The Hawk | Netflix Serie – Kritik: Der nackte Größenwahn auf dem Grün 

The Hawk Netflix Serie 2026

The Hawk

TitelThe Hawk
Genre Komödie
Jahr2026
FSK12
CreatorWill Ferrell, Harper Steele, Chris Henchy

Starttermin: 16.07.2026 | Netflix

Netflix schickt Will Ferrell auf den Golfplatz 

Rennfahrer, Eiskunstläufer, Basketballspieler – und jetzt auch Golfer. Will Ferrell wechselt die Sportart wie andere ihre Unterwäsche, doch der anarchistische Humor bleibt derselbe. Seine Figuren verbindet weniger das Talent als der unerschütterliche Glaube an die eigene Größe. Ob Titelheld Ricky Bobby in „Ricky Bobby – König der Rennfahrer“, Chazz Michael Michaels in „Die Eisprinzen“ oder Jackie Moon in „Semi-Pro“: Ferrell erschafft Männer, die aus jedem Wettbewerb eine Bühne für ihr Ego machen. Hinter dem absurden Größenwahn steckt dabei immer auch eine überraschend menschliche Note. Seine Helden scheitern, fallen hin und blamieren sich – nur um im nächsten Moment wieder mit derselben Selbstüberschätzung aufzustehen. Mit der achtteiligen Netflix Original Serie „The Hawk“ führt Ferrell dieses Prinzip nun auf dem Golfplatz fort. Der Sport mag sich ändern, doch der eigentliche Gegner bleibt derselbe – die eigene maßlose Selbstüberschätzung.

The Hawk Netflix Serie 2026
The Hawk ©Netflix

Im Mittelpunkt steht dabei Lonnie „The Hawk“ Hawkins, ein ehemaliger Golf-Superstar, dessen glanzvolle Zeiten längst der Vergangenheit angehören. Einst als unaufhaltsame Nummer eins der Welt gefeiert, kämpft der alternde Champion nun darum, noch einmal an die Spitze zurückzukehren. Während die jüngere Generation längst seinen Platz eingenommen hat, weigert sich Hawkins, das Ende seiner Karriere zu akzeptieren. Sein Ziel ist nicht weniger als der letzte große Triumph: der Gewinn des einzigen Majors, das ihm noch zum perfekten Vermächtnis fehlt. Doch auf dem Weg dorthin muss er nicht nur gegen die Konkurrenz auf dem Grün antreten, sondern auch gegen seine eigene Vergangenheit – und gegen seinen entfremdeten Sohn, der mittlerweile selbst zu den größten Talenten des Golfsports gehört. 

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Warum „The Hawk“ ein absolutes Hole-in-one für alle Ferrell-Fans ist

Filmkritik war wohl selten so subjektiv wie bei Will Ferrell. Wer seinen speziellen Humor liebt, bewertet seine Werke weniger nach klassischen Maßstäben, sondern eher danach, wie nah sie an den Höhepunkten seiner Karriere liegen. Ist „The Hawk“ ein neuer „Anchorman“ oder doch eher dieser eine Sherlock-Film mit John C. Reilly, dessen Titel Fans gerne vergessen, der aber trotzdem noch den unverwechselbaren Ferrell-Wahnsinn in sich trägt? Für seine Kritiker hingegen bewegen sich seine Filme häufig irgendwo zwischen unerträglich und geschmacklos. Ferrell polarisiert wie kaum ein anderer Komiker seiner Generation. Sein überdrehter, anarchischer Stil kennt kaum Zwischenstufen: Man muss ihn einfach lieben – oder hassen. Wer also zur ersten Gruppe gehört, wird an „The Hawk“ kaum vorbeikommen. Denn auch wenn Will Ferrell seinen Humor inzwischen etwas anders einsetzt, steckt die Serie noch immer voller dieser unverkennbaren Ferrell-DNA. Der ganz wilde, völlig entfesselte Klamauk aus „Die Eisprinzen“ oder „Ricky Bobby – König der Rennfahrer“ ist zwar etwas in den Hintergrund gerückt, doch die Grundlage bleibt dieselbe: Männer, die sich selbst für größer halten, als sie tatsächlich sind, und deren Selbstüberschätzung regelmäßig mit der Realität kollidiert. Gleichzeitig merkt man Ferrell aber auch an, dass er älter geworden ist. Nicht im negativen Sinne. Vielmehr hat sich sein Humor weiterentwickelt. Bereits in seinen vergangenen Projekten wurde deutlich, dass neben dem absurden Chaos immer häufiger auch eine herzlichere Seite Platz findet. Seine Figuren dürfen inzwischen nicht mehr nur peinlich, laut und völlig überdreht sein, sondern auch menschlich.

The Hawk Netflix Serie 2026
The Hawk ©Netflix

Genau das gilt auch für Lonnie „The Hawk“ Hawkins. Natürlich bleibt er eine klassische Ferrell-Figur. Da gibt es weiterhin die völlig absurden Momente, den Tanga-Blitzer auf dem Golfplatz oder den unfassbar typischen Ferrell-Moment, in dem er nach dem Tod seines besten Freundes einfach dessen kompletten materiellen Habseligkeiten an sich nimmt. Es ist albern. Es ist drüber. Es wird ausgereizt bis zum Ende. Und genau deshalb funktioniert es. Doch hinter diesem Quatsch steckt diesmal eben auch eine Figur, die nicht nur gewinnen möchte, sondern mit den Konsequenzen ihrer eigenen Entscheidungen leben muss. Hawkins hat seine Karriere immer an erste Stelle gesetzt und muss nun feststellen, dass sein Sohn längst an ihm vorbeigezogen ist. Während er weiterhin davon träumt, noch einmal ganz oben zu stehen, entsteht gleichzeitig der Wunsch, diese verlorene Nähe wieder aufzubauen und als Vater endlich das nachzuholen, was er jahrelang verpasst hat. Diese Mischung macht „The Hawk“ so charmant. Die Serie bleibt eine Will-Ferrell-Komödie mit all dem Unsinn, den man von ihm erwartet, aber sie gibt ihren Figuren eben auch ein Herz. Und genau diese Balance funktioniert erstaunlich gut. Die Gagdichte ist vielleicht nicht ganz so hoch wie bei Ferrells größten Klassikern. Aber wenn die Netflix Serie eine Pointe auspackt, dann sitzt sie auch. 

The Hawk Netflix Serie 2026
The Hawk ©Netflix

Fazit

Mit “The Hawk” liefert Netflix eine spritzige, unterhaltsame und überraschend herzliche Komödie, die genau das liefert, was man von Will Ferrell sehen möchte: absurde Situationen, große Gesten und einen Hauptdarsteller, der auch nach all den Jahren noch genau weiß, wie man aus Selbstüberschätzung Comedy macht. Wer mit seinem Humor bisher nichts anfangen konnte, wird allerdings auch diese Serie kaum zum Fan machen.

Bewertung: 3.5 von 5.
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