich Chemie wachsen müsste, herrscht Leerlauf; wo Gefühle entstehen sollen, stehen Behauptungen im Raum. Lienkies Verletzung könnte der emotionale Kern des Films sein, doch die Inszenierung interessiert sich viel stärker für Klamauk als für Konsequenzen. So bleibt die Hauptfigur weniger Mensch als Spielfigur in einer Mechanik, die sie von einer Demütigung zur nächsten Pointe schiebt. „Braut des Jahres“ möchte leicht, chaotisch und charmant sein, aber Leichtigkeit entsteht nicht dadurch, dass man Logik, Figurenzeichnung und emotionale Glaubwürdigkeit einfach auslädt. Gerade weil der Ausgangspunkt so gemein ist, bräuchte es mehr Präzision: mehr Biss, mehr Haltung, mehr Mut zur Boshaftigkeit oder wenigstens mehr echte Romantik. Stattdessen bekommt man eine Geschichte, die sich in Tropen einrichtet, als wären sie ein gemütliches Sofa – eben Liebe auf Netflix-Art.

    Braut des Jahres Netflix Film 2026
    Braut des Jahres ©Netflix

    Fazit

    Hier wurde die Rechnung ohne den Hochzeitsplaner gemacht: „Braut des Jahres“ erweist sich als filmische Schnapsidee in Weiß. Statt einer spritzigen Satire über den Heirats-Hype liefert Netflix eine Klamauk-Hochzeit, bei der Logik und Timing schon vor dem Ja-Wort durchgebrannt sind. 

    Bewertung: 1 von 5.
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  • The Furious | Film – Kritik: Vergesst „Ong-Bak“ und „The Raid“

    The Furious

    TitelThe Furious
    Genre Action
    Jahr2025
    FSK18
    RegieKenji Tanigaki

    Kinostart: 18.06.2026

    Ist das der beste Actionfilm des Jahrzehnts?

    Das Actionkino hat in den letzten Jahren viel Spektakel produziert, aber nicht immer viel Körper. Wo digitale Effekte, schnelle Schnitte und übergroße Setpieces dominieren, geht manchmal genau das verloren, was eine gute Kampfszene eigentlich ausmacht: Orientierung, Risiko, Rhythmus und die sichtbare Arbeit der Darsteller, Darstellerinnen und Stuntteams. Die großen Erneuerungsimpulse kamen deshalb immer wieder aus jenen Kinokulturen, in denen Action nicht nur als Effekt, sondern als Handwerk verstanden wird. Aus Hongkong, aus Thailand, aus Indonesien. „Ong-Bak“ und „The Raid“ wurden deshalb nicht nur zu Genreereignissen, sondern zu Erinnerungsschocks: So unmittelbar, so präzise, so schmerzhaft lesbar konnte Action aussehen. Mit „The Furious“ meldet sich dieses Kino nun mit neuem Nachdruck zurück. Als „Ong-Bak“ Anfang der 2000er aus Thailand heraus international Aufmerksamkeit bekam, lag seine Kraft gerade in der scheinbaren Einfachheit. Tony Jaa sprang, trat, stürzte und kämpfte mit einer Körperlichkeit, die sich dem damals immer stärker digitalisierten Actionkino fast trotzig entgegenstellte. Keine übermäßige Glättung, kein Verstecken hinter Schnittgewitter, sondern Muay-Thai-Action als unmittelbare Attraktion. Einige Jahre später verschob „The Raid“ aus Indonesien die Maßstäbe erneut. Gareth Evans verwandelte ein Hochhaus in einen Käfig, in dem jede Etage zur nächsten Eskalationsstufe wurde. Die Kämpfe waren brutal, präzise und klaustrophobisch, aber vor allem: lesbar. Man verstand, wo sich Körper im Raum befanden, wie ein Angriff aufgebaut war und warum ein Treffer wehtat.

