| Titel | Balls Up |
| Genre | Komödie |
| Jahr | 2026 |
| FSK | 18 |
| Regie | Peter Farrelly |
Starttermin: 15.04.2026 | Prime Video
Prime Video und Peter Farrelly schickten Mark Wahlberg unter die Gürtellinie
Man ist niemals zu alt für Peniswitze – zumindest redet man sich das gerne ein, wenn man zur Generation gehört, die mit dem rabiaten Humor der Farrelly-Brüder sozialisiert wurde. Wer sich als hormonell übersteuerter Teenager bereits über Cameron Diaz’ zweifelhaftes Haargel in „Verrückt nach Mary“ bekringelt hat, der fand auch in Peter Farrellys Solo-Ausflug „Ricky Stanicky“ jene wohlige Wärme, die nur ein perfekt platzierter Fäkalwitz erzeugen kann. Denn das Kino der Farrellys stand stets für mehr als nur den bloßen Austausch von Körperflüssigkeiten; es stand für die Poesie der liebenswerten Chaoten, für Figuren, die trotz (oder wegen) ihres begrenzten Intellekts eine entwaffnende Nahbarkeit besaßen. Mit seinem neuen Amazon Original „Balls Up“ versucht Peter Farrelly nun, die alten Zutaten zu einem neuen Eintopf des schlechten Geschmacks zu verrühren. Doch während das Rezept auf dem Papier nach einem sicheren Hit klingt, schmeckt das Ergebnis dann doch eher nach abgestandenem Erdbeergleitgel. Was hier fehlt, ist nicht der Mut zum Peinlichen, sondern die chemische Reaktion, die aus Blödsinn Comedy-Gold macht.

In „Balls Up“ dreht sich alles um Brad Lewison (Mark Wahlberg) und Elijah (Paul Walter Hauser) – zwei Typen, die gegensätzlicher kaum sein könnten: Wahlberg („Play Dirty“) gibt den aggressiven Alpha-Optimisten, Hauser („The Instigators“) den phlegmatischen Sonderling. Doch geschäftlich sind sie ein Dreamteam. Ihr jüngster Geniestreich ist ein Kondom namens „Balls Up“, das nicht nur den Schaft, sondern das gesamte männliche Gelege schützt – eine textile Festung gegen die Widrigkeiten der Natur. Das Produkt schlägt ein wie eine Bombe und wird prompt zum offiziellen Aushängeschild der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien erkoren. Doch der Erfolg ist ein flüchtiges Reh, besonders wenn Brad Lewison im Spiel ist. Durch eine Mischung aus Selbstüberschätzung und Inkompetenz sorgt er dafür, dass ihr wichtigster Vertragspartner einen spektakulären Drogenrückfall erleidet. Der Deal platzt, die Karrieren implodieren. Umso bizarrer ist es, dass die beiden entfremdeten Ex-Partner Monate später dennoch VIP-Tickets für das WM-Finale Brasilien gegen Argentinien in den Händen halten.

Wenn selbst Sacha Baron Cohen den Karren nicht mehr aus dem Dreck zieht
Was folgt, ist eine Kette von Ereignissen, die man nur als unkoordinierten Flickenteppich aus bekannten Versatzstücken des Comedy-Einmaleins bezeichnen kann. Als Elijah durch eine monumentale Dummheit dafür sorgt, dass Brasilien in der letzten Minute der Titel verwehrt wird, mutiert das Duo zu den meistgehassten Männern zwischen Amazonas und Copacabana. Ganz Brasilien ist auf Blut aus, und eine Odyssee durch den Dschungel und die Favelas beginnt. Man fragt sich jedoch zunehmend verzweifelt: Was möchte uns Peter Farrelly eigentlich erzählen? Eine Fußball-Komödie ist „Balls Up“ sicher nicht, dafür bleibt der Sport eine völlig untergeordnete Randnotiz. Um Sex geht es trotz des titelgebenden Latex-Wunders auch nicht wirklich. Und selbst der charakteristische Untenrum-Humor, Farrellys eigentliches Hoheitsgebiet, bleibt erschreckend zahnlos – und das trotz der Altersfreigabe ab 18, die das Werk ziert. Stattdessen entspinnt sich eine ziellose Wanderung durch die kriminelle Unterwelt Brasiliens, zerfressen von bleiernen Dialogen, denen der Großteil der Pointe im Hals stecken bleibt. Es wird gekokst, getrunken und geflüchtet, während die Figuren in einem Vakuum aus inhaltsleerem Geplapper verharren.

Inmitten dieser Tristesse aus verpassten Chancen taucht Sacha Baron Cohen als Drogendealer Pavio Curto auf. Er ist der einzige, der den Gejagten den Rücken stärkt. Cohen tut das, was er am besten kann: Er überdreht bis zum Anschlag, packt die volle Ladung Verrücktheit oben drauf und versucht, die ohnehin schon absurden Geschehnisse durch exzentrische Willenskraft nochmal eine Schippe drüber zu gestalten. Doch selbst sein manisches Spiel verpufft wirkungslos. Wenn hier überhaupt jemand etwas ausrichten könnte, dann Hauser und Wahlberg allein durch ihr natürliches Charisma – doch selbst das rettet „Balls Up“ kaum. Farrelly gelingt es schlicht nicht, jene Herzlichkeit zu reproduzieren, die seine früheren Werke trotz aller Vulgarität so menschlich machte. Am Ende stellt sich also die existenzielle Frage: Für wen ist „Balls Up“ eigentlich gemacht? Fußballbegeisterte werden den Film ignorieren, Farrelly-Puristen werden den Charme vermissen, und Kondomfans dürfte es ohnehin kaum geben – sie sind schließlich ein notwendiges Übel, das irgendwie dazugehört. Doch während man das eine zum Schutz eingeht, sollte man das andere schlichtweg vermeiden – denn das einzige, was hier zurückbleibt, ist das bittere Gefühl, dass die Hoden des Peter Farrelly definitiv schon einmal fester im humoristischen Sattel saßen.

Fazit
„Balls Up“ ist ein enttäuschendes Dokument eines Regisseurs, der den Kontakt zu seinem eigenen Handwerk verloren hat. Wo früher anarchistischer Esprit und echtes Herz unter der Gürtellinie pochten, herrscht heute eine klinische Pointenlosigkeit, die auch durch die absurde Odyssee seiner Protagonisten nicht kurzweiliger wird. Wenn hier überhaupt jemand etwas liefert, dann Hauser und Wahlberg, und zwar Charisma und Charme – das Einzige, was in diesem Film überhaupt funktioniert.


