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Filme | Kritiken
  • Drawn Together | Amazon Film – Kritik: Das neue „Culpa Mía“ auf Prime Video

    Drawn Together

    TitelDrawn Together
    Genre Thriller, Romanze
    Jahr2026
    FSK16
    RegieÓscar Pedraza

    Starttermin: 09.09.2026 | Prime Video

    Amazon liefert die nächste Red Flag – und zieht sie wieder ein

    Romantische Warnsignale haben in den vergangenen Jahren eine erstaunliche Karriere hingelegt. Eifersucht, Kontrollzwang und die feste Überzeugung, über das Leben eines anderen Menschen besser Bescheid zu wissen als dieser selbst, waren einmal Eigenschaften, die innerhalb einer Liebesgeschichte zumindest erklärungsbedürftig erschienen. Inzwischen genügt häufig ein attraktiver Mann mit dunkler Vergangenheit, beträchtlichem emotionalem Ballast und jenem zuverlässig finsteren Blick, mit dem sich problematisches Verhalten erstaunlich effizient in geheimnisvolle Anziehung übersetzen lässt. Seit „Fifty Shades of Grey“ und später der „After“-Reihe hat insbesondere die Young- und New-Adult-Romanze ein ausgesprochen lukratives Interesse daran entwickelt, Liebe nicht einfach kompliziert, sondern möglichst gefährlich aussehen zu lassen. Der nette Mann von nebenan verlor dabei merklich an Marktwert. Gefragt war fortan einer, bei dem bereits das Kennenlernen genügend Material für mehrere Therapiesitzungen liefern könnte. Der Streamingmarkt hat diese Entwicklung dankbar aufgenommen. Netflix machte mit „Der Tränenmacher“ aus seelischen Abgründen eine romantische Grundausstattung, Prime Video schob „Love Me Love Me“ hinterher und spätestens Mercedes Rons „Culpa Mía“-Kosmos zeigte ziemlich eindrucksvoll, wie zuverlässig sich Eifersucht, Besitzdenken und emotionale Eskalation verkaufen lassen, wenn sie nur mit genügend vermeintlich attraktiven Menschen, Musik und jener Form bedeutungsschwerer Inszenierung versehen werden, die aus jeder Grenzüberschreitung noch eine große Leidenschaft herauszuholen versucht. Selbst die englischsprachige Neuauflage des Erfolgsrezepts ließ nicht lange auf sich warten. Wenn ein Konzept funktioniert, wird im Streaminggeschäft schließlich nur selten darüber diskutiert, ob man es noch einmal braucht. Man variiert Besetzung und Kulisse und beginnt von vorn. Nun landet mit „Drawn Together“ die nächste Mercedes-Ron-Adaption bei Prime Video, und eigentlich stehen sämtliche Zeichen schon früh auf jenem Sturm, den diese Geschichten seit Jahren mit erstaunlicher Konsequenz heraufbeschwören. 

    Drawn Together Amazon Prime Video Film 2026
    Drawn Together ©Amazon Prime Video

    Der erste Band ihrer „Enfrentados“-Dilogie bringt eine junge Frau aus privilegierten Verhältnissen, einen mächtigen Vater, eine Entführung, einen attraktiven Bodyguard, permanente Überwachung und ein Machtgefälle zusammen, das innerhalb dieses Genres längst als zuverlässiger Rohstoff für erotische Spannung gilt. Eigentlich müsste nur noch jemand die hormongeschwängerte Musik aufdrehen und schon könnte die nächste Beziehung beginnen, bei der persönliche Freiheit vor allem als dramaturgisches Hindernis auf dem Weg zur großen Liebe behandelt wird. Gerade deshalb ist die eigentliche Überraschung von „Drawn Together“ so bemerkenswert: Der Film macht das weitgehend nicht. Marfil Cortés, gespielt von „Élite“-Star Ester Expósito, ist die Tochter eines mächtigen spanischen Geschäftsmanns und führt in New York ein ausgesprochen privilegiertes Leben, bis sie entführt und wenig später unter mysteriösen Umständen wieder freigelassen wird. Ihr Vater engagiert daraufhin den von Hugo Diego García verkörperten Sebastián Moore als persönlichen Bodyguard. Fortan soll dieser verhindern, dass Marfil erneut etwas zustößt – rund um die Uhr und zwangsläufig mit deutlich weniger Privatsphäre. Sebastián muss wissen, wo sie sich aufhält, mit wem sie unterwegs ist und was sie vorhat. Auf dem Papier ist das die perfekte Ausgangslage für jene Form moderner Streamingromantik, in der beruflich begründete Kontrolle nur ein wenig erotisch aufgeladen werden muss, bis aus Sicherheitsmaßnahmen plötzlich Charaktereigenschaften werden. Aus Personenschutz wird Nähe, aus Nähe Reibung und aus Reibung irgendwann Anziehung. Das Genre könnte an dieser Stelle beinahe selbstständig übernehmen. Nur weigert sich Sebastián erfreulicherweise, zum vorgesehenen Problemfall zu werden. García erfüllt äußerlich ziemlich genau jene Anforderungen, die solche Geschichten an ihren männlichen Gegenpart stellen: verschlossener Blick, ernste Körpersprache, geheimnisvolle Vergangenheit. Sebastián trägt die visuellen Insignien des modernen Bad Boys, ohne dessen übliches Verhalten zu übernehmen. Er behandelt Marfil nicht wie persönlichen Besitz, möchte nicht über ihr Leben bestimmen und versteht krankhafte Eifersucht auch nicht als Beweis emotionaler Tiefe. Er kontrolliert ihre Bewegungen aus einem ziemlich nachvollziehbaren Grund: Es ist sein Beruf. Nachdem sie gerade erst entführt wurde. Mehr Red Flag ist da zunächst nicht.

    Filmpodcast

    Prime Videos „Bodyguard“ für eine Generation, die „Bodyguard“ nicht kennt

    Das klingt beinahe banal und ist im Umfeld solcher Geschichten trotzdem bemerkenswert. „Drawn Together“ könnte seine Ausgangslage problemlos dafür benutzen, aus beruflicher Kontrolle romantischen Besitzanspruch werden zu lassen. Sebastián darf wissen, wo Marfil ist, ihr aus Sicherheitsgründen widersprechen und im Ernstfall Entscheidungen treffen, die ihr nicht gefallen. Ein Film, der stärker den etablierten Mechanismen des Genres folgte, müsste daraus nur Dominanz, Eifersucht und Grenzüberschreitungen ableiten und hätte ziemlich exakt jene Liebesfantasie gebaut, die sich seit Jahren durch Bestsellerlisten und Streamingkataloge zieht. Stattdessen ist Sebastián ein erstaunlich vernünftiger Kerl. Kein manipulativer Alphamann, kein emotionaler Tyrann, kein wandelndes Warnsignal, dessen mangelnde Beziehungsfähigkeit nachträglich als Ausdruck besonders intensiver Gefühle geadelt wird. Regisseur Óscar Pedraza erspart sich jene romantische Logik, nach der Kontrolle nur intensiv genug ausfallen muss, um irgendwann als Fürsorge durchzugehen. Die Macht, die Sebastián durch seinen Beruf über Teile von Marfils Alltag erhält, bleibt zunächst genau das: Bestandteil seines Sicherheitsauftrags. Nur handelt sich „Drawn Together“ damit ein anderes Problem ein. Sobald man einer Romanze Eifersucht, Besitzdenken und emotionale Eskalation als bequem verfügbare Spannungsmittel entzieht, muss zwischen ihren Figuren tatsächlich etwas anderes vorhanden sein. Zum Beispiel Chemie. Und genau die findet der Film bemerkenswert zuverlässig nicht. 

    Drawn Together Amazon Prime Video Film 2026
    Drawn Together ©Amazon Prime Video

    Prime Video behauptet mit beträchtlichem Nachdruck, dass Marfil und Sebastián einander begehren. Pedraza lässt sie ansehen, berühren, schweigen, während der Soundtrack jeder Annäherung die gebotene Bedeutung verleiht. Blicke dauern länger, Berührungen werden bedeutungsvoller, alles signalisiert, dass zwischen diesen Menschen etwas entstehen soll. Nur entsteht erstaunlich wenig. Die Romanze bleibt Behauptung, die Inszenierung setzt Ausrufezeichen an Stellen, an denen das Drehbuch zuvor keinen überzeugenden Satz formuliert hat. „Drawn Together“ verwechselt die Inszenierung von Nähe mit Nähe selbst. Der Film möchte dieses klassische „Wir dürfen nicht, aber wir wollen“-Gefühl, doch das behauptete Knistern ergibt sich aus Expósito und García kaum. Dabei ist die Bodyguard-Romanze keineswegs eine Erfindung des Streamingzeitalters. Kevin Costner und Whitney Houston haben 1992 in „Bodyguard“ vorgeführt, warum die Verbindung aus Gefahr, erzwungener Nähe und wachsendem Vertrauen funktionieren kann. Natürlich ist auch dieser Film Kitsch, besitzt aber ein Gespür dafür, wann seine Hauptfiguren tatsächlich miteinander funktionieren. „Drawn Together“ kennt dieses Vorbild offensichtlich: Marfil und Sebastián besuchen sogar selbst eine Vorstellung von „Bodyguard“, wodurch Pedraza seine Referenz beinahe demonstrativ offenlegt. Das Problem an solchen Verweisen ist nur, dass sie zwangsläufig einen Vergleich eröffnen. Und der fällt nicht unbedingt zugunsten der Neuinterpretation aus.