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    The Furious: Die neue Welle des physischen Kinos 

    Diese Filme veränderten auch den Blick des westlichen Kinos auf Action. Reihen wie „John Wick“, aber auch Filme wie „Atomic Blonde“ oder „Tyler Rake: Extraction“, nahmen sichtbar Impulse aus asiatischer Kampfchoreografie, Stuntarbeit und Raumdramaturgie auf. Action wurde wieder stärker über Bewegung erzählt, nicht nur über Montage. Längere Einstellungen, klarere Abläufe, härtere physische Präsenz: Das westliche Genrekino lernte neu, dass eine Kampfszene nicht größer wirken muss, um intensiver zu sein. Manchmal reicht es, wenn sie genauer ist. „The Furious“ setzt genau an diesem Punkt an. Der Film von Kenji Tanigaki versteht sich nicht als nostalgische Rückkehr zu alten Martial-Arts-Tugenden, sondern als neuer Versuch, das handgemachte Körperkino in die Gegenwart zu übersetzen. Tanigaki kommt selbst aus der Welt der Stunts und Kampfchoreografie, was dem Projekt eine besondere Glaubwürdigkeit gibt. Hier steht nicht nur die Frage im Raum, wer gegen wen kämpft, sondern wie ein Kampf erzählt wird: durch Tempo, Erschöpfung, Raumaufteilung, Reaktion und Konsequenz. Die Action soll nicht dekorieren, sondern antreiben. Die Handlung liefert dafür ein bewusst geradliniges Fundament. Im Zentrum steht Wang Wei (Xie Miao), ein schweigsamer Handwerker, dessen Tochter Rainy (Yang Enyou) von einem Menschenhändlerring entführt wird. Weil die Polizei versagt und Korruption den Weg zur Wahrheit blockiert, beginnt Wei selbst nach ihr zu suchen. Seine Spur führt ihn in eine kriminelle Schattenwelt aus Hinterzimmern, Kampfarenen, Schlägern und Profikillern.

    The Furious Film 2025
    The Furious ©Capelight Pictures

    Unterstützung findet er in Navin (Joe Taslim), einem Journalisten, der ebenfalls gegen dasselbe Netzwerk ermittelt, nachdem seine eigene Frau verschwunden ist. Aus Misstrauen wird eine Zweckgemeinschaft, aus persönlichem Verlust ein gemeinsamer Feldzug gegen ein System, in dem Menschen zur Ware werden. Gerade diese Einfachheit ist kein Zufall. „The Furious“ scheint seine Geschichte nicht über komplizierte Wendungen definieren zu wollen, sondern über Druck. Die Entführung, die Suche, die Korruption und der Schmerz der Figuren bilden den Motor für eine Actiondramaturgie, in der jeder Kampf mehr sein soll als ein Schauwert. Gewalt wird hier nicht als saubere Pose verstanden, sondern als körperliche Belastung. Figuren ermüden, werden verletzt, verlieren Kontrolle und müssen trotzdem weiter. Das macht den Reiz eines solchen Films aus: Er behauptet Intensität nicht nur, er will sie über die sichtbare Arbeit am Körper herstellen. Damit steht „The Furious“ in einer Tradition, die das Actionkino immer dann erneuert hat, wenn es sich zu sehr vom Körper entfernt hatte. Ob der Film tatsächlich neue Maßstäbe setzt, erfahrt ihr in unserer ausführlichen Videokritik:

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  • The Punisher – One Last Kill | Disney Plus – Kritik: Lohnt sich das Marvel-Special?

    The Punisher – One Last Kill 

    TitelThe Punisher – One Last Kill 
    Genre Action
    Jahr2026
    FSK18
    RegieReinaldo Marcus Green

    Starttermin: 13.05.2026 | Disney+

    Trotz FSK 18: Warum The Punisher: One Last Kill kein echter Befreiungsschlag ist 

    Wer kennt sie nicht, die Marvel-Müdigkeit? Während das MCU im Kino und auf Disney+ oft an seiner eigenen Gigantomanie erstickt, soll das Format der Marvel Television Special Presentation die Rettung bringen. Vergesst zähe Sechsteiler oder überladene Blockbuster: Diese knackigen, rund einstündigen Solotrips versprechen eigentlich die perfekte Spielwiese für kreative Experimente abseits des Einheitsbreis. Nach dem charmanten Schwarz-Weiß-Horror-Ausflug von „Werewolf by Night“, der leider nur ein Versuch blieb, keimte zumindest kurz Hoffnung auf, dass Marvel endlich echten Mut zur Nische beweist. Statt glattgebügelter Familienunterhaltung und endlosem Timeline-Zwang verspricht dieses komprimierte „One-and-Done“-Konzept eigenständige Storys, die Genregrenzen radikal sprengen dürfen. Genau diesen unkonventionellen Freifahrtschein nutzt nun auch Frank Castle, um sich im brachialen Mittellangfilm „The Punisher: One Last Kill“ ohne Disney-Zensur durch das New Yorker Unterholz zu metzeln. Doch liefert das ultrabrutale Action-Brett im kompakten TV-Format tatsächlich das erhoffte, fesselnde Psychogramm oder scheitert der Rächer am Ende doch an den gleichen, ermüdenden MCU-Fesseln?

