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Filme | Kritiken
  • The Plague | Film – Kritik: Die grausame Seite des Erwachsenwerdens

    The Plague

    TitelThe Plague
    Genre Horror, Drama
    Jahr2025
    FSKungeprüft
    RegieCharlie Polinger

    Fantasy Filmfest 2026

    Wenn Anderssein zur Krankheit erklärt wird

    Coming-of-Age wird im Film oft mit Nostalgie und romantischer Verklärung der Jugend assoziiert. Doch es geht auch ganz anders. Horrorfilme brechen gerne mit dieser Tradition und gehen radikalere Wege. So auch Regisseur Charlie Polinger, der mit seinem Debüt „The Plague“ keine wortwörtliche Seuche in den Mittelpunkt rückt, sondern eine Geschichte über das Erwachsenwerden erzählt und dieses als moralisches Minenfeld des Verlusts der Unschuld zeichnet. „The Plague“ feierte seine Premiere als Eröffnungsfilm der Internationalen Filmfestspiele von Cannes und begeisterte dort bereits das Publikum.

    The Plague Film 2025
    The Plague ©AGC Studios

    Ähnliches lässt sich für das Fantasy Filmfest 2026 erhoffen, wo der Film einen Platz im Programm gefunden hat und sicher ebenfalls zahlreiche Fans finden wird. Angesiedelt im Sommer 2003, handelt „The Plague“ von dem 12-jährigen Ben (Everett Blunck), der sich in der Hierarchie eines reinen Jungen-Wasserballcamps zurechtfinden muss. Als Ben ins Visier der anderen Jungs gerät, verbreiten sie das Gerücht, er trage eine mysteriöse und ansteckende Krankheit. Die Geschichte nimmt rasend schnell ihren Lauf und zieht Ben immer tiefer in den Abgrund eines psychologischen Albtraums.

    Mobbing ist ansteckend

    „Boys will be Boys.“ Mit diesen vier einfachen Worten wird das unangebrachte Verhalten heranwachsender Jungs gerne klein geredet und die Verantwortung für Schikanen gegen Gleichaltrige von ihnen weggeschoben. Auch in Polingers Regiedebüt wirkt zunächst alles ganz harmlos. Dumme Neckereien zwischen pubertierenden Jungs, die es scheinbar nicht besser wissen. Doch nach und nach offenbart sich die wahre Grausamkeit der Gruppe: das systematische Ausgrenzen und Demütigen all jener, die anders sind. „The Plague“ ist kein Horrorfilm im klassischen Sinne, doch Polinger nutzt gekonnt die Bildsprache des Genres und auch der dröhnende Score lässt jederzeit einen Schreckmoment erwarten. Der eigentliche Horror ist hier jedoch, ganz simpel gesagt, die harte Realität von Mobbing und dessen Konsequenzen für die Opfer. Nicht als einhämmernde Metapher, sondern authentisch erzählt und mitreißend inszeniert. Die unterschwelligen Horrorelemente unterstützen dabei die Atmosphäre, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Besonders das Sounddesign ist herausragend und trägt maßgeblich zur Atmosphäre des Films bei.

    The Plague Film 2025
    The Plague ©AGC Studios

    Unschuldig erscheinende Situationen erzeugen so ein beklemmendes Gefühl von Hilflosigkeit, das unter die Haut geht. Eine weitere Stärke von „The Plague“ liegt in Polingers intelligentem Drehbuch. Die Gruppendynamik wirkt direkt aus dem Leben gegriffen, während der subtile Body-Horror die psychische Belastung der gemobbten Teenager unterstreicht. Vor allem in den Figuren zeigt sich Polingers Talent fürs Schreiben. Bens Unsicherheit und sein verzweifelter Versuch, sich seinen Teammitgliedern anzupassen, werden zur treibenden Kraft der Geschichte. Mobber Jake ist ein regelrechtes Monster, aber dennoch charismatisch genug, um nachvollziehbar zu machen, warum er der Anführer der Gruppe ist. Eli wiederum bildet einen Gegenpol zu Ben. Auch er ist ein Opfer, bei dem die Schikanen Spuren hinterlassen, doch gleichzeitig akzeptiert er sein Anderssein und trägt eine beinahe unbeschwerte Leichtigkeit in sich. Etwas, wonach sich auch Ben sehnt. „The Plague“ wird so zu einer Reise, auf der Ben seine eigene Identität finden und den Gruppenzwang sowie die toxisch-männliche Performance ablehnen muss. Das mündet in einer emotional aufgeladenen Schlussszene, die sich geradezu kathartisch anfühlt. „Beau Travail“ und „Aftersun“ lassen grüßen.