    Drawn Together Amazon Prime Video Film 2026
    Drawn Together ©Amazon Prime Video

    Und dann kommt der Crime-Plot

    Als wäre eine Romanze ohne ausreichende romantische Spannung noch nicht Herausforderung genug, erinnert sich „Drawn Together“ im weiteren Verlauf daran, dass Marfils Entführung auch erzählerisch irgendwohin führen muss. Also öffnet sich zunehmend die Tür zum Crime-Thriller. Dahinter warten Geheimnisse, Bedrohungen, undurchsichtige Motive und Figuren, bei denen nicht immer klar ist, ob sie helfen, schaden, lügen oder lediglich Informationen für den zweiten Teil zurückhalten. Was als überschaubare Ausgangslage beginnt, greift immer weiter aus. Der Crime-Anteil bleibt zunächst Hintergrund, wird dann Handlung und beansprucht schließlich so viel Aufmerksamkeit, dass die Romanze beinahe zur Nebenhandlung ihres eigenen Films wird. Das wäre grundsätzlich kein Problem. Gerade eine Bodyguard-Geschichte lebt davon, dass die behauptete Gefahr nicht bloß dekoratives Beiwerk bleibt. Nur gelingt es „Drawn Together“ nicht besonders überzeugend, seine beiden erzählerischen Ebenen miteinander zu verbinden. Die Liebesgeschichte entwickelt zu wenig emotionale Zugkraft, während der Thriller immer neue Fragen aufwirft, ohne dadurch automatisch an Spannung zu gewinnen. Beide Elemente stehen häufiger nebeneinander, als dass sie sich gegenseitig verstärken würden. Denn ein Thriller wird nicht automatisch besser, nur weil sein Plot komplizierter wird – genauso wenig wie eine Romanze automatisch funktioniert, nur weil sie weniger problematisch ist als erwartet. Zwei Figuren müssen einander nicht emotional ruinieren, um interessant zu sein. Sie dürfen vernünftig miteinander umgehen, Grenzen respektieren und trotzdem leidenschaftlich füreinander empfinden. Nur muss diese Leidenschaft dann auch irgendwo zu erkennen sein. „Drawn Together“ entkommt damit jener Falle, in die man den Film bereits beim Lesen seiner Prämisse hineinfallen sieht, und landet unmittelbar in der nächsten. Pedraza weigert sich erfreulicherweise, Kontrolle mit Liebe gleichzusetzen. Dafür verwechselt er Inszenierung zu häufig mit Gefühl und Handlung mit Spannung. Die große Red Flag bleibt also tatsächlich weitgehend eingerollt. Nur reicht das noch lange nicht für einen guten Film.

    Drawn Together Amazon Prime Video Film 2026
    Drawn Together ©Amazon Prime Video

    Fazit

    Die befürchtete toxische Romanze bleibt aus. „Drawn Together“ nimmt eine Ausgangslage, die geradezu prädestiniert dafür wäre, Kontrolle und Besitzdenken als Leidenschaft zu verkaufen, und entschärft sie überraschend konsequent. Das ist die richtige Entscheidung. Nur ersetzt moralische Zurückhaltung weder Chemie noch Spannung. Amazon zieht die Red Flag ein – und findet danach leider nur bedingt etwas, das an ihre Stelle treten könnte.

    Bewertung: 1 von 5.
    Amazon Prime Video
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  • Match | Film – Kritik: Das schlimmste Tinder-Date deines Lebens

    Match

    TitelMatch
    Genre Horror
    Jahr2025
    FSK16
    RegieDanishka Esterhazy

    Heimkinostart: 08.10.2026

    Wenn die biologische Uhr im Fleischwolf landet

    Kaum eine private Entscheidung wird gesellschaftlich so zuverlässig zur öffentlichen Angelegenheit wie die Frage, ob und wann eine Frau Kinder bekommt. Mit 30 noch kinderlos? Keine Schwangerschaft in Sicht? Dann dauert es meist nicht lange, bis aus beiläufigem Interesse eine erstaunlich hartnäckige Form der Lebensberatung wird. Irgendwo zwischen Familienfeier, Kaffeetafel und ungefragtem Ratschlag sitzt immer jemand, der aus einer Frau zunächst eine potenzielle Mutter und erst danach einen Menschen macht. Frau gleich Mutter. Beziehung gleich Familienplanung. Und wenn der Kinderwagen nicht rechtzeitig vor der Haustür steht, wird besorgt auf die biologische Uhr gestarrt, als hätte jemand vergessen, sie aufzuziehen. Dabei liegt das Durchschnittsalter für das erste Kind in Deutschland längst jenseits der magischen 30: 2025 wurden Frauen im Schnitt mit 30,5 Jahren zum ersten Mal Mutter, Männer mit 33,3 Jahren zum ersten Mal Vater. Umso erstaunlicher ist, wie hartnäckig die gesellschaftliche Vorstellung überlebt, eine Frau müsse mit 30 eigentlich schon mindestens einen Kinderwagen besitzen und idealerweise wissen, welcher Kindergarten in drei Jahren infrage kommt. „Match“ nimmt diese Erwartungshaltung und macht daraus Horror. Nicht besonders subtil. Dafür mit deformierten Körpern und einer Mutter, die den Kinderwunsch ihres Sohnes ungefähr so behandelt wie andere Leute eine verspätete Amazon-Lieferung: Irgendwann muss das verdammte Paket schließlich ankommen. Im Zentrum dieses ziemlich wörtlich genommenen Fortpflanzungsdrucks steht Paola, gespielt von Humberly González. Sie ist 30 und sucht auf Dating-Apps nach Liebe. Nicht, weil irgendwo eine Uhr tickt. Nicht, weil dringend ein Vater für ein noch nicht existierendes Kind gefunden werden müsste. Sondern einfach nach einem Menschen, mit dem sich das Leben etwas weniger leer anfühlt. Doch das gestaltet sich gar nicht so einfach zwischen all den Dickpics, ungefragten Sexangeboten und Männern, deren Vorstellung von romantischer Annäherung offenbar darin besteht, möglichst schnell sämtliche Hüllen fallen zu lassen.

    Match Film 2025
    Match ©Busch Media Group

    Paolas Schwester Maria (Shaeane Jimenez) ist deshalb zu Recht skeptisch, als Paola einen Mann namens Henry kennenlernt. Ihr Vater sitzt ihr derweil ohnehin im Nacken und wartet auf Enkel. Der Druck kommt damit längst nicht mehr nur aus der App, sondern auch aus dem eigenen Wohnzimmer. Aber Henry scheint anders zu sein. Charmant, aufmerksam, attraktiv. Ein Mann, der zuhört und offenbar tatsächlich an Paola interessiert ist. Dann lädt er sie zu sich nach Hause ein. Und genau dort zeigt sich, wie konsequent „Match“ seine zunächst ziemlich alltägliche Ausgangssituation ins Groteske überführt. Denn der Henry, den Paola aus ihren Videocalls kennt, ist gar nicht der echte Henry. Der attraktive Mann aus dem Internet ist ein Lockvogel – und der echte Henry (Jacques Adriaanse) ein schwer deformiertes Monster, dessen Mutter Lucille (Dianne Simpson) sich sehnlichst eine Frau an seiner Seite wünscht. Doch nicht der Liebe willen. Lucille wünscht sich ein Enkelkind – komme, was wolle. Und so nimmt sich „Match“ die alte gesellschaftliche Zumutung zu eigen, Frauen hätten sich gefälligst rechtzeitig um Mann und Nachwuchs zu kümmern, und dreht sie so lange durch den Fleischwolf des Horrorgenres, bis aus der Erwartung eine Entführung wird. Lucille entpuppt sich schnell als groteske Endstufe genau jener Menschen, die meinen, über die Familienplanung anderer urteilen zu dürfen. Die Mutter, die beim Weihnachtsessen fragt, wann es denn endlich so weit sei. Die Tante, die unbedingt wissen möchte, ob „der Richtige“ schon gefunden wurde. Der Vater, der seine Tochter mit Enkelwünschen bombardiert. Freunde, Bekannte und Verwandte, die Kinderlosigkeit behandeln, als handele es sich um einen vorübergehenden Systemfehler, den man mit genügend Nachfragen beheben könne. Die Überzeichnung funktioniert gerade deshalb, weil ihr Ausgangspunkt so unangenehm vertraut bleibt. Aus einer Frage, die niemanden etwas angeht, wird plötzlich ein Anspruch. Aus Erwartung wird Verfügung. Was wäre also, wenn dieser Druck nicht mehr nur nervt, sondern tatsächlich Besitzansprüche entwickelt?