    The Punisher - One Last Kill Disney Plus Film 2026
    The Punisher – One Last Kill ©Disney+

    Nach den Ereignissen in „Daredevil: Born Again“ fristet ein innerlich zerrissener Frank Castle (Jon Bernthal) ein traumatisiertes, lebensmüdes Dasein im New Yorker Problemviertel Little Sicily. Eine emotionale Erscheinung seiner verstorbenen Tochter hält den Ex-Soldaten im letzten Moment davon ab, den Abzug gegen sich selbst durchzuziehen. Doch die Atempause endet abrupt, als Ma Gnucci (Judith Light) auftaucht. Die gezeichnete Clanchefin sinnt auf Rache für ihr vernichtetes Imperium und setzt ein millionenschweres Kopfgeld auf Castle aus, das exakt um 18:47 Uhr aktiviert wird. Augenblicklich mutiert das heruntergekommene Mietshaus des Rächers zum brutalen Kriegsschauplatz. Heerscharen skrupelloser Kopfgeldjäger und lokaler Gangster belagern das Gebäude, um den Punisher zur Strecke zu bringen. Um dem tödlichen Hinterhalt zu entkommen, schüttelt Castle seine Lethargie ab. In einem kompromisslosen, blutigen Spießrutenlauf durch Treppenhäuser und Hinterhöfe greift er wieder zu den Waffen und walzt durch die Angreiferwellen.

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    Das Marvel-Vakuum: Jon Bernthal grunzt gegen Windmühlen 

    Bevor dem nie jugendfreien, dafür umso kompromissloseren Antihelden Punisher in „Spider-Man: Brand New Day“ endgültig der Maulkorb umgeschnallt und sein ungezügeltes Großstadtgossen-Mundwerk auf familienfreundliches FSK-12-Maß zurechtgestutzt wird, darf der finstere Rächer in „The Punisher: One Last Kill“ noch ein letztes Mal alles rauslassen. Im Trailer des jüngsten Spider-Man-Abenteuers erstickte ein Spinnenwebschuss ein Schimpfwort bereits im Keim – und schon bald dürften then wohl auch tödliche Gewehrfeuersalven und grobschlächtige Kopfschusswunden weichgespülten K.o.-Schlägen und möglichst folgenloser Comic-Waffengewalt weichen. Zum Glück ist da „The Punisher: One Last Kill“ – ein auf kompakte 51 Minuten reduziertes letztes Aufbäumen roher Gewalt. Könnte man zumindest meinen – doch genau hier zerfällt das Action-Häppchen überraschend schnell in seine Einzelteile. Denn trotz kompromissloser Brachialität in Sachen Ein-Mann-Amoklauf, fühlt sich das Special nie wie ein eigenständiger Film an. Eher wie eine aus dem Kontext gerissene Bonus-Episode von „The Punisher“ oder „Daredevil: Born Again”. Selbst für das ohnehin kompakte Special-Presentation-Format wirkt die knappe Netto-Laufzeit von gerade einmal 43 Minuten erschreckend dünn. Statt die reduzierte Laufzeit jedoch für maximale narrative Präzision oder ein kompromisslos fokussiertes Action-Konzept zu nutzen, bremst sich Disney erst einmal selbst aus und verliert sich in zähem Aufbau, düsteren Selbstgesprächen und melancholischer Frank-Castle-Nabelschau. Dabei hätte gerade dieses Format die perfekte Gelegenheit geboten, endlich einmal vollständig losgelöst vom MCU-Ballast zu funktionieren. Ein brutaler, dreckiger One-Night-Actiontrip ohne Rücksicht auf Timeline-Zwang oder Serienvernetzung. Doch „One Last Kill“ verlässt sich permanent darauf, dass die emotionale Vorarbeit bereits existiert.

