Mein bester Freund, seine Freundin und ich | Netflix Film – Kritik

Mein bester Freund, seine Freundin und ich Netflix Film 2026

Mein bester Freund, seine Freundin und ich

TitelMein bester Freund, seine Freundin und ich
Genre Komödie
Jahr2026
FSK12
RegieMarco Petry

Starttermin: 14.08.2026 | Netflix

Die ewige Kastrationsangst des deutschen Mannes – jetzt auch auf Netflix

Eben glaubt man noch, im Jahr 2026 angekommen zu sein, da öffnet sich ein Wurmloch und katapultiert einen zurück in eine Zeit, in der Männerfreundschaft noch vor allem aus Bier, dummen Sprüchen und der panischen Angst bestand, eine Frau könnte den besten Kumpel entmannen. Willkommen in den frühen 2000ern. Marco Petrys „Mein bester Freund, seine Freundin und ich“ wirkt wie ein Film, den jemand auf einer alten Festplatte gefunden, entstaubt, digitalisiert und anschließend in frischem HD in den Streamingkosmos des Jahres 2026 geschoben hat. Die Pixel sind neu. Die Vorstellung vom Mann dahinter nicht unbedingt. Denn Männer, die irgendwann die 30 passieren und trotzdem mit aller Gewalt verhindern wollen, dass das Leben plötzlich nach Erwachsensein aussieht, sind schließlich keine seltene Spezies. Peter Pan lässt grüßen. Als fast 37-jähriger Berufsjugendlicher – die Rede ist von mir – ist dieser Impuls sogar durchaus nachvollziehbar. Nur muss man ihn deshalb noch lange nicht so gnadenlos rückwärtsgewandt auf die Leinwand stellen, als hätte Netflix die Verwertungsrechte am immergleichen, belanglosen deutschen Comedyklischee gepachtet.

Mein bester Freund, seine Freundin und ich Netflix Film 2026
Mein bester Freund, seine Freundin und ich ©Netflix

Matze (David Kross) verliebt sich in Rebecca (Janina Uhse) – und plötzlich war es das mit der heiligen Dreifaltigkeit aus High-Werden, Dichtsaufen und bloß nicht erwachsen werden. Die männliche Zivilisation steht am Abgrund. Aus dem kindischen Rebellen ist über Nacht ein echter Langweiler geworden, für den nur noch seine Freundin zählt. Dinge also, die offenbar ausreichen, um beim besten Freund den inneren Katastrophenschutz auszulösen. Olli betrachtet die Veränderung nicht als das, was sie ist: das ziemlich normale Ende einer Lebensphase. Für ihn ist sie eine feindliche Übernahme. Die Frau nimmt den Mann. Der Mann verliert seine Freiheit. Die Männerfreundschaft droht zu sterben – und die Männlichkeit gleich mit. Mario Barth gefällt das! Dabei könnte selbst aus dem abgedroschensten Klischee noch ein bissiger Film entstehen. Einer über Männer, die Freundschaft mit Besitz verwechseln. Über die infantile Angst, dass Erwachsenwerden bereits Verrat bedeutet. Über Menschen, die lieber eine Frau zum Feind erklären, als zu akzeptieren, dass der beste Freund irgendwann ein eigenes Leben bekommt. Dafür müsste das Klischee allerdings irgendwann unter seinem eigenen Gewicht zusammenbrechen. „Mein bester Freund, seine Freundin und ich“ tut das nicht. Stattdessen spaziert das Netflix Original selbstbewusst und erstaunlich ahnungslos durch die Gegenwart, als hätte es unterwegs vergessen, dass genau diese Witze bereits vor zwanzig Jahren einen Bart(h) hatten. Und so landet es im Jahr 2026, als wäre seitdem nichts passiert. 

Filmpodcast Netflix

Wenn die Männerwelt aus den Fugen gerät 

Sich an alte Kumpels zu klammern, ist oft nur die bequemste Ausrede dafür, nicht endlich selbstständig werden zu müssen. Das wäre eigentlich eine ziemlich brauchbare Botschaft. Im Fall von „Mein bester Freund, seine Freundin und ich“ verkommt diese Erkenntnis jedoch zu einer plakativen, plumpen und am Ende gar nicht mal so smarten, geschweige denn lustigen Farce, die ungelenk Richtung anarchischem Klamauk schielt und sich dennoch stets wie eine durch und durch deutsche Komödie anfühlt. Es wirkt fast so, als hätte Marco Petry („Eat Pray Bark“) versucht, den grenzüberschreitenden Wahnsinn der Farrelly-Brüder („Driver’s Ed“, „Balls Up“) oder den absurden Exzess eines Will Ferrell („The Hawk“) in das biedere Korsett des deutschen Vorabendprogramms zu zwängen. Heraus kommen Drogen-Gags, Fäkalhumor und künstlich eskalierte Situationen, die sich aneinanderreihen wie die feuchten Fantasien eines alternden weißen Produzenten, der sich lebhaft ausmalt, wie die „jungen Leute“ heute wohl über die Stränge schlagen, ohne in seinem eigenen Leben auch nur ein einziges Mal an einem Joint gezogen zu haben. 

Mein bester Freund, seine Freundin und ich Netflix Film 2026
Mein bester Freund, seine Freundin und ich ©Netflix

So wenig die Netflix Produktion zu begreifen scheint, was eine Männerfreundschaft überhaupt zusammenhält, so wenig Verständnis zeigt sie für Beziehungen und die Menschen, die sie da eigentlich beobachten will. Aber immerhin ist es irgendwann nicht mehr nur die männliche Idiotie, die sich entfalten darf, und mit Rebeccas zunehmender Konterbereitschaft im sich entfachenden Kleinkrieg mit Olli hält auch die geschlechterübergreifende Peinlichkeit Einzug ins Drehbuch. Das Fass, wer hier eigentlich toxischer ist, muss gar nicht erst aufgemacht werden – dass weder Ollis Freundschaft zu Matze noch Rebeccas Beziehung zu ihm auch abseits dieses Verhaltens überhaupt glaubwürdig sind, reicht völlig. Warum kann Olli Matze nicht loslassen? Ist Rebeccas Liebe stark genug, um die Strapazen zu überstehen? Fragen, die sich stellen ließen, aber gar nicht erst aufkommen. Warum irgendjemand von den dreien dem anderen wirklich etwas bedeutet – das ist angesichts dieser unglaubwürdigen Chemie die einzige Frage, die sich aufdrängt. Ob als Freundschaft oder als große Liebe – man nimmt es diesem Dreiergespann schlicht nicht ab. David Kross, Kostja Ullmann und Janina Uhse spielen schließlich beinahe um die Wette, wer am wenigsten wie ein echter Mensch wirken darf. Die Chemie zwischen ihnen ist so aufgesetzt, dass man sich irgendwann fragt, ob die drei überhaupt miteinander gespielt haben. Und sind wir ehrlich: Man hätte hier auch Albrecht Schuch, Franz Rogowski und Paula Beer besetzen können. Wer sich in so einem Drehbuch bewegen muss, kann nur scheitern.

Mein bester Freund, seine Freundin und ich Netflix Film 2026
Mein bester Freund, seine Freundin und ich ©Netflix

Fazit

„Mein bester Freund, seine Freundin und ich“ hat alles, was eine deutsche Männerkomödie braucht: Bier, Krawall, Kastrationsangst – und leider kaum einen guten Witz. 

Bewertung: 1 von 5.
Amazon Filme Blu-ray

Das könnte Dich auch Interessieren!