| Titel | Nightborn |
| Genre | Horror |
| Jahr | 2026 |
| FSK | ungeprüft |
| Regie | Hanna Bergholm |
Fantasy Filmfest Nights 2026
Mutterinstinkt oder Wahnsinn?
Wie schön wäre es, wenn jedes Ensemble eines berühmten Franchises einen ähnlichen Weg einschlagen würde wie die Stars der „Harry Potter“-Filme. Nicht nur haben sich viele von ihnen öffentlich gegen die transfeindlichen Äußerungen von Autorin J.K. Rowling gestellt, sie wirken bis heute auch bemerkenswert bodenständig und spiegeln genau das in ihrer Rollenwahl wider. Daniel Radcliffe zieht es lieber an den Broadway oder in skurrile Indie-Produktionen, Emma Watson hat sich nach ihren letzten Projekten bewusst zurückgezogen und wartet auf die passende nächste Rolle, und Rupert Grint scheint sich mit Arbeiten wie „Servant“ oder „Knock at the Cabin“ zunehmend im Horrorgenre zuhause zu fühlen.

Letzterer übernimmt auch eine der zentralen Rollen in „Nightborn“, der in diesem Jahr auf den Fantasy Filmfest Nights zu sehen ist und zugleich das neue Werk von Hanna Bergholm nach ihrem gefeierten Regiedebüt „Hatching“ markiert. In dem blutigen Body-Horrorfilm ziehen Saga (Seidi Haarla) und Jon in die finnischen Wälder, um in einer abgelegenen Hütte fernab der Außenwelt eine Familie zu gründen. Doch in der Dunkelheit um sie herum wartet bereits etwas Unheilvolles, Wesen aus alten Märchen und nordischen Legenden, die es auf ihr Neugeborenes abgesehen haben.

Zwischen Babygeschrei und Blutrausch
Schwangerschaft und Mutterschaft wurden in den Medien lange romantisiert. Doch diese Zeiten sind vorbei. Statt sauberer, kurzer Geburten rückt nun der rohe, schmerzhafte und blutige Prozess in den Fokus. Stillen wirkt nicht mehr intim und ruhig, sondern unangenehm und verletzend. Das Schreien eines Babys lässt sich nicht einfach beruhigen, es wird zu einem kaum auszuhaltenden Dauerzustand, der fast schon etwas Monströses annimmt. Aus „Nightbitch“ wird „Nightborn“. Wie schon Marielle Heller widmet sich auch Hannah Bergholm den psychischen Belastungen, die mit der Geburt eines Kindes einhergehen: Druck, Angst und der schleichende Verlust des eigenen Selbst. Und ähnlich wie Heller bleibt auch Bergholm dabei nicht besonders subtil, geht aber noch einen Schritt weiter. Während „Nightbitch“ seine Horrorelemente eher andeutet, lebt „Nightborn“ sie voll aus. Rohes Fleisch, spritzendes Blut, Bisswunden: „Nightborn“ spart nicht an unangenehmen Bildern und nutzt Body-Horror gezielt, um den Schrecken des Elternseins greifbar zu machen.

Gleichzeitig erweitert Bergholm die Thematik und beschäftigt sich nicht nur mit den psychischen und körperlichen Veränderungen der Mutter, sondern auch mit der Angst, dass mit dem eigenen Kind etwas nicht stimmt. Das Ganze ist erfrischend überspitzt dargestellt. Das Neugeborene bekommt man nie genau zu Gesicht, bleibt oft im Verborgenen und spielt mit der eigenen Erwartungshaltung. Verbirgt sich dahinter wirklich ein Monster, oder sind es nur die manifestierten Sorgen einer Mutter? Auch das Umfeld trägt zur Verunsicherung bei. Zwar fällt auf, dass etwas nicht stimmt, doch die Reaktionen bleiben beschwichtigend, fast gleichgültig. „Jedes Kind ist anders“ wird zur Standardantwort, die Sagas Sorgen herunterspielt. Am deutlichsten zeigt sich das in der Figur von Jon, gespielt von Rupert Grint, der als herablassender Ehemann kaum zuhört. Diese emotionale Isolation spiegelt eine sehr reale Erfahrung wider, in der postnatale Ängste nicht ernst genommen, sondern relativiert werden. Ob der kleine Kuura letztendlich ein normales Baby oder ein übernatürliches Wesen ist, soll hier nicht gespoilert werden, auch wenn Bergholm selbst daraus nie wirklich ein Geheimnis macht.

Fazit
„Nightborn“ ist ein kompromissloser Body-Horrorfilm, der den Schrecken von Mutterschaft roh und unangenehm greifbar macht und dabei immer wieder mit dem eigenen Mutterinstinkt spielt. Hannah Bergholm verbindet psychologische Ängste mit drastischen Bildern und findet darin eine kraftvolle, wenn auch nicht subtile Aussage. Getragen wird das Ganze von Seidi Haarla, deren fast schon animalische Performance stark an „The Babadook“ erinnert und dem Film eine zusätzliche Intensität verleiht.