    The Punisher - One Last Kill Disney Plus Film 2026
    The Punisher – One Last Kill ©Disney+

    Wer nicht unmittelbar vorher große Teile von „The Punisher“ oder „Daredevil: Born Again“ gebingewatched hat, dürfte erstaunlich wenig emotionalen Zugang zu Frank Castle finden. Die Geschichte selbst liefert kaum Substanz, um diese Bindung neu aufzubauen. Stattdessen taumelt Jon Bernthal, mehr grunzend als redend, durch die düsteren Korridore aus Selbsthass und Selbstaufgabe – das Ganze zehrt fast ausschließlich von der Erinnerung daran, wie gut diese Figur früher einmal funktioniert hat. Dabei ist die eigentliche Action keineswegs schlecht. Wenn Frank Castle irgendwann endlich von der Leine gelassen wird, kracht, spritzt und explodiert es angenehm kompromisslos. Die Shootouts besitzen rohe Wucht, die Einschläge tun weh und Bernthal trägt diese animalische Gewaltbereitschaft weiterhin glaubwürdig mit sich herum. Doch das Problem bleibt: Von den ohnehin winzigen 43 Minuten bestehen gerade einmal rund zwölf aus tatsächlicher Action. Und selbst diese Sequenzen besitzen kein echtes Alleinstellungsmerkmal. Während bereits die erste Episode von „Daredevil: Born Again“ mit ihrer intensiven Plansequenz sofort ein ikonisches visuelles Zentrum etablierte, bleibt „One Last Kill“ inszenatorisch erstaunlich gewöhnlich. Handwerklich solide, brutal genug, aber nie wirklich im Gedächtnis bleibend. Dadurch entsteht ein seltsames Vakuum. Der Film ist zu kurz, um seine psychologischen Ansätze ernsthaft zu vertiefen, gleichzeitig aber auch zu langsam erzählt, um als kompromissloser Adrenalintrip zu funktionieren. Viele Serienpilotfolgen schaffen in derselben Zeit deutlich mehr Atmosphäre, Figurenzeichnung und dramaturgischen Vorwärtsdrang. „The Punisher: One Last Kill“ hingegen wirkt über weite Strecken wie ein Lückenfüller zwischen zwei größeren Geschichten – nur eben mit deutlich mehr Blut. Genau deshalb scheitert das Special letztlich ausgerechnet an dem, was eigentlich seine größte Stärke hätte werden sollen: der Freiheit, endlich einmal komplett für sich selbst stehen zu dürfen.

    The Punisher - One Last Kill Disney Plus Film 2026
    The Punisher – One Last Kill ©Disney+

    Fazit

    „The Punisher: One Last Kill“ scheitert am Ende an seiner eigenen Identitätskrise. Ja, Jon Bernthal darf als Marvel-Metzel-Ikone zwölf Minuten lang ordentlich die Fetzen fliegen lassen. Doch der brutale Ein-Mann-Amoklauf verpufft im zähen Disney-Einheitsbrei, weil dem Special die erzählerische Substanz fehlt. Am Ende bleibt kein eigenständiges Action-Brett, sondern nur ein blutiger, erstaunlich vergessenswerter Lückenfüller für MCU-Komplettisten.

    Bewertung: 2 von 5.
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  • Kein Ort für Singles | Amazon Film – Kritik: Prime Video sucht die Liebe in Italien

    Kein Ort für Singles

    TitelKein Ort für Singles
    Genre Romanze
    Jahr2026
    FSK12
    RegieLaura Chiossone

    Starttermin: 08.05.2026 | Prime Video

    Warum Prime Video mit „Kein Ort für Singles“ im Gestern verharrt 

    Kino ist progressiv – oder sollte es zumindest sein. Film lebt von Bewegung, von Veränderung, von dem Mut, gesellschaftliche Normen nicht nur abzubilden, sondern infrage zu stellen. Die Leinwand kann ein Ort sein, an dem Visionen entstehen dürfen, an dem Menschen in all ihren Widersprüchen existieren können, ohne sofort in alte Muster zurückgedrängt zu werden. Doch dann gibt es dieses Genre, das sich mit beinahe verbissener Konsequenz gegen jede Form von Entwicklung stemmt: die Romanze. Dort, wo Konventionen auf nostalgische Sehnsüchte treffen und klassische Rollenbilder in Zement gegossen sind. Klare Linien im Plot verlangen klare Vorstellungen von Liebe, Glück und Geschlecht. Und genau das nervt – ungemein. Während das Indie- und Arthouse-Kino längst neue Perspektiven wagt, kreist der Mainstream weiter um dieselben antiquierten Fantasien – und das Amazon Original „Kein Ort für Singles“ bildet da keine Ausnahme.

