| Titel | The Furious |
| Genre | Action |
| Jahr | 2025 |
| FSK | 18 |
| Regie | Kenji Tanigaki |
Kinostart: 18.06.2026
Ist das der beste Actionfilm des Jahrzehnts?
Das Actionkino hat in den letzten Jahren viel Spektakel produziert, aber nicht immer viel Körper. Wo digitale Effekte, schnelle Schnitte und übergroße Setpieces dominieren, geht manchmal genau das verloren, was eine gute Kampfszene eigentlich ausmacht: Orientierung, Risiko, Rhythmus und die sichtbare Arbeit der Darsteller, Darstellerinnen und Stuntteams. Die großen Erneuerungsimpulse kamen deshalb immer wieder aus jenen Kinokulturen, in denen Action nicht nur als Effekt, sondern als Handwerk verstanden wird. Aus Hongkong, aus Thailand, aus Indonesien. „Ong-Bak“ und „The Raid“ wurden deshalb nicht nur zu Genreereignissen, sondern zu Erinnerungsschocks: So unmittelbar, so präzise, so schmerzhaft lesbar konnte Action aussehen. Mit „The Furious“ meldet sich dieses Kino nun mit neuem Nachdruck zurück. Als „Ong-Bak“ Anfang der 2000er aus Thailand heraus international Aufmerksamkeit bekam, lag seine Kraft gerade in der scheinbaren Einfachheit. Tony Jaa sprang, trat, stürzte und kämpfte mit einer Körperlichkeit, die sich dem damals immer stärker digitalisierten Actionkino fast trotzig entgegenstellte. Keine übermäßige Glättung, kein Verstecken hinter Schnittgewitter, sondern Muay-Thai-Action als unmittelbare Attraktion. Einige Jahre später verschob „The Raid“ aus Indonesien die Maßstäbe erneut. Gareth Evans verwandelte ein Hochhaus in einen Käfig, in dem jede Etage zur nächsten Eskalationsstufe wurde. Die Kämpfe waren brutal, präzise und klaustrophobisch, aber vor allem: lesbar. Man verstand, wo sich Körper im Raum befanden, wie ein Angriff aufgebaut war und warum ein Treffer wehtat.

The Furious: Die neue Welle des physischen Kinos
Diese Filme veränderten auch den Blick des westlichen Kinos auf Action. Reihen wie „John Wick“, aber auch Filme wie „Atomic Blonde“ oder „Tyler Rake: Extraction“, nahmen sichtbar Impulse aus asiatischer Kampfchoreografie, Stuntarbeit und Raumdramaturgie auf. Action wurde wieder stärker über Bewegung erzählt, nicht nur über Montage. Längere Einstellungen, klarere Abläufe, härtere physische Präsenz: Das westliche Genrekino lernte neu, dass eine Kampfszene nicht größer wirken muss, um intensiver zu sein. Manchmal reicht es, wenn sie genauer ist. „The Furious“ setzt genau an diesem Punkt an. Der Film von Kenji Tanigaki versteht sich nicht als nostalgische Rückkehr zu alten Martial-Arts-Tugenden, sondern als neuer Versuch, das handgemachte Körperkino in die Gegenwart zu übersetzen. Tanigaki kommt selbst aus der Welt der Stunts und Kampfchoreografie, was dem Projekt eine besondere Glaubwürdigkeit gibt. Hier steht nicht nur die Frage im Raum, wer gegen wen kämpft, sondern wie ein Kampf erzählt wird: durch Tempo, Erschöpfung, Raumaufteilung, Reaktion und Konsequenz. Die Action soll nicht dekorieren, sondern antreiben. Die Handlung liefert dafür ein bewusst geradliniges Fundament. Im Zentrum steht Wang Wei (Xie Miao), ein schweigsamer Handwerker, dessen Tochter Rainy (Yang Enyou) von einem Menschenhändlerring entführt wird. Weil die Polizei versagt und Korruption den Weg zur Wahrheit blockiert, beginnt Wei selbst nach ihr zu suchen. Seine Spur führt ihn in eine kriminelle Schattenwelt aus Hinterzimmern, Kampfarenen, Schlägern und Profikillern.

Unterstützung findet er in Navin (Joe Taslim), einem Journalisten, der ebenfalls gegen dasselbe Netzwerk ermittelt, nachdem seine eigene Frau verschwunden ist. Aus Misstrauen wird eine Zweckgemeinschaft, aus persönlichem Verlust ein gemeinsamer Feldzug gegen ein System, in dem Menschen zur Ware werden. Gerade diese Einfachheit ist kein Zufall. „The Furious“ scheint seine Geschichte nicht über komplizierte Wendungen definieren zu wollen, sondern über Druck. Die Entführung, die Suche, die Korruption und der Schmerz der Figuren bilden den Motor für eine Actiondramaturgie, in der jeder Kampf mehr sein soll als ein Schauwert. Gewalt wird hier nicht als saubere Pose verstanden, sondern als körperliche Belastung. Figuren ermüden, werden verletzt, verlieren Kontrolle und müssen trotzdem weiter. Das macht den Reiz eines solchen Films aus: Er behauptet Intensität nicht nur, er will sie über die sichtbare Arbeit am Körper herstellen. Damit steht „The Furious“ in einer Tradition, die das Actionkino immer dann erneuert hat, wenn es sich zu sehr vom Körper entfernt hatte. Ob der Film tatsächlich neue Maßstäbe setzt, erfahrt ihr in unserer ausführlichen Videokritik:


