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Filme | Kritiken
  • Wir – nur ein bisschen besser| Netflix Film – Kritik: Familienglück mit Fragezeichen

    Wir – nur ein bisschen besser

    TitelWir – nur ein bisschen besser
    Genre Drama, Romanze
    Jahr2026
    FSK12
    RegieDaniele Luchetti

    Starttermin: 29.10.2026 | Netflix

    Netflix stellt den Kinderwunsch ins Kreuzverhör

    Wer sich etwas wünscht, kann meistens ziemlich genau erklären, warum. Eine größere Wohnung verspricht mehr Platz, eine Reise Abstand vom Alltag, ein neuer Job vielleicht endlich das Gefühl, am richtigen Ort zu sein. Selbst für den Kauf einer völlig überteuerten Kaffeemaschine findet sich noch irgendeine halbwegs vernünftige Begründung. Beim Kinderwunsch sieht das anders aus. Wer Nachwuchs möchte, muss selten erklären, weshalb. Wer keine Kinder will, dagegen schon. Dann wird nachgehakt, die Stirn gerunzelt, auf die biologische Uhr verwiesen oder darauf, dass sich die Meinung schon noch ändern werde. Als wäre die Elternschaft eine Selbstverständlichkeit und ihre Ablehnung eine erklärungsbedürftige Abweichung. Dabei können beide Entscheidungen gute Gründe haben, widersprüchliche Gründe oder überhaupt keine, die sich in zwei Sätzen ordentlich zusammenfassen lassen. Schwierig wird diese persönliche Freiheit erst, wenn zwei Menschen gemeinsam über etwas entscheiden müssen, das ihr beider Leben verändern wird. Und genau darum geht es in „Wir – nur ein bisschen besser“, dem italienischen Beziehungsdrama auf Netflix.

    Wir – nur ein bisschen besser Netflix Film 2026
    Wir – nur ein bisschen besser ©Netflix

    Liebe auf den ersten Blick könnte man die Begegnung von Simone (Elio Germano) und Lucia (Maria Chiara Giannetta) durchaus nennen. Dumm nur, dass Lucia sich hinterher kaum noch daran erinnern kann. Sie steckt nach einem Unfall in ihrem umgekippten Auto fest, er ist Feuerwehrmann und zieht sie aus dem Wagen. Das ist eine denkbar dramatische erste Verabredung, zumal Simone offenbar sofort Gefallen an der jungen Frau findet und sie am nächsten Tag wiedersehen möchte. Lucia wiederum hat andere Sorgen, als sich das Gesicht ihres Retters einzuprägen. Trotzdem funkt es, und vier Jahre später teilen die beiden noch immer ihr Leben, obwohl sie bei genauerer Betrachtung wenig miteinander gemeinsam haben. Simone mag Ordnung, Verlässlichkeit und das vertraute Familienleben, das er aus seinem eigenen Elternhaus kennt. Lucia hält von festen Regeln wenig, will sich nicht ständig festlegen und hat mit den klassischen Vorstellungen von Ehe und Mutterschaft herzlich wenig am Hut. Mit ihr wird es keine Kinder geben. Das macht sie früh deutlich, und Simone scheint damit leben zu können. Bis er es irgendwann nicht mehr kann. Er möchte Vater werden. Lucia kann aufgrund eines angeborenen Problems keine leiblichen Kinder bekommen und ist sich selbst nicht sicher, ob ihre Ablehnung der Mutterschaft eine Überzeugung ist, eine Gewohnheit oder vielleicht auch ein Schutz vor etwas, das ihr ohnehin verwehrt bleibt. Eine Adoption wird zur Möglichkeit, dann zum gemeinsamen Vorhaben. Nur müssen Simone und Lucia dafür plötzlich mehr Menschen von ihrer Eignung als Eltern überzeugen als sich selbst. Gespräche mit Fachleuten, Nachfragen zur Familie, die Prüfung der eigenen Beziehung: Aus einem Wunsch, den bislang vor allem einer von beiden hatte, wird eine Angelegenheit, zu der beide Antworten liefern sollen.

    Filmpodcast Netflix

    „Wir – nur ein bisschen besser“ macht aus Familienplanung eine Frage der Perspektive

    „Wir – nur ein bisschen besser“ macht aus dieser Ausgangslage erfreulicherweise keine Abstimmung über das Für und Wider des Kinderkriegens. Der Film verteilt keine Argumente auf zwei Figuren, damit am Ende die vernünftigere Seite gewinnt. Er lässt vielmehr zu, dass sich ein Mensch seiner Sache sicher sein kann und dennoch erstaunlich wenig über die eigenen Beweggründe weiß. Simone will ein Kind. Punkt. Aber weshalb eigentlich? Weil er Kinder liebt? Weil seine Familie groß und eng verbunden ist? Weil für ihn nach vier gemeinsamen Jahren nun einmal der nächste Schritt ansteht? Vielleicht ist von allem etwas dabei. Gerade weil er seinen Wunsch so selbstverständlich vor sich herträgt, wirkt er bei genauerem Hinsehen weniger durchdacht, als er glaubt. Lucia dagegen zweifelt an einer Entscheidung, die sie jahrelang für längst getroffen hielt. Und ausgerechnet ihre Unsicherheit macht sie zur interessanteren der beiden Figuren. Sie darf schwanken, widersprechen, sich annähern und wieder Abstand nehmen. Es muss schließlich nicht jede Überzeugung unverrückbar sein, bloß weil man sie einmal laut ausgesprochen hat. Gleichzeitig wäre es zu bequem, ihre Kinderlosigkeit als heimlichen Kinderwunsch zu lesen, der nur darauf wartet, freigelegt zu werden. Vielleicht will sie tatsächlich keine Mutter sein. Vielleicht möchte sie es irgendwann doch. Und vielleicht hat sie selbst noch keine Sprache für das gefunden, was in ihr vorgeht. Dass Netflix diese Möglichkeiten nebeneinander bestehen lässt, verleiht seiner Liebesgeschichte eine angenehm unaufgeregte Wahrhaftigkeit. Zwei Menschen lieben sich, kommen im Alltag miteinander zurecht, können stundenlang diskutieren und haben trotzdem nie ernsthaft geklärt, ob ihre Vorstellungen von Zukunft überhaupt zusammenpassen. Bis sich diese Frage eben nicht länger mit einer Umarmung oder einem schlagfertigen Spruch vertagen lässt. Denn so sehr „Wir – nur ein bisschen besser“ von individuellen Entscheidungen handelt, lässt sein Titel bereits erahnen, dass am Ende zwei Menschen mit den Konsequenzen leben müssen. Und genau darin liegt der eigentliche Konflikt. Wie viel kann man von seinen eigenen Vorstellungen aufgeben, ohne sich irgendwann selbst darin zu verlieren?