    Kein Ort für Singles Amazon Prime Video 2026
    Kein Ort für Singles © Amazon MGM Studios

    Die Szenerie ist malerisch – etwas zu malerisch vielleicht: Im fiktiven toskanischen Belvedere in Chianti scheint die Luft aus reinen Pheromonen zu bestehen. Wer sich hier nicht verliebt, wirkt wie ein Fehler im System. Elisa Benetti (Matilde Gioli) ist genau solch eine vermeintliche Fehlfunktion. Sie lebt mit ihrer Mutter und ihrer Tochter auf dem herrschaftlichen Landgut „Le Giuggiole“ und führt ein Leben, das eigentlich vollständig erscheint: erfolgreich, unabhängig, selbstbestimmt. Doch „Kein Ort für Singles“ ist – wie der Titel schon sagt –, nun mal kein Ort für Singles und versteht die weibliche Autonomie als Defizit mit romantischem Reparaturbedarf. Jeder Verkupplungsversuch ihrer Familie scheitert, bis Michele D’Arcy auftaucht. Der Jugendfreund von früher kehrt als kühler Finanzinvestor aus London zurück, geschniegelt, distanziert, selbstverständlich – attraktiv (?). Und natürlich entdeckt Elisa hinter der kalkulierten Fassade irgendwann den weichen Kern. Aus Selbstbestimmung wird Sehnsucht, aus Eigenständigkeit romantische Bedürftigkeit. Es ist dieselbe Erzählung wie immer, nur neu dekoriert: Die starke Frau darf stark sein – solange ein Mann sie heilt.

    Filmpodcast

    Trotz Latzhose am Tropf der Romantik 

    Selbst ist die Frau. Elisa packt an, versteht ihr Handwerk, weiß, was sie will. Sie ist autonom. Gebildet. Geschickt. Selbstbewusst. Doch dann kommt Prime Video ums Eck und verwandelt eine selbstständige Frau mit erschreckender Konsequenz doch wieder in eine liebestolle Metresse ihrer eigenen Gefühle. Es wirkt fast zynisch, wie „Kein Ort für Singles“ ihre Unabhängigkeit erst feiert, nur um sie anschließend Stück für Stück emotional zu entkernen. Natürlich ist Liebe nichts Verwerfliches. Natürlich dürfen auch unabhängige Menschen romantische Nähe suchen. Aber warum endet weibliche Selbstständigkeit im Mainstreamkino noch immer so oft in der gleichen erzählerischen Unterwerfung? Warum verliert eine Figur, die anfangs Haltung besitzt, pünktlich zum zweiten Akt jede Kontur, nur damit sie in das emotionale Raster eines Mannes passt? Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Elisa bis zum Ende ihre Latzhose tragen darf. Geheilt wurde sie dennoch – der männlichen Kompetenz sei Dank. Es scheint fast so, als verwechsle das Skript äußere Eigenständigkeit mit echter innerer Autonomie – und merkt dabei nicht einmal, wie entlarvend das ist.

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    Kein Ort für Singles © Amazon MGM Studios

