AnyMart | Film – Kritik: Kundenservice kann tödlich sein

AnyMart Film 2026

AnyMart

TitelAnyMart
Genre Horror, Komödie
Jahr2026
FSKungeprüft
RegieYusuke Iwasaki

Fantasy Filmfest 2026

Ihre Zufriedenheit ist unser Untergang

Es ist kein Zufall, dass bereits George A. Romero in seinem Klassiker „Dawn of the Dead“ ein Einkaufszentrum zum Schauplatz einer Zombie-Apokalypse werden ließ. Schon damals diente es als scharfe Satire auf die Konsumgesellschaft. Und auch in der heutigen Zeit, in der der Spätkapitalismus herrscht und Arbeitskräfte immer austauschbarer werden, eignet es sich noch immer hervorragend als Kulisse für fiese Horrorgeschichten. Regisseur Yusuke Iwasaki („Zom 100: Bucket List of the Dead“) verziert sein Blutbad dabei mit einer Prise Drama und derbem Humor.

AnyMart Film 2026
AnyMart ©NOTHING NEW inc.

Seine schwarze Komödie „Anymart“ wurde bei der Berlinale 2026 mit dem renommierten FIPRESCI-Preis ausgezeichnet und soll nun das Publikum des Fantasy Filmfests 2026 begeistern. Die Geschichte spielt in der fiktiven Supermarktkette „Anymart“, in der Sakai (Shota Sometani) monoton seiner Arbeit nachgeht und, genau wie seine Kollegen, zu aufgesetzter Freundlichkeit gezwungen wird. Das ändert sich, als die neue Kollegin Ogawa (Erika Karata) anfängt und das geordnete System zunehmend ins Chaos abdriftet.

Immer freundlich. Immer lächeln. Immer leiden.

In seiner kleinen Videobotschaft vor der Filmvorführung sagt Iwasaki, dass jeder für sich selbst entscheiden müsse, ob „Anymart“ ein Horrorfilm oder eine Komödie ist. Wenn man aber jemals auch nur in irgendeiner Art und Weise im Kundenservice gearbeitet hat, ist die Antwort eindeutig: Horror. Man kann sogar fast so weit gehen und behaupten, dass „Anymart“ einer der unheimlichsten Filme des diesjährigen Fantasy Filmfests ist. Nicht wegen Geistern oder Unmengen an Blut, sondern weil er sich in seiner Darstellung der Arbeitswelt einfach verdammt real anfühlt. Der eintönige Alltag, die aufgesetzte Höflichkeit gegenüber unverschämten Kunden oder auch die verdammt unsinnigen Regeln der Geschäftsführung. Diese Realität ist es, die Iwasakis Film so dermaßen unangenehm macht.

AnyMart Film 2026
AnyMart ©NOTHING NEW inc.

Kleinigkeiten wie ein zu lange aufrechterhaltenes falsches Lächeln oder der Supermarkt-Jingle, der sich immer und immer wiederholt, werden zur Zerreißprobe für die Nerven. Die Anspannung steigt und steigt, bis hin zur unvermeidlich blutigen Eskalation. Und die bitterste Wahrheit von allen ist, wie schnell man sich selbst und seine Träume in einem undankbaren Servicejob verlieren kann, weil man aus Bequemlichkeit und der Hoffnung auf Besserung daran festhält. Iwasaki, dessen Vater selbst einen Supermarkt besitzt, weiß das nur zu gut, und das spürt man in der Authentizität des Films. Ab und an tanzt einem die Botschaft etwas zu sehr und zu offensichtlich auf der Nase herum, das macht sie aber kaum weniger effektiv. Nach diesem Film überlegt man sich zweimal, ob man am nächsten Tag nicht einfach seine Kündigung einreichen sollte.

AnyMart Film 2026
AnyMart ©NOTHING NEW inc.

Fazit

„Anymart“ ist eine bitterböse Mischung aus schwarzem Humor, Sozialkritik und blutigem Horror, die gerade durch ihre erschreckende Nähe zur Realität funktioniert. Yusuke Iwasaki verwandelt den eintönigen Arbeitsalltag in einen immer nervenaufreibenderen Albtraum und zeigt dabei mit viel Gespür, wie schnell Frust, Anpassung und Perspektivlosigkeit eskalieren können. Ein bissiger und unangenehm authentischer Horrortrip, nach dem man den eigenen Job vielleicht mit etwas anderen Augen betrachtet.

Bewertung: 3.5 von 5.
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