| Titel | Deus Irae |
| Genre | Horror |
| Jahr | 2023 |
| FSK | 18 |
| Regie | Pedro Cristiani |
Heimkinostart: 24.04.2026
Ein Albtraum aus Fleisch und Glauben
In den 2000ern beherrschte die New French Extremity mit Filmen wie „High Tension“ oder „Martyrs“ das Horrorgenre. Doch durch die zunehmende Kommerzialisierung und den daraus resultierenden Verlust an Schockfaktor und kulturellem Kontext flaute diese Ära gegen 2010 ab. Danach konnten sich Länder wie Südkorea, Spanien oder auch nordische Produktionen im Genre etablieren und lieferten sowohl Kritiker– als auch Publikumserfolge. Doch in den letzten Jahren ist ein anderes Land still und heimlich auf dem Vormarsch: Argentinien.

Ein Land, dessen Regisseure nicht davor zurückschrecken, den Gewaltgrad in die Höhe zu treiben, und das für frisches Blut im Genre sorgt. Nach Backwood-Horror wie „What the Waters Left Behind“ oder Festival-Lieblingen wie „Crazy Old Lady“ und „The Wailing“ sorgte vor allem Demián Rugna mit „Terrified“ und „When Evil Lurks“ für viel Aufmerksamkeit. Regisseur Pedro Cristiani versucht sich dort mit seinem Exorzismus-Horror „Deus Irae“ einzureihen, in dem Pater Javier (Pablo Ragoni) sich finsteren Dämonen stellen muss – auch seinen eigenen.

Zwischen Vision und Verwirrung
Mit seinem Spielfilmdebüt gibt sich Pedro Cristiani voll und ganz dem Visuellen hin. Der auf seinem Kurzfilm basierende Horrorfilm lebt von der Mischung aus eindringlicher religiöser Bildsprache und groteskem Body-Horror und erzeugt daraus eine albtraumhafte Atmosphäre, in der das Heilige untrennbar mit dem Fleischlichen verschmilzt. Der Anblick eines Dämons in menschlicher Gestalt mit Jesus-Maske wird dem einen oder anderen sicher sauer aufstoßen, brennt sich jedoch zweifelsohne ins Gedächtnis ein und ist nur ein Beispiel dafür, wie „Deus Irae“ sich vom generischen Brei der Exorzismusfilme abhebt. Damit bewegt sich Cristiani mit seinem Film irgendwo zwischen modernem argentinischen Horror wie „When Evil Lurks“ und Klassikern wie „Das Ding aus einer anderen Welt“.

Wo Cristiani ins Straucheln gerät, ist das Drehbuch. Die Handlung wirft einen mitten ins Geschehen, springt in der Zeit hin und her und bedient sich eines sehr eigenwilligen Erzählstils. Durch den harten Staccato-Schnitt wirkt der Erzählfluss fragmentiert, fast so, als würde die Wiedergabe immer wieder kurz ins Stocken geraten. Das erinnert an Störungen beim Abspielen einer DVD, ist allerdings ein bewusst eingesetztes Stilmittel, um die Erinnerungslücken und den mentalen Verfall von Pater Javier darzustellen. Das mag ambitioniert und stellenweise originell sein, allerdings fällt der Zugang dadurch schwer. Allgemein ist „Deus Irae“ oftmals zu konfus geraten, wirkt zusammengewürfelt, wie ein kleiner Ausschnitt aus einer größeren Geschichte. Auch wenig hilfreich sind die gelegentlich übertriebenen Performances eines Pater-Schwester-Duos, die den ansonsten ernsten Ton zeitweise ins Lächerliche ziehen.

Fazit
„Deus Irae“ überzeugt vor allem durch seine eindringliche Bildsprache und unangenehme Atmosphäre, die sich deutlich vom Einheitsbrei des Exorzismus-Horrors abhebt. Gleichzeitig steht sich der Film mit seinem fragmentierten Erzählstil und der überladenen Struktur selbst im Weg, sodass ein faszinierendes, aber schwer zugängliches Gesamtbild entsteht.



