Office Romance
| Titel | Office Romance |
| Genre | Romanze, Komödie |
| Jahr | 2026 |
| FSK | 12 |
| Regie | Ol Parker |
Starttermin: 05.06.2026 | Netflix
Netflix sucht die Liebe am Arbeitsplatz
Catfishing, belanglose Bargespräche, leergewischte Dating-Apps und die letzten Zuckungen der Freundeskreisverkupplung: Wer 2026 noch nach Liebe sucht, braucht vor allem Geduld. Menschen sitzen einander gegenüber, erzählen zum wiederholten Mal dieselbe Lebensgeschichte und hoffen, dass aus höflichem Interesse irgendwann so etwas wie Schicksal wird. Vielleicht liegt genau darin die Romantik des Arbeitsplatzes. Dort fällt das inszenierte Kennenlern-Theater irgendwann von selbst in sich zusammen. Zwischen Termindruck, Müdigkeit und gereiztem Schweigen bröckelt die Fassade – und darunter erscheint, mit etwas Glück, ein Mensch. Netflix’ „Office Romance“ setzt auf genau diese Idee. Jackie Cruz, gespielt von Jennifer Lopez („The Mother“, „Atlas“), leitet erfolgreich eine Fluggesellschaft. Daniel Blanchflower, gespielt von Brett Goldstein („Ted Lasso“), ist der Unternehmensjurist derselben Firma. Beide arbeiten zusammen, beide kommen einander näher, und bald steht nicht nur ihre Beziehung, sondern auch Jackies berufliche Integrität auf dem Spiel.

Das klingt nach klassischem RomCom-Material: heikle Machtverhältnisse, berufliche Verstrickungen, ein wenig Chaos, dazu Betty Gilpin („American Primeval“) als Vertraute an Jackies Seite. Doch „Office Romance“ findet aus dieser Ausgangslage nichts Eigenes. Schon der Auftakt wirkt bemüht. Jackie und Daniel sitzen in einem Restaurant, allerdings nicht miteinander, sondern bei jeweils misslungenen Dates. Ihr Gegenüber bricht in Tränen aus, sobald die Heimatstadt seiner Exfrau erwähnt wird. Sein Date trinkt zu viel und macht den Abend zunehmend unangenehm. Das soll vermutlich ein schräges kleines Feuerwerk der Peinlichkeit sein, verpufft aber fast sofort. Die Pointen kommen zu früh, zu laut und trotzdem ohne Timing. Man erkennt jeden bemüht platzierten Gag lange bevor er ausgesprochen wird und wartet dann nur noch darauf, dass das Netflix ihn endlich selbst bemerkt. Der Humor wirkt konstruiert, ohne Beobachtung, ohne Rhythmus, ohne jenen kleinen Stich Wahrheit, der selbst einfache Komödien tragen kann.

Wenn die Romantik die Kündigung einreicht
Vor allem aber fehlt „Office Romance“ das Entscheidende: Chemie. Jennifer Lopez und Brett Goldstein stehen nebeneinander, reden miteinander – und doch entsteht kaum etwas, das über kollegiale Höflichkeit hinausgeht. Selbst jene klassische RomCom-Reibung, aus der sich irgendwann Zuneigung entwickeln könnte, bleibt aus. Wo Funken fliegen müssten, herrscht eine seltsam sterile Freundlichkeit. Das Drehbuch behauptet Liebe, aber es zeigt sie nicht. Es schiebt zwei Figuren aufeinander zu und tut dann überrascht, dass kein Funke überspringt. Genau hier liegt das Problem vieler Netflix-Romanzen („Groom & Two Wifes“, „Mango“): Sie erzählen nicht vom Verlieben, sie simulieren es. Gefühle werden wie Pflichtprogrammpunkte gesetzt, alte Tropen aus dem Klischeebaukasten gezogen und so glatt poliert, dass nichts mehr daran hängen bleibt. Alles wirkt überkandiert, glattgezogen, berechenbar – und erstaunlich leblos. Liebe hat hier selten etwas Dringliches oder Unordentliches. Sie ist eine Excel-Tabelle in Gestalt einer Liebesgeschichte. „Office Romance“ fügt sich darin nahtlos ein.

Bei fast zwei Stunden Laufzeit wird diese emotionale Leerstelle zunehmend zur Belastungsprobe – und das selbst für selbst für unverbesserliche Romantikfans. „Office Romance“ wird nicht von seinen Klischees erdrückt, sondern von der Einfallslosigkeit, mit der er sie abarbeitet. Statt scharf geschriebener Wortgefechte gibt es Dialoge ohne Biss, statt temporeicher Missverständnisse nur brav abgearbeitete Situationen, statt heimlicher Blicke lediglich Momente, die kurz so tun, als schlüge im Inneren der leeren Figuren ein Herz. Alles bleibt flach, kontrolliert und seltsam unbeteiligt. Am Ende verlieben sich Jackie und Daniel natürlich trotzdem. Das verlangt das Genre. Nur müsste der Film bis dahin wenigstens eine Ahnung davon vermittelt haben, warum ausgerechnet diese beiden Menschen einander brauchen. Stattdessen wirkt ihre Annäherung wie eine erzählerische Formalität, die irgendwann eben abgehakt werden muss. Es reicht nicht, zwei Figuren lange genug nebeneinanderzustellen, bis der Abspann Mitleid bekommt.

Fazit
„Office Romance“ fühlt sich an wie eine Wordvorlage für romantische Komödien: Die Überschriften sind gesetzt, die Leerstellen brav ausgefüllt, jeder vertraute Baustein sitzt an seinem vorgesehenen Platz. Doch zwischen all den sauber formatierten Gefühlen findet sich kein Herzschlag.