    The Plague Film 2025
    The Plague ©AGC Studios

    Fazit

    „The Plague“ ist ein beklemmendes Coming-of-Age-Drama, das die Grausamkeit von Mobbing mit den Mitteln des Horrors greifbar macht. Polinger erzählt seine Geschichte authentisch, atmosphärisch und mit einem bemerkenswerten Gespür für seine Figuren. Ein intensiver Film über Gruppenzwang, Identität und die schmerzhafte Suche nach dem eigenen Platz.

    Bewertung: 4 von 5.
    Alle Kritiken der Fantasy Filmfest 2026
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  • The Restoration of Grayson Manor | Film – Kritik: Queerer Gothic Horror

    The Restoration of Grayson Manor

    TitelThe Restoration of Grayson Manor
    Genre Horror, Komödie
    Jahr2026
    FSKungeprüft
    RegieGlenn McQuaid

    Fantasy Filmfest 2026

    Toxische Mütter und tödliche Hände

    Queerer Horror gehört beim diesjährigen Fantasy Filmfest zu den prägenden Themen des Programms. Nicht nur, dass „Leviticus“ das Filmfestival eröffnet, auch die gefeierte Horrorkomödie „The Restoration of Grayson Manor“, in der Regisseur Glenn McQuaid seine persönlichen Erlebnisse auf überspitzte Art und Weise verarbeitet, ist Teil des Programms. Und für die Hauptrolle konnte er jemand ganz Besonderen gewinnen: Chris Colfer, der mit seiner Rolle in der Kultserie „Glee“ zum Star wurde, sich nach dem Ende der Serie allerdings zurückzog und sich auf seine Karriere als Autor konzentrierte.

    The Restoration at Grayson Manor Film 2025
    The Restoration At Grayson Manor © Bankside Films

    Für die besondere Mischung aus queeren Familiendrama, Gothic Horror und blutiger Komödie zog es ihn endlich zurück vor die Kamera. Und die Prämisse hört sich mehr als originell an. Der Film handelt von Boyd (Chris Colfer), dem Spross einer irischen Adelsfamilie, der im Familienanwesen regelmäßig Sex mit Männern hat, um seine Mutter Jacqueline (Alice Krige) zu kränken. Als Boyd bei einem makaberen Unfall beide Hände verliert, sieht Jacqueline die Chance, ihn endlich zu dem Erben zu formen, den sie sich immer gewünscht hatte.

    Queerer Horror trifft auf Vorabendprogramm

    An den Dialogen merkt man schnell, dass mit McQuaid eine queere Person hinter dem Drehbuch steckt. Denn nichts für ungut, aber selten gelingt es einem heterosexuellen Drehbuchautor, ein so authentisch wortgewandtes und bitchiges Hin und Her zwischen einem schwulen Sohn und seiner toxischen Mutter zu schreiben. Die einfallsreichen Beleidigungen bringen einen immer wieder zum Schmunzeln. Das liegt vor allem auch an den hingebungsvollen Darbietungen von Chris Colfer und Alice Krige, die sichtlich Vergnügen an ihren Rollen haben. Zwischen all den Zickereien versäumt es McQuaid allerdings, der Mutter-Sohn-Dynamik echte Tiefe zu verleihen. Die Konflikte und die ernsten Themen von Homophobie und familiärem Druck kommen im verbalen Schlagabtausch der beiden immer wieder zur Sprache, finden aber selten Raum, um sich wirklich auf emotionaler Ebene zu entfalten.