    Wir – nur ein bisschen besser Netflix Film 2026
    Wir – nur ein bisschen besser ©Netflix

    Wie viel Vergangenheit in solchen Wünschen steckt, zeigt sich besonders an Lucia. Sie ist ohne verlässliche Eltern aufgewachsen, hat das Verlassenwerden früh kennengelernt und trägt ihre Unabhängigkeit fast wie eine Vorsichtsmaßnahme mit sich herum. Lieber hält sie sich alle Türen offen, bevor irgendwann eine hinter ihr zugeschlagen wird. Ihre Widersprüchlichkeit entsteht deshalb weder aus einer niedlichen Marotte noch aus der üblichen Filmidee, dass eine unangepasste Frau nur lange genug den richtigen Mann treffen müsse, um sesshaft zu werden. Sie ist spontan, unbequem, verletzlich, manchmal schwierig und in all dem viel leichter zu verstehen als Simone, der mit seinem Ordnungssinn und seinen traditionellen Vorstellungen bisweilen erschreckend langweilig daherkommt. Nicht weil an seinem Wunsch etwas falsch wäre, vielmehr weil er ihn kaum hinterfragt. Seine große Familie hat ihm vorgelebt, wie ein Leben mit Kindern aussehen kann; Lucia hat dagegen vor allem erfahren, was es bedeutet, wenn Menschen ihrer Verantwortung nicht gerecht werden. Während für Simone das Familienleben längst zur Selbstverständlichkeit geworden ist, muss Lucia überhaupt erst herausfinden, was Familie für sie bedeutet. Und ob sie selbst Teil einer solchen sein möchte, wenn damit plötzlich eine Verantwortung verbunden ist, vor der sie sich bislang erfolgreich drücken konnte. Besonders schön ist, dass Maria Chiara Giannetta ihre Lucia mit einer Selbstverständlichkeit spielt, die keinerlei demonstrative Exzentrik nötig hat. Ein Blick, ein schnelles Zurückrudern, eine beiläufig hingeworfene Bemerkung reichen, um spürbar zu machen, wie viel sich hinter ihrer ruppigen Fassade bewegt. Elio Germano hält als Simone dagegen, ohne ihn zum verständnislosen Spießer zu machen. Seine Zuneigung ist glaubhaft, seine Ratlosigkeit ebenso. Gemeinsam wirken die beiden wie ein Paar, das sich tatsächlich ineinander verliebt hat und gerade deshalb Gefahr läuft, zu lange aneinander vorbeizureden. Das Adoptionsverfahren legt diese Gewohnheit offen. Auf einmal müssen sie Fragen beantworten, die im eigenen Wohnzimmer niemand gestellt hat. Ausgerechnet die bürokratische Prüfung ihrer Eignung wird so zu einer ziemlich brauchbaren Prüfung ihrer Ehrlichkeit. Und während andere Paare Kinder bekommen können, ohne jemals ihre charakterliche Eignung nachweisen zu müssen, stehen Simone und Lucia plötzlich vor Menschen, die eine Begründung für ihre Elternschaft verlangen. Eine durchaus absurde Situation, die allerdings auch etwas Gutes hat. Schließlich müssen sich die beiden dadurch mit Fragen beschäftigen, denen sie bisher lieber ausgewichen sind.

    Wir – nur ein bisschen besser Netflix Film 2026
    Wir – nur ein bisschen besser ©Netflix

    Manchmal reicht es, ein bisschen besser zu werden

    Daniele Luchetti findet dafür einen Ton, der dem Stoff gut bekommt. „Wir – nur ein bisschen besser“ kennt die Schwere seiner Themen, macht aus ihr aber keine Aufforderung zum kollektiven Schluchzen. Die Gespräche dürfen komisch sein, die Streitereien kleinlich, manche Situationen sogar ausgesprochen absurd. Und wenn es emotional wird, muss deswegen nicht sofort eine große dramatische Geste folgen. Das verleiht dem Netflix Original eine Leichtigkeit, die seinen Gedanken mehr nützt als jeder Versuch, dem Publikum seine Bedeutung mit Nachdruck einzuhämmern. Ganz ohne Einschränkungen bleibt dieser Eindruck allerdings nicht. So nah der Film seinen Figuren kommt, so selten wagt er es, noch einen unangenehmen Schritt weiterzugehen. Manche Konflikte könnten länger stehen bleiben, manche Widersprüche tiefer nachwirken; die Inszenierung hält sich insgesamt an einen recht gefälligen Rahmen, in dem auch die schwierigeren Momente ihren Platz finden, ohne allzu sehr zu verstören. Gerade die Frage, ob Liebe auch bedeuten kann, sich einzugestehen, dass die eigenen Lebensentwürfe unvereinbar sind, hätte ein wenig mehr Konsequenz vertragen. Stattdessen bleibt Luchetti lieber zuversichtlich. Das ist weder falsch noch unglaubwürdig, nimmt der Geschichte stellenweise aber etwas von der Schärfe, die in ihren Figuren steckt. Dass sie trotzdem funktioniert, liegt an ihrem Gespür für die kleinen Widersprüche des Zusammenlebens und an zwei Darstellern, denen man den gemeinsamen Alltag jederzeit abnimmt. Am Ende interessiert viel weniger, ob Simone gute Gründe für seinen Kinderwunsch findet oder Lucia eine endgültige Erklärung für ihre Zweifel. Beides sind Fragen, auf die niemand eine allgemeingültige Antwort geben kann. Wichtiger ist, dass sie überhaupt anfangen, einander zuzuhören, ohne die eigene Unsicherheit gleich als Niederlage zu betrachten. Ein Kind zu wollen oder keines zu wollen, bleibt eine persönliche Entscheidung. Sobald daraus ein gemeinsames Leben werden soll, reicht es allerdings nicht mehr, nur zu wissen, was man selbst möchte. Und vielleicht ist genau das mit dem „bisschen besser“ gemeint: nicht plötzlich die perfekten Eltern zu sein, sondern erst einmal zwei Menschen, die einander wirklich verstehen wollen.

    Wir – nur ein bisschen besser Netflix Film 2026
    Wir – nur ein bisschen besser ©Netflix

    Fazit

    Ein Kind zu wollen ist leicht gesagt. Schwieriger wird es, wenn die Liebe auf Gegenseitigkeit beruht, der Kinderwunsch vielleicht aber nicht. „Wir – nur ein bisschen besser“ erzählt davon mit großer Natürlichkeit, feinem Humor und einem wunderbaren Gespür für menschliche Widersprüche. Inszenatorisch etwas zu brav, im Umgang mit seinem Thema dafür umso erwachsener.

    Bewertung: 3 von 5.
    Amazon Filme Blu-ray
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  • Drive – The Pretenders | Amazon Film – Kritik: Knisternde Romantik auf Prime Video?

    Drive – The Pretenders

    TitelDrive – The Pretenders
    Genre Romanze
    Jahr2026
    FSK12
    RegieSergej Moya

    Starttermin: 28.10.2026| Prime Video

    In Sachen Liebe fährt Prime Video gegen die Wand

    Je größer die romantischen Gefühle, desto kleiner mitunter die weibliche Selbstbestimmung. Es ist schon eine bemerkenswerte Ironie, dass die Gesellschaft über Jahrzehnte mühsam um Gleichberechtigung gerungen hat, während die romantische Literatur und ihre filmischen Ableger die Emanzipation allzu gerne wieder rückwärts durch die Geschichte schickten. Da durfte eine Frau zwar studieren, Karriere machen und ihr Leben selbst gestalten, solange sie am Ende doch in den Armen eines möglichst wohlhabenden, vorzugsweise emotional verkorksten Mannes landete, der ihr erklärte, was wahre Erfüllung bedeutet. Lange waren Frauen im Young-Adult-Kosmos vor allem eines: Objekte romantischer Begierde. Was sie selbst vom Leben wollten, interessierte weit weniger als die Frage, welcher attraktive Problemfall ihr Herz erobern würde. Erst seit ein, zwei Jahren zeichnet sich ein vorsichtiges Umdenken ab. Plötzlich dürfen die Heldinnen wieder ehrgeizig sein, eigene Ziele verfolgen und gelegentlich sogar ein Leben besitzen, das sich nicht ausschließlich um den männlichen Gegenpart dreht. Ein Fortschritt, der allerdings einen unangenehmen Beigeschmack besitzt. Denn allzu oft entpuppt sich die vermeintliche Emanzipation als trojanisches Pferd, in dessen Bauch die alten Rollenbilder längst auf ihren nächsten Einsatz warten. Kaum ist die erste große Liebe in Sichtweite, werden persönliche Ambitionen zu lästigen Nebensächlichkeiten degradiert. „Drive – The Pretenders“, Amazons jüngste Young-Adult-Romance aus Deutschland, macht da keine Ausnahme. Sarah Jenkins (Lisa-Marie Koroll) weiß jedenfalls, was sie will. Die ehemalige Kartmeisterin arbeitet inzwischen als Mechanikerin in einem Rennstall, obwohl sie viel lieber selbst am Steuer sitzen würde. Mit Motoren kennt sie sich aus, an Ehrgeiz mangelt es ihr nicht, und auf den passenden Mann wartet sie schon gar nicht. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, für die eine Frauenfigur im Jahr 2026 keine besondere Anerkennung verdient. „Drive – The Pretenders“ scheint sich trotzdem schon dafür auf die Schulter klopfen zu wollen, dass Sarah überhaupt eine eigene Zukunft vor Augen hat. Umso bedauerlicher, dass das Drehbuch diese Zukunft bald selbst aus dem Blick verliert.

