| Titel | Ich vermisse dich |
| Genre | Krimi, Thriller |
| Jahr | 2024 |
| FSK | 16 |
| Regie | Victoria Asare-Archer |
Starttermin: 01.01.2025 | Netflix
Der nächste Harlan Cobe-Krimi im Kreuzverhör
Im Jahr 2018 sicherte sich Netflix die Rechte an sage und schreibe 14 Romanen von Harlan Coben – ein Deal, der nicht nur dem Bestsellerautor einen beachtlichen finanziellen Gewinn bescherte, sondern der Plattform zugleich eine nahezu unerschöpfliche Quelle an Kriminalgeschichten eröffnete. Bleibt nur die Frage, ob dieser wirtschaftlich motivierte Pakt auch einen tatsächlichen Mehrwert für die Abonnent*innen bietet. In Anbetracht des erfolgreichen Starts von “In ewiger Schuld” vor knapp einem Jahr, fehlt es jedenfalls nicht an neugierigen Augen, die mit “Ich vermisse dich” nun eine weitere Kriminalgeschichte aus der Feder Cobens zu sehen bekommen.

Und darum geht es…
Elf Jahre sind vergangen, doch für Detective Kat Donovan (Rosalind Eleazar) fühlt es sich an wie gestern. Der Schmerz des Verschwindens ihres Verlobten Josh (Ashley Walters) hat sich tief in ihre Seele gegraben. Eines Abends, während sie ziellos durch eine Dating-App scrollt, bleibt ihr Blick abrupt hängen. Ein Gesicht aus der Vergangenheit – Joshs Gesicht. Die Entdeckung ist ein Schock, aber auch ein Funke, der alte Wunden aufreißt und unbeantwortete Fragen laut werden lässt. Was geschah damals wirklich mit Josh? Warum taucht er jetzt wieder auf? Und was hat sein Verschwinden mit dem ungelösten Mord an ihrem Vater zu tun?

Unser Fazit nach den ersten beiden Episoden
Quantität statt Qualität. Ein Vorwurf, den sich der Streaminggigant mit dem roten N bereits mehr als nur einmal stellen musste – und sich mit Sicherheit noch viele weitere Male stellen muss. Ein mehr als zwei Dutzend Werke umfassendes Mega-Geschäft wie der Harlan Coben-Deal scheint jedenfalls ein klares Indiz darauf zu sein, dass es sich Netflix mit der Beschaffung neuer Geschichten möglichst einfach machen möchte. Und siehe da: Nach der Sichtung der ersten beiden Episoden der Krimiserie “Ich vermisse dich” lässt sich diese These wenig überraschend und dafür umso energischer bejahen. Der verzwickte Kriminalfall, eng verwoben mit der traumatischen Vergangenheit einer persönlich motivierten Ermittlerin, rastlos erzählt, stets bedacht mit der nächsten Enthüllung das Publikum zum Dranbleiben zu bewegen, erfüllt einfach jedes alles, was das abgestumpfte Bing Watching-Gehirn befriedigen dürfte.

“Ich vermisse dich” ist wie Malen-nach-Zahlen. Streng nach dem Handbuch des Krimi-Einmaleins erzählt, dadurch frei von kreativen Einflüssen und cineastischen Mehrwert, einzig und alleine dafür ausgelegt den Sehgewohnheiten des Publikums zu entsprechen. Mit Dialogen, die den Plot mehr vorantreiben, als das, was sich tatsächlich auf dem Bildschirm abspielt. Mit Wendungen, die das oberflächlich gezeichnete Figurenbild kaschieren sollen und über erzählerische Unzulänglichkeiten hinwegtäuschen sollen. “Ich vermisse dich” ist dadurch nicht etwas langweilig oder nervtötend, sondern einfach nur beliebig und mit Sicherheit schneller wieder vergessen, als man Bing Watching sagen kann. Als seelenloser Aufguss bekannter Genrekonventionen kurzfristige Befriedigung. Krimi-Fast-Food eben. Kann schmecken für den Moment, aber mit der Zeit braucht das ausgemergelte Kreativzentrum dann doch wieder richtige Nahrung. Etwas, mit dem der Harlan Coben-Deal bisweilen nicht dienen kann – und es vermutlich auch gar nicht will.

Prognose
Für den schnellen Hunger: “Ich vermisse dich“ verspricht austauschbaren Krimi-Fast-Food ohne Tiefgang – schnell konsumiert, schnell vergessen, und absolut belanglos!

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