Every Year After | Amazon Serie – Kritik: Prime Video sucht die erste Liebe

Every Year After Amazon Prime Video Serie 2026

Every Year After

TitelEvery Year After
Genre Romanze, Drama
Jahr2026
FSK12
CreatorLeila Gerstein, Amy B. Harris

Starttermin: 10.06.2026 | Prime Video

Friends-to-Lovers auf Prime Video: viel Sehnsucht, wenig Leben

Es gibt kaum einen verlässlicheren Rohstoff für romantische Geschichten als den Sommer. Nicht den echten Sommer natürlich. Nicht den mit Sonnenbrand, Wespen im Getränk und der Erkenntnis, dass Seen auf Postkarten meistens sauberer aussehen als in Wirklichkeit. Gemeint ist jener fiktionale Sommer, der irgendwo zwischen Sonnenuntergang und Indie-Soundtrack existiert. Ein Ort, an dem das Licht immer golden fällt, Holzstege niemals morsch werden und zwei Menschen jahrelang umeinander kreisen können, ohne jemals ernsthaft über ihre Gefühle zu sprechen. Dort sitzt man nachts am Wasser, wirft Steine in einen spiegelglatten See und blickt bedeutungsvoll in die Ferne, als wäre emotionale Verdrängung eine olympische Disziplin. Genau dort siedelt auch „Every Year After“ seine Geschichte an – in einem Ferienhaus der Gefühle, das nie jemand betreten hat, aber offenbar jeder wiedererkennen soll. Neben „People We Meet on Vacation“ und „Solange wir lügen“ reiht sich die Amazon Serie  in jene modernen Sommerromanzen ein, die nicht von Erinnerung erzählen, sondern von der professionell nachgebauten Erinnerung an Erinnerung. 

Every Year After Amazon Prime Video Serie 2026
Every Year After ©Prime Video 

Percy Fraser (Sadie Soverall) kehrt nach vielen Jahren in den kanadischen Ferienort Barry’s Bay zurück, als ein Trauerfall sie dazu zwingt, sich ihrer Vergangenheit zu stellen. Dort begegnet sie erneut Sam Florek (Matt Cornett), damals der Junge vom See, irgendwann Percys bester Freund, später ihre erste große Liebe – und schließlich der Mensch, an dem alles zerbrach, was die Sommer ihrer Jugend einmal versprochen hatten. Während Percy zunehmend Teil der Familie Florek wurde und auch zu Sams Bruder Charlie (Michael Bradway) sowie dessen Mutter Sue (Elisha Cuthbert) ein enges Verhältnis aufbaute, gerieten die beiden immer wieder zwischen Zukunftspläne, Unsicherheiten und unausgesprochene Gefühle. Heute bietet ihr Wiedersehen die Gelegenheit, alte Wunden vielleicht doch noch verheilen zu lassen und Antworten auf Fragen zu finden, die beide nie vollständig hinter sich lassen konnten – die klassische Friends-to-Lovers-Romanze eben. Erst beste Freunde, dann große Liebe, schließlich gebrochene Herzen und Jahre später die Hoffnung, dass Nostalgie vielleicht doch stärker ist als Vernunft. Wie viele artverwandte Geschichten lebt auch „Every Year After“ von der Vorstellung, dass die große Liebe nicht gefunden, sondern entdeckt wird. Dass sie die ganze Zeit direkt neben einem saß und nur darauf wartete, endlich als romantische Hauptfigur erkannt zu werden.