    Drive – The Pretenders Amazon Prime Video Film 2026
    Drive – The Pretenders ©Amazon MGM Studios

    Als Sarah bei Eagle Racing anheuert, trifft sie auf Dante Annunziata (Amin Baahmed), einen ehemaligen Formel-1-Fahrer, der es mit seinen Eskapaden inzwischen häufiger in die Klatschpresse als aufs Siegerpodest schafft. Nach dem Unfalltod seiner Schwester ist der einstige Hoffnungsträger des Motorsports zu einem wandelnden Problemfall geworden, der seine sportlichen Misserfolge vorzugsweise mit schlechter Laune und öffentlichkeitswirksamen Entgleisungen kompensiert. Das gefällt weder dem Rennstall noch den Sponsoren, die langsam die Geduld mit ihrem schwer vermittelbaren Aushängeschild verlieren. Als ein unglücklich entstandenes Foto Sarah und Dante plötzlich in den Mittelpunkt der Boulevardberichterstattung rückt, kommt der PR-Abteilung eine rettende Idee: Die beiden sollen eine Verlobung vortäuschen, um Dantes Image aufzupolieren. Ein verliebter Mann verkauft sich schließlich besser als einer, der regelmäßig negativ auffällt. Sarah lässt sich auf das Schauspiel ein, weil ihr im Gegenzug eine Chance auf ihre eigene Rennfahrerkarriere winkt. Ein Arrangement, bei dem die Interessen zunächst klar verteilt sind. Er bekommt eine gesellschaftlich vorzeigbare Partnerin, sie die Aussicht auf einen Platz hinter dem Steuer. Dass beide einander anfangs kaum ausstehen können, versteht sich bei einem Film dieser Art beinahe von selbst. Ebenso, dass aus der inszenierten Zuneigung irgendwann echte Gefühle werden, während ein paar gut gehütete Geheimnisse das frisch entdeckte Liebesglück wieder bedrohen. Fake it till you make it, heißt es schließlich so schön. Und wenn zwei Menschen, die uns die Kamera mit bemerkenswerter Beharrlichkeit als unwiderstehlich attraktiv verkaufen möchte, über einen längeren Zeitraum eine romantische Beziehung vortäuschen, dann muss daraus irgendwann natürlich die große Liebe entstehen. Zumindest scheint das Drehbuch fest davon überzeugt. Die Figuren selbst wirken dagegen weniger sicher. Das gilt leider auch für die beiden Hauptdarsteller.

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    „Drive – The Pretenders“ verbannt glaubhafte Gefühle auf den Beifahrersitz

    Überhaupt gehört „Drive – The Pretenders“ zu diesen Filmen, die mit einer erstaunlichen Selbstverständlichkeit voraussetzen, dass sich Gefühle allein durch ihre Behauptung einstellen. Ein paar gequält begierige Blicke, etwas körperliche Nähe, eine romantisch ausgeleuchtete Kulisse, und schon soll aus der anfänglichen Egalhaltung eine leidenschaftliche Beziehung geworden sein. Wie sich diese Gefühle entwickelt haben, bleibt weitgehend der Fantasie des Publikums überlassen. Lisa-Marie Koroll und Amin Baahmed finden jedenfalls kaum einen überzeugenden Zugang zueinander. Ihre Dialoge wirken wie Pflichtübungen einer Liebesgeschichte, deren emotionale Wendepunkte bereits feststanden, bevor sich überhaupt eine glaubwürdige Beziehung zwischen den Figuren entwickeln konnte. Besonders Baahmed hat mit einem Charakter zu kämpfen, dessen vermeintliche Tiefe sich über weite Strecken auf einen finsteren Gesichtsausdruck und eine möglichst steinerne Mimik beschränkt. Sein Trauma soll Verletzlichkeit erzeugen, seine Eskapaden den Bad Boy etablieren und die Zuneigung zu Sarah schließlich den guten Menschen unter der rauen Schale hervorholen. Alles was dazugehört eben, zumindest auf dem Papier. Im Film bleibt davon jedoch wenig übrig. Selbst die Rennstrecke, die als obligatorischer, vor „männlicher“ Energie nur so strotzdender Gegenpol zur romantischen Geschichte quasi zum Genre dazugehört, dient überwiegend als Kulisse für ein Milieu, dessen behauptete Leidenschaft sich selten auf das Geschehen überträgt. Authentizität entsteht allenfalls dort, wo Steven Gätjen auf dem roten Teppich Interviews führt oder ein halbwegs bekanntes Instagram-Gesicht die jüngste Entgleisung des Rennfahrers in einem Reel kommentiert. Ausgerechnet die künstliche Medienwelt wirken glaubwürdiger als das, was das Amazon Original als echte Gefühle verkaufen möchte. Dabei hätte die Geschichte durchaus Möglichkeiten geboten, über das übliche romantische Pflichtprogramm hinauszugehen. Schließlich verfolgen Sarah und Dante denselben beruflichen Traum, stehen dabei aber auf entgegengesetzten Seiten. Sie möchte endlich dorthin gelangen, wo er längst gewesen ist. Er versucht verzweifelt, an einen Erfolg anzuknüpfen, den sie noch vor sich hat. Eine Ausgangslage, aus der sich mehr entwickeln ließe als ein weiterer Liebeskonflikt, der durch ein verschwiegenes Geheimnis künstlich am Leben gehalten wird.

    Drive – The Pretenders Amazon Prime Video Film 2026
    Drive – The Pretenders ©Amazon MGM Studios

