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Filme | Kritiken
  • Verflucht Normal | Film – Kritik: Das berührendste Biopic des Jahres

    Verflucht Normal

    TitelVerflucht Normal
    Genre Drama, Komödie
    Jahr2025
    FSK12
    RegieKirk Jones

    Heimkinostart: 11.09.2026

    Eine wahre Geschichte gegen den Zwang zur Normalität 

    Normalität ist ein stilles Abkommen. Niemand unterschreibt es, trotzdem kennt jeder seine Regeln. Nicht zu laut sein. Nicht auffallen. Im richtigen Moment lachen und im falschen schweigen. Wer aus diesem unsichtbaren Verhaltenskodex herausfällt, wird innerhalb weniger Sekunden taxiert. Erst neugierig, dann irritiert, manchmal belächelt, nicht selten bemitleidet. Das Tourette-Syndrom legt diesen Mechanismus schonungslos offen. Nicht weil die Krankheit verstört, sondern weil sie unsere Vorstellung davon erschüttert, was wir selbstverständlich als „normal“ empfinden.Genau das ist auch der Kern von „Verflucht normal“. Das Drama erzählt die wahre Geschichte von John Davidson, der mit Tourette lebt und sich seinen Platz in einer Welt erkämpfen muss, die Abweichungen oft schneller bewertet als versteht. Was daraus entsteht, ist weder ein tränenreiches Mitleidsdrama noch ein auf Hochglanz poliertes Mutmachmärchen. Stattdessen richtet das Biopic den Blick dorthin, wo er viel zu selten landet: auf den Menschen hinter den Tics.

    Verflucht Normal Film 2025
    Verflucht normal ©LEONINE

    Dass dieser Perspektivwechsel so überzeugend funktioniert, ist vor allem Robert Aramayo zu verdanken. Seine Darstellung wirkt nie wie eine Schauspielübung, bei der körperliche Symptome möglichst eindrucksvoll reproduziert werden sollen. Die Tics sind jederzeit präsent, werden aber nie zum alleinigen Mittelpunkt der Figur. Viel interessanter sind die Momente, in denen sichtbar wird, wie sehr Johns Alltag von den Reaktionen seiner Umgebung geprägt wird. Die Blicke Fremder. Die Missverständnisse. Die ständige Erfahrung, anders wahrgenommen zu werden. Gerade weil Aramayo nie um Bewunderung spielt, entwickelt seine Performance eine bemerkenswerte Ehrlichkeit. Man sieht keinen reinen Krankheitsdarsteller, sondern einen Menschen, dessen Leben von Tourette begleitet wird. Auch Regisseur Kirk Jones findet einen Ton, der Schmerz, Humor und Hoffnung miteinander verbindet, ohne jede Szene künstlich aufzublasen. Diese Mischung verleiht dem Film eine ungewöhnliche Bodenständigkeit. 

    Filmpodcast

    Warum uns dieser Film mehr über uns selbst erzählt als über Tourette

    Das Bemerkenswerteste an „Verflucht normal“ ist ohnehin, dass Tourette hier nie zur eigentlichen Geschichte wird. Die Diagnose bildet lediglich den Ausgangspunkt für etwas Größeres. Es geht um Blicke, um Vorurteile, um jene Sekundenbruchteile, in denen ein erster Eindruck bereits über Sympathie oder Ablehnung entscheidet. Jeder kennt diese Reflexe. Kaum jemand hinterfragt sie. Genau das tut der Film. Er zeigt, wie bereitwillig wir andere auf das reduzieren, was sofort sichtbar ist, und wie selten wir den Menschen dahinter wahrnehmen. Aus einem Drama über eine neurologische Erkrankung entwickelt sich beinahe beiläufig eine Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Erwartungshaltungen, Ausgrenzungsmechanismen und unserem erstaunlich engen Normalitätsbegriff. Dass die Handlung dabei bekannten Biopic-Mustern folgt, lässt sich kaum bestreiten. Manche Wendung kündigt sich früh an, manche emotionale Zuspitzung verläuft auf vertrauten Schienen. Wirklich originell ist das selten. Doch weil die Figuren jederzeit glaubwürdig bleiben und der Film ihnen mit spürbarem Respekt begegnet, fällt dieser Mangel weit weniger ins Gewicht, als man vermuten könnte.