    The Restoration at Grayson Manor Film 2025
    The Restoration At Grayson Manor © Bankside Films

    McQuaid legt mehr Wert auf Spaß, und den bekommt man hier definitiv. Der Regisseur war nicht nur von Horrorfilmen inspiriert, sondern auch von Soaps. Und das merkt man. Er baut zahlreiche hirnrissige Wendungen ein, die man sonst nur aus dem Vorabendprogramm von RTL kennt, und treibt sie konsequent ins Absurde. An Kreativität mangelt es hier definitiv nicht. Der Horroranteil bleibt dabei allerdings eher gering und kommt hauptsächlich durch die blutigen Effekte zum Vorschein, statt eine echte Atmosphäre oder Grusel aufzubauen. Hier erinnert „The Restoration of Grayson Manor“ vor allem an Kultklassiker wie „Die Killerhand“ oder auch „Die Addams Family“. Nur verpasst man den tödlichen Händen hier einen etwas moderneren Twist.

    The Restoration at Grayson Manor Film 2025
    The Restoration At Grayson Manor © Bankside Films

    Fazit

    „The Restoration of Grayson Manor“ ist eine herrlich schräge Mischung aus Horror, schwarzem Humor und überdrehter Soap, die vor allem von ihren bissigen Dialogen und den spielfreudigen Darbietungen von Chris Colfer und Alice Krige lebt. Auch wenn die emotionalen Konflikte etwas mehr Tiefe vertragen hätten und der Horror eher kurz kommt, sorgt die kreative Inszenierung für jede Menge Unterhaltung. Ein blutiger, queerer Spaß, der sich selbst nie zu ernst nimmt.

    Bewertung: 3.5 von 5.
    Alle Kritiken der Fantasy Filmfest 2026
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  • AnyMart | Film – Kritik: Kundenservice kann tödlich sein

    AnyMart

    TitelAnyMart
    Genre Horror, Komödie
    Jahr2026
    FSKungeprüft
    RegieYusuke Iwasaki

    Fantasy Filmfest 2026

    Ihre Zufriedenheit ist unser Untergang

    Es ist kein Zufall, dass bereits George A. Romero in seinem Klassiker „Dawn of the Dead“ ein Einkaufszentrum zum Schauplatz einer Zombie-Apokalypse werden ließ. Schon damals diente es als scharfe Satire auf die Konsumgesellschaft. Und auch in der heutigen Zeit, in der der Spätkapitalismus herrscht und Arbeitskräfte immer austauschbarer werden, eignet es sich noch immer hervorragend als Kulisse für fiese Horrorgeschichten. Regisseur Yusuke Iwasaki („Zom 100: Bucket List of the Dead“) verziert sein Blutbad dabei mit einer Prise Drama und derbem Humor.

    AnyMart Film 2026
    AnyMart ©NOTHING NEW inc.

    Seine schwarze Komödie „Anymart“ wurde bei der Berlinale 2026 mit dem renommierten FIPRESCI-Preis ausgezeichnet und soll nun das Publikum des Fantasy Filmfests 2026 begeistern. Die Geschichte spielt in der fiktiven Supermarktkette „Anymart“, in der Sakai (Shota Sometani) monoton seiner Arbeit nachgeht und, genau wie seine Kollegen, zu aufgesetzter Freundlichkeit gezwungen wird. Das ändert sich, als die neue Kollegin Ogawa (Erika Karata) anfängt und das geordnete System zunehmend ins Chaos abdriftet.

    Immer freundlich. Immer lächeln. Immer leiden.

    In seiner kleinen Videobotschaft vor der Filmvorführung sagt Iwasaki, dass jeder für sich selbst entscheiden müsse, ob „Anymart“ ein Horrorfilm oder eine Komödie ist. Wenn man aber jemals auch nur in irgendeiner Art und Weise im Kundenservice gearbeitet hat, ist die Antwort eindeutig: Horror. Man kann sogar fast so weit gehen und behaupten, dass „Anymart“ einer der unheimlichsten Filme des diesjährigen Fantasy Filmfests ist. Nicht wegen Geistern oder Unmengen an Blut, sondern weil er sich in seiner Darstellung der Arbeitswelt einfach verdammt real anfühlt. Der eintönige Alltag, die aufgesetzte Höflichkeit gegenüber unverschämten Kunden oder auch die verdammt unsinnigen Regeln der Geschäftsführung. Diese Realität ist es, die Iwasakis Film so dermaßen unangenehm macht.

    AnyMart Film 2026
    AnyMart ©NOTHING NEW inc.