    Stattdessen bedient sich „Drive – The Pretenders“ ausgiebig an allem, was das Genre seit Jahren zuverlässig in Bewegung hält. Ein bisschen Cinderella, ein bisschen angedeutetes Liebesdreieck, dazu ein vermeintlich verwegener Bad Boy mit tragischer Vergangenheit und ein möglichst männlich aufgeladenes Rennsportmilieu, in dem sich die große Liebe besonders eindrucksvoll zwischen Sportwagen und Luxusunterkünften inszenieren lässt. Dass Sarah innerhalb dieses Geflechts immer mehr an Bedeutung verliert, macht die Angelegenheit umso ernüchternder. Schließlich wird sie zunächst als selbstbewusste junge Frau eingeführt, die ihren eigenen Weg gehen möchte, um sich anschließend zunehmend um die emotionalen Bedürfnisse eines Mannes zu kümmern. Ihre berufliche Selbstbestimmung wird zur romantischen Verhandlungsmasse. Und während die Geschichte so tut, als hätte sie mit den alten Rollenbildern aufgeräumt, werden im Hintergrund bereits die vertrauten Abhängigkeiten neu eingerichtet. Besonders aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang der Blick der Kamera auf den männlichen Protagonisten. Ob beim Training oder im Eisbad, kaum eine Gelegenheit wird ausgelassen, um Dantes entblößten Oberkörper ausgiebig zu betrachten. Die Kamera tastet jeden Bauchmuskel mit einer Hingabe ab, die Erinnerungen an die Coca-Cola-Light-Werbung der frühen 2000er-Jahre weckt. Damals durften sich Frauen an einem halbnackten Handwerker erfreuen, heute übernimmt ein Rennfahrer den Dienst am weiblichen Blick. Fortschritt sieht anders aus. Die jahrzehntelange Sexualisierung weiblicher Körper wird schließlich nicht dadurch emanzipatorisch, dass man das Gefälle einfach auf den Kopf stellt. Doch genau das ist im Young-Adult-Kino längst zur Gewohnheit geworden. Seit Jahren werden hier männliche Körper mit derselben Hingabe zum Schauobjekt gemacht, für die man das männlich dominierte Kino früher zu Recht kritisierte. Wo in den Neunzigern und Nullerjahren vorzugsweise Frauen für überflüssige Duschszenen herhalten mussten, dürfen heute die männlichen Traummänner ihre Bauchmuskeln zur Schau stellen. Der Blick hat lediglich die Richtung gewechselt. Ihn deshalb als Ausdruck weiblicher Selbstermächtigung zu verstehen, wäre allerdings eine ziemlich bequeme Auslegung von Gleichberechtigung.

    Drive – The Pretenders Amazon Prime Video Film 2026
    Drive – The Pretenders ©Amazon MGM Studios

    Fake it till you make it

    All das wäre allerdings leichter zu verschmerzen, wenn Prime Video mit „Drive – The Pretenders“ wenigstens einen funktionalen Liebesfilm präsentieren würde. Schließlich gehören unrealistische Zufälle, emotionale Übertreibungen und reichlich vorhersehbare Verwicklungen seit jeher zum romantischen Kino. Niemand muss das Rad neu erfinden, schon gar nicht für eine Geschichte, die ihren Reiz ausdrücklich aus vertrauten Fantasien bezieht. Doch selbst die schönsten Klischees brauchen Figuren, mit denen sich mitfiebern lässt, und Gefühle, die über das bloße Abspulen romantischer Konventionen hinausgehen. Genau daran scheitert „Drive – The Pretenders“ mit einer Konsequenz, die beinahe schon wieder bewundernswert ist. Weder die schauspielerischen Leistungen noch das Drehbuch schaffen es, der Beziehung eine glaubwürdige emotionale Grundlage zu geben. Stattdessen werden Konflikte aufgetürmt, Traumata bemüht und romantische Höhepunkte inszeniert, deren Wirkung vor allem davon abhängt, wie bereitwillig das Publikum die ausbleibende Figurenentwicklung ergänzt. Immerhin besitzt die Inszenierung eine handwerkliche Qualität, die der Geschichte selbst weitgehend abgeht. Die Kamera von Armin Franzen mag kaum Charakter oder Eigenwillen an den Tag legen, doch versteht es immerhin, die Rennstrecke und die europäischen Schauplätze ansprechend in Szene zu setzen. Nur hilft die attraktivste Verpackung wenig, wenn sich darunter kaum etwas befindet, das die investierten Gefühle rechtfertigt. Am Ende hat „Drive – The Pretenders“ vor allem eines verstanden: wie man den äußeren Anschein einer großen Romanze erzeugt. Die Leidenschaft wird behauptet, die Charaktertiefe behauptet, die Emanzipation behauptet. Und ausgerechnet ein Film über zwei Menschen, die ihre Liebe nur vorspielen, scheint irgendwann selbst zu vergessen, wie echte Gefühle aussehen. Fake it till you make it. Bei Amazon bleibt es leider beim ersten Teil.

    Drive – The Pretenders Amazon Prime Video Film 2026
    Drive – The Pretenders ©Amazon MGM Studios

    Fazit

    „Drive – The Pretenders“ erklärt die große Liebe zum Sieger, bevor sie überhaupt an den Start gegangen ist. Gefühle werden behauptet, Charaktertiefe vorgetäuscht und die Selbstbestimmung der Heldin irgendwo am Streckenrand zurückgelassen.

    Bewertung: 1.5 von 5.
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  • Gegen den Hurrikan | Netflix Film – Kritik: Ein Sturm der Kategorie Kitsch

    Gegen den Hurrikan

    TitelGegen den Hurrikan
    Genre Drama, Action
    Jahr2026
    FSK16
    RegieJorge Michel Grau

    Starttermin: 23.10.2026 | Netflix

    Im Auge von „Gegen den Hurrikan“ herrscht dramaturgische Windstille

    Es gibt Männer, die würden vermutlich lieber auf hoher See ertrinken, als ihrem Bruder zu sagen, dass er ihnen etwas bedeutet. Da wird jahrelang geschwiegen, an alten Kränkungen festgehalten und jeder Annäherungsversuch mit genau der Sturheit abgewehrt, die manche Männer noch immer für Charakterstärke halten. Das Kino hat für solche Fälle eine bewährte Behandlungsmethode entwickelt: Man sperrt die Betroffenen gemeinsam in eine lebensbedrohliche Ausnahmesituation, schüttelt kräftig daran und wartet, bis die unterdrückten Gefühle an die Oberfläche gespült werden. Familienberatung mit Todesangstgarantie. Je größer die Katastrophe, desto wahrscheinlicher die Aussprache, zumindest nach den Gesetzen eines Genres, in dem einstürzende Gebäude, sinkende Schiffe und aufgerissene Straßen seit Jahrzehnten zuverlässig dazu dienen, zwischenmenschliche Konflikte zu lösen. Nur braucht es für ein überzeugendes Familiendrama mehr als ein paar schwere Kindheitserinnerungen, vorwurfsvolle Blicke und den gemeinsamen Wunsch, den nächsten Morgen noch zu erleben. Das mexikanische Netflix Original „Gegen den Hurrikan“ von Jorge Michel Grau („Wir sind was wir sind“, „The ABCs of Death“) scheint diese Erkenntnis irgendwo zwischen Wetterwarnung und Wellengang verloren zu haben. Inspiriert vom Hurrikan Otis, der im Oktober 2023 weite Teile der Küstenstadt Acapulco verwüstete, lässt der Film zwei entfremdete Halbbrüder gegen eine Naturgewalt antreten, deren Zerstörungskraft beinahe so gewaltig ist wie die Melodramatik, mit der hier jede noch so kleine Gefühlsregung aufgeblasen wird. Was sich als Geschichte über Überlebenswillen, verletzten Stolz und familiäre Versöhnung anbietet, versinkt zunehmend in einer Mischung aus Behauptungen, Klischees und gut gemeinter Rührseligkeit.

    Gegen den Hurrikan Netflix Film 2026
    Gegen den Hurrikan ©Netflix

    Wirpul (Benny Emmanuel) hat es endlich geschafft. Nach reichlich Anstrengung darf der junge Mann erstmals als Kapitän Verantwortung für eine Yacht übernehmen, und die Gelegenheit, seinen beruflichen Aufstieg unter Beweis zu stellen, kommt ihm gerade recht. Dass sich vor der Küste Acapulcos ein Hurrikan der Kategorie drei ankündigt, hält er für ein beherrschbares Ärgernis. Ein richtiger Kapitän wird schließlich nicht bei der ersten Sturmwarnung nervös. Weniger beherrschbar gestaltet sich die Personalsuche: Als er keinen Matrosen auftreiben kann, bleibt nur noch sein Halbbruder Candi (Kristyan Ferrer), zu dem er seit Jahren kaum Kontakt pflegt. Der versucht, sich mit zwielichtigen Geschäften über Wasser zu halten, wobei selbst seine kriminellen Unternehmungen von überschaubarem Erfolg gekrönt sind. Zwei Lebensentwürfe, die auf den ersten Blick weit auseinanderliegen: hier das pflichtbewusste Verantwortungsgefühl eines Mannes, der endlich etwas darstellen möchte, dort der windige Überlebenskünstler, dem ehrliche Arbeit grundsätzlich suspekt erscheinen. Candi sagt zu, die beiden gehen an Deck und aus dem angekündigten Sturm wird ein Hurrikan der höchsten Kategorie. Bald ist das Boot manövrierunfähig und jede Fluchtmöglichkeit eine reichlich optimistische Vorstellung. Während draußen die Wellen wachsen, wachsen drinnen vor allem die Vorwürfe. Denn neben dem gemeinsamen Überleben gilt es auch noch, die angehäuften Familienprobleme aufzuarbeiten. Eine Ausgangslage, die durchaus einiges hergeben könnte, wären die beiden Männer mehr als die Summe der Eigenschaften, die ihnen das Drehbuch bei ihrem ersten Auftritt zugeteilt hat.

    Filmpodcast Netflix

    Netflix liefert reichlich Wasser, aber erschreckend wenig Tiefgang

    Das Auge eines Hurrikans ist ein merkwürdiges Ort. Ringsum tobt eine Gewalt, die Dächer abträgt, Bäume entwurzelt und alles was nicht Niet- und Nagelfest ist durch die Luft schleudert, während in seinem Zentrum eine unheimliche Ruhe herrscht. Ein passendes Bild für das Katastrophenkino, dessen äußere Zerstörungsorgien immer auch einen inneren Ruhepunkt brauchen, an dem sich entscheidet, ob das Schicksal der Menschen zwischen den sich stapelnden Trümmerhaufen überhaupt interessiert. Bei Roland Emmerich dürfen Hochhausfassaden wie Dominosteine kippen, ganze Straßenzüge untergehen und Kleinwagenkarosserien durch den Himmel fliegen; das Publikum hat bei derartiger Weltuntergangsakrobatik immerhin noch genügend zu bestaunen, selbst wenn die Figuren kaum mehr Persönlichkeit besitzen als die Gebäude, die gerade über ihnen zusammenbrechen. Je geringer allerdings der Schauwert, desto stärker muss das menschliche Zentrum tragen. „Gegen den Hurrikan“ macht aus dieser dramaturgischen Abhängigkeit unfreiwillig seine größte Schwachstelle. Grau inszeniert den Überlebenskampf handwerklich durchaus solide, findet für die Enge des Bootes, das aufgewühlte Wasser und die zunehmende Ausweglosigkeit auch wirkungsvolle Bilder. Der Wind pfeift, die Gischt schlägt über die Reling, die Natur gewinnt allmählich die Oberhand. Für ein überwältigendes Seherlebnis reicht es dennoch nicht. Dafür ist der Blick zu oft auf wenige Quadratmeter Schiff und zwei Menschen beschränkt, deren persönliche Geschichte das fehlende Spektakel auffangen müsste. Und sobald das Getöse für einen Moment nachlässt, tritt eine Leere hervor, die sich mit noch so viel aufgewühltem Meerwasser kaum füllen lässt.

    Gegen den Hurrikan Netflix Film 2026
    Gegen den Hurrikan ©Netflix

    Denn die angeblich unüberwindbaren Gegensätze zwischen Wirpul und Candi bleiben über weite Strecken reine Drehbuchbehauptungen. Der eine arbeitet hart, der andere versucht es mit Abkürzungen. Der eine sehnt sich nach Anerkennung, der andere überspielt seine Unsicherheit mit einer großen Klappe. Bei genauerem Hinsehen sind sich die beiden damit sogar erstaunlich ähnlich: Beide wollen ihrem bisherigen Leben entkommen, beide scheitern am eigenen Stolz, beide haben ihre Vorstellung davon, was ein Mann sein sollte, längst mit dem verwechselt, was sie anderen zu beweisen haben. Aus dieser Gemeinsamkeit ließe sich ein schmerzhafter Bruderkonflikt entwickeln. Grau und seine Mitautoren begnügen sich hingegen mit nichtigen Jungsreibereien, die vor allem deshalb stattfinden, weil gerade wieder eine emotionale Eskalation benötigt wird. Es wird gestritten, geschwiegen, einander etwas vorgeworfen und irgendwann wieder füreinander eingestanden. Dazwischen fehlt allzu häufig das, was den Verletzungen Gewicht verleihen würde: eine gemeinsame Vergangenheit, die über beiläufige Erklärungen hinaus spürbar wird, individuelle Widersprüche und glaubhafte Entscheidungen, die tatsächlich aus dem jeweiligen Charakter erwachsen. Benny Emmanuel und Kristyan Ferrer können sich gegen diese Figurenarmut nicht behaupten. Warum sich die Halbbrüder trotz einer bedrohlichen Wetterlage überhaupt aufs Meer wagen, weshalb sie dort verharren und welche Zwänge tatsächlich schwerer wiegen sollen als der naheliegende Überlebensinstinkt, wird zwar in Dialogen erklärt, emotional oder psychologisch jedoch kaum nachvollziehbar. Ausgerechnet ein Film, der von existenziellen Entscheidungen erzählt, schafft es zu selten, diese Entscheidungen glaubwürdig zu machen. Die drohende Todesgefahr wird so zur dramaturgischen Fernbedienung: Drückt das Drehbuch auf den richtigen Knopf, streiten sich die Brüder. Beim nächsten folgt die obligatorische Gefühlsbeichte.

    Gegen den Hurrikan Netflix Film 2026
    Gegen den Hurrikan ©Netflix

    Nach einer wahren Geschichte – und allen Regeln des Klischees

    Dabei hätte „Gegen den Hurrikan“ durchaus das Material für einen wesentlich unangenehmeren, vielleicht sogar aufwühlenden Film. Hinter der Geschichte steckt eine reale Katastrophe, bei der Seeleute ihr Leben riskierten, um die Luxusyachten wohlhabender Arbeitgeber zu schützen. Allein dieser Widerspruch zwischen dem Wert eines Menschenlebens und dem eines versicherten Statussymbols erzählt mehr über gesellschaftliche Abhängigkeiten als manch pathetische Grundsatzrede. Doch auch die Sozialkritik verharrt hier weitgehend auf dem Niveau rat gestreuter Stichworte. Dass Geld Macht bedeutet und Menschen ohne finanzielle Absicherung Entscheidungen treffen, die andere niemals treffen müssten, ist schnell ausgesprochen. Schwieriger wäre es, die Verhältnisse so erfahrbar zu machen, dass aus der abstrakten Ungerechtigkeit eine konkrete menschliche Zwangslage entsteht. Genau diese Tiefe bleibt das Netflix Original weitgehend schuldig. An die Stelle nachvollziehbarer Konflikte treten überdeutliche Dialoge, an die Stelle emotionaler Entwicklung ein Melodram, das seine Gefühle immer wieder mit Nachdruck einfordert, bevor es sie verdient hat. Je heftiger der Sturm draußen wütet, desto krampfhafter versucht Grau, auch im Inneren seiner Figuren ein ähnlich großes Unwetter zu entfesseln. Nur entstehen Nähe und Anteilnahme nicht automatisch, weil zwei Menschen gemeinsam Todesangst haben, und schon gar nicht, weil das Drehbuch ihre Versöhnung für den vorgesehenen Zeitpunkt eingeplant hat. Was bleibt, ist ein beinahe kammerspielartiges Zweipersonendrama, dem trotz ordentlich inszenierter Wassermassen sowohl die erzählerische Wucht als auch der emotionale Tiefgang fehlen. Die Böen werden stärker, die Wellen höher, die Versöhnungsabsichten immer dringlicher. Doch je ruhiger es im Auge dieses filmischen Sturms wird, desto deutlicher zeigt sich, wie wenig es dort zu entdecken gibt. „Gegen den Hurrikan“ weiß ziemlich genau, wie sich ein Unwetter anfühlen muss. Von dem, was in seinen Menschen vorgeht, hat er erschreckend wenig Ahnung.