    Verflucht Normal Film 2025
    Verflucht normal ©LEONINE

    Vielleicht erzählt „Verflucht normal“ deshalb am Ende gar nicht in erster Linie von Tourette. Sondern von einer Gesellschaft, die sich an allem stört, was sich nicht mühelos in ihre Vorstellung von Normalität einfügt. Der eigentliche Perspektivwechsel besteht nicht darin, die Krankheit besser zu verstehen. Er besteht darin, den eigenen Blick zu hinterfragen. Wie schnell urteilen wir? Wie oft entscheiden Sekunden über einen Menschen? Und wie selbstverständlich erwarten wir eigentlich, dass sich jeder an Regeln hält, die niemals jemand ausgesprochen hat? Genau dort trifft der Film seinen wahren Nerv. Er fordert kein Mitleid ein, sondern Verständnis. Keine Bewunderung, sondern Empathie. Dramaturgisch mag das alles selten neue Wege beschreiten, emotional entwickelt „Verflucht normal“ jedoch eine Aufrichtigkeit, die zu Herzen geht.

    Verflucht Normal Film 2025
    Verflucht normal ©LEONINE

    Fazit

    „Verflucht normal“ erzählt die wahre Geschichte von John Davidson – viel mehr noch geht es jedoch um den Blick einer Gesellschaft auf das Anderssein und all jene Vorurteile, die entstehen, wenn Menschen aus dem Raster fallen. Ein konventionelles Biopic, das vertraute Wege geht, dabei aber mit außergewöhnlicher Menschlichkeit daran erinnert, dass Normalität oft nur eine Frage der Perspektive ist. 

    Bewertung: 4 von 5.
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  • Wild Sing| Netflix Film – Kritik: K-Pop-Fans aufgepasst!

    Wild Sing

    TitelWild Sing
    Genre Komödie, Musik
    Jahr2026
    FSK12
    RegieSon Jae-gon

    Starttermin: 30.07.2026 | Netflix

    Warum „Wild Sing“ mehr sein muss als nur Fan-Service

    Es ist das wohl undankbarste Mandat der modernen Filmkritik: eine Rezension über ein Werk zu verfassen, das sich mit Haut und Haaren einer hyperaktiven Kult-Blase verschrieben hat. Wer K-Pop ohnehin atmet, wird „Wild Sing“ vermutlich blind abfeiern. Schwieriger wird es jedoch, wenn man mit dieser glitzernden Welt absolut gar nichts am Hut hat. Für den unbedarften Außenstehenden bleibt das Phänomen oft nur eines: generische Plastikmusik à la Taylor Swift oder die ewig gleiche, seelenlose Dauerschleife aus dem Formatradio. Ein klinisch reines Ökosystem, in dem man vor lauter Autotune und identischen Choreografien längst nicht mehr weiß, welcher Klon des Klons des Klons hier eigentlich gerade die einstige „Mickey Mouse Club“-Generation recycelt. Popmusik ist und bleibt in weiten Teilen eben kalkulierte Massenware. Doch als Kritiker darf man sich von glitzernden Schauwerten und viralem Hype weder blenden noch abschrecken lassen. Am Ende des Tages muss sich auch die bunteste Musik-Komödie an denselben handwerklichen Maßstäben messen lassen wie jedes andere Stück Zelluloid. Es geht um das filmische Fundament: Stimmt die Dramaturgie? Besitzen die Figuren eine echte Entwicklung oder sind sie bloß wandelnde Klischees? Tragen die Dialoge den Witz, und beweist die Inszenierung echtes visuelles Gespür? Genau dieses filmische Pflichtprogramm nehmen wir jetzt unter die Lupe, um herauszufinden, ob hinter der schrillen K-Pop-Fassade von Regisseur Son Jae-gon tatsächlich ein sehenswerter Film steckt – oder nur heiße Luft für die Netflix-Playlist.

    Wild Sing Netflix Serie 2026
    Wild Sing ©Netflix

    Die Handlung von „Wild Sing“ führt uns zurück ins Jahr 2006. Nach einem handfesten Skandal bricht die gefeierte Mixed-Gender-Gruppe „Triangle“ abrupt auseinander. Zwanzig Jahre später, in der Gegenwart angekommen, sind die Glitzeroutfits von damals längst eingestaubt und die einstigen Idole vom grauen Alltag gezeichnet. Doch der Wunsch nach einem letzten Aufbäumen im Scheinwerferlicht treibt den tollpatschigen Ex-Leader Hyun-woo (Gang Dong-won), die scharfsinnige Do-mi (Park Ji-hyun) und den rauen Sang-gu (Um Tae-goo) im Jahr 2026 zu einem hochgradig chaotischen Comeback-Versuch an. Was als klassische, wenngleich ziemlich schräge Musikgeschichte beginnt, mutiert schnell zu einem unvorhersehbaren, absurden Roadmovie quer durch die südkoreanische Provinz.