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    Wrong Turn auf Tinder

    „Match“ scheint verstanden zu haben, dass Catfishing als Horroridee längst nicht mehr besonders originell ist. Die Vorstellung, dass jemand im Internet eine andere Identität vortäuscht, ist inzwischen so alltäglich, dass sie kaum noch einen Film allein tragen, geschweige denn die ohnehin schon absurde Realität übertreffen könnte. Der Kniff besteht also darin, die Täuschung immer weiter aufzublättern. Henry ist nicht Henry. Der Mann aus dem Video ist nicht der Mann im Haus. Die Nachrichten stammen nicht von ihm. Und hinter dem vermeintlichen Liebesinteresse steckt eine Mutter, die ihren Sohn über eine Dating-App auf Brautschau schickt. Bis hierhin weiß „Match“ ziemlich genau, was er sein will, und trifft mit seiner absurden Zuspitzung einen erstaunlich wunden Punkt. Nur scheint ihm das irgendwann selbst nicht mehr zu genügen. Aus der treffenden Dating-Satire wird zunehmend ein konventioneller Gefangenschafts- und Körperhorror, der seine Ausgangsidee mit Blut und grotesken Momenten garniert, daraus aber kaum zusätzliche Spannung gewinnt. Und genau dort beginnt die Geschichte an Wirkung zu verlieren. Danishka Esterhazys Inszenierung macht daraus einen eigenartigen Bastard aus „Wrong Turn“, „Misery“ und „Fresh“ – nur dass die Familie diesmal nicht durch Inzucht entstanden ist, sondern offenbar dringend Nachwuchs für die nächste Generation benötigt. Henry sieht aus, als hätten Victor Crowley und eine besonders schlecht gelaunte Cousine aus dem „Wrong Turn“-Universum ein gemeinsames Kind bekommen, das anschließend von sämtlichen Dating-Apps der Welt abgelehnt wurde. Das ist zunächst wunderbar geschmacklos, wird aber zunehmend zum Selbstzweck. Denn Ekel ist noch keine Spannung. Wo die Ausgangssituation etwas Unangenehmes und beinahe Beklemmendes besitzt, wird der Horror immer stärker zum Schauwert. Die Bedrohung wächst dabei erstaunlicherweise nicht mit der Menge an Blut. Im Gegenteil: Je deutlicher die Inszenierung zeigen möchte, wie extrem sie sein kann, desto weniger bleibt von jener alltäglichen Unruhe übrig, mit der alles begonnen hat. Das ist irgendwann weniger Albtraum als Jahrmarkt.

    Match Film 2025
    Match ©Busch Media Group

    Und genau hier hätte „Match“ seiner eigenen Idee mehr vertrauen müssen. Der gesellschaftliche Horror ist nämlich viel interessanter als der Gore – nur räumt die Erzählung ausgerechnet Letzterem von Minute zu Minute mehr Platz ein. Damit verschiebt sich nicht nur der Ton, sondern auch der Fokus. Das Interessantere liegt längst in der Art, wie Menschen hier bewertet und auf bestimmte Funktionen reduziert werden. Dating-Apps machen Menschen schließlich zu Profilbildern, Fotos, Filtern und kleinen Auswahlkarten. Wer bekommt einen Swipe nach rechts? Wer wird aussortiert? Wer gilt als begehrenswert? Das passt erstaunlich gut zu einer Geschichte, in der Paola ohnehin ständig danach beurteilt wird, ob sie den Erwartungen anderer entspricht. Die App macht aus dieser Logik lediglich ein besonders effizientes Auswahlverfahren. Gerade dort, wo diese Mechanik ins Absurde kippt, funktioniert auch der Humor am besten. Wenn die Geschichte ihren Witz aus der Situation zieht, ist sie wesentlich treffsicherer als in den Momenten, in denen sie versucht, Angst zu machen. Genau daraus entsteht die merkwürdige Zweiteilung der zweiten Hälfte. Einerseits ist die Geschmacklosigkeit bewusst gesetzt. Das ist gut. Aus „Wann bekommst du endlich Kinder?“ wird irgendwann „Du bekommst jetzt ein Kind“. Böse, pointiert und stellenweise ziemlich lustig. Andererseits wird dieselbe Geschmacklosigkeit im Horror zunehmend zu bloßem Materialeinsatz. Der Splatter will schocken, wo die Satire bereits getroffen hat. Der Torture-Porn-Anteil will den Magen umdrehen, wo das Drehbuch längst einen viel unangenehmeren Gedanken gefunden hat. Je mehr sich Verletzungen und Körperhorror in den Vordergrund drängen, desto weiter entfernt sich die Geschichte von ihrem stärksten Unbehagen: der Vorstellung, dass andere Menschen ganz selbstverständlich entscheiden wollen, wie ein fremdes Leben auszusehen hat. Irgendwann fragt man sich deshalb nicht mehr, was hier über Menschen erzählt werden soll, sondern nur noch, wie weit sich groteske Körperlichkeit als Schauwert treiben lässt.

    Match Film 2025
    Match ©Busch Media Group

    Wenn Splatter die Satire auffrisst

    Das ist der Moment, in dem „Match“ seinen interessantesten Gedanken aus den Augen verliert. Denn die Eskalation müsste gar nicht so weit gehen, um unangenehm zu werden. Der eigentliche Horror steckt nicht in Henrys deformiertem Körper. Er steckt in den Erwartungen, die an Paola gestellt werden, und in der Selbstverständlichkeit, mit der daraus vermeintliche Ansprüche entstehen. Gleichzeitig steckt er in einer Dating-Welt, die verspricht, aus Millionen Menschen den passenden Partner herauszufiltern, während sie dieselben Menschen innerhalb weniger Sekunden bewertet und aussortiert. Beide Ebenen folgen letztlich einer ähnlichen Logik: Ein Mensch soll in ein vorgegebenes Raster passen. Tut er das nicht, wird kommentiert, weggewischt oder passend gemacht. Genau darin liegt die unangenehme Verbindung, die genügend Stoff für einen deutlich böseren Horrorfilm geliefert hätte. Stattdessen wird sie immer wieder zugunsten des nächsten blutigen Schauwerts liegen gelassen. Daraus hätte ein richtig böser Film werden können. Stattdessen ist es ein ziemlich böser Film mit einem Hang zum Blutbad. Das muss nicht grundsätzlich ein Widerspruch sein. Die Mischung aus Dating-Satire und groteskem Familienhorror besitzt genügend Eigenwilligkeit, um sich aus dem Streaming-Horrorbrei herauszuarbeiten. Auch der Wille zur Geschmacklosigkeit gehört durchaus zu seinen Vorzügen. Niemand versucht hier, die unangenehme Grundidee elegant oder gefällig zu verpacken. Nur hätte sich diese Geschmacklosigkeit länger an dem festbeißen sollen, was wirklich wehtut, anstatt irgendwann hauptsächlich Kunstblut darüberzugießen. Beim Thema trifft sie. Beim Horror kleckert sie.

    Match Film 2025
    Match ©Busch Media Group

    Fazit

    „Match“ ist schmutzig, böse und angenehm geschmacklos – nur leider nicht immer an den richtigen Stellen. Was als herrlich unangenehme Dating-Horroridee beginnt, verliert sich irgendwann etwas zu sehr im Blut. Unterhaltsam bleibt das trotzdem. Nur eben weniger clever, als es zwischendurch wirkt.

    Bewertung: 3 von 5.
    Match Film 2025 Amazon Prime Video
    Match Film 2025 Amazon Prime Video
  • Silver Star – Alles oder nichts Film | Film – Kritik: Wenn das Leben keine Route vorgibt

    Silver Star – Alles oder nichts

    TitelSilver Star – Alles oder nichts
    Genre Thriller, Drama
    Jahr2024
    FSK16
    RegieRuben Amar, Lola Bessis

    Heimkinostart: 26.09.2026

    Das Leben liefert kein Navi fürs Erwachsenwerden

    Erwachsenwerden ist eine ziemlich fragwürdige Reiseveranstaltung. Irgendwann wird von einem Menschen erwartet, dass er aus all den widersprüchlichen Einzelteilen seiner Jugend eine halbwegs brauchbare Route zusammenbaut: Arbeit finden, Geld verdienen, Entscheidungen treffen, irgendwie wissen, wohin das Ganze führen soll. Für manche steht zumindest ein Wegweiser am Straßenrand, auch wenn die Strecke voller Schlaglöcher liegt. Andere starten dort, wo der Asphalt längst aufgehört hat. Wer am gesellschaftlichen Rand aufwächst, bekommt selten einen großen Zukunftsentwurf mit ins Handschuhfach gelegt. Eher eine Sammlung von Hindernissen, die sich hartnäckig als Lebensumstände tarnen. Armut, fehlende Perspektiven, kaputte Familienverhältnisse oder eine Vergangenheit, die sich nicht einfach irgendwo an der nächsten Raststätte abladen lässt, machen aus dem Erwachsenwerden keinen Aufbruch, sondern einen Überlebensversuch. Man sitzt plötzlich selbst am Steuer, obwohl einem nie jemand erklärt hat, wie dieses verdammte Ding eigentlich funktioniert. Eine ziemlich perfide Form von Selbstständigkeit. Genau an diesem Punkt steigt „Silver Star – Alles oder nichts“ ein. Der Film erzählt von zwei jungen Frauen, die sich in einer Welt zurechtfinden müssen, die ihnen wenig Orientierung und noch weniger brauchbare Straßenkarten mitgegeben hat. Billie (Troy Leigh-Anne Johnson) und Franny (Grace Van Dien) stehen an der Schwelle zu einem Erwachsenendasein, für das es keinen ausgearbeiteten Plan gibt. Billie ist 20, gerade aus dem Gefängnis entlassen und dringend auf der Suche nach Geld. Also beschließt sie, eine Bank auszurauben. Der Plan scheitert, Billie nimmt die 18-jährige Franny als Geisel und flieht mit ihr. Franny ist hochschwanger, rebellisch und mindestens ebenso orientierungslos wie ihre Entführerin. Was zunächst wie eine bemerkenswert schlechte Ausgangslage für einen gemeinsamen Ausflug aussieht, entwickelt sich zu einer Flucht durch die amerikanische Provinz. Billie versucht, mit den Konsequenzen ihrer Vergangenheit klarzukommen, während Franny unmittelbar vor einem Leben steht, auf das sie kaum vorbereitet sein dürfte. Zwei junge Frauen, zwei ziemlich unterschiedliche Formen von Verlorenheit – und eine Straße vor ihnen, die zumindest so tut, als müsste irgendwo hinter dem Horizont eine Antwort liegen.

