The Punisher – One Last Kill | Disney Plus – Kritik: Lohnt sich das Marvel-Special?

The Punisher - One Last Kill Disney Plus Film 2026
TitelThe Punisher – One Last Kill
Genre Action
Jahr2026
FSK18
RegieReinaldo Marcus Green

Starttermin: 13.05.2026 | Disney+

Trotz FSK 18: Warum The Punisher: One Last Kill kein echter Befreiungsschlag ist 

Wer kennt sie nicht, die Marvel-Müdigkeit? Während das MCU im Kino und auf Disney+ oft an seiner eigenen Gigantomanie erstickt, soll das Format der Marvel Television Special Presentation die Rettung bringen. Vergesst zähe Sechsteiler oder überladene Blockbuster: Diese knackigen, rund einstündigen Solotrips versprechen eigentlich die perfekte Spielwiese für kreative Experimente abseits des Einheitsbreis. Nach dem charmanten Schwarz-Weiß-Horror-Ausflug von „Werewolf by Night“, der leider nur ein Versuch blieb, keimte zumindest kurz Hoffnung auf, dass Marvel endlich echten Mut zur Nische beweist. Statt glattgebügelter Familienunterhaltung und endlosem Timeline-Zwang verspricht dieses komprimierte „One-and-Done“-Konzept eigenständige Storys, die Genregrenzen radikal sprengen dürfen. Genau diesen unkonventionellen Freifahrtschein nutzt nun auch Frank Castle, um sich im brachialen Mittellangfilm „The Punisher: One Last Kill“ ohne Disney-Zensur durch das New Yorker Unterholz zu metzeln. Doch liefert das ultrabrutale Action-Brett im kompakten TV-Format tatsächlich das erhoffte, fesselnde Psychogramm oder scheitert der Rächer am Ende doch an den gleichen, ermüdenden MCU-Fesseln?

The Punisher - One Last Kill Disney Plus Film 2026
The Punisher – One Last Kill ©Disney+

Nach den Ereignissen in „Daredevil: Born Again“ fristet ein innerlich zerrissener Frank Castle (Jon Bernthal) ein traumatisiertes, lebensmüdes Dasein im New Yorker Problemviertel Little Sicily. Eine emotionale Erscheinung seiner verstorbenen Tochter hält den Ex-Soldaten im letzten Moment davon ab, den Abzug gegen sich selbst durchzuziehen. Doch die Atempause endet abrupt, als Ma Gnucci (Judith Light) auftaucht. Die gezeichnete Clanchefin sinnt auf Rache für ihr vernichtetes Imperium und setzt ein millionenschweres Kopfgeld auf Castle aus, das exakt um 18:47 Uhr aktiviert wird. Augenblicklich mutiert das heruntergekommene Mietshaus des Rächers zum brutalen Kriegsschauplatz. Heerscharen skrupelloser Kopfgeldjäger und lokaler Gangster belagern das Gebäude, um den Punisher zur Strecke zu bringen. Um dem tödlichen Hinterhalt zu entkommen, schüttelt Castle seine Lethargie ab. In einem kompromisslosen, blutigen Spießrutenlauf durch Treppenhäuser und Hinterhöfe greift er wieder zu den Waffen und walzt durch die Angreiferwellen.

