Enola Holmes 3
| Titel | Enola Holmes 3 |
| Genre | Abenteuer, Komödie |
| Jahr | 2026 |
| FSK | 12 |
| Regie | Philip Barantini |
Starttermin: 01.07.2026 | Netflix
Netflix setzt den Detektivbaukasten wieder zusammen
Nach dem ersten Fall hätte man „Enola Holmes“ eigentlich wieder in der Netflix-Schublade verschwinden lassen können, aus der er gekommen war: solide ausgestattet, bemüht modern, detektivisch überschaubar und getragen von einer Hauptfigur, deren permanente Direktansprache mehr Energie behauptete, als der Film tatsächlich besaß. Der zweite Teil machte es besser. Nicht gut, aber besser. Die Erzählung lief flüssiger, der Kriminalfall hatte zumindest mehr Zug, und Henry Cavill durfte als Sherlock Holmes gelegentlich so tun, als spiele er in einem interessanteren Film. Trotzdem blieb das Grundproblem bestehen: zu lang, zu glatt, zu harmlos – viel zu viel von Millie Bobby Browns Grimassenbetrieb. Für Netflix war das allerdings nie ein ernsthaftes Hindernis. Die Formel stimmte. Bekannter Name, bekannte Marke, junge Zielgruppe, Kostüme, ein bisschen Feminismus aus dem Baukasten, ein bisschen Holmes-Mythos für alle, die bei Sherlock sofort einsteigen, und genug Tempo, damit niemand zu lange über die dünne Dramaturgie nachdenkt. Dass „Enola Holmes 2“ kein guter Film war, musste seinen Erfolg also nicht verhindern. Er erfüllte exakt das, was Netflix von solchen Stoffen erwartet: Wiedererkennbarkeit, Anschlussfähigkeit, Algorithmus-Futter. Nun macht „Enola Holmes 3“ genau dort weiter.

Diesmal führt der Fall Enola Holmes (Millie Bobby Brown) nach Malta, wo persönliche und berufliche Pläne ziemlich unsanft ineinanderkrachen. Eigentlich steht die nächste große Lebensentscheidung bevor: Enola will Lord Tewkesbury (Louis Partridge) heiraten. Doch die Feierlichkeiten werden unterbrochen, als ihr Bruder Sherlock Holmes (Henry Cavill) verschwindet beziehungsweise entführt wird. Gemeinsam mit Tewkesbury und Dr. Watson (Himesh Patel) nimmt Enola die Suche auf und gerät in eine Intrige, die größer, gefährlicher und internationaler wirken soll als ihre bisherigen Fälle. Zwischen Hochzeitschaos, Familienbanden, kolonialem Malta und Holmes’schem Rätselspiel muss Enola also erneut beweisen, dass sie nicht nur Sherlocks kleine Schwester ist – und „Enola Holmes 3“ vielleicht doch noch zur Rettung einer angeschlagenen Reihe wird, die von Anfang an auf wackeligen Beinen stand. Ob Ersteres gelingt, wäre ein Spoiler, wenngleich die Antwort selbstverständlich bereits klar sein dürfte – letzteres hingegen funktioniert ganz sicher nicht.

„Enola Holmes 3“ macht einen potenziellen Teil 4 nicht verlockender
Man fühlt sich langsam wie ein Leierkastenmann, wenn man jedes Mal aufs Neue dieselben Worte finden muss, sobald sich Millie Bobby Brown über die Leinwand oder wahlweise den heimischen Bildschirm grimassiert. Aber was soll man machen? Wäre seitens des „Stranger Things“-Stars irgendwann so etwas wie eine darstellerische Entwicklung festzustellen, ließe sich auch einmal etwas anderes schreiben. Vielleicht liegt genau darin der Grund, warum Brown weniger wie ein Kinostar wirkt als wie eine Netflix-Gewohnheit. Abseits ihrer beiden „Godzilla“-Auftritte – jeweils in eher überschaubaren Rollen – hat sich ihre Karriere vor allem auf dem Streamingdienst eingerichtet: „Stranger Things“, „Enola Holmes“, „Damsel“, „The Electric State“. Eine erstaunlich erfolgreiche, aber ebenso erstaunlich geschlossene Plattformkarriere. Und zu Netflix passt das leider ziemlich gut. Große Gesten, wenig dahinter. Zumindest dann, wenn es um jene mainstreamtaugliche Fließbandware geht, die Browns Vita inzwischen so prominent durchzieht. So ist es auch hier zunächst wieder die emoji-eske Visagenakrobatik, die sie aufs Parkett legt, sobald irgendeine Emotion gefragt ist. Erstaunen? Augen auf. Entschlossenheit? Kinn nach vorn. Verletzlichkeit? Mund leicht offen. Dazwischen ein paar hektische Blicke in Richtung Kamera, als müssten emotionale Regungen nicht gespielt, sondern für ein GIF vorbereitet werden. Das strengt an – und zwar jedes Mal aufs Neue.

Abseits dieser Gesichtsentgleisungen, die mit Schauspiel nur sehr entfernt verwandt sind und vermutlich besser bei einer Runde „Scharade“ oder „Activity“ am heimischen Wohnzimmertisch aufgehoben wären, macht „Enola Holmes 3“ auch sonst munter dort weiter, wo die Reihe schon vorher ihre größten Schwächen hatte. Es fehlt der Drive, es fehlen die guten Ideen, es fehlt die raffinierte Geschichte. Von echter Charakterzeichnung ganz zu schweigen. Optisch mag das auch im dritten Anlauf wieder routiniert daherkommen, mit okayen Kostümen, ordentlichen Kulissen und jener polierten Netflix-Oberfläche, die immer nach Standard-Produktion aussieht, aber selten nach Kino. Nur macht das eben noch lange keinen guten Film. Ob Teil 4 bereits in der Pipeline steckt, darüber hält sich Netflix bislang bedeckt. Die Befürchtung jedoch ist da – die Lust darauf liegt nach der inzwischen dritten Schlaftablette allerdings tief unterhalb der Nachweisgrenze.

Fazit
„Enola Holmes 3“ setzt die Schwächen der Reihe zuverlässig fort: solide ausgestattet, aber dramaturgisch dünn, als Detektivgeschichte belanglos und durch Millie Bobby Browns anstrengenden Grimassenbetrieb zusätzlich belastet. Netflix bekommt seine Formelware – ein guter Film wird daraus trotzdem nicht.



