    Silver Star – Alles oder nichts Film 2024
    Silver Star ©Ascot Elite Home Entertainment

    Dass man bei „Silver Star – Alles oder nichts“ schnell an „Thelma & Louise“ denkt, ist kaum zu vermeiden. Zwei Frauen, ein Auto, eine Flucht, Amerika vor der Windschutzscheibe und hinter ihnen ein Leben, das ohnehin keine besonders herzliche Einladung zum Bleiben ausgesprochen hat. Nur geht es hier weniger um Befreiung als um dieses seltsame Zwischenstadium kurz vor dem Erwachsensein, in dem man offiziell längst Entscheidungen treffen darf, innerlich aber noch damit beschäftigt ist herauszufinden, was Entscheidungen eigentlich kosten. Die Straße wird nicht zum großen Freiheitsversprechen. Sie ist eher ein Aufschub. Solange Billie und Franny fahren, müssen sie für ein paar Kilometer wenigstens nicht wissen, wo sie ankommen wollen. Das passt ziemlich gut zu einem Film, der auch seine Figuren nicht sauber sortiert. Billie ist keine Heldin, Franny schon gar keine Schutzbedürftige, die bloß aus einer schlechten Situation gerettet werden muss. Zwischen ihnen entsteht keine dieser hübsch berechneten Zweckgemeinschaften, bei denen nach zwanzig Minuten feststeht, wer wem später welche Lebensweisheit mit auf den Weg geben darf. Ihre Beziehung bleibt sperrig. Misstrauen, Abhängigkeit, Trotz, Neugier und etwas, das irgendwann beinahe wie Zuneigung aussieht, quetschen sich gemeinsam auf die Rückbank. Darin steckt eine der größten Qualitäten von „Silver Star“. Diese beiden Menschen werden nicht kompatibel gemacht, nur weil das Drehbuch beschlossen hat, sie gemeinsam loszuschicken. Sie besitzen genug Kanten, um sich aneinander zu verletzen. Das macht ihre gemeinsame Fahrt wesentlich interessanter als jede sauber ausformulierte Freundschaft. Troy Leigh-Anne Johnson und Grace Van Dien erfüllen ihre Aufgabe dabei mit einer Selbstverständlichkeit, die einiges auffängt, was das Drehbuch unterwegs liegen lässt. 

    Filmpodcast

    „Thelma & Louise“ ohne Freiheitsrausch

    Auch formal sucht „Silver Star – Alles oder nichts“ nach Reibung. Die Kamera bleibt unruhig, hängt an Gesichtern, Körpern und Bewegungen, manchmal fast so, als hätte sie selbst keinen festen Sitzplatz gefunden. Bilder dürfen rau sein, Kompositionen unfertig wirken, der Moment wichtiger werden als die hübsche Ansicht der US-amerikanischen Provinz. Diese Nervosität passt zu einer Geschichte, in der kaum jemand wirkliche Kontrolle besitzt. Es gibt keine glänzende Roadmovie-Romantik, bei der die Sonne im exakt richtigen Winkel über der Motorhaube untergeht und irgendein Indie-Song aus dem Autoradio verkündet, dass jetzt gerade Freiheit stattfindet. Die Bilder haben Dreck unter den Fingernägeln. Zum Glück. Nur entsteht aus dieser Nähe paradoxerweise nicht immer echte Intimität. Man sitzt zwar auf dem Beifahrersitz, bekommt jede Bodenwelle mit und spürt die Unruhe der Fahrt, bleibt emotional aber erstaunlich oft angeschnallt. „Silver Star – Alles oder nichts“ kommt seinen Figuren körperlich sehr nahe und hält ihre inneren Bewegungen trotzdem auf Distanz. Das ist besonders schade, weil eigentlich alles vorhanden wäre, was eine starke Coming-of-Age-Geschichte braucht: zwei junge Menschen an unterschiedlichen Abzweigungen ihres Lebens, eine Situation ohne Rückfahrkarte, gegenseitige Reibung, moralische Grauzonen und dieses riesige amerikanische Nirgendwo, das hervorragend darin ist, Menschen noch kleiner wirken zu lassen, als sie sich ohnehin fühlen. Statt sich jedoch häufiger einfach neben Billie und Franny zu setzen und einen Moment auszuhalten, will der Film weiter. Noch eine Begegnung. Noch ein Ereignis. Noch eine neue Situation, die die Reise in Bewegung hält. Das sorgt dafür, dass „Silver Star – Alles oder nichts“ selten wirklich stehen bleibt – und genau das hätte er häufiger tun müssen. Nicht jeder Kilometer braucht eine dramaturgische Aufgabe. Manche der besten Roadmovies wissen, dass eine Tankstelle um halb drei Uhr nachts, ein schweigsames Frühstück oder zehn Minuten Fahrt, in denen niemand etwas zu sagen hat, mehr über zwei Menschen erzählen können als der nächste sorgfältig platzierte Zwischenfall. 

    Silver Star – Alles oder nichts Film 2024
    Silver Star ©Ascot Elite Home Entertainment

    „Silver Star – Alles oder nichts“ vertraut diesen Leerstellen zu wenig. Kaum droht die Geschichte für einen Moment zur Ruhe zu kommen, wird schon wieder der Gang eingelegt. Als hätte jemand Angst, das Publikum könnte beim nächsten Rastplatz aussteigen, wenn nicht schnell genug etwas passiert. Das hält die Handlung beweglich, nimmt ihr aber die emotionale Ablagerung, die erst entsteht, wenn ein Augenblick länger stehen bleiben darf, als es für die Handlung unbedingt nötig wäre. Gerade Billies Vergangenheit und Frannys bevorstehende Mutterschaft liefern genug Stoff für ganze innere Landschaften. Der Film fährt an ihnen vorbei, schaut kurz aus dem Seitenfenster und nimmt dann wieder Geschwindigkeit auf. Man versteht beide Figuren. Man kann ihre Wut, ihre Angst, ihren Trotz einordnen. Aber man lebt zu selten wirklich mit ihnen. Das ist ein entscheidender Unterschied. Umso frustrierender sind die Momente, in denen „Silver Star“ plötzlich zeigt, was möglich gewesen wäre. Die Momente, in denen die Flucht für ein paar Sekunden aufhört, Flucht zu sein. Dann bekommt die Erzählung Gewicht. Dann wird aus dem geografischen Unterwegssein tatsächlich ein inneres. Man spürt, dass diese Reise nicht bloß von einem Ort zum nächsten führt, sondern durch zwei ziemlich beschädigte Vorstellungen davon, wie Zukunft überhaupt aussehen könnte. Nur sind diese Augenblicke meistens schon wieder vorbei, bevor sie sich richtig festsetzen dürfen. Vielleicht ist „Silver Star“ deshalb selbst ein wenig wie seine Figuren. Talentiert, widerspenstig, voller Möglichkeiten – und ohne besonders verlässlichen Kompass. Der Film besitzt die richtigen Voraussetzungen. Zwei starke Hauptdarstellerinnen sitzen vorne, die Kamera liefert die passende Unruhe, die Figurenkonstellation hat Reibung und das Coming-of-Age-Gerüst steht längst am Straßenrand bereit. Trotzdem kommt nie ganz dieses Gefühl auf, wirklich gemeinsam unterwegs gewesen zu sein. Man erinnert sich an einzelne Etappen, an Stimmungen und an Szenen. Nur nicht an die Reise als Ganzes. „Silver Star – Alles oder nichts“ ist kein Unfall. Eher eine Fahrt, bei der man irgendwann auf den Kilometerstand schaut und feststellt, dass erstaunlich viel Strecke hinter einem liegt, ohne dass man dem Ziel wirklich nähergekommen wäre. Viel Talent sitzt im Wagen. Viel Potenzial liegt im Kofferraum. Nur die Route bleibt erstaunlich unentschlossen.

    Silver Star – Alles oder nichts Film 2024
    Silver Star ©Ascot Elite Home Entertainment

    Fazit

    „Silver Star – Alles oder nichts“ wirkt wie ein Film, der seinen Figuren gern mehr mitgegeben hätte, als er unterwegs tatsächlich findet. Zwischen Aufbruch und Orientierungslosigkeit liegt hier viel, das nachwirken könnte, aber zu selten wirklich hängen bleibt. So bleibt eine Geschichte mit Haltung, Talent und Eigensinn, die ihre eigene Richtung nie ganz findet. Kein Unfall, im Gegenteil: ein durchaus überzeugender Film. Aber eben auch eine Fahrt mit guten Aussichten, bei der man am Ende trotzdem nicht genau weiß, warum man ausgestiegen ist. 

