The Plague
| Titel | The Plague |
| Genre | Horror, Drama |
| Jahr | 2025 |
| FSK | ungeprüft |
| Regie | Charlie Polinger |
Fantasy Filmfest 2026
Wenn Anderssein zur Krankheit erklärt wird
Coming-of-Age wird im Film oft mit Nostalgie und romantischer Verklärung der Jugend assoziiert. Doch es geht auch ganz anders. Horrorfilme brechen gerne mit dieser Tradition und gehen radikalere Wege. So auch Regisseur Charlie Polinger, der mit seinem Debüt „The Plague“ keine wortwörtliche Seuche in den Mittelpunkt rückt, sondern eine Geschichte über das Erwachsenwerden erzählt und dieses als moralisches Minenfeld des Verlusts der Unschuld zeichnet. „The Plague“ feierte seine Premiere als Eröffnungsfilm der Internationalen Filmfestspiele von Cannes und begeisterte dort bereits das Publikum.

Ähnliches lässt sich für das Fantasy Filmfest 2026 erhoffen, wo der Film einen Platz im Programm gefunden hat und sicher ebenfalls zahlreiche Fans finden wird. Angesiedelt im Sommer 2003, handelt „The Plague“ von dem 12-jährigen Ben (Everett Blunck), der sich in der Hierarchie eines reinen Jungen-Wasserballcamps zurechtfinden muss. Als Ben ins Visier der anderen Jungs gerät, verbreiten sie das Gerücht, er trage eine mysteriöse und ansteckende Krankheit. Die Geschichte nimmt rasend schnell ihren Lauf und zieht Ben immer tiefer in den Abgrund eines psychologischen Albtraums.

Mobbing ist ansteckend
„Boys will be Boys.“ Mit diesen vier einfachen Worten wird das unangebrachte Verhalten heranwachsender Jungs gerne klein geredet und die Verantwortung für Schikanen gegen Gleichaltrige von ihnen weggeschoben. Auch in Polingers Regiedebüt wirkt zunächst alles ganz harmlos. Dumme Neckereien zwischen pubertierenden Jungs, die es scheinbar nicht besser wissen. Doch nach und nach offenbart sich die wahre Grausamkeit der Gruppe: das systematische Ausgrenzen und Demütigen all jener, die anders sind. „The Plague“ ist kein Horrorfilm im klassischen Sinne, doch Polinger nutzt gekonnt die Bildsprache des Genres und auch der dröhnende Score lässt jederzeit einen Schreckmoment erwarten. Der eigentliche Horror ist hier jedoch, ganz simpel gesagt, die harte Realität von Mobbing und dessen Konsequenzen für die Opfer. Nicht als einhämmernde Metapher, sondern authentisch erzählt und mitreißend inszeniert. Die unterschwelligen Horrorelemente unterstützen dabei die Atmosphäre, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Besonders das Sounddesign ist herausragend und trägt maßgeblich zur Atmosphäre des Films bei.

Unschuldig erscheinende Situationen erzeugen so ein beklemmendes Gefühl von Hilflosigkeit, das unter die Haut geht. Eine weitere Stärke von „The Plague“ liegt in Polingers intelligentem Drehbuch. Die Gruppendynamik wirkt direkt aus dem Leben gegriffen, während der subtile Body-Horror die psychische Belastung der gemobbten Teenager unterstreicht. Vor allem in den Figuren zeigt sich Polingers Talent fürs Schreiben. Bens Unsicherheit und sein verzweifelter Versuch, sich seinen Teammitgliedern anzupassen, werden zur treibenden Kraft der Geschichte. Mobber Jake ist ein regelrechtes Monster, aber dennoch charismatisch genug, um nachvollziehbar zu machen, warum er der Anführer der Gruppe ist. Eli wiederum bildet einen Gegenpol zu Ben. Auch er ist ein Opfer, bei dem die Schikanen Spuren hinterlassen, doch gleichzeitig akzeptiert er sein Anderssein und trägt eine beinahe unbeschwerte Leichtigkeit in sich. Etwas, wonach sich auch Ben sehnt. „The Plague“ wird so zu einer Reise, auf der Ben seine eigene Identität finden und den Gruppenzwang sowie die toxisch-männliche Performance ablehnen muss. Das mündet in einer emotional aufgeladenen Schlussszene, die sich geradezu kathartisch anfühlt. „Beau Travail“ und „Aftersun“ lassen grüßen.

Fazit
„The Plague“ ist ein beklemmendes Coming-of-Age-Drama, das die Grausamkeit von Mobbing mit den Mitteln des Horrors greifbar macht. Polinger erzählt seine Geschichte authentisch, atmosphärisch und mit einem bemerkenswerten Gespür für seine Figuren. Ein intensiver Film über Gruppenzwang, Identität und die schmerzhafte Suche nach dem eigenen Platz.




