    Kleinigkeiten wie ein zu lange aufrechterhaltenes falsches Lächeln oder der Supermarkt-Jingle, der sich immer und immer wiederholt, werden zur Zerreißprobe für die Nerven. Die Anspannung steigt und steigt, bis hin zur unvermeidlich blutigen Eskalation. Und die bitterste Wahrheit von allen ist, wie schnell man sich selbst und seine Träume in einem undankbaren Servicejob verlieren kann, weil man aus Bequemlichkeit und der Hoffnung auf Besserung daran festhält. Iwasaki, dessen Vater selbst einen Supermarkt besitzt, weiß das nur zu gut, und das spürt man in der Authentizität des Films. Ab und an tanzt einem die Botschaft etwas zu sehr und zu offensichtlich auf der Nase herum, das macht sie aber kaum weniger effektiv. Nach diesem Film überlegt man sich zweimal, ob man am nächsten Tag nicht einfach seine Kündigung einreichen sollte.

    AnyMart Film 2026
    AnyMart ©NOTHING NEW inc.

    Fazit

    „Anymart“ ist eine bitterböse Mischung aus schwarzem Humor, Sozialkritik und blutigem Horror, die gerade durch ihre erschreckende Nähe zur Realität funktioniert. Yusuke Iwasaki verwandelt den eintönigen Arbeitsalltag in einen immer nervenaufreibenderen Albtraum und zeigt dabei mit viel Gespür, wie schnell Frust, Anpassung und Perspektivlosigkeit eskalieren können. Ein bissiger und unangenehm authentischer Horrortrip, nach dem man den eigenen Job vielleicht mit etwas anderen Augen betrachtet.

    Bewertung: 3.5 von 5.
    Alle Kritiken der Fantasy Filmfest 2026
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  • Species | Film – Kritik: Stress, Blut und körperlicher Verfall

    Species

    TitelSpecies
    Genre Horror
    Jahr2026
    FSKungeprüft
    RegieMarion Le Corroller

    Fantasy Filmfest 2026

    Wo beruflicher Ehrgeiz auf Body Horror trifft

    Coralie Fargeat hat 2024 mit ihrem Horrorhit „The Substance“ eine regelrechte Welle an Body-Horror-Filmen losgetreten, die man auch immer wieder im Programm des Fantasy Filmfests findet. „The Ugly Stepsister“ verwandelte eine Märchengeschichte in einen grotesken Film über Schönheitsdruck, „Saccharine“ ließ einen hungrigen Geist zur Metapher für ein verzerrtes Selbstbild werden und Regisseurin Marion Le Corroller widmet sich in ihrem Debüt „Species“ den unmenschlichen Leistungsanforderungen und dem extremen Druck im modernen Arbeitsleben. Ein Thema, das sich mehrmals beim diesjährigen Fantasy Filmfest finden lässt

    Species Film 2026
    Species ©Lighthouse Home Entertainment

    Der Film feierte seine Weltpremiere bei den Midnight Screenings der Filmfestspiele von Cannes und konnte bereits dort die Zuschauer mit seiner Mischung aus bissiger Satire und blutigem Body Horror von sich überzeugen. Die französisch–belgische Produktion handelt von der jungen Medizinpraktikantin Margot (Mara Taquin), die in der stressigsten Notaufnahme des Landes arbeitet. Als mehrere gleichaltrige Personen mit seltsamen Symptomen eintreffen, beginnt auch ihr Körper beunruhigende Veränderungen zu zeigen.

    Arbeiten bis zum körperlichen Verfall

    Vergleiche zu „The Substance“ lassen sich natürlich bei fast jedem Film dieser Art leicht herstellen, in diesem Fall sind sie aber durchaus berechtigt. Le Corroller versteckt ihre Inspirationsquellen nicht, im Gegenteil: Eine Szene wird zur direkten Hommage an Fargeats Meisterwerk. Auch Ähnlichkeiten zu Filmen wie „Heldin“ und vor allem „Raw“ lassen sich nicht verleugnen. Gleichzeitig macht die junge Regisseurin in ihrem Debüt aber erfolgreich ihr eigenes Ding, insbesondere was die kreative Kameraarbeit betrifft. Im Original trägt der Horrorfilm den Titel „Sanguine“, was so viel wie blutrot oder blutig bedeutet und deutlich schöner und passender klingt als „Species“. Le Corroller spielt intensiv mit der Farbe Rot, sei es in der Beleuchtung, dem Setdesign oder den blutigen Szenen, sodass diese beinahe zu einem eigenen Charakter wird.

