Odyssey (2025): Kritik zum Film – Auf den Spuren von Safdie, Aronofsky und Co.

Odyssey Film 2025
TitelOdyssey
Genre Thriller
Jahr2025
FSKungeprüft
RegieGerard Johnson

Fantasy Filmfest 2025

Rastlos durch London

Safdie, Aronofsky, Noé – drei Namen, die für Kino als Ausnahmezustand stehen. Bei ihnen gibt es keine bequeme Distanz: Kamera und Zuschauerschaft werden hineingestoßen in fiebrige Nächte, in Obsession, in den Strudel aus Schuld, Sucht, Gewalt. Figuren taumeln, stolpern, treiben vorwärts, unfähig zur Ruhe, immer getrieben von innerem Druck oder äußerem Zwang. Der Rhythmus ist hastig, schmerzhaft, man spürt jede Sekunde das Knistern des drohenden Zusammenbruchs. Es ist Kino der Nähe, des Körpers, der Überforderung. Kein Beobachten, sondern Miterleiden, mitgerissen von Bildern, die wie Schläge wirken. Sie teilen die Faszination für das Chaos, das keine Lösung kennt, nur Intensität. Was bleibt, ist ein Nachhall im Körper, als hätte man selbst diesen Rausch durchlebt. Dass „Odyssey“ in dieselbe Kerbe schlagen möchte, wird schnell deutlich – doch gelingt es dem britischen Thriller wirklich, diesen Ausnahmezustand zu erzeugen?

Odyssey Film
Odyssey ©Kaleidoscope Film Distribution

Und darum geht es…

In London taumelt Natasha Flynn (Polly Maberly) zwischen den glitzernden Fassaden der Immobilienwelt, den scharfen Kanten von Schulden, Drogen und den eigenen, kaum greifbaren Abgründen, die sich unter der Oberfläche ihres Lebens auftun. Als sie in einen perfiden Plan verstrickt wird, einen entführten Kollegen zu verstecken, verschiebt sich ihre Welt, rückt näher an das Chaos der Stadt, an die Unterwelt, die brutal und laut in den Straßen pulsiert. Auf der Suche nach einem alten, gefährlichen Bekannten, „The Viking“ (Mikael Persbrandt), stolpert sie von einer Bedrohung zur nächsten – und verstrickt sich dabei immer tiefer in einer gefährlichen Gratwanderung zwischen Überleben, Moral und Selbstzerstörung.

Zwischen fiebrigem Puls und formelhaften Mustern

„Odyssey“ ist nicht der erste Versuch, den Geist der Safdie-Brüder und Co. aufleben zu lassen, verpackt in ein genretechnisches Gewand, und es ist auch nicht der erste Film dieser Art, der auf dem Fantasy Filmfest gezeigt wird. Schon „MadS“ und „Night Call“ schlugen ein wie eine Bombe, rissen die Zuschauerschaft mit, ließen das Chaos körperlich spürbar werden – jede Szene pulsierend vor fiebriger Energie. „Odyssey“ bedient sich nun derselben technischen Mittel – hektische Handkamera, extreme Weitwinkel, enge Naheinstellungen, ein treibender, dröhnender Synthesizer – doch erreicht der Film niemals die Souveränität seiner Vorbilder. Look und Kamera geben sich alle Mühe, fangen Momente der Nähe ein, jagen durch Räume und Straßen, doch oft bleibt das Bild formelhafter Versuch, die Intensität zu erzwingen, statt sie organisch wachsen zu lassen.

Odyssey Film 2025
Odyssey ©Kaleidoscope Film Distribution

Je tiefer „Odyssey“ in den Abgrund hinabsteigt, überfrachtet sich auch die Geschichte: zu viele Stränge, zu viele Figuren, die Spannung verläuft sich, verpufft in den Momenten, in denen sie eigentlich greifen sollte. Wo der One-Take-Schocker „MadS“ noch in Echtzeit ablief und „Night Call“ und „Good Time“ sich auf eine einzelne Nacht beschränkten, dehnen sich die Ereignisse von „Odyssey“ über mehrere Tage. Bekanntes Gangster– und Noir-Muster wiederholt sich, die Tiefe der Figuren leidet darunter, Charaktere bleiben schemenhaft, und die moralische Ambivalenz verpufft im strukturellen Gewirr. Alles kulminiert schließlich in einer fast schon grotesken Splatter-Eskapade, in der die visuelle Übersteigerung die erzählerische Wirkung verschluckt und die dramaturgische Klarheit endgültig verloren geht. Das macht einerseits Spaß, fühlt sich aufgrund der abrupt wechselnden Tonalität kaum organisch an.

Odyssey Film 2025
Odyssey ©Kaleidoscope Film Distribution

Fazit

„Odyssey“ sucht den Ausnahmezustand, die fiebrige Intensität, den körperlich spürbaren Rausch wie seine Vorbilder – was punktuell, aber nicht über die gesamte Laufzeit hinweg funktioniert.

Bewertung: 3 von 5.
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