First Lady
| Titel | First Lady |
| Genre | Romanze, Komödie |
| Jahr | 2026 |
| FSK | 12 |
| Creator | Thea Sharrock |
Starttermin: 22.05.2026 | Netflix
„Ladies First“: Das Patriarchat als Netflix-Satire – oder doch nicht?
Das Patriarchat ist kein besonders origineller Bösewicht mehr. Nicht, weil es verschwunden wäre, sondern weil seine Mechanismen so offen daliegen, dass man sie eigentlich nicht mehr erklären müsste. Männer nehmen Raum ein, Frauen sollen ihn sich verdienen. Männer gelten als durchsetzungsstark, Frauen als schwierig. Männer altern interessant, Frauen verwelken. Männer dürfen begehren, Frauen werden es. Und selbst dort, wo die Dinge längst moderner klingen, bleibt oft genug dieselbe alte Ordnung darunter erhalten: etwas aufpolierter, höflicher, aber nicht weniger wirksam. Es sind Blicke, Erwartungen, Kommentare, das Vermessen des Körpers, der Stimme, der Kleidung, der Laune, die Frauen klein halten sollen. Zu laut, zu weich, zu ehrgeizig, zu kalt, zu emotional, zu undankbar. Und während viele Männer noch immer glauben, es sei doch bestimmt ganz angenehm, begehrt, angeschaut und auf den Körper reduziert zu werden, stellt sich eine sehr einfache Gegenfrage: Haben sie sich jemals wirklich damit auseinandergesetzt, was es bedeutet, wenn diese Reduktion nicht Ausnahme, sondern Alltag ist? Eine Frage, die sich auch „Ladies First“ auf Netflix stellt – und die Antwort fällt wenig überraschend aus: Nein, ganz so geil ist das alles dann vielleicht doch nicht.

Sacha Baron Cohen („Balls Up“) spielt Damien Sachs, einen reichen, selbstgefälligen Geschäftsmann, der kurz davorsteht, beruflich noch weiter nach oben zu kommen, als er ohnehin schon getragen wurde. Die CEO-Position ist in Reichweite, sein Ego längst dort angekommen. Nur gibt es da ein kleines Problem: In seinem Führungskreis fehlt eine Frau. Nicht etwa, weil er plötzlich an Gleichberechtigung glaubt, sondern weil man heutzutage ja aufpassen muss, was man sagt, wen man einstellt und wie man nach außen wirkt. Also holt er Alex Fox, gespielt von Rosamund Pike („Saltburn“), ins Unternehmen – eine Frau, die engagiert ist, kompetent wirkt und offenbar sehr genau weiß, was sie tut. Natürlich geraten die beiden sofort aneinander. Für ihn ist sie weniger Kollegin als Störfaktor, weniger ernstzunehmende Kraft als lästige Korrektur seiner Weltordnung. Nach nur einem Tag feuert er sie wieder. Kurz darauf stürzt er, stößt sich den Kopf und wacht in einer Welt auf, in der die Machtverhältnisse umgedreht sind. Frauen bestimmen, Männer werden beurteilt, belächelt, sexualisiert und ausgebremst. Alex ist nun seine Chefin, während er selbst erleben muss, wie es sich anfühlt, nicht mehr automatisch als Mittelpunkt der Welt behandelt zu werden. Ironisch, oder?

Netflix macht aus Feminismus eine Rollentausch-Klamotte
Das Patriarchat ist schlecht. Ja. Das ist keine heiße These, kein gefährlicher Gedanke, kein intellektueller Sprengsatz. Das wissen im Grunde alle, außer ein paar Incel-Kinder, Machos und Andrew-Tate-Jünger, die ohnehin hinter jeder Veränderung eine Verschwörung wittern – danke Merkel! Natürlich ist Netflix hier auf der richtigen Seite. Natürlich will „Ladies First“ das Richtige. Und natürlich steckt in der Prämisse eine Idee, die funktionieren könnte: Wie wäre es, nicht nur kurz in einer anderen Rolle aufzuwachen, sondern wirklich zu spüren, was ein ganzes Leben aus gesellschaftlichen Zuschreibungen mit einem Menschen macht? Nur verwechselt die Handlung Feminismus leider allzu oft mit der simpelsten Form von Rollentausch-Comedy. Statt Sexismus wirklich zu dekonstruieren, dreht „Ladies First“ die Klischees einfach um – und hält das Ganze für Erkenntnis. Plötzlich sind Männer weinerlich, hormonell überfordert, eitel, verletzlich, körperlich ausgestellt. Frauen benehmen sich wie die schlimmsten Karikaturen jener Männer, die das Drehbuch eigentlich kritisieren will. Aus „Mann“ wird „Frau“, aus „Frau“ wird „Mann“, und irgendwo dazwischen wandert ein Humor, der sich weniger nach Gesellschaftssatire anfühlt als nach Mario Barth mit progressivem Feigenblatt. Oft lustig, aber selten smart – immerhin mehr als der nie lustige Comedian.

Das mag nicht automatisch ein Problem sein. Eine Klamotte darf eine Klamotte sein. Derber Humor kann funktionieren, politisch unkorrekte Komik kann großartig sein, wenn sie präzise sitzt. Seth MacFarlane hat mehr als nur einmal gezeigt, wie man Vulgarität mit treffsicherer Gesellschaftskritik verbindet. Will Ferrell konnte aus männlicher Hybris ganze Kathedralen der Dummheit bauen. Auch Sacha Baron Cohen hat seine besten Momente immer dann, wenn Peinlichkeit und Wahrheit kaum noch voneinander zu trennen sind. Aber „Ladies First“ tut so, als wäre er schärfer, mutiger und klüger, als er tatsächlich ist. Und genau das macht ihn immer wieder ärgerlich. Dabei funktioniert nicht alles schlecht. Cohen hat ein gutes Gespür für körperliche Demütigung, für beleidigte Eitelkeit, für Männer, die plötzlich merken, dass ihre Macht nie mit ihrer Persönlichkeit verwechselt werden sollte. Rosamund Pike wiederum trägt ihre Szenen mit dieser kühlen, präzisen Überlegenheit, die bei ihr fast immer mühelos wirkt. Auch einige der zotigen Gags sitzen, und die Zeit vergeht kurzweilig. Man schaut zu, man lächelt, manchmal lacht man sogar – wenngleich leise. Aber im Hintergrund bleibt ständig dieses Gefühl: Da wäre mehr möglich gewesen. Mehr Bosheit, mehr Schärfe, mehr Witz, mehr Schmerz. Netflix schießt mit „Ladies First“ nicht völlig daneben, aber es zielt auch nicht besonders gut. Am Ende sagt die Geschichte das Richtige, nur auf eine erstaunlich grobe Weise. Sie will das Patriarchat bloßstellen und landet doch zu oft bei alten Klischees. Das ist unterhaltsam genug für einen Abend. Aber für eine Satire, die angeblich den Spiegel vorhält, ist die Oberfläche dann doch ziemlich beschlagen.

Fazit
„Ladies First“ will scharfe Satire sein, bleibt aber zu oft beim einfachen Rollentausch hängen. Ein paar Gags sitzen, Cohen und Pike retten einiges, doch der Film schießt mit seiner eigentlich richtig gemeinten Botschaft am Thema vorbei. Das ist kurzweilig, manchmal derb, selten wirklich klug – und als Abrechnung mit dem Patriarchat deutlich stumpfer, als es sein müsste.


