Nina: Kritik zum Film – Die Rache einer Frau

Nina Film 2024
TitelNina
Genre Thriller, Drama
Jahr2025
FSKungeprüft
RegieAndrea Jaurrieta

Fantasy Filmfest 2025

Das Echo des Vergangenen

Eine Frau im strömenden Regen. Es ist Nacht. Ihre Mimik spiegelt einen eigenwilligen Mix aus Entschlossenheit, Verzweiflung – Angst. In ihrer Hand hält sie ein Gewehr. Ihr Ziel hat sie längst im Visier. Titeleinblende. „Nina“ – so heißt auch die Protagonistin und sie hat Schreckliches erfahren. Was genau, erfährt das Publikum erst im Laufe der Erzählung. Ein atmosphärischer Auftakt, der Erwartungen weckt: auf ein kompromissloses Drama, einen packenden Rachethriller, vielleicht sogar ein Kinoereignis, das lange nachhallt. Doch je länger die Geschichte sich entfaltet, desto deutlicher wird – „Nina“ ringt darum, die eingangs geweckten Versprechen einzulösen.

Nina Film 2024
Nina ©Filmax

Und darum geht es…

Nach dreißig Jahren kehrt Nina (Patricia López Arnaiz) in ihr Heimatdorf an der spanischen Küste zurück. Die Straßen wirken vertraut, aber alles andere ist fremd geworden. Hinter der Fassade der kleinen Gemeinde lauern alte Wunden, Erinnerungen an Gewalt und Verrat, die sie nie vergessen hat. Mit einem Gewehr in der Hand verfolgt sie ein einziges Ziel: die Verantwortung für das Leid einzufordern, das ihr widerfahren ist.

Intensität, die sich verflüchtigt

Andrea Jaurrietas Film trägt von der ersten Sekunde an das Versprechen unausweichlichen Kinos in sich. Atmosphärisch dicht, visuell einnehmend, getragen von einer Hauptfigur, deren Schmerz in jedem Blick mitschwingt. Patricia López Arnaiz spielt diese Frau mit stiller Intensität, die einen nicht kalt lässt. Ihr Gesicht erzählt eine Geschichte: stille Trauer, stumme Schreie, der Zorn, der sich wie Gift in den Jahren des Schweigens angestaut hat. Doch so unmittelbar sich das in den ersten Szenen entfaltet, so schnell stellt sich Ernüchterung ein: Die Erzählung kommt einfach nicht von der Stelle – trotz des kunstvollen Spiels mit den Zeitebenen. Rückblenden und Zeitsprünge verschränken Vergangenheit und Gegenwart, erzeugen Momente von Intensität und lösen sie ebenso oft wieder auf. Das Wechselspiel zwischen Erinnerung und Handlung bleibt faszinierend, doch das dramatische Gewicht verflüchtigt sich, bevor es voll zur Wirkung kommt.

Nina Film 2024
Nina ©Filmax

„Nina“ ist ein Rachethriller, aber eben keiner im klassischen Sinn – weil er sich weigert, dem Genre seine vertrauten Regeln aufzuzwingen. Erwartetes wird unterlaufen, Spannungsbögen verschoben, das Muster immer wieder gebrochen. Und doch bleibt die erzählerische Spannung diffus. Rückblenden, Zeitsprünge und das ständige Hin- und Her zwischen Vergangenheit und Gegenwart erzeugen Momente von Intensität, lösen sie aber ebenso oft wieder auf. Die Form ist mutig, das Spiel mit Erwartungen interessant, aber das dramatische Gewicht verflüchtigt sich, bevor es sich entfalten kann. Was bleibt, ist ein Zwitter: ein Film zwischen Neo-Noir, Rachedrama und feministischer Allegorie. Mutig in der Wahl seines Themas, ernsthaft in der Auseinandersetzung mit Machtmissbrauch, Schweigen, patriarchaler Gewalt. Und doch erschreckend monoton. Man sieht, was aus dem Stoff hätte werden können, spürt die Dringlichkeit – und ärgert sich umso mehr, dass er nicht konsequent eingelöst wird. 

Nina Film 2024
Nina ©Filmax

Fazit

„Nina“ erzählt ein leises Rachedrama, kunstvoll in Zeit und Form, visuell eindrucksvoll, doch die Spannung bleibt verhalten, das emotionale Gewicht diffus – sehenswert, aber ambivalent.

Bewertung: 2.5 von 5.
Fantasy Filmfest 2025
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