    Bewertung: 3 von 5.
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  • La Gioia – Süchtig nach Dir | Film – Kritik: Wahre Liebe trifft tödliche Illusion

    La Gioia – Süchtig nach Dir

    TitelLa Gioia – Süchtig nach Dir
    Genre Thriller, Drama
    Jahr2025
    FSK16
    RegieNicolangelo Gelormini

    Heimkinostart: 03.09.2026

    Eine wahre Geschichte zwischen Liebe und Tod

    Blut. Schockmomente. Creature-Effekte. Das Horrorgenre kann ziemlich laut sein, konfrontativ, schnell und direkt. Es weiß, wann etwas aus dem Dunkeln springen muss, wann Knochen brechen und wann möglichst viel davon auf die Kamera spritzen sollte. Der Schrecken liegt dann offen herum, meistens irgendwo zwischen Gedärm und Spezialeffekt. Der wirklich unangenehme Horror braucht das alles allerdings nicht. Er versteckt sich dort, wo niemand mit ihm rechnet: in persönlichen Geschichten, in Verlust und Trauer, in Einsamkeit, in der Erkenntnis, dass ein Mensch einem anderen Menschen etwas antun kann, ohne dass dafür eine übernatürliche Kraft aus dem Keller steigen muss. Je weiter der Horror seine vertrauten Bahnen verlässt, desto interessanter wird er. Denn zwischen Drama und Horror verläuft ohnehin keine besonders stabile Grenze. Manchmal reicht eine Kamera, die einen Augenblick zu lange auf einem Gesicht bleibt. Ein Musikstück, das eine eigentlich harmlose Szene plötzlich falsch klingen lässt. Ein Raum, der auf einmal nicht mehr wie ein Zuhause aussieht. Schon schimmert durch das Drama etwas Unheimliches hindurch. „La Gioia – Süchtig nach Dir“ ist so ein Film. Niemand würde ihn auf den ersten Blick ins Horrorgenre stecken. Nicolangelo Gelorminis Film ist ein entschleunigtes Drama, ein Liebesfilm mit ausgesprochen ungünstigen Vorzeichen und die Verfilmung eines realen Kriminalfalls. Und trotzdem wohnt in ihm etwas, das sich mit zunehmender Laufzeit immer schwerer als bloße Tragödie abschütteln lässt. Vielleicht liegt das auch daran, dass hier keine erfundene Monstergeschichte erzählt wird, sondern eine menschliche. Das Unheimliche braucht in „La Gioia – Süchtig nach Dir“ weder Maske noch Krallen. Es trägt ein freundliches Gesicht, lächelt, erzählt von einer gemeinsamen Zukunft und wartet geduldig darauf, dass jemand ihm glaubt.

    La Gioia - Süchtig nach dir - Film 2025
    La Gioia ©Busch Media Group

    Gioia Montefiori (Valeria Golino) ist Französischlehrerin, lebt bei ihren Eltern und hat sich in einem Alltag eingerichtet, der eher aus Wiederholungen als aus Ereignissen besteht. Die Liebe kennt sie vor allem aus Büchern, aus den großen Gefühlen anderer Menschen, die sich zwischen zwei Buchdeckeln wesentlich leichter erleben lassen als im wirklichen Leben. Dann begegnet sie Alessio (Saul Nanni), einem jungen Schüler, der aus einer schwierigen familiären Situation kommt und ihr erstmals das Gefühl vermittelt, selbst etwas wert zu sein. Zwischen Französischunterricht und vorsichtigen Annäherungen entsteht eine Beziehung, die für Gioia bald mehr bedeutet als ein harmloser Kontakt. Alessio gibt ihr das Gefühl, begehrt zu werden. Er gibt ihr eine Geschichte, in der ihr bisheriges Leben plötzlich nur noch wie das Vorher aussieht. Als er von einer Möglichkeit erzählt, mit Immobiliengeschäften ein neues Leben aufzubauen, glaubt Gioia an ihn. Sie investiert ihre Ersparnisse in diese Zukunft. Dass hinter Alessios Charme etwas nicht stimmt, spürt man lange bevor Gioia es wahrhaben will. Und je näher sie ihrem erträumten neuen Leben kommt, desto deutlicher zeichnet sich ab, dass dieses Leben womöglich niemals existiert hat. Das Unheimliche an „La Gioia – Süchtig nach Dir“ beginnt nicht mit einem Mord. Es beginnt mit einer Fantasie. Gioia hat so lange darauf gewartet, dass endlich etwas geschieht, dass sie kaum noch unterscheiden kann, ob tatsächlich etwas geschieht oder ob sie lediglich eine Geschichte gefunden hat, in der sie endlich selbst vorkommt. Alessio muss sie dafür nicht einmal besonders raffiniert manipulieren. Er muss ihr lediglich das anbieten, wonach sie sich ohnehin sehnt. Ein bisschen Aufmerksamkeit. Ein bisschen Begehren. Eine gemeinsame Zukunft, die weit genug entfernt liegt, damit sie niemand überprüfen muss. Die üblichen Versprechen für Menschen, die mit ihrem bisherigen Leben nicht mehr glücklich sind. Damit wird Alessio zur interessantesten Figur des Films. Kein eindimensionales Monster, und genau das macht ihn gefährlich. Er ist manipulativ, gewiss. Er weiß, was Gioia hören möchte, und versteht es, ihre Sehnsucht für seine Zwecke zu benutzen. Gleichzeitig besitzt er jene schwer greifbare Menschlichkeit, die immer wieder durch die Maske des Betrügers dringt. Für einen Augenblick scheint da tatsächlich ein guter Kerl zu sein. Dann wieder jemand, bei dem man sich fragt, wie viel von diesem guten Kerl überhaupt echt ist.

    Filmpodcast

    Die schönste Lüge ist manchmal die gefährlichste

    „La Gioia – Süchtig nach Dir“ interessiert sich für diesen Widerspruch, findet aber nicht immer die Konsequenz, die darin stecken könnte. Denn eigentlich wäre Alessio eine Figur, an der sich die gesamte Tragik des Films entzünden könnte: ein Mensch, der gelernt hat, Nähe vorzutäuschen, weil ihm selbst womöglich nie beigebracht wurde, wie echte Nähe funktioniert. Auch Gioia ist in dieser Hinsicht weniger Opfer einer einzelnen Lüge als ihrer eigenen Sehnsucht. Sie möchte nicht unbedingt Alessio. Sie möchte das Leben, das sie mit Alessio verbindet. Das ist ein entscheidender Unterschied. Ihr Begehren richtet sich auf einen Menschen und gleichzeitig auf die Möglichkeit, durch diesen Menschen jemand anderes zu werden. Plötzlich ist sie nicht mehr die Frau im Haus ihrer Eltern, nicht mehr die Lehrerin, die Flaubert über die Liebe lesen lässt. Plötzlich ist sie begehrt. Plötzlich gibt es eine Zukunft. Und der Film findet für diese Verwandlung einige seiner schönsten Bilder. Denn wenn „La Gioia – Süchtig nach Dir“ wirklich etwas beherrscht, dann ist es Atmosphäre. Gelormini lässt die Realität immer wieder aufbrechen und in Gioias Vorstellung übergehen. Die Kamera betrachtet Menschen und Räume nicht einfach, sondern scheint gelegentlich zu fragen, wie diese Dinge in einem Traum aussehen würden. Fantasie gesellt sich zur Wirklichkeit, weil Gioia selbst längst damit begonnen hat, ihre Wirklichkeit umzuschreiben. Das macht die Bildsprache stellenweise beinahe märchenhaft, bevor sie wieder in etwas Düsteres kippt. Ein romantischer Song kann aus einer gewöhnlichen Begegnung plötzlich eine Liebesszene machen. Eine Überblendung kann einen Moment länger schweben lassen, als es die Realität eigentlich erlauben würde. Und die Musik von Tóti Guðnason besitzt dieses eigentümliche Talent, eine Szene nicht einfach zu begleiten, sondern ihr eine zweite Bedeutung unterzuschieben. Auch die Kamera findet immer wieder Bilder, in denen sich diese Verschiebung zwischen Traum und Realität bemerkbar macht. Räume wirken zu groß, Menschen darin zu klein. Vertraute Orte bekommen etwas Fremdes. Das Licht arbeitet mit starken Hell-Dunkel-Kontrasten und kann aus einer scheinbar alltäglichen Umgebung einen Ort machen, an dem man lieber nicht alleine wäre. Gelormini besitzt ein Gespür dafür, dass Orte Geschichten erzählen können, noch bevor eine Figur den Mund aufmacht. Nur schöpft der Film dieses Gespür nicht immer vollständig aus.

