Farben des Bösen: Schwarz | Netflix Film – Kritik: Lohnt sich der Thriller?

Farben des Bösen: Schwarz Netflix Film 2026

Farben des Bösen: Schwarz

TitelFarben des Bösen: Schwarz
Genre Thriller, Krimi
Jahr2026
FSK16
RegieAdrian Panek

Starttermin: 10.06.2026 | Netflix

Trotz grauer Routine: Netflix-Flop bekommt düsteres Sequel 

Rot ist die Farbe der Liebe – für Thriller-Fans bedeutete sie vor zwei Jahren allerdings vor allem eines: gepflegte Langeweile. Der polnische Ermittlungsthriller „Farben des Bösen: Rot“ entpuppte sich trotz makabrem Mordszenario als graues Mäuschen von der Stange, das sein farbliches Titelmotiv irgendwo zwischen Aktenordnern, finsteren Blicken und Netflix-Routine verscharrte. Nun folgt also „Farben des Bösen: Schwarz“. Schon der Titel klingt, als hätte jemand beschlossen, das Versagen des Vorgängers einfach mit einer dunkleren Farbe zu überstreichen – und das Ergebnis liefert den filmischen Beweis. Inhaltlich führt es den Staatsanwalt Leopold Bilski (Jakub Gierszał) in die Kaschubei, wo ein kleiner Junge spurlos verschwindet und ein älterer Vermisstenfall plötzlich wieder Schatten wirft. Dazu kommen verschlossene Bewohner, alte Schuld, ländlicher Aberglaube und natürlich die übliche Ahnung, dass in dieser Gegend vermutlich niemand ganz unschuldig ist. Das klingt auf dem Papier nach jener Sorte Thriller, die ihre Spannung aus Schweigen, Verdrängung und kollektiver Fäulnis zieht. Auf dem Bildschirm sieht es leider eher aus wie die Serienversion eines sehr ernsten Moodboards.

Farben des Bösen: Schwarz Netflix Film 2026
Farben des Bösen: Schwarz ©Netflix

Die Kaschubei wird in „Farben des Bösen: Schwarz“ nicht zum atmenden Schauplatz, sondern zur schwarz lackierten Kulisse. Ein paar mürrische Gesichter, ein paar karge Straßen, ein bisschen Aberglaube im Hintergrund – fertig ist die Netflix-Provinz aus dem Baukasten für nordosteuropäische Ermittlungsdepression. Alles soll nach Finsternis riechen, riecht aber eher nach Produktionsdesign. Der Film stellt seine Düsternis aus wie ein Möbelstück: ordentlich platziert, korrekt ausgeleuchtet, dekorativ ungemütlich. Nur bedrohlich wird sie selten. Als würde man das Ikea-Sortiment online im augen- und akkuschonenden Dark Mode des Browsers durchscrollen. Dabei wäre genug Material da. Ein verschwundenes Kind. Eine Gemeinschaft, die sich in Ausreden eingerichtet hat. Ein Ort, an dem Vergangenheit nicht vergangen ist, sondern nur schlecht vergraben. „Farben des Bösen: Schwarz“ streift immer wieder die Idee, dass das eigentliche Grauen nicht im einzelnen Verbrechen liegt, sondern in der Bequemlichkeit derer, die weggesehen haben. Genau dort hätte der Film unangenehm werden können. Hätte.

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Rot, Schwarz – und am Ende vor allem grau

Stattdessen verkriecht sich die Handlung in routiniert abgewickelter Ermittlungsmechanik. Hinweise werden gefunden, erklärt, erneut erklärt und anschließend mit einem weiteren Hinweis verklebt. Figuren betreten Szenen, um Informationen abzuladen, und verschwinden wieder im Dunkel der Zweckmäßigkeit. Kaum entsteht einmal so etwas wie Spannung, wird sie von Dialogen zerredet, die klingen, als hätte jemand die Fallakte in Drehbuchform gegossen. Das Ergebnis ist kein Sog, sondern Verwaltung. Noch ärgerlicher ist, dass „Farben des Bösen: Schwarz“ sich permanent wichtiger nimmt, als er ist. Jede Szene wird auf Bedeutung getrimmt, jede Pause mit Schwere vollgepumpt, jede Enthüllung bekommt den dramatischen Trommelwirbel eines Films, der überzeugt ist, gerade in sehr tiefe Abgründe zu blicken. Doch je länger diese Finsternis beschworen wird, desto sichtbarer werden ihre Ränder. Dahinter wartet kein Abgrund, sondern ein weiterer sauber sortierter Netflix-Thriller, der lieber düster aussieht, als wirklich weh zu tun.

Farben des Bösen: Schwarz Netflix Film 2026
Farben des Bösen: Schwarz ©Netflix

Im Vergleich zu „Rot“ ist „Schwarz“ vielleicht der etwas stimmungsvollere Film. Das ist allerdings ungefähr so, als würde man einen lauwarmen Kaffee dafür loben, dass er nicht ganz kalt ist. Die Reihe macht minimale Fortschritte, bleibt aber in denselben Problemen stecken: blasse Figuren, hölzerne Dialoge, eine überfrachtete Handlung und eine Hochglanzästhetik, die jeden Schmutz sofort wieder wegpoliert. Schwarz steht für das Unbekannte, das Verborgene, die Angst vor dem, was sich im Dunkeln regt. Hier steht es vor allem für einen Thriller, der verzweifelt geheimnisvoll wirken möchte und dabei vergisst, interessant zu sein. „Farben des Bösen: Schwarz“ malt alles dunkler an, aber unter der frischen Schicht bleibt derselbe matte Untergrund. Das zeigt sich bis zum Finale, dem jede Gravitas fehlt. Wo andere Genrefilme im Showdown die Muskeln spielen lassen und frühere Schwächen mit einem Schlag vergessen machen, reicht es hier nur für ein müdes Achselzucken. Die Auflösung macht das Vorangegangene nicht besser – sie erklärt die erzählerische Armut lediglich zu Ende.

Farben des Bösen: Schwarz Netflix Film 2026
Farben des Bösen: Schwarz ©Netflix

Fazit


„Farben des Bösen: Schwarz“ ist ein etwas stimmungsvollerer, aber kaum besserer Nachfolger zu „Farben des Bösen: Rot“. Der Netflix-Thriller besitzt genug Motive für ein beklemmendes Provinzdrama über Schuld, Verdrängung und kollektives Wegsehen, macht daraus aber erneut nur routinierte Ermittlungsware mit düsterer Oberfläche. Viel Schwere, wenig Sog. Viel Finsternis, wenig Abgrund. Am Ende bleibt ein Film, der Schwarz verspricht, aber vor allem grau liefert.

Bewertung: 1.5 von 5.
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