Appofeniacs | Film – Kritik: Der blutige Algorithmus des Wahnsinns

Appofeniacs Film 2025
TitelAppofeniacs
Genre Horror
Jahr2025
FSKungeprüft
RegieChris Marrs Piliero

Fantasy Filmfest Nights 2026

Appofeniacs: Ein Trip in die digitale Paranoia

Was einst mit harmlosen Tweets oder Fotos und Videos auf Facebook begann, hat längst beunruhigende Ausmaße angenommen. Heute wird alles im Internet geteilt, kaum ein Moment bleibt noch privat, und Hasskommentare verbreiten sich im Sekundentakt. Doch die Entwicklung geht noch weiter: Künstliche Intelligenz ist auf dem Vormarsch, und auch Deepfakes lassen sich immer einfacher erstellen, wodurch die Wahrnehmung von Realität zunehmend verschwimmt. „Black Mirror“ wirkt längst nicht mehr wie düstere Zukunftsvision, sondern wie ein Spiegel unserer Gegenwart.

Appofeniacs Film 2025
Appofeniacs ©WTFilms

Diese Entwicklung greift auch Musikvideo-Spezialist Chris Marrs Piliero in seinem Spielfilmdebüt „Appofeniacs“ auf, das auf den Fantasy Filmfest Nights seine Deutschlandpremiere feiert. Im Zentrum steht eine App, mit der sich innerhalb von Sekunden täuschend echte Deepfakes erstellen lassen, die für junge Menschen schnell zum Albtraum wird. Der hasserfüllte Duke (Aaron Holliday) kennt dabei keine Grenzen und nutzt die Technologie, um sich an all jenen zu rächen, die ihn provoziert oder verletzt haben, was schließlich eine verheerende Kettenreaktion auslöst.

Deine Identität ist ihre Waffe

Künstliche Intelligenz mag berechenbar sein, „Appofeniacs“ ist es nicht. Schon der Titel verweist auf das Phänomen der Apophenie, also die menschliche Tendenz, Zusammenhänge zu erkennen, wo keine sind, ein Nährboden für Paranoia und Verschwörungstheorien. Passender könnte der Name kaum gewählt sein, sucht man doch zu Beginn noch vergebens den Zusammenhang zwischen dem blutigen Konflikt eines jungen Pärchen und dem absurden Wüsten-Trip skurriler Cosplayer, bei dem man nie genau weiß, was als Nächstes passiert. Erst als die Handlung erneut zu anderen Figuren springt, wird klar, dass es sich überraschend um eine Anthologie handelt. Und wie so oft in diesem Format schwächelt auch hier das ein oder andere Segment. Zum Glück geschieht das hier direkt zu Beginn mit den Cosplayern; deren Geschichte ist zwar durchaus spaßig, wird aber leider von schlechtem, überzeichnetem Schauspiel geplagt.

Appofeniacs Film 2025
Appofeniacs ©WTFilms

Erst im darauffolgenden Abschnitt entfaltet „Appofeniacs“ sein volles Potenzial und zieht die Spannung spürbar an. Im Fokus steht nun Lazzy, die sich am ehesten als zentrale Figur des Films begreifen lässt und bei der die Botschaft über die Gefahren von Deepfakes erst wirklich deutlich wird. Lazzys Leben gerät in kurzer Zeit immer weiter aus den Fugen, was einem zwar leidtun kann, aber aufgrund unglücklicher Missverständnisse auf düstere Weise auch amüsant ist. Pilieros Drehbuch beweist dabei ein gutes Gespür für Balance und verknüpft die ernste Thematik immer wieder mit bissigem, schwarzem Humor. Auch die Art, wie sich die einzelnen Handlungsstränge zunehmend miteinander verweben, macht Spaß und erinnert in ihrer Struktur an die Erzählweise Tarantinos. Ganz in diesem Geist steuert der Film schließlich auf ein exzessives, farbenfrohes Blutbad zu und überrascht selbst auf den letzten Metern noch einmal.

Appofeniacs Film 2025
Appofeniacs ©WTFilms

Fazit

„Appofeniacs“ ist ein unberechenbarer Anthologie-Horrorfilm, der mit seiner cleveren Struktur, schwarzem Humor und einem aktuellen Thema punktet. Nicht jedes Segment sitzt, doch sobald der Film Fahrt aufnimmt, entfaltet er eine packende Dynamik und mündet in ein wildes, blutiges Finale. Gerade durch seine Verspieltheit und seinen Mut zur Eskalation bleibt er im Gedächtnis.

Bewertung: 3 von 5.
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