    Filmpodcast Netflix

    Netflix lockt mit K-Pop-Nähe – und vergisst die guten Ideen

    Dass „Wild Sing“ ausgerechnet im Heimatmarkt derart zündete – wo das Kinodebüt direkt in den Kinos angelaufen ist –, kommt nicht von ungefähr. In Südkorea kletterte die K-Pop-Komödie direkt auf Platz 2 der Charts und lockte in kürzester Zeit über 1,3 Millionen Zuschauende in die Säle. Doch der eigentliche Coup findet jenseits der Halbinsel statt. Der Hype um die makellos choreografierte Popkultur aus Seoul ist längst im Westen zementiert – spätestens seit Megastars wie BTS im Rahmen ihrer Welttourneen auch in Deutschland gigantische Stadien wie die Berliner Waldbühne oder das Olympiastadion kreischenden Fans restlos ausverkauften. Da überrascht es kaum, dass sich Netflix nun die weltweiten Rechte an diesem Leinwand-Hit gesichert hat. Keine dumme Idee: Schließlich bewies der Streamingdienst erst kürzlich mit dem Animations-Phänomen „KPop Demon Hunters“ (2025), das sich zum meistgesehenen Netflix-Film aller Zeiten mauserte, wie gierig das globale Publikum nach dem glitzernden Musik-Export lechzt. Mit „Wild Sing“ liefert man der hungrigen Fangemeinde nun das passende Live-Action-Gegenstück, wenngleich die Musik selbst dann doch eine deutlich zurückgenommenere Position einnimmt, als man zunächst denken würde.

    Wild Sing Netflix Serie 2026
    Wild Sing ©Netflix

    Wer sich an dieser Stelle immer noch die Frage stellt, wer oder was BTS eigentlich sein soll, der darf „Wild Sing“ getrost ignorieren – besonders viele Argumente für eine Sichtung liefert der Film diesem Klientel nämlich nicht. Im Kern bleibt das Netflix-Original eine ziemlich alberne, wenn auch überraschend herzliche Roadtrip-Klamotte. Überdehnt, anstrengend und bisweilen wirklich, wirklich albern. Viel spannender ist jedoch die Frage, wie die tatsächliche K-Pop-Fangemeinde auf dieses filmische Experiment reagieren wird. Denn der aktuelle Hype ist im kollektiven Gedächtnis des Westens kaum älter als zehn Jahre; die hiesige Fanbase bewegt sich primär im Alter zwischen 13 und 24 Jahren und dominiert die Community fast vollständig. Wenn „Wild Sing“ nun also erzählerisch zwei Jahrzehnte zurückrudert, um die Stimmung der südkoreanischen Musikszene um die Jahrtausendwende einzufangen, blickt der Film in eine Epoche, in der die heutige TikTok-Generation noch nicht einmal geboren war. Passend dazu verweigert sich auch der Soundtrack konsequent dem zeitgenössischen, glattgebügelten Algorithmus-Pop. Stattdessen suhlt er sich in der musikalischen Ästhetik der Jahrtausendwende und konfrontiert die junge Hörerschaft mit einer nicht minder austauschbaren und wenig überzeugenden Klangkulisse.

    Wild Sing Netflix Serie 2026
    Wild Sing ©Netflix

    Fazit

    „Wild Sing“ lebt vor allem von seiner Nähe zur K-Pop-Kultur. Hinter der glitzernden Fassade wartet jedoch eine alberne, wenngleich punktuell charmante Roadtrip-Komödie, der Witz und kreative Einfälle über weite Strecken fremd bleiben. 

    Bewertung: 2 von 5.
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  • German Horror Story | Film – Kritik: Lohnt sich die Horror-Anthologie? 

    German Horror Story

    TitelGerman Horror Story
    Genre Horror
    Jahr2025
    FSK16
    RegieDavid Brückner, Costel Argesanu, Jan Chmel, Marcel Flock, Daniel Flügger, Ferry Kaupisch, Shamila Lengsfeld, Kris Santa, Johannes Schärfke, Alois R. Knapps Torres, Ezra Tsegaye

    Heimkinostart: 24.07.2026

    Elf Kurzfilme aus Deutschland. Null Gründe, sie zu Ende zu schauen

    Horror-Anthologien leiden seit jeher unter demselben Fluch: ihrer eigenen Unberechenbarkeit. Sie sind ein volatiles Produkt aus Höhen und Tiefen. Aus brillanten Ideen und lieblosen Fingerübungen. Aus Geschichten, deren Schlusspointe noch lange nachhallt, und solchen, die ratlos verpuffen, sobald der Abspann beginnt. Dabei liegt genau darin ihre größte Stärke. Kurzgeschichten müssen keine Figuren über Stunden entwickeln, keine Welt aufbauen und keine komplizierten Handlungsfäden verknüpfen. Sie dürfen direkt in den Horror springen, eine einzige Idee verfolgen und sie mit einem fiesen Twist oder einer bitteren Allegorie auf den Punkt bringen. Paradox, aber wahr: Gerade die Kürze schenkt ihnen maximale Freiheit. Doch Freiheit allein reicht nicht. Es braucht den Mut, diese auszunutzen. Ohne gute Ideen bleibt am Ende oft nur eine zynische Pointe. Im schlechtesten Fall nicht einmal die. Und damit wären wir auch schon bei „German Horror Story“.

    German Horror Story Film 2025
    German Horror Story ©Ghost Pictures Filmproduktion / UCM.ONE

    Elf Regisseure. Elf Kurzfilme. Null Visionen. Die Rahmenhandlung ist schnell erzählt – und genauso schnell wieder vergessen. Ganz im Stil von „Geschichten aus der Gruft“ oder, je nach Generation, „X-Factor: Das Unfassbare“ sitzt eine mysteriöse Gestalt vor ihrem Publikum und kündigt die finstersten Geschichten an, die sie kennt. Glauben sollte man ihr allerdings nicht. Denn was folgt, ist größtenteils unkreativ, schlecht umgesetzt und erschreckend einfallslos. Reptilienmenschen („Die ganze Wahrheit“), außerirdische Begegnungen („Das Artefakt“), oder sadistische Ex-Freunde („Verlier‘ nicht dein Gesicht“) – an klassischen Horror-Motiven mangelt es nicht. An Einfällen hingegen umso mehr. Gerade das macht die Enttäuschung umso größer. Ein Kurzfilm braucht keine klassische Exposition. Er darf mitten im Albtraum beginnen, einen einzigen verstörenden Moment festhalten und sein Publikum mit einer starken Pointe zurücklassen. Genau das gelingt Episoden wie „Böse Augen“ oder „Lichter“ jedoch nicht. Ob Werwolfgeschichte oder surrealer Lovecraft-Ausflug – beide Beiträge werden von hölzernem Schauspiel, furchtbaren Dialogen und einer erschreckenden Ideenlosigkeit erdrückt.

    Filmpodcast

    Der deutsche Genrefilm – zwischen KI-Animationen und Amateurvideo-Look

    Überhaupt wirkt „German Horror Story“ wie eine Sammlung unfertiger Amateurfilme. Fast jede Episode leidet unter einer Inszenierung, die eher an YouTube-Projekte erinnert als an ernst gemeinten Genrehorror. Und wenn sich doch einmal so etwas wie Stil ankündigt – etwa in „Echo aus der Tiefe“, dem einzigen animierten Beitrag –, wird schnell deutlich, dass hier sichtbar auf KI gesetzt wurde. Je offensichtlicher das wird, desto künstlicher und hässlicher wirkt das Ergebnis. Für einen kurzen Moment keimt trotzdem Hoffnung auf. „Nach der Dunkelheit kommt das Licht“ hebt sich allein deshalb vom Rest ab, weil der fast dreizehnminütige Beitrag erstmals aussieht wie ein echter Film. Nach all den Amateurvideos wirkt das Bild beinahe cineastisch – zumindest auf B-Movie-Niveau. Dazu kommt ein über weite Strecken sauber umgesetzter One-Take mit passabler Action. Doch auch hier endet jeder gute Eindruck an derselben Stelle wie zuvor: bei einer Geschichte, der außer einer halbwegs ordentlichen Schlusspointe nichts einfällt.

    German Horror Story Film 2025
    German Horror Story ©Ghost Pictures Filmproduktion / UCM.ONE

    So bleibt am Ende nur „Dein Video“ als kleinster Lichtblick. Nicht, weil die Episode gut wäre. Sie ist weiterhin billig gefilmt, spannungsarm und handwerklich schwach. Aber sie besitzt als einzige eine wirklich fiese Grundidee und einen Twist, der den Namen überhaupt verdient. Für einen halben Stern mehr reicht das trotzdem nicht. Denn wenn aus elf Kurzfilmen genau einer einen brauchbaren Einfall besitzt, ist das kein Hoffnungsschimmer mehr – sondern das deutlichste Urteil, das sich über diese Anthologie fällen lässt. Wer das nicht glauben will, sollte einfach mit „Das Artefakt“ beginnen. Bereits die erste Episode vereint nahezu jede Schwäche dieser Anthologie – ohne Gespür für Dramaturgie, Spannung, Dialoge, Schauspiel, Effekte oder Inszenierung. Kurz: Es fehlt an fast allem, was gutes Genrekino ausmacht. Wem das gefällt, der kann beruhigt weiterschauen. Für alle anderen ist bereits die erste Folge die bitterste Pointe von „German Horror Story“ – und ein weiterer Beleg dafür, wie leblos deutscher Genrehorror inzwischen oft geworden ist. Zum Glück endet der deutschsprachige Horrorfilm nicht an der deutschen Grenze.