    Es ist letztlich der gesamte Duktus des Films, der diese konservative Haltung zementiert. Die Geschichte ertrinkt in Kitsch, jede Szene wirkt zugeschüttet mit abgestandenen Tropen und künstlicher Emotionalität. Untermalt wird das Ganze von einer melodramatischen Musik, dass sich einem die Nackenhaare aufstellen, laut und prominent genug, um die nicht vorhandene Chemie seiner Protagonist*innen unter einem dichten Klang aus penetranter Rührseligkeit und gewollter Sexyness zu zementieren. Keine Spannung, kein tastendes Kennenlernen, kein emotionales Risiko. Nur Behauptungen von Nähe, die nie wirklich spürbar werden. Selbst die traumhafte Kulisse Italiens verliert unter dieser Inszenierung ihre Wirkung. Die Toskana sieht hier nicht lebendig aus, sondern wie eine überbearbeitete Postkarte, die zu lange in der Sonne hing. Dieser künstlich mediterrane Filter legt sich über jede Einstellung wie eine sterile Fantasie von Italien – schön genug fürs Streaming-Thumbnail, aber vollkommen leblos. Der Kitsch überlagert die Realität so stark, dass einem die Lust auf den nächsten Italienurlaub fast vergehen könnte. „Kein Ort für Singles“ ist kein Wohlfühlfilm; es ist ein Manifest der Stagnation, das zeigt, wie weit das Streaming-Kino – zumindest in diesem Fall – noch von einer echten, modernen Erzählweise entfernt ist. 

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    Kein Ort für Singles © Amazon MGM Studios

    Fazit

    „Kein Ort für Singles“ beweist schmerzhaft, dass das Mainstream-Kino der Meinung ist, eine Frau in Latzhosen bräuchte nur den richtigen Mann im Anzug, um endlich „ganz“ zu sein. 

    Bewertung: 1.5 von 5.
    Amazon Prime Video

  • Das Glück hat acht Arme | Netflix Film – Kritik: Ein Oktopus stiehlt die Show

    Das Glück hat acht Arme

    TitelDas Glück hat acht Arme
    Genre Drama
    Jahr2026
    FSK12
    CreatorOlivia Newman

    Starttermin: 08.05.2026 | Netflix

    Netflix auf Kuschelkurs: Wenn ein Krake die Scherben einer Familie klebt

    Ein Oktopus, der Menschen besser versteht als sie sich selbst. Klingt erst einmal wie die typische Netflix-Idee, die gleichzeitig absurd und erstaunlich rührend wirkt. Genau damit wurde bereits „Mein Lehrer, der Krake“ zum weltweiten Phänomen. Die Oscar-prämiierte Dokumentation berührte Millionen Zuschauer*innen, weil sie mehr war als nur eine weitere Naturdoku. Im Mittelpunkt stand weniger eine Spezies, sondern ein Mensch in einer Lebenskrise. Filmemacher Craig Foster verarbeitete darin seinen Burnout und fand ausgerechnet in der Begegnung mit einem wilden Kraken wieder einen Zugang zur Welt. Die Verbindung zwischen Mensch und Tier fühlte sich echt an. „Das Glück hat acht Arme“ schlägt nun einen erstaunlich ähnlichen Weg ein – nur deutlich kalkulierter. Der Riesenoktopus Marcellus (gesprochen von Alfred Molina) lebt im Aquarium von Sowell Bay und beobachtet die Menschen mit stiller Skepsis. Laute Kinder. Hektisches Treiben. Immer dieselben identitätslosen Gesichter vor den Glasscheiben. Nur die ältere Reinigungskraft Tova (Sally Field) scheint anders zu sein. Zwischen ihr und dem Tier entsteht langsam eine ungewöhnliche Freundschaft, während Tova noch immer mit dem Tod ihres Mannes und dem Verschwinden ihres Sohnes kämpft. Als der junge Cameron (Lewis Pullman) im Aquarium anfängt zu arbeiten, zeigt sich schnell, dass auch er schwer an seiner Vergangenheit trägt. Und während die Menschen ihre eigenen Zusammenhänge nicht erkennen, versteht Marcellus längst mehr als sie selbst.

    Das Glück hat acht Arme Netflix Film 2026
    Das Glück hat acht Arme ©Netflix

    Alles beginnt mit einem Kommentar aus dem Off. Marcellus selbst nimmt das Publikum mit in seine Welt. Er betrachtet Menschen aus seiner Perspektive: von den lauten Kindern über das monotone Kommen und Gehen bis hin zu den ständig gegen die Scheibe gepressten Händen. Fast fühlt sich das an wie eine Disney-Dokumentation aus Sicht der Tiere. Nur dass „Das Glück hat acht Arme“ schneller klarmacht, dass es weniger um Naturbeobachtung geht als um menschliche Einsamkeit. Gerade in diesem speziellen Blickwinkel findet das Netflix Original erstaunlich viel Liebe fürs Detail. Wenn Marcellus sich etwa an der Individualität der Handabdrücke auf der Scheibe erfreut, entsteht für kurze Zeit tatsächlich etwas Schönes – etwas Melancholisches sogar. „Das Glück hat acht Arme“ findet seine stärksten Momente immer dann, wenn die Welt innehält, um einfach nur beobachtet zu werden. Wenn Marcellus mit trockenem, leicht zynischem Blick auf diese seltsamen Menschen schaut, wirkt es fast schon so, als hätte die Geschichte mehr im Kopf als bloß die nächste große Netflix-Umarmung. Doch genau an diesem Punkt setzt das Problem ein.