    Gegen den Hurrikan Netflix Film 2026
    Gegen den Hurrikan ©Netflix

    Fazit

    „Gegen den Hurrikan“ beherrscht das Wetter besser als seine Figuren. Während die Naturgewalt immer bedrohlicher wird, kreist die Geschichte um Konflikte, die kaum über plumpe Drehbuchbehauptungen hinauskommen, während die gesellschaftskritischen Untertöne irgendwo zwischen überzogenen Gefühlsausbrüchen und unglaubwürdigen Entscheidungen versickern. So wird aus einer wahren Tragödie ein erstaunlich künstliches Melodram, dessen größte Schwäche ausgerechnet dort liegt, wo alles zusammenlaufen sollte: im Auge des Sturms. Denn dort herrscht vor allem gähnende Leere.

    Bewertung: 1.5 von 5.
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  • Der perfekte Urlaub | Film – Kritik: Die Erfolgskomödie geht in die nächste Runde

    Der perfekte Urlaub

    TitelDer perfekte Urlaub
    Genre Komödie
    Jahr2026
    FSK12
    RegieBora Dagtekin

    Kinostart: 22.10.2026

    In „Der perfekte Urlaub“ warten neue Probleme auf alte Freunde

    Die deutsche Kinokomödie ist ein erstaunliches Phänomen. Seit Jahrzehnten werden hierzulande dieselben Beziehungsprobleme durch immer neue Drehbücher geschleift, Missverständnisse zum dramaturgischen Allheilmittel erklärt und prominente Gesichter in Situationen gebracht, die irgendwo zwischen Fremdscham und Familienfeier eskalieren. Und trotzdem funktioniert das Geschäft. Zumindest, wenn der richtige Name auf dem Kinoplakat steht. Besonders zuverlässig läuft es inzwischen mit der Wiederverwertung erfolgreicher Stoffe. Nach „Das Kanu des Manitu“ darf deshalb auch Bora Dagtekin wieder an eine seiner größten Erfolgsgeschichten ran. 2019 lockte „Das perfekte Geheimnis“ mehr als 5,3 Millionen Menschen in die deutschen Kinos. Sieben Freunde, ein Abendessen und ein Handyspiel, das sämtliche Lebenslügen ans Licht beförderte. Ein denkbar einfaches Konzept, dessen Ursprung allerdings in Italien lag. Das Original „Perfetti sconosciuti“ von Paolo Genovese wurde seit 2016 weltweit über zwei Dutzend Mal neu verfilmt und landete damit sogar im Guinness-Buch der Rekorde. Nun bekommt ausgerechnet die deutsche Version eine Fortsetzung. „Der perfekte Urlaub“ schickt die zerstrittene Freundesclique nach Mallorca. Der komplette Hauptcast ist wieder dabei, die Handys dürfen diesmal allerdings weitgehend in den Hosentaschen bleiben.

    Binge & Booze Podcast

    Videokritik: Gehen der deutschen Komödie die Ideen aus?

    Einige Monate sind seit dem verhängnisvollen Abendessen vergangen. Die Freundschaften haben gelitten, Beziehungen sind zerbrochen und so manches Geheimnis hat bleibende Schäden hinterlassen. Leo (Elyas M’Barek), Pepe (Florian David Fitz), Rocco (Wotan Wilke Möhring) und Simon (Frederick Lau) wollen deshalb bei einem gemeinsamen Männerurlaub auf Mallorca wieder zueinanderfinden. Dummerweise haben sich Carlotta (Karoline Herfurth), Eva (Jessica Schwarz) und deren Freundin Maus (Diana Amft) ausgerechnet dieselbe Ferienvilla ausgesucht. Als das Anwesen auch noch in Flammen aufgeht, verschlägt es die gesamte Gesellschaft in ein Clubhotel. Dort werden alte Verletzungen wieder aufgerissen, während neue Konflikte die ohnehin angeschlagenen Beziehungen belasten. Leo versucht, Carlottas Vertrauen zurückzugewinnen, Eva zweifelt an ihrer Ehe und Pepe muss nach seinem Coming-out feststellen, dass seine Freunde mit seiner Sexualität offenbar größere Probleme haben als er selbst. Als schließlich auch noch Simons Ex-Freundin Bianca (Jella Haase) auftaucht, ist vom erhofften Erholungsurlaub nicht mehr viel übrig.

    Der perfekte Urlaub Film 2026
    Der perfekte Urlaub ©Constantin Film / Gordon A. Timpen

    Dass ausgerechnet Bora Dagtekin die Geschichte fortsetzt, überrascht wenig. Der Regisseur und Drehbuchautor hat mit „Türkisch für Anfänger“, der „Fack ju Göhte“-Trilogie und „Das perfekte Geheimnis“ einige der größten deutschen Komödienerfolge der vergangenen Jahre verantwortet. Auch „Der perfekte Urlaub“ entstand erneut in Zusammenarbeit mit Constantin Film und Produzentin Lena Schömann. Gedreht wurde im Herbst 2025 auf Mallorca. Bemerkenswert ist allerdings die Entscheidung, ausgerechnet diesen Stoff fortzuführen. Während viele Komödien problemlos in die nächste Runde geschickt werden können, lebte „Das perfekte Geheimnis“ von einer ziemlich einmaligen Ausgangssituation. Sind die Geheimnisse erst einmal gelüftet, lässt sich derselbe Trick schlecht wiederholen. Dagtekin muss deshalb aus den Konsequenzen des ersten Films eine neue Geschichte entwickeln. Für die deutsche Kinokomödie ist das durchaus symptomatisch. Die großen Publikumserfolge der jüngeren Vergangenheit setzen auffällig häufig auf vertraute Figuren, bewährte Marken und nostalgische Wiedersehen. Auch finanziell scheint das Kalkül aufzugehen. „Das Kanu des Manitu“ führte 2025 die deutschen Kinocharts an, während originelle Komödienstoffe deutlich seltener einen vergleichbaren Massenandrang auslösen. Ob „Der perfekte Urlaub“ aus seinem prominenten Ensemble und der ungewöhnlichen Fortsetzungsgeschichte tatsächlich etwas Neues herausholt oder lediglich den nächsten bewährten Komödienmechanismus bemüht, verrät unsere ausführliche Videokritik.

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  • Bloody Tennis | Film – Kritik: Tennis kann tödlich sein!