    Species Film 2026
    Species ©Lighthouse Home Entertainment

    Ein Body-Horrorfilm wäre natürlich nichts ohne den Body Horror. Und der hat es in sich. Der kaum auszuhaltende Leistungsdruck der Arbeitswelt wird zum Monster der Geschichte, visuell umgesetzt als grotesker körperlicher Verfall der Protagonistin. Mara Taquin trägt diesen körperlichen und emotionalen Zusammenbruch mit einer intensiven und unglaublich starken Darbietung, die den zunehmenden Kontrollverlust ihrer Figur jederzeit spürbar macht. Hier dreht sich selbst hartgesottenen Horrorfans der Magen um. Untermalt wird das Ganze vom Score des Produzenten ROB, der sich passenderweise auch für den Soundtrack von Fargeats Erstling „Revenge“ verantwortlich zeigt. In „Species“ treibt die Musik das Chaos in der Notaufnahme zusätzlich an. Die schnellen Schnitte in Kombination mit dem pulsierenden Score treiben den Puls in die Höhe und lassen den Stress förmlich durch die Leinwand spüren.

    Species Film 2026
    Species ©Lighthouse Home Entertainment

    Fazit

    „Species“ ist ein kompromissloser Body-Horrorfilm, der den Leistungsdruck der modernen Arbeitswelt wortwörtlich unter die Haut gehen lässt. Auch wenn die Einflüsse von „The Substance“ und „Raw“ deutlich spürbar sind, findet Le Corroller in ihrem Debüt eine eigene visuelle Sprache und liefert einige wahrlich magenverdrehende Momente. Ein blutroter Albtraum über Stress, Überforderung und den Preis, den man für beruflichen Erfolg zu zahlen bereit ist.

    Bewertung: 3.5 von 5.
    Alle Kritiken der Fantasy Filmfest 2026
    Alle Kritiken der Fantasy Filmfest 2026
  • Hokum | Film – Kritik: Ein Albtraum aus irischer Folklore

    Hokum

    TitelHokum
    Genre Horror, Thriller
    Jahr2026
    FSKungeprüft
    RegieDamian McCarthy

    Fantasy Filmfest 2026

    In diesem Hotel lauert das Grauen in jeder Ecke

    Innerhalb des letzten Jahrzehnts hatte Horror ein regelrechtes Glow-Up und beherrscht nicht nur die Kinocharts, sondern wird auch von zahlreichen Kritikern gefeiert. Namen wie Jordan Peele, Zach Cregger oder Osgood Perkins haben dem Genre zu neuem Glanz verholfen und die nächste Generation steht mit Kane Parsons und Curry Barker bereits in den Startlöchern. Doch ein Name geht dabei oft ein wenig unter: Damian McCarthy. Unter eingefleischten Horrorfans ist der Regisseur zwar durchaus bekannt und begeistert mit seinen atmosphärischen und in irischer Folklore verwurzelten Filmen wie „Caveat“ und „Oddity“, der große Mainstream-Erfolg blieb damit allerdings aus. Bis jetzt.

    Hokum Film 2026
    Hokum ©DCM

    Sein neuester Streich „Hokum“ hat weltweit nämlich bereits 25 Millionen Dollar eingespielt. In Deutschland ist ein Kinostart für den 31. Dezember geplant, Besucher des Fantasy Filmfests 2026 können den Horrorfilm aber bereits vorher auf der großen Leinwand sehen. Adam Scott spielt darin den Autoren Ohm Bauman, der sich ein Zimmer in einem kleinen Ort in Irland mietet, um dort seine Schreibblockade zu lösen. Dort lernt er die junge Mitarbeiterin Fiona (Florence Ordesh) kennen, die kurz darauf auf mysteriöse Weise verschwindet. Ohm wird neugierig und schleicht sich in die verbotene Flitterwochen-Suite, in der unerklärliche Dinge vor sich gehen.