    German Horror Story Film 2025
    German Horror Story ©Ghost Pictures Filmproduktion / UCM.ONE

    Fazit

    „German Horror Story“ beweist vor allem eines: Nicht jede Horrorgeschichte verdient es, erzählt zu werden. Der Versuch, dem deutschen Genrehorror neues Leben einzuhauchen, verdient Respekt. Das Ergebnis leider nicht. 

    Bewertung: 0.5 von 5.
  • Párvulos – Kinder der Apokalypse | Film – Kritik: So originell kann Zombie!

    Párvulos – Kinder der Apokalypse

    TitelPárvulos – Kinder der Apokalypse
    Genre Horror
    Jahr2024
    FSK16
    RegieIsaac Ezban

    Heimkinostart: 24.07.2026

    In der Apokalypse zählt nur die Familie

    Von der Premiere auf dem Fantasy Filmfest bis zur breiten Veröffentlichung kann es bei manchen Filmen schon einmal eine Weile dauern. So auch bei „Párvulos: Kinder der Apokalypse“, der dort bereits vor zwei Jahren das Publikum begeisterte und nun dank Lighthouse Entertainment seinen Weg ins Heimkino findet. Hinter dem Zombiefilm steht niemand Geringeres als Regisseur Isaac Ezban, der bereits mit seinen ambitionierten Werken wie „The Similars“ und „The Incident“ auf sich aufmerksam machte. Das Drehbuch zu „Párvulos: Kinder der Apokalypse“ schrieb er bereits 2016, überarbeitete es während der Corona-Pandemie jedoch noch einmal, um der Geschichte einen Hauch mehr Realismus zu verleihen.

    Párvulos - Kinder der Apokalypse Film 2024
    Párvulos – Kinder der Apokalypse ©Lighthouse Home Entertainment

    Neben dem Fantasy Filmfest feierte der Horrorfilm 2024 auch auf zahlreichen weiteren Filmfestivals Premiere und schaffte es in Mexiko sogar regulär in die Kinos. In „Párvulos: Kinder der Apokalypse“ begleiten wir die drei Geschwister Salvador (Farid Escalante), Benjamin (Mateo Ortega) und Oliver (Leonardo Cervantes), die abgeschieden im Wald leben und nach einer verheerenden Pandemie auf sich allein gestellt sind. Als sich eines Tages die junge Valeria (Carla Adell) zu ihnen verirrt, ist das erst der Anfang eines blutigen Albtraums. Denn im Keller ihres Hauses hüten die Geschwister ein düsteres Geheimnis.

    Filmpodcast

    Familie bis zum letzten Bissen

    Moderne Filme, die die Corona-Pandemie thematisieren, haben oft das Problem, dass sie sich selbst in diese ganz spezifische Zeitblase einsperren, die viele von uns am liebsten vergessen würden, und auch nur in diesem Kontext funktionieren. Regisseur Isaac Ezban umgeht das in „Párvulos: Kinder der Apokalypse“ geschickt, indem er Covid-19 nie namentlich erwähnt. Die Verbindung entsteht ausschließlich durch den Meta-Kontext, während Ezban die Parallelen zur Realität zu einer dystopischen Zukunft weiterspinnt, in der die Ängste vor kaum getesteten Impfstoffen Realität geworden sind und schließlich die Zombieapokalypse auslösen. Der Fokus richtet sich dabei jedoch weniger auf das Virus selbst als auf die Familiendynamik zwischen drei Geschwistern, die in dieser Welt ums Überleben kämpfen.

    Párvulos - Kinder der Apokalypse Film 2024
    Párvulos – Kinder der Apokalypse ©Lighthouse Home Entertainment

    Diese Konflikte können durchaus mal die Nerven strapazieren, so wie Familien es eben oft tun. Gleichzeitig wird die Beziehung der drei Geschwister aber auch zum Herzstück des Films und zu dem, was „Párvulos: Kinder der Apokalypse“ positiv aus der Masse der Zombiefilme hervorhebt. Ezban wechselt dabei immer wieder gekonnt zwischen humorvollen Familienmomenten und dem Ernst der Situation, in der der Zuschauer mit der Frage konfrontiert wird, wie weit man für das Wohl der eigenen Familie gehen würde. Die Antwort darauf fällt tragisch, düster und brutal aus. Unterstrichen wird das von der trostlosen, monochromen Farbpalette und den blutigen praktischen Effekten, die den Verfall dieser Welt eindrucksvoll einfangen. Und dennoch bleibt am Ende ein kleiner Funke Hoffnung zurück, der den melancholischen Schluss umso wirkungsvoller macht.