    Bloody Tennis

    TitelBloody Tennis
    Genre Horror
    Jahr2026
    FSK18
    RegieNikias Chryssos

    Kinostart: 10.12.2026

    „Bloody Tennis“ treibt den Wahnsinn des Leistungssports auf die blutige Spitze

    Leistungssport ist eine der wenigen Formen der Selbstzerstörung, für die es Applaus gibt. Nach außen geht es um Disziplin, Ehrgeiz und den großen Traum, irgendwann ganz oben zu stehen. Dahinter liegen Jahre körperlicher Strapazen, mentaler Belastung und des Verzichts. Wer es an die Spitze schaffen will, muss Schmerzen ertragen, Grenzen überwinden und vor allem lernen, sich gegen andere durchzusetzen. Denn so gemeinschaftlich Training und sportlicher Alltag auch sein mögen, gewonnen wird am Ende alleine. Der Erfolg des einen bedeutet zwangsläufig die Niederlage des anderen. Und je näher man der Spitze kommt, desto weniger Platz bleibt für diejenigen, mit denen man sich den Weg dorthin geteilt hat. Es ist ein eigentümlicher Widerspruch: Man opfert einen beträchtlichen Teil seines Lebens für einen Augenblick, in dem man möglichst allein dastehen möchte. Selbst wenn dieser Augenblick irgendwann kommt, bleibt die Frage, wie viel vom eigenen Körper und der eigenen Persönlichkeit bis dahin auf der Strecke geblieben ist. Sport ist Mord, sagt der Volksmund. Normalerweise dient diese Weisheit allerdings eher dazu, sich mit gutem Gewissen vor der nächsten Trainingseinheit zu drücken. „Bloody Tennis“ nimmt das erstaunlich wörtlich – und das klingt zunächst verdächtig nach „HIM“. Erst kürzlich wählte der von Jordan Peele produzierte Horrorfilm den US-amerikanischen Football zum Schauplatz einer grotesken Auseinandersetzung mit Leistungsdruck, Ehrgeiz und körperlicher Selbstaufgabe. Visuell hatte der Film durchaus etwas zu bieten, behandelte seine eigentlich reizvolle Idee allerdings mit einer derartig konzeptionellen Holzhammermethode, dass aus dem möglichen Schrecken größtenteils plakative Symbolik wurde. „Bloody Tennis“ bewegt sich auf bemerkenswert ähnlichem Terrain. Nur sind es diesmal keine muskelbepackten Alphamänner, sondern junge Tennisspielerinnen, die Körper und Geist für die Aussicht auf sportlichen Ruhm an ihre Grenzen treiben. Ob das weibliche Gegenstück dem Gedanken nun mehr abgewinnen kann?

    Bloody Tennis Film 2026
    Bloody Tennis ©augenschein Filmproduktion, Port au Prince Pictures

    Es gibt Ideen, die größer sind als die Geschichten, in denen sie erzählt werden. „Bloody Tennis“ ist ein solcher Fall. Der deutsche Regisseur und Drehbuchautor Nikias Chryssos („Rave On“, „Der Bunker“) findet durchaus einen reizvollen Ansatz, um die ohnehin fragwürdige Logik des sportlichen Konkurrenzkampfes bis ins Monströse zu übersteigern. Im Mittelpunkt steht Sophie (Sandra Guldberg Kampp), die an einer abgelegenen Elite-Tennisakademie aufgenommen wird. Schon bei ihrer Ankunft scheint dort vieles nicht mit rechten Dingen zuzugehen. Der Kontakt zur Außenwelt ist unterbunden, die Familie bleibt außen vor, und neben den insgesamt sechs jungen Spielerinnen bevölkern lediglich die undurchsichtige Leiterin (Elina Löwensohn) und ihr sonderbarer Gehilfe das abgeschottete Gelände. Die gesamte Einrichtung vermittelt dabei weniger den Eindruck einer renommierten Ausbildungsstätte als den eines sorgfältig abgeschirmten Experiments, dessen Teilnehmerinnen besser nicht allzu viele Fragen stellen sollten. Dass hinter den aschroten Mauern kaum gewöhnliche Trainingsmethoden stecken dürften, ahnt man entsprechend früh. Doch das Versprechen ist groß genug, um die Bedenken zunächst beiseitezuschieben: Wer sich gegen die anderen durchsetzt, erhält die Chance auf Wimbledon. Und für eine solche Aussicht kann man wohl einiges über sich ergehen lassen. Schließlich gehört die Bereitschaft, sich für den Erfolg zu quälen, ohnehin zum Selbstverständnis ambitionierter Nachwuchstalente. Nur muss Sophie ziemlich schnell herausfinden, dass der leistungsorientierte Lehrplan unter sportlicher Förderung etwas entschieden anderes versteht als sie.

    Filmpodcast

    Aufschlag, Rückschlag, Fehlschlag

    Mit zunehmender Spielzeit wird immer deutlicher, dass Chryssos den realen Schrecken, wie er in der Welt des Hochleistungssports routiniert seine Bahnen zieht, nicht einfach abbilden, sondern konsequent weiterspinnen möchte. Nur fügt sich das Geschehen deshalb noch lange nicht zu einem schlüssigen Ganzen. Die einzelnen Torturen wirken wie willkürlich eingestreute Versuche, den Wahnsinn weiter anzufachen. Ein auf dem Papier schauerlicher, im Kontext jedoch kaum wirkungsvoller Einfall jagt den nächsten, während die innere Logik irgendwo auf dem Trainingsgelände liegen bleibt. Was da zusammengehören soll, versteht man eher über das übergeordnete Motiv als über die eigentliche Handlung. Chryssos hat eine Vorstellung davon, welchen Schrecken er hervorrufen möchte, bekommt dessen Bestandteile aber kaum aufeinander abgestimmt. So wächst das Arsenal an bemühten Geschmacklosigkeiten, ohne dass daraus eine entsprechend zwingende Eskalation entsteht. Dass die filmische Tonlage ähnlich unstet bleibt, macht die Angelegenheit kaum besser. Mal wagt sich „Bloody Tennis“ in Richtung Slasher, ohne dessen Mechanismen wirklich auszureizen, dann übernimmt der physische Horror, bevor das Makabere wieder in beinahe absurden Humor kippt. Über allem schwebt derweil unübersehbar „Suspiria“. Eine abgeschottete Institution, junge Frauen, eine rätselhafte Autoritätsfigur und Rituale, deren Bedeutung sich zunächst nur erahnen lässt. Wo dort das Ballett den Rahmen bildete, ist es hier der Tennissport. Nur entfaltet die Akademie trotz ihrer reichlich zweifelhaften Gepflogenheiten kaum eine Sogwirkung – und was einen zunehmend beklemmenden Albtraum ergeben könnte, gerät zum unsteten Wechselspiel verschiedener Horrortraditionen. Dabei hätte gerade das ausschließlich weibliche Teilnehmerfeld durchaus Möglichkeiten geboten, dem vertrauten Sport-Horror eine eigene Richtung zu verleihen. Schließlich bewegen sich Frauen im Spitzensport in einem Spannungsfeld, das sich mit gesellschaftlichen Vorstellungen von Weiblichkeit und dem Anspruch, über den eigenen Körper selbst zu bestimmen, weit über Leistungsfähigkeit und Durchsetzungsvermögen hinausreicht.