    La Gioia - Süchtig nach dir - Film 2025
    La Gioia ©Busch Media Group

    „La Gioia – Süchtig nach Dir“ besitzt die Mittel, um aus einem Drama einen wirklich beklemmenden Albtraum zu machen, zieht sie aber nicht konsequent genug durch. Immer wieder blitzt etwas auf, das größer, böser und verspielter ist als das eigentliche Drama. Dann verschwindet es wieder. Die Kamera findet einen ungewöhnlichen Winkel, die Musik legt sich wie eine dunkle Ahnung über die Szene, die Fantasie bricht in die Realität ein – und anschließend kehrt der Film doch wieder in seine vergleichsweise konventionelle Erzählweise zurück. Man erkennt die Möglichkeit eines wesentlich radikaleren Films, ohne dass er sie immer nutzt. Das fällt besonders deshalb auf, weil die Geschichte selbst eigentlich nach Konsequenz verlangt. Ein Mensch verkauft seinen Körper. Eine Frau setzt ihre gesamten Ersparnisse auf die Liebe. Ein junger Mann manipuliert jemanden, der emotional kaum etwas besitzt, außer der Hoffnung, dass sich daran noch etwas ändern könnte. Das ist bereits Horror genug. Dafür braucht es keine Leiche und keinen Jumpscare. „La Gioia – Süchtig nach Dir“ versteht das. Aber der Film scheint seiner eigenen Erkenntnis nicht immer vollständig zu vertrauen. Auch das Drama selbst bleibt dadurch stellenweise etwas zu sehr an der Oberfläche. Gioias Einsamkeit wird sichtbar gemacht, aber nicht immer so tief empfunden, wie es möglich wäre. Ihre Abhängigkeit von der eigenen Fantasie, ihre Beziehung zu den Eltern, ihr Verhältnis zu Alessio – all das besitzt interessante Bruchstellen, doch der Film verweilt nicht immer lange genug dort, wo es wirklich weh tun könnte. Er deutet viel an und vertraut auf seine Bilder, wo manchmal eine größere emotionale Konsequenz notwendig gewesen wäre. Das ist schade, weil gerade die Form zeigt, was in „La Gioia – Süchtig nach Dir“ steckt. Gelormini könnte aus diesem Stoff einen Film machen, in dem die Grenzen zwischen Liebesgeschichte, Drama und Horror vollständig verschwimmen. Einen Film, bei dem man irgendwann nicht mehr weiß, ob man gerade Gioias Traum betrachtet oder bereits dessen Albtraum. Stattdessen stehen die einzelnen Elemente häufig noch ein wenig zu deutlich nebeneinander: die romantischen Momente, die düsteren Bilder, die Musik, der reale Kriminalfall, die psychologische Manipulation. Sie ergeben ein stimmungsvolles Ganzes, aber nicht immer jene zwingende Einheit, die daraus etwas wirklich Verstörendes machen würde. Denn der Horror liegt längst da. In der Einsamkeit einer Frau, die so verzweifelt nach einem anderen Leben sucht, dass eine Lüge zur Hoffnung werden kann. In einem jungen Mann, der gelernt hat, Begehren als Währung zu benutzen. In der Vorstellung, ein anderer Mensch könne einen aus dem eigenen Leben retten. Und in dem Moment, in dem man erkennt, dass diese Rettung vielleicht nie etwas anderes war als eine gut beleuchtete Falltür. „La Gioia – Süchtig nach Dir“ findet dafür immer wieder die richtigen Bilder. Manchmal auch die richtigen Töne. Nur wagt sich der Film nicht konsequent genug in jene Dunkelheit, die längst unter seiner Oberfläche wartet.

    La Gioia - Süchtig nach dir - Film 2025
    La Gioia ©Busch Media Group

    Fazit

    „La Gioia – Süchtig nach Dir“ ist am stärksten, wenn Gelormini seiner Geschichte erlaubt, unangenehm und schwer greifbar zu werden. Die formale Eleganz ist da, ebenso das Gespür für leisen Schrecken. Was fehlt, ist der letzte Schritt: der Mut, aus der Tragödie einen Film zu machen, der einem noch ein wenig länger im Nacken sitzt.

    Bewertung: 3 von 5.
    La Gioia - Süchtig nach dir - Film 2025 Amazon Prime Video
    La Gioia - Süchtig nach dir - Film 2025 Amazon Prime Video
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  • The Runner | Amazon Film – Kritik: Prime Video schickt Gal Gadot ins Rennen

    The Runner

    TitelThe Runner
    Genre Thriller
    Jahr2026
    FSK12
    RegieKevin Macdonald

    Starttermin: 02.09.2026 | Prime Video

    Da hat sich Amazon aber ganz schön verrant

    Die Großstadt ist ein ziemlich effizientes Paradoxon. Man kann sich morgens in eine U-Bahn quetschen, Schulter an Schulter mit hundert Menschen stehen, das Parfüm einer Unbekannten in der Nase, das halbe Trennungsgespräch des Mannes gegenüber mithören und trotzdem das Gefühl haben, dass die eigene Existenz ungefähr so viel Aufmerksamkeit erzeugt wie ein Werbeprospekt, der im Wind über den Bahnsteig flattert. Millionen Menschen leben auf wenigen Quadratkilometern übereinander, aneinander vorbei und meistens ohne voneinander zu wissen. Einsamkeit funktioniert nirgends so gut wie dort, wo eigentlich niemand allein ist. Im Kino ist die Großstadt deshalb selten bloß Kulisse. Sie kann Labyrinth sein, Gefängnis, Resonanzkörper, gesellschaftlicher Querschnitt oder einfach ein wunderbar praktischer Ort, an dem ein Mensch verschwinden kann, obwohl ihn theoretisch ständig jemand sehen müsste. Gerade Thriller lieben diesen Widerspruch. Je voller die Straßen, desto größer die Isolation. Auch „The Runner“ baut darauf. Regisseur Kevin Macdonald ließ große Teile des Films mitten im laufenden Londoner Alltag drehen. Keine sauber abgeriegelte Studioversion der britischen Hauptstadt, in der jeder Passant exakt weiß, wann er durchs Bild laufen und welches Taxi wann um die Ecke biegen muss. Echte Straßen, echtes Gedränge, echte Großstadtunordnung. Dazwischen Gal Gadot als Maia, die rennt. Und rennt. Und weiter rennt. Denn Maia hat ein Problem, das einen schlechten Vormittag ziemlich zuverlässig in den Schatten stellt: Ihr Sohn wurde entführt. Ein Mann kontrolliert sie über das Telefon, setzt sie unter Zeitdruck und schickt sie quer durch London. Sie muss seine Anweisungen befolgen, darf niemandem vertrauen und soll schließlich sogar einen Menschen töten. Um sie herum gehen Leute zur Arbeit, kaufen Kaffee, tippen Nachrichten, stehen an roten Ampeln und haben vermutlich gerade Probleme wie einen verspäteten Bus oder die Frage, was sie abends essen. Für Maia dagegen ist die ganze Welt auf einen einzigen Punkt zusammengeschrumpft. Die Stadt bewegt sich weiter. Ihre Welt nicht. Das ist als Ausgangslage stark. Vielleicht sogar stärker, als es das Amazon Original selbst irgendwann wahrhaben möchte.

    The Runner Amazon Prime Video Film 2026
    The Runner ©Amazon MGM Studios

    In diesem Gegensatz steckt mehr als nur eine hübsche Ausgangsidee. Maias körperliche Bewegung wird zum Ausdruck einer vollkommenen inneren Ausweglosigkeit. Sie bewegt sich permanent und kommt trotzdem keinen Zentimeter aus ihrer Situation heraus. Je schneller sie läuft, desto deutlicher wird, wie wenig Kontrolle sie besitzt. Und dass all das nicht auf menschenleeren Straßen, sondern zwischen Menschenmassen geschieht, verschärft den Gedanken noch. Hilfe wäre überall. Nur erreichbar ist sie nicht. Millionen Menschen, Jahrhunderte Stadtgeschichte, ein hochkomplexes Geflecht aus Verkehr, Kommunikation und sozialem Zusammenleben – und mittendrin Gal Gadot, die aussieht, als hätte sie den vermutlich stressigsten Anschlusszug Europas zu erwischen. Das Grundprinzip ist nicht neu. „The Runner“ erinnert unweigerlich an „The Desperate Hour“, in dem Naomi Watts ebenfalls praktisch permanent unterwegs ist, während sie aus der Distanz mit einer Bedrohung konfrontiert wird, die ihr Kind betrifft. Der Film war nicht gerade ein Denkmal erzählerischer Plausibilität, besaß aber etwas, das „The Runner“ überraschend oft fehlt: unmittelbare Spannung. Wer „The Desperate Hour“ nicht kennt, dürfte gedanklich schneller bei „Nicht auflegen!“ mit Colin Farrell landen. Dort steht der Protagonist zwar im Wesentlichen nur in einer Telefonzelle herum und absolviert damit ungefähr das Gegenprogramm zu Gadots London-Marathon, das dramaturgische Prinzip ist aber ähnlich. Eine Stimme am Telefon kontrolliert die Situation. Der Raum wird zum Gefängnis. Jede falsche Entscheidung kann alles beenden. „The Runner“ liegt irgendwo dazwischen: „The Desperate Hour“ liefert die Bewegung, „Nicht auflegen!“ die Telefonerpressung. Eigentlich eine ziemlich brauchbare Mischung. Nur fehlt ausgerechnet das wichtigste Fundament einer Geschichte, die sich so radikal auf eine einzelne Figur konzentriert: eine Hauptdarstellerin, die dieses Konstrukt beinahe allein tragen kann.

    Filmpodcast

    Gal Gadot rennt, die Mimik schläft 

    Die Kamera ist fast permanent bei Gal Gadot. Es gibt kaum Möglichkeiten, sich vor ihr zu verstecken, und für Gadot noch weniger Gelegenheiten, sich im Spiel mit anderen Figuren zu entlasten. Ihre drahtige, physische Präsenz funktioniert hervorragend für die Rolle. Das Problem beginnt oberhalb der Schultern. Wo Naomi Watts selbst in vollkommen überdrehten Situationen eine nervöse, fast fiebrige Unmittelbarkeit erzeugen kann und Colin Farrell eine Telefonzelle allein mit wachsender Panik, Aggression und Verzweiflung füllen konnte, bleibt Gadot erstaunlich leer. Angst, Erschöpfung, Verzweiflung – in ihrem Gesicht kommt davon erschreckend wenig an. Und gerade ein Thriller wie dieser lebt davon. Wenn die Handlung über lange Strecken aus Rennen, Telefonieren, Schauen und Weiterlaufen besteht, wird ein Gesicht zur eigentlichen Spezialeffektabteilung. Bei Gadot herrscht dort leider Personalmangel. Trotzdem wäre es zu einfach, „The Runner“ allein an seiner Hauptdarstellerin aufzuhängen. Das größere Problem liegt tiefer und lässt sich auf ein Wort herunterbrechen: Inkonsequenz. Der Film ist inkonsequent in seiner Inszenierung, inkonsequent in seiner Logik und inkonsequent in der Auslegung seiner eigenen Figuren. Und Inkonsequenz ist bei einem Thriller gefährlich. Besonders schade ist das, weil „The Runner“ visuell zunächst genau das Gegenteil vermittelt. Was Amazon hier liefert, sieht erstaunlich wenig nach glattgezogener Streaming-Stangenware aus. Das enge 4:3-Format sperrt Maia förmlich in das Bild ein. Links und rechts fehlt ihr der Raum, den andere Actionfilme ihren Figuren großzügig schenken. Dazu kommen entsättigte Farben, leichte Körnung, natürliches Licht, Straßen, die tatsächlich wie Straßen aussehen und nicht wie frisch abgesperrte Filmsets. London wird nicht auf Hochglanz poliert, sondern wirkt grau, voll, etwas schmutzig und vollkommen gleichgültig gegenüber dem Drama, das gerade durch seine Straßen rennt. Das passt ausgezeichnet. Zeitweise erinnert die Rastlosigkeit sogar eher an ein Werk der Safdie-Brüder als an einen typischen Prime-Video-Thriller. Alles ist nah dran, nervös, körperlich, unangenehm. Die Stadt drückt auf Maia, die Kamera klebt an ihr, das Format zieht die Wände zusammen. Man könnte fast meinen, hier wolle jemand einen Actionthriller mit den Mitteln eines urbanen Stressfilms erzählen. Doch dann meldet sich das Drehbuch. 

