Teach You a Lesson
| Titel | Teach You a Lesson |
| Genre | Action, Komödie |
| Jahr | 2026 |
| FSK | 16 |
| Creator | Hong Jong-chan |
Starttermin: 05.06.2026 | Netflix
Wenn Netflix Nachhilfe in Selbstjustiz gibt
Mobbing. Gewalt. Lehrer, die längst kapituliert haben. Schüler, die ihre Macht missbrauchen. Eltern, die mit Anwälten drohen, bevor überhaupt eine Diskussion beginnt. Das sind reale Probleme. Schwere Probleme. Probleme, über die man sprechen muss. Aber vielleicht nicht so. Netflix’ „Teach You a Lesson“ beginnt mit einer Welt, in der das koreanische Bildungssystem vollkommen kollabiert scheint. Schül*innen terrorisieren Mitschüler*innen und Lehrkräfte, Schuldirektoren kuschen vor einflussreichen Eltern, Korruption reicht bis in politische Kreise. Als ein gemobbter Schüler keinen anderen Ausweg mehr sieht und sich das Leben nimmt, tritt Na Hwa-jin (Kim Mu-yeol) auf den Plan. Gemeinsam mit Bildungsminister Choi Kang-seok (Lee Sung-min) und seinem Team des Educational Rights Protection Bureau soll er Schulen wieder unter Kontrolle bringen. Sein Werkzeugkasten besteht allerdings weniger aus Pädagogik als aus Ohrfeigen, Einschüchterung und körperlicher Gewalt. Von Fall zu Fall zieht die Einheit durchs Land und verteilt Lektionen, die eher an Selbstjustiz als an Bildung erinnern.

„Teach You a Lesson“ verkauft sich als Gesellschaftskritik. Tatsächlich wirkt die Serie aber wie der Kommentarbereich einer Boulevardzeitung, dem plötzlich ein Netflix-Budget zur Verfügung gestellt wurde. „Wer nicht hören will, muss fühlen.“ Das ist nicht etwa die Denkweise der Schurken. Das ist die Philosophie der Helden. So erklärt Hwa-jin offen, dass Angst aus Erfahrungen entsteht – und die müsse schließlich erst einmal etabliert werden. Doch statt den Alarmglocken, erklingt tosender Beifall, wenn auf Sätze wie diesen ein Ohrfeigengewitter für den mobbenden Mob folgt, und Hwa-jin von „Teach You a Lesson“ zum coolen Typen erkoren wird, der endlich ausspricht, was sich angeblich niemand zu sagen traut. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs – das Problem nämlich liegt deutlich tiefer. Die Realverfilmung des gleichnamigen Web-Toons interessiert sich kaum für Ursachen, Prävention und strukturelle Lösungen. Sie erkennt zwar korrekt, dass Mobbing, Korruption und Machtmissbrauch existieren. Doch aus dieser Diagnose entwickelt sie eine erschreckend simple Antwort: Mehr Gewalt.

Der große Denkfehler von „Teach You a Lesson“
Schüler dürfen keine Macht ausüben. Lehrer offenbar schon – und selbst wenn das so wäre: Hwa-jin ist kein Pädagoge. Nicht einmal ein Ermittler. Er ist „The Punisher“ mit Stundenplan. Ein Rächer im Lehrerzimmer, der jedes gesellschaftliche Problem mit derselben Methode beantwortet: härter zuschlagen – und „Teach You a Lesson“ verpackt uns das mit besonders irritierendem Tonfall. Die Serie zeigt ihre körperlichen Übergriffe mit einem schnippischen Humor, der ständig signalisiert, wie befriedigend das alles sein soll. Wenn Demütigungen verteilt werden, feiert die Inszenierung jeden Treffer wie den Höhepunkt einer Actionkomödie. Das Publikum soll jubeln, wenn Menschen erniedrigt werden. Natürlich gibt es viele Geschichten über Gewaltfantasien. „Taxi Driver“, „Joker“ oder andere Werke über gebrochene Rächer sind dafür bekannte Beispiele. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass diese Figuren selten als moralische Vorbilder präsentiert werden. Ihre Gewalt ist Teil des Problems. In „Teach You a Lesson“ ist sie die Lösung. „Teach You a Lesson“ kennt solche Zweifel kaum. Hier sind die Guten die Guten. Und wenn die Guten zuschlagen, dann ist das gut.

Noch fragwürdiger wird das Ganze durch die emotionale Manipulation, mit der „Teach You a Lesson“ arbeitet. Bereits in der ersten Episode reihen sich die tragischen Schicksale, die das Drehbuch mit aller Kraft auf die Tränendrüse der Zuschauerschaft presst, bis auch der letzte Schatten der Grauzone verschwunden ist. Die Botschaft lautet stets dieselbe: Seht nur, wie schrecklich diese Menschen sind. Wollt ihr wirklich noch diskutieren, ob man hart gegen sie vorgehen sollte? Ja. Genau das sollte man. Denn eine Gesellschaft beweist ihre Werte nicht daran, wie sie mit den Guten umgeht, sondern wie sie mit den Schlechten umgeht. Doch was „Teach You a Lesson“ daraus macht, ist eine erschreckend primitive Fantasie über Autorität. Eine Serie, die komplexe soziale Probleme erkennt, um anschließend Lösungen vorzuschlagen, die irgendwo zwischen Stammtischparole und Rohrstockpädagogik liegen. Für manche mag sich das wohl Katharsis anfühlen. Für alle anderen eher wie ein Rückfall. Und irgendwann stellte sich tatsächlich eine ganz andere Frage: Ist diese Serie wirklich in Südkorea entstanden? Bei diesem Weltbild hätte man sie deutlich weiter nördlich verortet.

Fazit
Sechs, setzen! „Teach You a Lesson“ erkennt die richtigen Probleme, zieht daraus aber die falschen Schlüsse. Zwischen Mobbingdrama, Selbstjustizfantasie und Rohrstockpädagogik verliert die Netflix Serie ihre moralische Orientierung und verwechselt Gewalt mit Gerechtigkeit.