    Bloody Tennis Film 2026
    Bloody Tennis ©augenschein Filmproduktion, Port au Prince Pictures

    Daraus ließe sich einiges gewinnen, zumal Chryssos ohnehin ein auffälliges Interesse an der Verfügbarkeit menschlicher Körper besitzt. Doch weibliche Lust und Sexualität bleiben weitgehend Randerscheinungen, ebenso die queeren Anspielungen, die im weiteren Verlauf kaum Bedeutung erlangen. Nun muss nicht jeder Horrorfilm mit weiblichem Ensemble gleich eine Abhandlung über Geschlechterrollen liefern. Auffällig ist allerdings, wie wenig sich die Inszenierung für die Besonderheiten dieser Konstellation interessiert. Immerhin gelingt es Chryssos immer wieder, seine eigentümliche Welt in atmosphärisch bemerkenswerte Bilder zu übersetzen. Die dunkelroten Mauern, die den tristen Ascheplatz umschließen, verleihen der Akademie etwas Künstliches, beinahe Bühnenhaftes. Die hellen Tennisoutfits stechen aus den schweren Farbflächen hervor, während Sand, Schweiß und Blut zu einem einzigen schmutzigen Gesamtbild verschmelzen. Manche Einstellungen besitzen tatsächlich eine unangenehme Schönheit, eine eigentümliche Beklemmung, die trotz aller erzählerischen Schwächen punktuell hängen bleibt. Nur nutzt sich dieser Eindruck mit zunehmender Spielzeit merklich ab. Das Geschehen bleibt seinem überschaubaren Schauplatz derart treu, dass aus der anfänglich reizvollen Beschränkung irgendwann schlichte Monotonie wird. Immer dieselben Mauern, dieselben Wege, dieselben roten Flächen. Eine ähnliche Austauschbarkeit macht sich leider auch beim Ensemble bemerkbar. Sophie besitzt als Hauptfigur zumindest ausreichend Präsenz, um die Handlung zu tragen. Ihre Mitspielerinnen bleiben dagegen größtenteils blass. Bündnisse und Rivalitäten bleiben schemenhaft, persönliche Beweggründe verlieren sich zwischen den zunehmend bizarren Trainingsmethoden. Besonders unglücklich fällt dabei Helena Zengel auf. Deutschlands inzwischen auch international etablierte Hollywood-Export wirkt in ihrer ohnehin schwach gezeichneten Rolle stellenweise erstaunlich unsicher und verkommt zu einem Fremdkörper innerhalb des Ensembles. Gerade die blutleere Figurenzeichnung nimmt dem grausamen Treiben viel von seiner möglichen Wirkung. So schickt Chryssos seine Spielerinnen durch einen immer absonderlicheren Leidensparcours, versäumt es aber, ihre Beziehungen und persönlichen Abgründe mit ähnlicher Sorgfalt auszuloten – und die jungen Frauen werden zu Statistinnen ihrer eigenen Zerstörung. Der Weg an die Spitze mag erschreckend grausam sein. Wirklich erschreckend wäre allerdings erst, wenn einem auch etwas an den Menschen liegen würde, die ihn gehen müssen.

    Bloody Tennis Film 2026
    Bloody Tennis ©augenschein Filmproduktion, Port au Prince Pictures

    Fazit

    „Bloody Tennis“ ist nicht der erste Horrorfilm, der den realen Wahnsinn des Profisports zu einem grotesken Albtraum aufbauscht. Und auch nicht der erste, der beim Versuch, immer noch einen draufzusetzen, seine eigentliche Idee aus den Augen verliert. Nikias Chryssos schickt seine Spielerinnen durch einen zunehmend bizarren Leidensparcours, dessen visuelle Eigenwilligkeit über die erzählerische Beliebigkeit nur bedingt hinwegtäuschen kann.

    Bewertung: 2 von 5.
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  • Omukade | Film – Kritik: Blutiger Monsterhorror aus Thailand

    Omukade

    TitelOmukade
    Genre Horror, Thriller
    Jahr2026
    FSK16
    RegieChalit Krileadmongkon, Pakphum Wongjinda

    Heimkinostart: 01.10.2026

    Wenn die Legende zur tödlichen Realität wird

    Das Horrorgenre bedient sich bei seinen Geschichten immer wieder gerne realer Folklore, wie auch im Fall von „Omukade“. Bei der Kreatur aus der japanischen Mythologie handelt es sich um einen riesigen, drachenähnlichen Tausendfüßler, der nahezu unverwundbar ist. Das kommt euch bekannt vor? Das liegt vermutlich daran, dass es sich bei „Omukade“ um ein Prequel handelt, das im selben Universum wie „Creepy Crawly“ spielt. Zwar erzählen die beiden Horrorfilme von unterschiedlichen Kreaturen, weisen aber deutliche Parallelen zueinander auf.

    Omukade Film 2025
    Omukade ©Busch Media Group

    Wie schon der erste Teil kommt auch das Prequel „Omukade“ dank der Busch Media Group ins deutsche Heimkino. Erneut führten die beiden Regisseure Chalit Krileadmongkon und Pakphum Wongjinda Regie, um ihr Monsteruniversum zu erweitern. Dieses Mal wird die Handlung in die Zeit des Zweiten Weltkriegs verlagert, als Thailand unter japanischer Besatzung stand. Nach einem Bombenangriff wird der Ausgang einer Höhle verschüttet, in der eine Gruppe höchst unterschiedlicher Menschen gefangen ist: japanische Invasoren, thailändische Rebellen und ein britischer Kriegsgefangener. Um diesem Albtraum zu entkommen, müssen sie zusammenarbeiten. Doch in der Dunkelheit lauert eine große Gefahr.

    Filmpodcast

    Zwischen Folklore und Formeltreue

    „Omukade“ ist einer dieser frustrierenden Horrorfilme, die auf technischer Ebene vieles richtig machen, beim Storytelling und der Figurenzeichnung jedoch komplett scheitern. Der Film nutzt den spannenden historischen Hintergrund des Zweiten Weltkriegs lediglich als Kulisse für oberflächlich ausgearbeitete Konflikte, die letztlich ins Leere laufen. Hinzu kommt eine unnötig konfuse Inszenierung mit Dialogen, die teilweise beinahe zusammenhanglos wirken. Das größte Problem sind jedoch die Charaktere, die so blass und austauschbar daherkommen, dass man sich zu keinem Zeitpunkt für ihr Schicksal interessiert. So lassen einen gerade jene Momente, die als emotionale Höhepunkte gedacht waren, völlig kalt zurück. Auch die unheimliche Folklore rund um die Kreatur verliert an Wirkung, weil man diese viel zu früh zu Gesicht bekommt.

    Omukade Film 2025
    Omukade ©Busch Media Group

    Und wenn sie dann auftaucht, ist der CGI-Einsatz deutlich zu erkennen. Vielleicht wurde gerade deshalb bei der Beleuchtung gespart, denn im Höhlensystem muss man mitunter schon genauer hinsehen, um überhaupt etwas zu erkennen. Dennoch sorgt das Setdesign durchaus für eine unheimliche und klaustrophobische Atmosphäre, auch wenn der Film nicht ganz an Klassiker wie „The Descent“ heranreicht. Am stärksten ist „Omukade“ nicht dann, wenn die titelgebende Kreatur zu sehen ist, sondern wenn die von ihr infizierten menschlichen Wirte zur Gefahr werden und die Überlebenden angreifen. Diese sind nicht nur optisch deutlich unheimlicher, auch bei den blutigen Effekten reizt der Film die FSK-16-Freigabe ordentlich aus. Die eingebauten Kampfszenen machen ebenfalls Spaß und sorgen für etwas Abwechslung in dem ansonsten nach Schema F ablaufenden Streifen. Schade, dass das vorhandene Potenzial nicht vollständig ausgeschöpft wird.

    Omukade Film 2025
    Omukade ©Busch Media Group

    Fazit

    „Omukade“ punktet mit einer beklemmenden Atmosphäre, blutigen Effekten und unterhaltsamen Kampfszenen, scheitert jedoch an blassen Figuren und einer unausgereiften Handlung. Auch die interessante Folklore rund um die titelgebende Kreatur kann die erzählerischen Schwächen nicht ausgleichen. Ein Monster-Horrorfilm mit viel Potenzial, das leider weitgehend ungenutzt bleibt.

    Bewertung: 2.5 von 5.
    Omukade Film 2025 Amazon Prime Video
    Omukade Film 2025 Amazon Prime Video
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