Die mexikanische Antwort auf „Stand by Me„?
Inmitten der bunten Gassen und den rauen, maskulinen Strukturen Mexikos existiert eine Kultur, die alle Normen sprengt: die der Muxen. Diese in der Region Oaxaca verwurzelte Tradition ehrt Menschen, die weder Mann noch Frau sind, sondern beides zugleich oder nichts davon – ein drittes Geschlecht. Während anderswo die Geschlechtsidentität als Kampffeld verstanden wird, ist es hier die weiche Akzeptanz, die inmitten der Machokultur erblüht. Muxen sind Teil der Geschichte Oaxacas, genauso wie die Trachten und das Make-up, das sie tragen. Vielleicht ist es ein leiser Triumph der Individualität über das Statische, ein Zeichen, dass Tradition und Offenheit nicht immer Gegensätze sein müssen, sondern ein harmonisches Fest des Seins, wenngleich diese Akzeptanz nicht von jedem geteilt wird, wie die Netflix Original Serie “Das Geheimnis des Flusses” zeigt…
Und darum geht es…
Oaxaca, Mexiko: Als Erik (Diego Calva) und Manuel (Mauro Guzmán) das erste Mal aufeinander treffen, sind sie noch skeptisch. Während Erik eigentlich nur Baseball, Mädchen und Abenteuer im Kopf hat, interessiert sich Manuel weniger für klassischen Jungskram. Der Schüler ist vom Lebensstil der Muxen, also einer Gruppe von Personen des dritten Geschlechts, die bereits seit vielen Jahren Teil der Kultur der Zapoteken sind. Dass Manuel anders ist als viele Kinder in seinem Alter stößt jedoch nicht nur auf Gegenliebe und so kommt es zu einem tragischen Vorfall, der die beiden ungleichen Freunde unzertrennlich zusammenschweißt – auch 20 Jahre später noch, als sie sich wiedertreffen!

Unser Fazit nach den ersten beiden Episoden
Die Dramaserie “Das Geheimnis des Flusses”, die es seit gestern auf Netflix zu streamen gibt, umfasst acht Episoden und ist nach “Wir waren Könige” und “Das Unglück” bereits die dritte mexikanische Netflix Produktion innerhalb weniger Wochen. Anders als den vorangegangenen, nahezu ausschließlich aus melodramatischem Kitsch und trivialen Storyelementen zusammengeschusterten Streaming Originals, gelingt es dieser Coming-of-Age-Geschichte Made in Mexiko, sich von ähnlichem Ballast losgelöst, zu einem überraschend vielschichtigen Porträt jugendlicher Selbstfindung zu entwickeln. Mit dem kulturellen Hintergrund der größtenteils in Oaxacas ansässigen Gruppe der Muxen und einem angenehm validen Blick auf das Thema Sexualität und Geschlechtsidentität erblüht daraus eine warmherzige Geschichte über Freundschaft, Zusammenhalt und Akzeptanz.

Dass “Das Geheimnis des Flusses” das Rad nicht neu erfindet und weder inszenatorisch noch dramaturgisch aus der Masse an identitätslosen Netflix Original Serien heraussticht, ist nicht weiter schlimm. Wenn nach einer, für die mexikanische Serienlandschaft wohl obligatorischen Melodramatik begleiteten Eröffnungsszene, in Sachen Pathetik ordentlich zurückgeführt wird, um stattdessen ein feinstrafiertes Bild jugendlicher Freundschaft zu porträtieren, zeigt sich das wahre Potenzial der Serie. Es entsteht eine intime, glaubwürdige Erzählung, die ohne große Effekthascherei auskommt und sich auf die innere Entwicklung der Figuren konzentriert. Angereichert, um eine gute Portion “Stand by me”-Charme entfaltet sich eine Geschichte, die trotz bekannter Motive erfrischend ehrlich und berührend wirkt. Nicht neu, aber anders…

„Das Geheimnis des Flusses“ ab dem 09.10.2024 exklusiv auf Netflix streamen!