    The Runner Amazon Prime Video Film 2026
    The Runner ©Amazon MGM Studios

    Während die Form dem Publikum durchaus etwas zutraut, scheint die Dramaturgie permanent Angst zu haben, dass dreißig Sekunden lang nichts Spektakuläres passiert. Also werden Situationen konstruiert, Regeln gedehnt und Hindernisse aufgebaut, die weniger aus der Geschichte entstehen als aus dem Bedürfnis, jetzt bitte noch einmal den Puls hochzutreiben. Deutlich wird das auch, wenn man an das andere Ende der Leitung schaut. Maias gesichtsloser Gegenspieler hat alles vorbereitet. Er kennt Maias Wege, überwacht sie scheinbar lückenlos, kontrolliert ihren Sohn und hat für beinahe jede Eventualität einen Plan. Jedenfalls so lange, bis das Skript möchte, dass Maia ihn austrickst. Dann übersieht dieser allwissende Strippenzieher plötzlich die durchschaubarsten Täuschungsmanöver. Seine Regeln sind absolut. Bis sie es nicht mehr sind. Seine Kontrolle ist total. Bis die Handlung ein Schlupfloch braucht. Seine Drohungen gelten ohne Ausnahme. Außer natürlich in den Szenen, in denen eine Ausnahme spannender erscheint. Inkonsequent eben. Ein Film muss nicht immer realistisch sein. Er muss nur überzeugend lügen und sich dabei an die Regeln halten, die er selbst aufgestellt hat. „The Runner“ gelingt weder das eine noch das andere – und spätestens mit Maias Wettrennen mit einer U-Bahn war es das dann auch mit dem letzten bisschen Bodenhaftung. Plötzlich sieht man nicht mehr eine verzweifelte Frau, die versucht, Sekunden herauszuschlagen. Man sieht eine Drehbuchkonstruktion, die ihre Protagonistin am nächsten Ort braucht und deshalb Raum, Zeit und Nahverkehrsphysik kurzerhand durchs dramaturgische Drehkreuz jagt.

    The Runner Amazon Prime Video Film 2026
    The Runner ©Amazon MGM Studios

    Prime Video dreht auf – und kommt trotzdem nicht vom Fleck 

    Eigentlich bräuchte die Prämisse gar nicht viel mehr, als sie ohnehin schon mit sich bringt. Eine Mutter. Ein entführtes Kind. Eine Stimme am Telefon. Eine Stadt. Eine Uhr, die heruntertickt. Daraus lässt sich ein unglaublich effektiver Thriller bauen, gerade weil die Konstruktion so übersichtlich ist. Je weniger bewegliche Teile eine Geschichte hat, desto präziser kann sie diese einsetzen. „The Runner“ besitzt dieses Fundament. Er vertraut ihm nur nicht. Statt die Schlinge langsam enger zu ziehen, zieht Macdonald ständig neue Knoten hinein. Er wird schneller, ohne intensiver zu werden. Lauter, ohne dringlicher zu wirken. Die Beine arbeiten ununterbrochen, der Puls erstaunlicherweise kaum. „The Runner“ bewegt sich permanent und kommt dramaturgisch trotzdem nicht vom Fleck. Dabei gibt es immer wieder Momente, in denen man sieht, welcher Film hier möglich gewesen wäre. Wenn Maia zwischen vollkommen unbeteiligten Passanten steht. Wenn das enge Bildformat sie einquetscht. Wenn London nicht aussieht wie eine Sehenswürdigkeitensammlung, sondern wie eine Stadt, die schlicht keine Zeit für ihr Problem hat. Dann greifen Form und Inhalt plötzlich ineinander. Für kurze Augenblicke ist da diese unangenehme Vorstellung, inmitten Tausender Menschen vollkommen allein zu sein. Dann rennt Maia wieder los. Irgendwann wird aus Bewegung Wiederholung, aus Zeitdruck Routine und aus dem Thriller beinahe ein Ausdauertest. Nicht für Gal Gadot – die scheint konditionell bestens vorbereitet –, sondern für das Publikum. Am Ende erinnert „The Runner“ deshalb ein wenig an die alte Fabel vom Hasen und der Schildkröte. Amazon setzt alles auf Geschwindigkeit. Der Film sprintet, hetzt, schneidet, treibt an und scheint davon überzeugt, dass Bewegung automatisch Spannung erzeugt. Aber Spannung ist keine Frage von Kilometern pro Stunde. Manchmal reicht dafür ein Mann, der in einer Telefonzelle steht und nicht wegkann. Prime Video hat auf den Hasen gesetzt. Gewonnen hat trotzdem die Schildkröte.

    The Runner Amazon Prime Video Film 2026
    The Runner ©Amazon MGM Studios

    Fazit

    „The Runner“ rennt, bis er sich selbst aus den Augen verliert. Aus Tempo wird Hektik, aus Zuspitzung Übertreibung und aus einer guten Idee ein Thriller, der sich mit jedem neuen Haken ein Stück tiefer verrennt. Am Ende bleibt vor allem die Erkenntnis: Wer ständig Vollgas gibt, kommt nicht automatisch schneller ans Ziel. 

    Bewertung: 2 von 5.
    Amazon Prime Video
  • Der Kinderflüsterer | Netflix Film – Kritik: De Niro jagt einen Killer

    Der Kinderflüsterer

    TitelDer Kinderflüsterer
    Genre Thriller
    Jahr2026
    FSK16
    RegieJames Ashcroft

    Starttermin: 28.08.2026 | Netflix

    Netflix auf den Spuren von „Sieben“ 

    Es gab einmal eine Zeit, da waren Serienkiller keine Streamingware, die am Freitagabend zwischen zwei Staffeln irgendeiner anderen Netflix Serie verschwand. Sie waren Albträume mit Gesicht. Filme wie „Sieben“ haben das Genre nicht deshalb geprägt, weil darin ein besonders cleverer Ermittler einen besonders cleveren Mörder jagte. Die eigentliche Wucht lag woanders: in der Atmosphäre, in der Dreckigkeit der Welt, in dem Gefühl, dass hinter jeder Tür etwas wartet, das man lieber nicht sehen möchte – und in der Bereitschaft, Grenzen zu überschreiten. „Sieben“ wollte sein Publikum nicht bloß unterhalten. David Fincher wollte mit ihm ein schmerzhaftes Gefühl hinterlassen, das sich tiefer und tiefer in die Eingeweide frisst. Ein Serienkiller-Thriller braucht schließlich mehr als nur eine Leiche und einen Mann mit psychischem Knacks. Er braucht diese ganz spezielle Form von Unbehagen, bei der sich die Spannung nicht erst dann einstellt, wenn jemand mit einem Messer durchs Bild läuft, sondern schon weit vorher. Genau daraus entstand eine fast schon perfide Faszination für ein Genre, bei dem man nie wusste, wie weit ein Film gehen würde. Auf dem Papier hat „Der Kinderflüsterer“ dafür eine geradezu ideale Ausgangslage. Es gibt kaum eine Urangst, die unmittelbarer ist als die Vorstellung, dass das eigene Kind verschwinden könnte. Nicht zu wissen, wo es ist. Nicht zu wissen, ob es lebt. Und vor allem nicht zu wissen, was mit ihm geschieht. Tom Kennedy, gespielt von Adam Scott, kennt diese Angst bald aus nächster Nähe. Der verwitwete Schriftsteller zieht mit seinem Sohn Jake in eine neue Stadt, nachdem der Tod seiner Frau die Familie aus der Bahn geworfen hat.

