| Titel | Obsession – Du sollst mich lieben |
| Genre | Horror, Thriller |
| Jahr | 2025 |
| FSK | ungeprüft |
| Regie | Curry Barker |
Fantasy Filmfest Nights 2026
Vorsicht, was du dir wünschst
Es ist immer wieder ironisch, dass ausgerechnet Comedians ein so erstaunlich gutes Gespür für das Horrorgenre besitzen. Jordan Peele legte 2017 mit „Get Out“ den Grundstein und wurde dafür sogar mit einem Oscar ausgezeichnet, die Philippou-Brüder sorgten in den letzten Jahren mit „Talk to Me“ und „Bring Her Back“ für Furore, und nun reiht sich auch YouTube-Prankster Curry Barker zwischen diesen Talenten ein. Baker feierte sein Regiedebüt 2024 mit dem Found-Footage-Horrorfilm „Milk & Serial“, der nach kurzer Zeit viral ging (2,3 Millionen Aufrufe auf YouTube) und ihm einen Deal mit der United Talent Agency einbrachte. Mit seinem Nachfolger „Obsession – Du sollst mich lieben“ reitet er nun direkt weiter auf der Erfolgswelle. Bereits bei der Erstaufführung auf verschiedenen US-amerikanischen Filmfestivals sorgte der Horrorfilm für begeisterte Reaktionen und gilt auch bei den diesjährigen Fantasy Filmfest Nights als eines der großen Highlights. Die Handlung dreht sich um den jungen Bear (Michael Johnston), der in einem Musikladen arbeitet und für seine Kollegin Nikki (Inde Navarrette) schwärmt. Um sie für sich zu gewinnen, zerbricht er einen mysteriösen Gegenstand, der Wünsche erfüllen soll. Doch aus anfänglicher Zuneigung entwickelt sich schnell eine gefährliche Besessenheit, der er kaum noch entkommen kann.

Jeder Regisseur kann einen Horrorfilm drehen. Doch nur wenige haben das Zeug dazu, einen zu erschaffen, der unter die Haut geht, sich ins Gedächtnis brennt und einen bis nach Hause in den Schlaf verfolgt. Dafür braucht es mehr als handwerkliches Können, es braucht echte Liebe und ein tiefes Verständnis für das Genre. Genau das bringt Curry Baker mit, und das spürt man in jeder Minute von „Obsession – Du sollst mich lieben“. Baker begann seine Karriere als Comedian und bringt diesen Humor auch hier ein, verwandelt ihn jedoch in etwas Finsteres und beweist dabei ein bemerkenswertes Talent dafür, Angst zu erschaffen. Wie auf Knopfdruck kann Baker umschalten. Ein Lachen bleibt von einer Sekunde auf die nächste im Hals stecken, Komik weicht einem intensiven Unbehagen, und mit beeindruckender Leichtigkeit hält „Obsession – Du sollst mich lieben“ die Balance zwischen Witz und ungebändigtem Terror.

Was du liebst, ist nicht echt
Der Horror schleicht sich dabei leise an. Er entsteht nicht durch generische Jumpscares, sondern durch die verstörenden Implikationen, die die Handlung mit sich bringt. Auf den ersten Blick erzählt „Obsession – Du sollst mich lieben“ von einer Frau, die von ihrem Partner besessen ist, doch tatsächlich richtet Baker den Fokus auf das Selbstbild des modernen Mannes in Beziehungen und den Umgang mit Konsens. Bear wirkt zunächst wie der nette Typ von nebenan, frustriert von seinem Liebesleben. Eine Figur, die vertraut erscheint, vielleicht sogar sympathisch, weil man sich in seiner unbeholfenen Schwärmerei wiedererkennt. Doch genau diese Nähe kippt. Aus einem harmlosen Wunsch entwickelt sich eine beunruhigende Dynamik, die eine unangenehme Wahrheit offenlegt. Bear liebt nicht Nikki als Person, sondern die Vorstellung von ihr. Sein eigenes Glück steht im Mittelpunkt, unabhängig davon, was es mit ihr macht. Gefangen in diesem Anspruch verliert Nikki zunehmend sich selbst, passt sich an, verändert sich, bis kaum noch etwas von der ursprünglichen Person übrig bleibt. Daraus entsteht eine thematische Komplexität, die im Genre alles andere als selbstverständlich ist.

Unterstrichen wird dieser Beziehungshorror durch Bakers präzise Inszenierung. Das Sounddesign arbeitet mit extremen Kontrasten, wechselt abrupt von flüsternder Intimität zu ohrenbetäubendem Schreien und haut einem damit beinahe vom Sitz. Und auch das Spiel mit Schatten trägt entscheidend zur unheimlichen Wirkung bei. Immer wieder liegt Nikkis Gesicht im Dunkeln, oft im Hintergrund positioniert, leicht außerhalb des Fokus und dennoch ständig präsent. Die unterstreicht das Gefühl ihrer Veränderung und verleiht ihr eine beinahe unmenschliche Aura. All das würde jedoch nicht annähernd so gut funktionieren ohne die herausragende Performance von Inde Navarrette, die einen Großteil des Films auf ihren Schultern trägt und sich der Rolle der Nikki mit Leib und Seele hingibt. Was sie physisch leistet, aber auch wie sie ihre Stimme auf beinahe monströse Weise einsetzt, ist schlichtweg beeindruckend. „Obsession – Du sollst mich lieben“ zählt schon jetzt zu den stärksten Horrorfilmen des Jahres, sozial relevant und stilistisch treffsicher, doch es ist vor allem Navarrettes Leistung, die noch lange nachwirkt.

Fazit
„Obsession – Du sollst mich lieben“ verbindet schwarzen Humor mit unangenehmem, langsam wachsendem Horror und setzt dabei mehr auf Figuren und Dynamik als auf billige Schreckmomente. Der Film entwickelt aus einer vertrauten Ausgangslage eine zunehmend düstere Richtung und punktet vor allem durch seine klare Handschrift und die starke Performance von Inde Navarrette.