    Der Albtraum steckt im Detail

    McCarthy ist dafür bekannt, dass er seine visuellen Ideen bereits Jahre vor der eigentlichen Filmproduktion skizziert. Diese unglaubliche Leidenschaft für sein Werk spürt man in jeder Einstellung von „Hokum“. Jedes Detail wirkt liebevoll durchdacht. Die handgeschnitzten, unheimlichen Requisiten und Figuren, die albtraumhafte eselshauptige Gestalt Jack: das alles und noch mehr hauchen dem Film erst so richtig Leben ein und tragen immens zu einer dichten Atmosphäre bei, die einen beinahe verschlingt. Dazu kommt die intensive Kameraarbeit, die die Bedrohung durch die Dunkelheit wirkungsvoll einfängt. Jeder Winkel des klaustrophobischen Gebäudes wird zum nächsten potenziellen Albtraum, jedes Flackern lässt den Körper zusammenzucken. Nicht zufällig erinnert der Schauplatz, ein Hotel im Nirgendwo Irlands, an das Overlook aus „The Shining“. Auch hier wird das Gebäude zu einem eigenen Charakter, dem McCarthy allerdings seinen ganz persönlichen Stempel aufdrückt.

    Hokum Film 2026
    Hokum ©DCM

    Die quälende Anspannung steigt ins Unermessliche und entlädt sich immer wieder in clever gesetzten Jumpscares, die zu den besten gehören, die das Horrorjahr bisher zu bieten hatte. McCarthy versteht sein Handwerk und weiß, wie man Angst auf simple, aber effektive Weise schürt. Sein Stil wirkt klassisch und vertraut, besitzt aber dennoch eine ganz eigene Note. Genau das macht seine Filme so besonders: Alle drei spielen an unterschiedlichen Orten und folgen unterschiedlichen Figuren, fühlen sich aber dennoch miteinander verbunden an und tragen eine unverwechselbare Handschrift. Thematisch beschäftigt sich „Hokum“ mit Schuld und Trauer, im Genre sicherlich nichts Ungewöhnliches. McCarthy verwebt diese Motive jedoch mit einem fesselnden Mysterium und gut geschriebenen Figuren. Adam Scotts Ohm ist für einen Hauptcharakter in einem Horrorfilm außergewöhnlich zynisch, beinahe unsympathisch, gleichzeitig aber auch einnehmend und charmant. Trotz seiner Art fiebert man mit ihm mit. Und das liegt neben Scotts solider Leistung vor allem am starken Drehbuch.

    Hokum Film 2026
    Hokum ©DCM

    Fazit

    „Hokum“ ist atmosphärischer, klassischer Horror, der mit handgemachten Details, einer beklemmenden Inszenierung und einigen herausragenden Jumpscares überzeugt. McCarthy verbindet Schuld und Trauer mit einem fesselnden Mysterium und beweist dabei erneut seine unverwechselbare Handschrift. Ein intensiver Albtraum, der noch lange nach dem Abspann nachhallt.

    Bewertung: 4 von 5.
    Alle Kritiken der Fantasy Filmfest 2026
    Alle Kritiken der Fantasy Filmfest 2026
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  • Buddy | Film – Kritik: Wenn aus kindlicher Unschuld blutiger Horror wird

    Buddy

    TitelBuddy
    Genre Horror, Komödie
    Jahr2026
    FSKungeprüft
    RegieCasper Kelly

    Fantasy Filmfest 2026

    Kinderfernsehen war noch nie so blutig

    Auch wenn das Poohniverse einen wackeligen Start hatte, zeigt das Franchise dennoch, wie viel Potenzial darin steckt, Figuren aus Kindermedien als Bösewichte neu zu interpretieren. Zahlreiche Kinderfilme haben ohnehin eine unterschwellig düstere Atmosphäre, da macht es nur Sinn, dies in Horrorfilmen auf die Spitze zu treiben. Casper Kelly, der bereits seit den 90ern im Filmgeschäft tätig ist und zuletzt bei einem Segment von „V/H/S: Halloween“, dem aktuellsten Teil der Reihe, Regie führte, nimmt sich in „Buddy“ zwar keine echten Figuren aus Kinderfilmen vor, ließ sich bei der Gestaltung aber eindeutig von „Barney & Friends“ inspirieren.