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Warum der Amazon-Serie echte Erinnerungen fehlen

Sommer – die Jahreszeit der zweiten Chancen. Nirgendwo lassen sich alte Fehler zuverlässiger weichzeichnen als im warmen Licht der Spätsommernachmittagssonne. Genau darauf setzt auch Prime Video mit „Every Year After“, wo verlorene Liebe nur ausreichend Nostalgie benötigt, um sich wieder wie Schicksal anzufühlen. Als würden Jahre voller Enttäuschungen, verpasster Chancen und persönlicher Entwicklungen einfach verschwinden, sobald irgendwo ein vertrauter Song läuft und die Abendsonne durch die Baumkronen schimmert. Das Problem ist nicht, dass die Serie genau diese Fantasie bedient. Das Problem ist, dass sie sich dabei erschreckend künstlich anfühlt. Den Bildern fehlt die Seele. Menschen wirken nicht wie Menschen. Und dann ist da noch dieser stromlinienförmige Sehnsuchts-Pop, der jede Szene mit Gefühl aufladen soll, aber selbst keinerlei Identität besitzt. Musik, die klingt, als hätte ein Algorithmus aus tausend austauschbaren StreamingRomanzen errechnet, wie Liebe ungefähr klingen müsste. Nicht nostalgisch, nicht berührend, nicht erinnerungswürdig – nur glatt genug, um niemanden zu stören. Authentische Geschichten über Jugend, Erinnerung und verlorene Sommer funktionieren anders. Filme wie „Call Me by Your Name“ oder „North Hollywood“ erinnern sich nicht an eine Pinterest-Version der Vergangenheit. Sie erinnern sich an echte Menschen. An echte Momente, echte Entscheidungen, Unsicherheiten und jene kleinen Augenblicke, die sich erst Jahre später als prägend herausstellen. Dort spürt man die Hitze eines Nachmittags, die Aufregung vor einem ersten Kuss oder die Orientierungslosigkeit einer Lebensphase, die man nie wieder zurückbekommt.

Every Year After Amazon Prime Video Serie 2026
Every Year After ©Prime Video 

„Every Year After“ dagegen wirkt wie die algorithmische Zusammenfassung solcher Gefühle. Die Serie weiß, wie Nostalgie aussieht. Sie weiß, welche Farben sie haben muss, welche Songs darunter laufen sollten und an welchem Punkt jemand sehnsüchtig auf einen See hinausblicken muss. Nur wie sich diese Erinnerungen tatsächlich anfühlen, scheint sie nie wirklich zu verstehen. Das macht die Serie nicht schlecht. Dafür ist sie zu kompetent inszeniert, viel zu bingtauglich produziert und erfüllt in ihrer Eigenschaft als Crowdpleaser ziemlich genau die Erwartungen, die man an eine moderne Streaming-Romanze stellt. Ärgerlich ist sie nie. Überraschend allerdings auch nicht. Dafür bleibt alles zu sauber, zu berechnet und zu sehr auf maximale Gefälligkeit getrimmt. Vielleicht liegt darin die größte Ironie von „Every Year After“. Die Geschichte erzählt von einer Vergangenheit, nach der man sich sehnen soll. Gleichzeitig erinnert sie daran, wie viel schöner die eigene Vergangenheit meist war. Nicht weil sie perfekter gewesen wäre, sondern weil sie chaotischer, widersprüchlicher und echter war. Echte Erinnerungen brauchen keinen goldenen Filter. Sie tragen ihre Bedeutung bereits in sich. Genau dieses Gefühl sucht „Every Year After“ über acht Folgen hinweg – und findet es nie wirklich.

Every Year After Amazon Prime Video Serie 2026
Every Year After ©Prime Video 

Fazit

„Every Year After“ versteht sehr genau, wie Erinnerung aussehen soll. Goldene Sonnenuntergänge, gebrochene Herzen, der See von damals und die Hoffnung, dass manche Geschichten nie wirklich enden. Was der Serie fehlt, ist das Leben zwischen diesen Bildern. Prime Video liefert eine gefällige Sommerromanze, die sich mühelos wegschauen lässt, aber nie jene Authentizität entwickelt, aus der echte Sehnsucht entsteht. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass die eigene Vergangenheit meist deutlich chaotischer, widersprüchlicher und gerade deshalb schöner war als alles, was „Every Year After“ zu bieten hat.

Bewertung: 2.5 von 5.
Amazon Prime Video

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