Filmpodcast Netflix

Das Marvel-Vakuum: Jon Bernthal grunzt gegen Windmühlen 

Bevor dem nie jugendfreien, dafür umso kompromissloseren Antihelden Punisher in „Spider-Man: Brand New Day“ endgültig der Maulkorb umgeschnallt und sein ungezügeltes Großstadtgossen-Mundwerk auf familienfreundliches FSK-12-Maß zurechtgestutzt wird, darf der finstere Rächer in „The Punisher: One Last Kill“ noch ein letztes Mal alles rauslassen. Im Trailer des jüngsten Spider-Man-Abenteuers erstickte ein Spinnenwebschuss ein Schimpfwort bereits im Keim – und schon bald dürften then wohl auch tödliche Gewehrfeuersalven und grobschlächtige Kopfschusswunden weichgespülten K.o.-Schlägen und möglichst folgenloser Comic-Waffengewalt weichen. Zum Glück ist da „The Punisher: One Last Kill“ – ein auf kompakte 51 Minuten reduziertes letztes Aufbäumen roher Gewalt. Könnte man zumindest meinen – doch genau hier zerfällt das Action-Häppchen überraschend schnell in seine Einzelteile. Denn trotz kompromissloser Brachialität in Sachen Ein-Mann-Amoklauf, fühlt sich das Special nie wie ein eigenständiger Film an. Eher wie eine aus dem Kontext gerissene Bonus-Episode von „The Punisher“ oder „Daredevil: Born Again”. Selbst für das ohnehin kompakte Special-Presentation-Format wirkt die knappe Netto-Laufzeit von gerade einmal 43 Minuten erschreckend dünn. Statt die reduzierte Laufzeit jedoch für maximale narrative Präzision oder ein kompromisslos fokussiertes Action-Konzept zu nutzen, bremst sich Disney erst einmal selbst aus und verliert sich in zähem Aufbau, düsteren Selbstgesprächen und melancholischer Frank-Castle-Nabelschau. Dabei hätte gerade dieses Format die perfekte Gelegenheit geboten, endlich einmal vollständig losgelöst vom MCU-Ballast zu funktionieren. Ein brutaler, dreckiger One-Night-Actiontrip ohne Rücksicht auf Timeline-Zwang oder Serienvernetzung. Doch „One Last Kill“ verlässt sich permanent darauf, dass die emotionale Vorarbeit bereits existiert.

The Punisher - One Last Kill Disney Plus Film 2026
The Punisher – One Last Kill ©Disney+

Wer nicht unmittelbar vorher große Teile von „The Punisher“ oder „Daredevil: Born Again“ gebingewatched hat, dürfte erstaunlich wenig emotionalen Zugang zu Frank Castle finden. Die Geschichte selbst liefert kaum Substanz, um diese Bindung neu aufzubauen. Stattdessen taumelt Jon Bernthal, mehr grunzend als redend, durch die düsteren Korridore aus Selbsthass und Selbstaufgabe – das Ganze zehrt fast ausschließlich von der Erinnerung daran, wie gut diese Figur früher einmal funktioniert hat. Dabei ist die eigentliche Action keineswegs schlecht. Wenn Frank Castle irgendwann endlich von der Leine gelassen wird, kracht, spritzt und explodiert es angenehm kompromisslos. Die Shootouts besitzen rohe Wucht, die Einschläge tun weh und Bernthal trägt diese animalische Gewaltbereitschaft weiterhin glaubwürdig mit sich herum. Doch das Problem bleibt: Von den ohnehin winzigen 43 Minuten bestehen gerade einmal rund zwölf aus tatsächlicher Action. Und selbst diese Sequenzen besitzen kein echtes Alleinstellungsmerkmal. Während bereits die erste Episode von „Daredevil: Born Again“ mit ihrer intensiven Plansequenz sofort ein ikonisches visuelles Zentrum etablierte, bleibt „One Last Kill“ inszenatorisch erstaunlich gewöhnlich. Handwerklich solide, brutal genug, aber nie wirklich im Gedächtnis bleibend. Dadurch entsteht ein seltsames Vakuum. Der Film ist zu kurz, um seine psychologischen Ansätze ernsthaft zu vertiefen, gleichzeitig aber auch zu langsam erzählt, um als kompromissloser Adrenalintrip zu funktionieren. Viele Serienpilotfolgen schaffen in derselben Zeit deutlich mehr Atmosphäre, Figurenzeichnung und dramaturgischen Vorwärtsdrang. „The Punisher: One Last Kill“ hingegen wirkt über weite Strecken wie ein Lückenfüller zwischen zwei größeren Geschichten – nur eben mit deutlich mehr Blut. Genau deshalb scheitert das Special letztlich ausgerechnet an dem, was eigentlich seine größte Stärke hätte werden sollen: der Freiheit, endlich einmal komplett für sich selbst stehen zu dürfen.

The Punisher - One Last Kill Disney Plus Film 2026
The Punisher – One Last Kill ©Disney+

Fazit

„The Punisher: One Last Kill“ scheitert am Ende an seiner eigenen Identitätskrise. Ja, Jon Bernthal darf als Marvel-Metzel-Ikone zwölf Minuten lang ordentlich die Fetzen fliegen lassen. Doch der brutale Ein-Mann-Amoklauf verpufft im zähen Disney-Einheitsbrei, weil dem Special die erzählerische Substanz fehlt. Am Ende bleibt kein eigenständiges Action-Brett, sondern nur ein blutiger, erstaunlich vergessenswerter Lückenfüller für MCU-Komplettisten.

Bewertung: 2 von 5.
Amazon Filme Blu-ray

Das könnte Dich auch interessieren!