    Párvulos - Kinder der Apokalypse Film 2024
    Párvulos – Kinder der Apokalypse ©Lighthouse Home Entertainment

    Fazit

    „Párvulos: Kinder der Apokalypse“ erzählt keine klassische Zombiegeschichte, sondern ein düsteres Familiendrama vor dem Hintergrund einer Apokalypse. Isaac Ezban verbindet emotionale Konflikte mit starken praktischen Effekten und einer bedrückenden Atmosphäre. Nicht jede Idee geht vollständig auf, doch gerade die Geschwisterdynamik macht den Film zu einem der ungewöhnlicheren Vertreter des Genres.

    Bewertung: 3.5 von 5.
    Párvulos - Kinder der Apokalypse Film 2024 Amazon Prime Video
    Párvulos - Kinder der Apokalypse Film 2024 Amazon Prime Video
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  • 72 Hours | Netflix Film – Kritik: Jung, laut und erstaunlich alt

    72 Hours

    Titel72 Hours
    Genre Komödie
    Jahr2026
    FSK16
    RegieTim Story

    Starttermin: 24.07.2026 | Netflix

    Netflix lässt Kevin Hart alt aussehen 

    Wer heute wissen will, wie andere Generationen angeblich ticken, muss niemanden mehr kennenlernen. Ein paar Sekunden auf TikTok, Instagram oder Reddit reichen aus, und schon glaubt man, den Alltag von Menschen zu kennen, denen man im echten Leben vermutlich nie begegnet wäre. Das Internet verkauft diese Nähe als Fenster in fremde Lebenswelten. Tatsächlich blickt man aber meist nur in einen Spiegel aus Algorithmen, Trends und sorgfältig sortierten Klischees. Aus Begegnungen werden Schlagabtausche, aus unterschiedlichen Perspektiven Meme-Vorlagen. Der Generationenkonflikt existiert längst nicht mehr nur zwischen Menschen, sondern vor allem zwischen den Versionen ihrer selbst, die soziale Netzwerke täglich neu zusammenbasteln. Das Kino springt nur allzu gern auf diesen Zug auf. Statt die Reibung zwischen Boomern, Millennials und Gen Z wirklich zu untersuchen, recycelt es dieselben Karikaturen, die ohnehin schon seit Monaten durch sämtliche Feeds geistern. Die Älteren sind hoffnungslos aus der Zeit gefallen, die Jüngeren permanent online, ironisch und emotional überfordert. Es ist weniger eine Beobachtung unserer Gesellschaft als vielmehr der verzweifelte Versuch einer Branche, mit dem Zeitgeist Schritt zu halten. Je lauter nach Aktualität geschrien wird, desto schneller altern diese Geschichten. Am Ende erzählen sie nicht von Generationen, sondern von Autor*innen, die panische Angst haben, den Anschluss zu verlieren. Genau in diese Falle tappt auch Netflix mit „72 Hours“.

    72 Hours Netflix Film 2026
    72 Hours ©Netflix

    Eigentlich beginnt alles mit einem simplen Versehen. Werbemanager Joe (Kevin Hart) landet versehentlich im Gruppenchat einer Clique Anfang zwanzig. Für den Mann, dessen Karriere längst auf der Stelle tritt, scheint das die perfekte Gelegenheit, sich noch einmal neu zu erfinden. Also reist er den jungen Männern um den angehenden Bräutigam Mason (Mason Gooding) kurzerhand nach Miami hinterher und platzt mitten in deren ausufernden Junggesellenabschied. Was als peinlicher Versuch startet, Anschluss an die nächste Generation zu finden, eskaliert innerhalb von 72 Stunden völlig. Zwischen Yachten, Clubs und jeder Menge Alkohol gerät die Truppe erst mit der Polizei und schließlich mit einem Drogenkartell aneinander. Als Joe durch eine Kette absurder Missverständnisse selbst für einen gefürchteten Kartellboss gehalten wird, beginnt eine turbulente Flucht quer durch Miami.

    Filmpodcast Netflix

    Wenn sich „72 Hours“ genauso lange anfühlen

    „72 Hours“ weiß nie, für wen seine Figuren eigentlich geschrieben wurden. Joe wirkt, als hätte sich eine Gruppe Zwanzigjähriger vorgestellt, wie sich ein Mann über vierzig wohl verhält. Die Twentysomethings wiederum sprechen und handeln so, wie Menschen Mitte fünfzig glauben, dass junge Erwachsene sprechen und handeln. Niemand fühlt sich echt an. Alle wirken wie Schaufensterpuppen, denen man Begriffe wie „Bro“, „Vibe“ und „Cringe“ in den Mund gelegt hat. Dadurch fehlt jeder Szene das Fundament. Das Skript beobachtet keine Generationen, sondern bloß deren Klischeebilder. Das wäre zu verschmerzen, wenn es wenigstens in seiner Eigenschaft als Komödie funktionieren würde. Tut es aber nicht. Nahezu jede Pointe läuft ins Leere, weil sie auf den naheliegendsten Witz setzt – und selbst den hat man bereits im dutzendfacher Ausfertigung in anderen Filmen gesehen. Der Ältere versteht die Jugend nicht. Die Jugend nimmt nichts ernst. Geschlechtsteile hier. Rassistische Stereotype da. Mehr fällt dem Drehbuch kaum ein. Dabei lebt gute Satire gerade davon, Klischees gegen ihre Figuren zu wenden und sie dadurch bloßzustellen. „72 Hours“ macht das Gegenteil. Das Netflix Original glaubt an seine Stereotype. 

    72 Hours Netflix Film 2026
    72 Hours ©Netflix

    Zwischendurch versucht die Geschichte plötzlich, Herz zu zeigen. Im Mittelpunkt steht die Freundschaft zwischen Bräutigam Mason und seinem besten Freund, der sich mit aller Kraft dagegen stemmt, erwachsen zu werden. Eigentlich steckt darin ein spannender Gedanke. Irgendwann verändern sich Lebensentwürfe, Prioritäten und Freundschaften zwangsläufig. Nicht jede Beziehung überlebt diesen Wandel. Doch der Handlung gelingt es nie, daraus etwas Ehrliches zu machen. Stattdessen verlieren sich die Figuren in bedeutungsschweren Gesprächen, die klingen, als hätte jemand Kalendersprüche zu Dialogen umgeschrieben. Was berühren soll, wirkt künstlich. Was tiefgründig sein möchte, bleibt an der Oberfläche. Was bleibt, ist eine selten unterhaltsame Komödie, die ständig von Generationen spricht, aber keine einzige wirklich versteht. Zwischen Kartellchaos, müden Gags und einer Freundschaftsgeschichte, die mehr behauptet als erzählt, verliert sich „72 Hours“ so im sonnendurchfluteten Ambiente von Miami. Laut. Bunt. Und erstaunlich leer.

    72 Hours Netflix Film 2026
    72 Hours ©Netflix

    Fazit

    „72 Hours“ ist wie ein Trend, der schon vorbei war, bevor ihn Netflix entdeckt hat. Laut, hektisch und ständig auf der Jagd nach dem nächsten Gag – nur leider fast nie mit einem Treffer. 

    Bewertung: 1.5 von 5.
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  • Eine verworrene Wahrheit | Netflix Film – Kritik: Im Bann der Verschwörung

    Eine verworrene Wahrheit

    TitelEine verworrene Wahrheit
    Genre Thriller
    Jahr2026
    FSK12
    RegieDavid Victori

    Starttermin: 24.07.2026 | Netflix

    Netflix erklärt die zerstörerische von Verschwörungserzählungen

    Verschwörungserzählungen sind wie ein Tropfen Tinte in einem Glas Wasser. Anfangs scheint kaum etwas zu passieren. Die Flüssigkeit bleibt klar, nur feine Schlieren ziehen langsam ihre Bahnen. Doch je länger man zusieht, desto stärker färbt sich das gesamte Glas, bis von der ursprünglichen Klarheit nichts mehr übrig ist. Adrenochrom. Impfungen. Corona. Die Pharmaindustrie als Puppenspieler. Aus losen Behauptungen wächst ein Gedankengebäude, dessen Mauern von innen undurchdringlicher sind als jede Gefängniswand. Das eigentliche Schlachtfeld liegt dabei selten auf Demonstrationen oder in Kommentarspalten. Es steht mitten im Wohnzimmer. Zwischen Kaffeetassen, Familienfotos und dem Schweigen eines Sonntagnachmittags. Wo früher Meinungsverschiedenheiten endeten, beginnt plötzlich Feindbildarchitektur. Der eigene Sohn wird zum Schlafschaf erklärt, die Schwester zur Komplizin eines unsichtbaren Systems, der beste Freund zum Verräter an der Wahrheit. Genau in diese Wunde legt „Eine verschwommene Wahrheit“ den Finger.