    Buddy Film 2026
    Buddy ©Worry Well Productions

    In Amerika hatte er damit bereits Erfolg und spielte bei einem Budget von 3 Millionen Dollar über 17 Millionen Dollar ein, weltweit sogar 24 Millionen Dollar. Das liegt vermutlich auch am cleveren Marketing. Berichte über wütende Eltern, die dachten, sie würden mit ihren Kindern einen familienfreundlichen Film sehen, machten Schlagzeilen und schürten die Neugier vieler. Dem Publikum des Fantasy Filmfests 2026 wird bewusst sein, was es erwartet, und zwar jede Menge blutiger Spaß. Im Film werden Kinder in ein zunächst unschuldig erscheinendes TV-Format gezogen, in dessen Mittelpunkt das Einhorn Buddy steht. Die Außenwelt vergisst auf magische Weise die verschwundenen Kinder, doch die junge Mutter Grace (Cristin Milioti) beginnt, sich zu erinnern und Nachforschungen anzustellen.

    Hinter dem Kinderlachen lauern echte Monster

    Die ersten zehn Minuten von „Buddy“ machen die zahlreichen Schlagzeilen rund um die Beschwerden der Eltern nur noch witziger, denn tatsächlich könnte man meinen, man würde eine Kindersendung anschauen. So authentisch bringen der titelgebende Buddy und die Kinderdarsteller dieses Gefühl rüber. Erst nach und nach kippt die Atmosphäre ins Düstere. Die Vorstellung, als nichtsahnendes Elternteil mit seinem Kind im Kino zu sitzen und erst dann zu realisieren, dass man einen Horrorfilm schaut, ist zum Schreien komisch. Wie auch der Film selbst. Das Drehbuch hat so viel Witz, die Charaktere sind liebenswert und charmant. Und was noch viel besser ist: Regisseur Casper Kelly versteht es, Metaphern einzubauen, ohne seinem Film dabei Tempo und Unterhaltungswert zu nehmen. Klar, „Buddy“ funktioniert als reiner B-Horror-Spaß, aber gleichzeitig kann man auch so viel mehr in die Thematik hineininterpretieren. Und gerade das macht „Buddy“ so grandios. Die Kinder sind anfangs voller Naivität, glücklich, bevor Buddys schreckliche Taten diese heile Welt zerstören.

    Buddy Film 2026
    Buddy ©Worry Well Productions

    Der Film wird zur Allegorie auf den Verlust der kindlichen Unschuld, das Erwachsenwerden und die Konfrontation mit der harten Realität. Unterstrichen wird dies nicht nur mit jeder Menge Kunstblut und Gewalt, sondern auch durch die visuellen Referenzen zum Klassiker „Der Zauberer von Oz“. Auch Graces Leiden in der Realität wird stellvertretend zur Metapher für den Verlust eines Kindes, die damit verbundene Hilflosigkeit und die Angst, dieses mit der Zeit zu vergessen. Doch am düstersten ist das Format der Kindersendung selbst. Es gibt so viele Kinderstars, die später über ihre schrecklichen Erfahrungen an Film- und Fernsehsets berichteten, von psychischem und sexuellem Missbrauch. Buddy wird damit zur Manifestation echter Monster, die Kinder manipulieren und deren Leben zerstören. Und trotz dieser düsteren Thematik verliert Kelly nie den Spaß aus den Augen. Der einzige Makel: Cristin Miliotis Talent wird nicht voll ausgeschöpft. Vor allem die Dynamik zwischen ihrem Charakter Grace und ihrer Filmtochter Freddy wird zu wenig etabliert, um in den entscheidenden Momenten wirklich mitfühlen zu können.

    Buddy Film 2026
    Buddy ©Worry Well Productions

    Fazit

    „Buddy“ ist ein herrlich schwarzhumoriger B-Horror-Spaß, der unter seiner bunten Oberfläche überraschend viel zu erzählen hat. Casper Kelly verbindet blutigen Horror, kindliche Naivität und düstere Metaphern zu einem Film, der gleichermaßen unterhält und zum Nachdenken anregt. Und spätestens nach dem Abspann wird man den Titelsong garantiert nicht mehr aus dem Kopf bekommen.

    Bewertung: 4 von 5.
    Alle Kritiken der Fantasy Filmfest 2026
    Alle Kritiken der Fantasy Filmfest 2026
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