    Der Kinderflüsterer Netflix Film 2026
    Der Kinderflüsterer ©Netflix

    Jake ist ein verschlossener, empfindsamer Junge, der den Verlust seiner Mutter anders verarbeitet als sein Vater und von einem geheimnisvollen Freund erzählt, den nur er sehen kann. Dann verschwindet ein Kind – und plötzlich scheint ein längst vergangener Albtraum zurückzukehren: der sogenannte Kinderflüsterer, ein Serienmörder, der Jahre zuvor bereits mehrere Kinder entführt und getötet hat. Zwar sitzt der Täter Frank Carter (Michael Keaton) für sein grausames Verbrechen längst hinter Gittern, aber abgeschlossene Fälle haben in dieser Art von Film bekanntlich die unangenehme Eigenschaft, irgendwann wieder anzuklopfen. Bei der Suche nach Jake wird deshalb auch Pete Willis (Robert De Niro) wichtig – Toms entfremdeter Vater, der vor seinem Ruhestand vor 25 Jahren die Ermittlungen leitete und Carter einst überführte. Nun muss er seinem Sohn helfen, dessen Sohn zu finden. Und damit liegt unter dem eigentlichen Kriminalfall noch eine zweite Geschichte: Väter und Söhne, Verlust und Schuld, die Frage, was Eltern ihren Kindern hinterlassen – und ob sich manche Wunden über Generationen hinweg weiterreichen. Das ist viel Material. Eigentlich sogar mehr als genug – und doch bleibt davon erstaunlich wenig hängen. Aber warum sollte ein altmodisch gestrickter Serienkiller-Thriller wie „Der Kinderflüsterer“ heute nicht mehr funktionieren? Nur weil „Sieben“ inzwischen fast dreißig Jahre alt ist, sind tote Kinder, verschwundene Menschen und psychopathische Täter ja nicht plötzlich weniger beunruhigend geworden. Das Genre muss nicht jedes Mal neu erfunden werden. Es muss nur verstehen, warum seine alten Zutaten einmal so gut funktioniert haben.

    Filmpodcast Netflix

    Wenn selbst De Niro und Keaton die Spannung nicht retten können

    „Der Kinderflüsterer“ bringt diese Zutaten eigentlich alle mit, zumal mit James Ashcroft auch noch ein Mann auf dem Regiestuhl sitzt, der längst bewiesen hat, dass er Atmosphäre kann. Schon sein Debüt „Coming Home in the Dark“ lebte von dieser großartigen, minimalistischen Zurückhaltung, die mit ganz einfachen Mitteln eine tief sitzende Unruhe erzeugt. Und erst kürzlich hat er mit „The Rule of Jenny Pen“ gezeigt, dass er selbst ein harmloses Altenheim in einen bitterbösen Ort verwandeln kann, an dem Grausamkeit, grotesker Humor und blankes Unbehagen ziemlich unangenehm miteinander verschmelzen. Doch ausgerechnet dieses Händchen scheint Ashcroft bei seinem Netflix-Thriller vollständig abhandengekommen zu sein. Dabei beginnt der Film zunächst genau so, wie ein Slow Burner beginnen sollte. Er nimmt sich Zeit. Er führt Tom und Jake ein. Er erzählt vom Tod der Mutter. Von Jakes Angst. Von Toms Schuldgefühlen. Von der Entfremdung zwischen Vater und Sohn. Und auch auf der Seite des Täters scheint sich dieses Motiv fortzusetzen. Es steht nicht ausschließlich die Jagd nach einem Monster im Zentrum. Es geht um die Menschen, die Teil davon sind. Ob gewollt oder nicht. Nur muss man aus Zeit irgendwann auch etwas machen. „Der Kinderflüsterer“ nimmt sich Zeit, aber er nutzt sie nicht. Ein Slow Burner lässt einen langsam in seine Welt sinken. Er baut Atmosphäre, Unbehagen und Spannungen auf. Er lässt es unter der Oberfläche faulen und brodeln. Ashcrofts Film dagegen stellt seine Bausteine einfach nebeneinander. Hier das Familientrauma. Dort der tote Elternteil. Da die Angst eines Kindes. Daneben die Ohnmacht eines Vaters. Und im Hintergrund lauert das Böse. Man sieht förmlich, wie das Skript seine psychologischen Karteikarten sortiert. Aber man fühlt sie nicht – und den namhaften Cast, der sich durch dieses Drehbuch arbeitet, schon gar nicht. Es ist Schauspiel als Pflichterfüllung. Und genau so fühlt es sich auch an.

    Der Kinderflüsterer Netflix Film 2026
    Der Kinderflüsterer ©Netflix

    Bei einem Film über tote Kinder müsste sich die Atmosphäre eigentlich wie kalter Nebel über die Szenerie legen. Man müsste irgendwann das Gefühl bekommen, dass selbst ein leerer Flur nicht mehr leer ist. Dass hinter einem Fenster jemand stehen könnte. Dass ein Geräusch aus dem Kinderzimmer plötzlich nicht mehr nach einem Geräusch klingt, sondern nach einer Warnung. „Der Kinderflüsterer“ ist zwar bemüht, genau solche Situationen herzustellen, aber er lädt sie kaum auf. Und damit verpufft ausgerechnet das, was seine Geschichte so stark machen könnte. Die Angst vor einem verschwundenen Kind funktioniert nicht allein über die Frage, wer der Täter ist. Sie funktioniert über die Zeit dazwischen. Über das Warten. Über die Ungewissheit. Über das Wissen, dass jede Minute etwas Schlimmeres bedeuten könnte. Genau diese quälende Zwischenzeit müsste der Film mit Leben füllen. Stattdessen füllt er sie mit Leerlauf. Natürlich erinnert „Der Kinderflüsterer“ an jene Ära, in der Hollywood regelmäßig düstere Erwachsenen-Thriller produzierte, die sich nicht davor fürchteten, ihr Publikum mit unangenehmen Bildern und moralischen Abgründen zu konfrontieren. Nur reicht es nicht, die Tapete dieser Zeit wieder an die Wand zu kleben. Man muss auch wieder ein Zimmer daraus machen. Hier hängt die Tapete, aber das Zimmer bleibt leer. Dabei wäre es einfach gewesen, die Verbindung zwischen Tom und seinem Vater zur emotionalen Achse des Films zu machen. Der Blick auf die Täterseite könnte das Ganze zusätzlich spiegeln. Der Sohn eines Monsters, der sich mit dem Erbe seines Vaters auseinandersetzen muss, während ein anderer Vater verzweifelt versucht, seinen Sohn zu retten – daraus hätte man einen psychologischen Thriller bauen können, der seine eigentliche Bedrohung nicht nur im Serienmörder findet, sondern in der Frage, was Eltern ihren Kindern mitgeben. Doch auch hier bleibt der Film an der Oberfläche.

    Der Kinderflüsterer Netflix Film 2026
    Der Kinderflüsterer ©Netflix

    Netflix auf den Spuren von „Sieben“ 

    „Der Kinderflüsterer“ benennt seine Themen, statt sie zu erzählen. Und wenn dann irgendwann das Finale kommt, soll plötzlich alles passieren, was vorher nicht passiert ist. Netflix zieht die Zügel an, die Ereignisse überschlagen sich, Figuren geraten in Gefahr und die Geschichte versucht, mit letzter Kraft jene Spannung nachzuliefern, die sie zuvor konsequent verweigert hat. Doch ein Finale kann nicht von der Spannung leben, die vorher nie entstanden ist. Es kann eine aufgebaute Fallhöhe nutzen. Es kann Ängste zuspitzen. Es kann eine Figur an den Punkt bringen, an dem sie eine Entscheidung treffen muss, die wehtut, weil wir wissen, was sie kostet. „Der Kinderflüsterer“ hat dafür schlicht zu wenig investiert. Wenn es der ausladenden Exposition bereits nicht gelingt, bei der Zuschauerschaft einen Knoten im Magen zu erzeugen, dann wird es schwierig, diesen Knoten im letzten Akt noch schnell mit einer Actionsequenz hineinzubinden. Und so wirkt auch die Auflösung weniger wie der Höhepunkt einer sorgfältig konstruierten Geschichte als wie das Ende eines Films, der langsam merkt, dass ihm die Zeit davonläuft. Was fehlt, ist das Entscheidende: eine eigene Handschrift. „Der Kinderflüsterer“ fühlt sich nie so an, als hätte jemand wirklich etwas mit diesem Stoff vor. Er fühlt sich an, als hätte man sich erinnert, dass Serienkiller-Thriller einmal ziemlich gut funktioniert haben, ein paar bekannte Zutaten aus dem Regal genommen und anschließend gehofft, dass die alten Geschmacksstoffe noch Wirkung zeigen. Sie tun es nicht. Das Ergebnis ist B-Movie durch und durch, weil hinter der Hollywood-Fassade kaum eine Idee steckt, die über das Nachkochen bekannter Thriller-Muster hinausgeht. Robert De Niro, Michael Keaton und Adam Scott verleihen dem Ganzen Namen und Gewicht. Aber Namen ersetzen keine Atmosphäre. Ein großer Cast macht noch keinen großen Thriller.„Der Kinderflüsterer“ hätte ein schmutziger, unheimlicher und psychologisch aufgeladener Serienkiller-Thriller werden können. Stattdessen bekommt man einen Film, der ständig von seinen Möglichkeiten erzählt, ohne sie wirklich auszuschöpfen. Er will langsam sein und wird langweilig. Er will psychologisch sein und bleibt oberflächlich. Er will unheimlich sein und wirkt erstaunlich harmlos.

    Der Kinderflüsterer Netflix Film 2026
    Der Kinderflüsterer ©Netflix

    Fazit

    „Der Kinderflüsterer“ hinterlässt vor allem das seltsame Gefühl einer verpassten Gelegenheit. Man schaut auf den Abspann und fragt sich weniger, was man gerade gesehen hat, sondern warum es einen überhaupt nicht berührt hat. Kein Schock, kein Nachhall, kein unangenehmes Kribbeln, das man mit ins Bett nimmt. Nur diese eigentümliche Leere, wenn ein Film bereits vorbei ist, bevor er einen überhaupt erreicht hat.

    Bewertung: 1.5 von 5.
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