    Eine verworrene Wahrheit Netflix Film 2026
    Eine verworrene Wahrheit ©Netflix

    Mit „Eine verschwommene Wahrheit“ zeigt Netflix, wie ein schleichender Wirklichkeitsverlust, befeuert von Paranoia und Falschinformationen, dafür sorgen kann, dass selbst das vertrauteste Gesicht irgendwann fremd wirkt. Verschwörungserzählungen haben eine ungeheure Kraft. Manche verlieren ihre Familie. Andere ihre Freiheit. Einige begehen sogar Verbrechen, weil sie überzeugt sind, gegen das Böse zu kämpfen. Vielleicht ist genau das die eigentliche Tragödie, die mit dem Glauben an satanische Geheimbünde, pharmazeutischen Massenmord und Zwangsimpfungen einhergeht. Nicht, dass Menschen an Lügen glauben. Sondern dass sie dabei ausgerechnet jene aus ihrem Leben verbannen, die sie einst am meisten geliebt haben. Verschwörungserzählungen reißen Familien selten mit einem Schlag auseinander. Sie nehmen zunächst nur einen Platz am Esstisch ein. Unsichtbar. Doch mit jedem Gespräch wächst das Misstrauen, bis Eltern und Kinder zwar dieselben Worte benutzen, aber längst nicht mehr dieselbe Wirklichkeit teilen. So auch bei Ruth (Verónica Echegui), die nach dem tragischen Tod ihrer Mutter in ihr Elternhaus zurückkehrt, um ihrem Vater Martín (José Coronado) beiseitestehen – doch der ist bereits tief im Wahn versunken.

    Filmpodcast Netflix

    Eine Prämisse, so real dass es wie eine wahre Geschichte wirkt

    Ruths Vater lebt inzwischen völlig abgeschottet und ist überzeugt, dass hinter nahezu jedem Ereignis eine verborgene Agenda steckt. Seine Weltsicht belastet das Verhältnis zu seiner Tochter von Beginn an. Gleichzeitig stößt Ruth auf Widersprüche rund um den Tod ihrer Mutter und beginnt zu hinterfragen, was in den letzten Wochen tatsächlich geschehen ist. Während sie nach Antworten sucht, betrachtet Martín jede ihrer Entscheidungen mit wachsendem Argwohn. In dem Glauben, dass auch sie längst manipuliert wird, zerfällt das gegenseitige Vertrauen Stück für Stück. Der Einstieg des spanischen Netflix Originals weckt zunächst echtes Interesse: Der schleichende Realitätsverlust eines Vaters und die daraus entstehende Sprachlosigkeit innerhalb einer kleinen Familie wirken greifbar, erschreckend und vor allem beängstigend plausibel. Gerade weil der Film sein Fundament in einem gesellschaftlichen Problem verankert, das längst nicht mehr nur Schlagzeilen schreibt, sondern an unzähligen Esstischen angekommen ist – wo der paranoide Blick auf die Welt tiefe Gräben durch die engsten familiären Bande zieht.

    Eine verworrene Wahrheit Netflix Film 2026
    Eine verworrene Wahrheit ©Netflix

    Doch genau dort, wo die Geschichte am meisten zu erzählen hätte, zieht sie sich leider wieder zurück. Statt die emotionale Zerreißprobe zwischen Vater und Tochter konsequent auszuleuchten, verliert sich das Drehbuch zunehmend in der Suche nach Antworten auf den Tod der Mutter. Das im Kern packende Familiendrama rückt merklich in den Hintergrund, während immer neue Ermittlungsstationen die Handlung bestimmen. Dadurch bleiben viele Konflikte bloße Behauptung, anstatt sich wirklich zu entfalten. Am Ende bleibt somit zwar ein eindringliches Schlussbild, das die zerstörerische Kraft von Verschwörungserzählungen treffend auf den Punkt bringt; der Weg dorthin folgt jedoch allzu oft bekannten Thrillerpfaden und lässt das deutlich spannendere Charakterdrama weitgehend ungenutzt. Was bleibt, ist eine starke Idee über die zerstörerische Kraft von Verschwörungen – aber eben auch ein Film, der selbst nicht tief genug gräbt.

    Eine verworrene Wahrheit Netflix Film 2026
    Eine verworrene Wahrheit ©Netflix

    Fazit

    „Eine verschwommene Wahrheit“ greift ein brisantes Thema auf, das längst nicht mehr nur in dunklen Ecken des Internets existiert, sondern mitten in Familien angekommen ist. Verschwörungserzählungen werden hier zum Auslöser eines schmerzhaften Vertrauensverlusts. Doch ausgerechnet die persönliche Tragödie dahinter bleibt zu oft an der Oberfläche.

    Bewertung: 2.5 von 5.
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