Apex | Netflix – Kritik: Taron Egerton dreht frei, der Film dreht hohl

Apex Netflix Film 2026
TitelApex
Genre Thriller
Jahr2026
FSK16
CreatorBaltasar Kormákur

Starttermin: 24.04.2026 | Netflix

Netflix trimmt das Outback auf Katz-und-Maus-Kurs

Schon wieder Australien. Das Land, in dem jedes zweite Insekt dich töten will und die Tourismusbüros seit Jahren vergeblich versuchen, die Filmindustrie zu bestechen, damit sie ihre Psychopathen mal woanders parken. Wo Mick Taylor in „Wolf Creek“ noch mit einer dreckigen Lache und rostigen Machete für ehrliches Unbehagen sorgte, serviert uns Netflix mit „Apex“ nun die sterile Luxus-Variante des Überlebenskampfes. Die Prämisse ist dieselbe Leier, nur in Hochglanz-Optik – ohne den Dreck, die drückende Hitze, den Charme eines rotzigen Genrefilms. Im Zentrum steht Sasha, gespielt von Charlize Theron („The Old Guard 2“), eine erfahrene Bergsteigerin, die nach dem Unfalltod ihres Partners (Eric Bana) Zuflucht in der Einsamkeit sucht. Kajak statt Kletterseil, Selbstfindung statt Nervenkitzel – zumindest theoretisch. Praktisch schippert sie ziemlich zügig ins Verderben, als sie sich von einem Fremden namens Ben (Taron Egerton) einen „Geheimtipp“ andrehen lässt. Natürlich ist dieser Ben kein netter Outdoor-Enthusiast, sondern ein Psychopath mit Hang zur Jagd – auf Menschen. Was folgt, ist das obligatorische Katz-und-Maus-Spiel, das man schon kennt, bevor es überhaupt begonnen hat.

Apex Netflix Film 2026
Apex ©Kane Skennar/Netflix

Exposition dient im Kino üblicherweise dazu, eine Figur zu verankern, ihr Gewicht zu geben, sie als emotionalen Anker zu etablieren. „Apex“ entscheidet sich bewusst dagegen. Hier ist nicht Sasha die Hauptfigur, sondern Australien selbst – und das ist vielleicht die folgenschwerste Fehlentscheidung des Films. So gehören die ersten 30 Minuten nicht etwa Sasha, sondern den lebensfeindlichen Kulissen des roten Kontinents. Die Kamera gleitet über Flüsse, Wälder, Felsen – Hochglanzbilder, so geleckt und glattpoliert, als wolle das Netflix Original eine Tourismuskampagne drehen, die aus Versehen im falschen Genre gelandet ist. Doch so präsent diese Landschaft auch ist, so wenig wird sie genutzt. Die Wildnis bleibt Kulisse: keine drückende Hitze, keine echte Orientierungslosigkeit, kein spürbarer Kampf um Ressourcen. Australien ist da, aber es greift nie ein. Dialoge sind Mangelware, Emotionen ebenfalls. Das Trauma wird pflichtschuldig abgehakt – das obligatorische Eröffnungsdrama muss reichen –, während sich Charaktertiefe auf ein Minimum beschränkt. Alles wirkt wie eine Checkliste: Verlust? Abgehakt. Trauer? Abgehakt. Nur leider trägt dieses Fundament nicht besonders weit.

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Wenn dann endlich Bewegung ins Spiel kommt, ist es weniger die Spannung als ein darstellerischer Amoklauf, der „Apex“ antreibt. Hier darf Taron Egerton („Die Rache der Polly McClusky“) zeigen, dass er durchaus Spaß daran hat, komplett freizudrehen. Sein Ben ist kein subtiler Antagonist, sondern ein lärmender, überzeichneter Irrer, der Tiergeräusche imitiert, nackt durch den Dschungel schwingt und mit einer Inbrunst overactet, die fast schon bewundernswert ist. Das Problem: Der Film hat nichts, was diesem Wahnsinn standhält. Statt ihn zu konterkarieren oder sinnvoll einzubetten, lässt „Apex“ ihn einfach gewähren – und entlarvt damit die eigene Leere. So sehr man sich über Egertons enthemmte Performance amüsieren kann, sie bleibt ein Fremdkörper in einem Film, der ansonsten erstaunlich ambitionslos wirkt. Denn jenseits dieses einen Ausreißers bietet „Apex“ erschreckend wenig. Das Katz-und-Maus-Spiel wirkt wie aus der B-Movie-Resterampe gezogen, aufgemotzt mit A-Liga-Gesichtern und einem Hochglanzlook, der über die inhaltliche Armut hinwegtäuschen soll.

Apex Netflix Film 2026
Apex ©Kane Skennar/Netflix

Dabei ist der Film permanent in Bewegung – es wird gerannt, gejagt, geschrien –, doch echte Spannung will sich nie einstellen. Die Ereignisse überschlagen sich, ohne je Dringlichkeit zu entwickeln, jede Eskalation verpufft so schnell, wie sie aufgebaut wird: fehlende Spannung, vorhersehbare Konflikte, angekündigte Wendungen, ein Finale so zwangsläufig wie der Anfang. Dass sich der Kreis am Ende schließt, überrascht ungefähr so sehr wie die Erkenntnis, dass der vermeintlich freundliche Fremde ein gewaltiges Problem darstellen könnte. Und selbst der angedeutete Kannibalismus bleibt letztlich nur Behauptung – ein weiteres Element, das mehr verspricht, als es einlöst. „Apex“ ist damit ein Film, der sich größer gibt, als er ist. Er hat Stars, er hat eine eindrucksvolle Kulisse, und er hat zumindest einen Schauspieler, der bereit ist, alles zu geben. Aber er hat kein Gespür für Rhythmus, keine echte Spannung und vor allem keine Idee, die über das Offensichtliche hinausgeht. Was bleibt, ist ein Survivalthriller, der sich selbst im Weg steht.

Apex Netflix Film 2026
Apex ©Kane Skennar/Netflix

Fazit

„Apex“ ist kein Gipfelsturm, sondern ein flacher Spaziergang im Hochglanzformat. Netflix liefert hier das filmische Äquivalent zu einer Luxus-Safari: Alles sieht toll aus, niemand macht sich wirklich schmutzig, und am Ende ist man froh, wenn man wieder im Hotel – oder beim nächsten Menüpunkt – ist. Schade um die Stars, schade um die Kulisse.

Bewertung: 2 von 5.
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