| Titel | Roommates |
| Genre | Komödie |
| Jahr | 2026 |
| FSK | 12 |
| Creator | Tyler Spindel |
Starttermin: 17.04.2026 | Netflix
Spätzünder mit Herz: Warum „Roommates“ nach holprigem Start doch noch die Kurve kriegt
Das College – endlich weg von den Eltern, rein in die Freiheit und ab ins erste gemeinsame Zimmer mit einer völlig fremden Person. Es ist die Zeit der großen Versprechen, der exzessiven Partys und der festen Überzeugung, in der neuen Mitbewohnerin die beste Freundin für die Ewigkeit gefunden zu haben. Man teilt sich den viel zu engen Kleiderschrank, den billigen Wein und die Hoffnung auf den ultimativen Lebensabschnitt. Doch Hand aufs Herz: Die Grenze zwischen „wir machen alles zusammen“ und „ich bringe dich im Schlaf um“ ist im Wohnheim-Alltag verdammt dünn. Wenn aus der anfänglichen Euphorie plötzlich eine passiv-aggressive Stimmung erwächst und der Kampf um die soziale Vorherrschaft auf dem Campus eskaliert, dann sind wir mitten im Setting von „Roommates“ – dem neuesten Streich von Adam Sandlers Produktionsfirma Happy Madison auf Netflix. Doch Vorsicht: Dieses Mal steht der Chef nicht selbst im Zentrum, sondern überlässt das Feld der nächsten Generation.

Devon (Sadie Sandler) ist froh, die Highschool endlich hinter sich gebracht zu haben. Anschluss hat sie dort kaum gefunden – das College soll das nun ändern. Nach dem obligatorischen Kennenlernen während der Orientierungszeit im Sommercamp soll es endlich auf den Campus gehen. Im Camp angekommen trifft sie auf Celeste (Chloe East): aufgeschlossen, lebensfroh und mit genau der richtigen Portion rebellischer Attitüde ausgestattet. Die Chemie scheint so perfekt, dass die beiden kurzentschlossen beschließen, sich ein Zimmer zu teilen. Doch bereits kurz nach dem Einzug wird die junge Freundschaft auf eine harte Probe gestellt. Devon hat sich zwar immer eine beste Freundin gewünscht, doch mit der radikalen, unberechenbaren Ader ihrer neuen BFF stößt sie schnell an ihre Grenzen. Was als „Match Made in Heaven“ begann, mutiert innerhalb weniger Wochen zum psychologischen Stellungskrieg. Aus kleinen Nickligkeiten werden Sabotageakte, und aus der gemeinsamen Homebase wird eine klaustrophobische Kampfzone.

Doch mehr als nur Netflix-Standard?
Sadie Sandler hatte in der Netflix-Komödie „Du bist sowas von nicht zu meiner Bat-Mizwa eingeladen“ – ebenfalls eine Happy-Madison-Produktion – noch mit einer erfrischenden Natürlichkeit geglänzt. Dort wurde sie allerdings von einem starken Skript getragen, das die Ängste und Wünsche junger Frauen authentisch einfing und mit viel Wärme aufbereitete. Leider schlägt bei „Roommates“ das Pendel anfangs wieder deutlich zu weit Richtung Sandler-Klamauk aus, statt die Tiefe einer ernstzunehmenden Coming-of-Age-Comedy auszuloten. Infolgedessen sehen wir eine Hauptdarstellerin, die zunächst reichlich orientierungslos durch ein Skript taumelt, das sich tonal einfach nicht entscheiden kann, was es eigentlich sein will. Der erhoffte Balanceakt zwischen pubertärem Teenie-Quatsch im Stile eines „American Pie“ – garniert mit der typischen Happy-Madison-Breitseite – und einer echten, feinfühligen Freundschaftsgeschichte will sich zu Beginn schlichtweg nicht einstellen. Das spiegelt sich auch in der Inszenierung wider, die mit eingerücktem Bildformat und verwaschener Optik auf Indie getrimmt daherkommt, inhaltlich aber klassische Netflix-Feelgood-Kost bedient.

Dabei ist der Grundgedanke absolut valide. Wer immer alleine war und plötzlich seine Intimsphäre mit jemand Fremdem teilen muss, merkt schnell, dass der eigene Mikrokosmos nicht das Maß aller Dinge ist. Das merken nicht nur Paare beim ersten Zusammenziehen, sondern eben auch College-Frischlinge. Hier liegt massives Potenzial für echte Spannungen, vor allem bei Charakteren, die so gegensätzlich sind wie Devon und Celeste. Erstaunlicherweise funktionieren die Figurenprofile für sich genommen sogar recht gut. Sie wirken angenehm authentisch und kommen ohne die ganz großen Klischeezuschubladen aus. Dabei fängt sich die Erzählung mit laufender Spielzeit spürbar: Die Konflikte gewinnen an Glaubwürdigkeit, die Figuren werden komplexer und gerade der verstärkte Fokus auf das Teendrama wirkt sich positiv auf die Erzählstruktur aus. „Roommates“ mag am Anfang zwar ähnlich diffus wie die Beziehung seiner beiden Hauptfiguren selbst sein, findet aber rechtzeitig einen emotionalen Kern. Als Komödie ist das zwar nicht unbedingt lustig, als Coming-of-Age-Drama aber durchaus gelungen.

Fazit
„Roommates“ kämpft lange mit seinem eigenen Identitätsproblem, kriegt aber noch die Kurve. Obwohl der unentschlossene Mix aus Sandler-Klamauk und Coming-of-Age-Geschichte den Einstieg erschwert, retten die zunehmend komplexeren Figuren und glaubhafte Konflikte das Gesamtergebnis und hieven den Film am Ende doch noch auf ein überzeugendes Niveau.