    Filmpodcast Netflix

    Acht Arme, drei Herzen, ein Problem

    „Das Glück hat acht Arme“ ist durch und durch auf Wohlfühlen programmiert. Jede Emotion sitzt exakt dort, wo sie sitzen soll. Verlust, Einsamkeit, kleine familiäre Traumata und vorsichtige Liebesgeschichten – alles greift sauber ineinander wie Zahnräder. Die Erzählung will niemanden verstören, niemanden herausfordern, niemandem wehtun. Stattdessen wird jede schwierige Emotion weich abgefedert. Selbst die traurigen Momente fühlen sich an, als würden sie direkt danach eine warme Decke reichen wollen. Dabei hätte der Film durchaus interessante Fragen stellen können – allen voran zur moralischen Komponente des Aquariums selbst. Marcellus bleibt letztlich ein hochintelligentes Tier in Gefangenschaft, beobachtet von Menschenmassen wie eine Attraktion. Doch der Film streift dieses Thema höchstens am Rand und romantisiert seine Umgebung lieber vollständig. Gerade weil so viel von emotionaler Nähe erzählt wird, wirkt dieses bewusste Wegschauen seltsam bequem. Als hätte „Das Glück hat acht Arme“ Angst davor, die eigene Wärme zu beschädigen – wenngleich das persönliche Finale von Marcellus den Freiheitsgedanken am Ende doch noch zu einem versöhnlichen Abschluss bringt.

    Das Glück hat acht Arme Netflix Film 2026
    Das Glück hat acht Arme ©Netflix

    Und trotzdem funktioniert einiges erstaunlich gut – vor allem dann, wenn der Oktopus selbst im Zentrum steht. Seine trockenen Kommentare verleihen dem Film genau die Persönlichkeit, die den menschlichen Figuren manchmal fehlt. Während Cameron und Tova oft vorhersehbar geschrieben wirken, besitzt Marcellus tatsächlich etwas Eigenes. Er beobachtet die Menschen nicht mit kitschiger Weisheit, sondern eher mit einer leicht genervten Neugier. Fast so, als könne er selbst nicht ganz glauben, wie kompliziert Menschen ihre Gefühle machen. Genau dort blitzt kurz der bessere Film auf. Aber „Das Glück hat acht Arme“ zieht sich immer wieder zurück in vertraute Netflix-Muster. Die emotionalen Enthüllungen kommen genau dann, wenn man sie erwartet. Die Figuren entwickeln sich exakt in die Richtung, die man früh erahnt. Und wo „Mein Lehrer, der Krake“ das Gefühl vermittelte, einer echten Verbindung zwischen Mensch und Tier beizuwohnen, bleibt Marcellus hier oft eher ein erzählerisches Werkzeug. Er ist weniger ein eigenes Wesen als vielmehr ein emotionaler Vermittler für menschliche Probleme. Am Ende ist „Das Glück hat acht Arme“ deshalb genau das, was Netflix vermutlich beabsichtigt hat: ein warmer, sanfter Film für einen verregneten Abend. Charmant, melancholisch, leicht konsumierbar. Eine dieser Geschichten, die einen kurz berühren und danach langsam verschwinden wie ein Fingerabdruck auf der Aquariumscheibe.

    Das Glück hat acht Arme Netflix Film 2026
    Das Glück hat acht Arme ©Netflix

    Fazit

    „Das Glück hat acht Arme“ funktioniert immer dann am besten, wenn wir die Welt durch die drei Herzen von Marcellus sehen. Während die menschlichen Probleme oft nach dem üblichen Schema F ablaufen und sich in ihrer Vorhersehbarkeit verlieren, ist der Oktopus der eigentliche Anker der Geschichte. 

    Bewertung: 3 von 5.
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