Wenn das Monster nicht allein im Versteck liegt
In Mari Asatos psychologischem Thriller-Drama „Under Your Bed“ taucht das Publikum in die Tiefen eines kranken Geistes ein, um wenig später schockiert festzustellen, dass es sich bei dieser Person tatsächlich um das weitaus geringere Übel im Leben einer unterdrückten Frau handelt. Das ist eine unbequeme Ausgangslage, weil der Film seine Perspektive ausgerechnet an eine Figur bindet, die selbst Täter ist: ein Stalker, ein Eindringling, ein Mann, der Nähe nicht leben kann und sie sich deshalb heimlich nimmt. Doch „Under Your Bed“ dreht diese moralische Unruhe nicht in ein einfaches Thriller-Spiel, sondern in eine noch düsterere Richtung.

Naoto lebt einsam und isoliert. Schon als Kind wurde er übersehen, von seiner Mutter kaum geliebt und von anderen Menschen ignoriert. Heute betreibt er ein Aquarium-Geschäft und hält seine Kontakte auf ein Minimum beschränkt. Nur eine Erinnerung lässt ihn nicht los: Chihiro, eine Frau, die ihm Jahre zuvor als Einzige seinen Namen gesagt und damit für einen kurzen Moment das Gefühl gegeben hat, überhaupt zu existieren. Seitdem verfolgt Naoto sie, beobachtet ihr Leben und dringt heimlich in ihre Wohnung ein. Als er eines Nachts unter ihrem Bett liegt, wird er Zeuge der brutalen Gewalt, die Chihiro durch ihren sadistischen Ehemann erleidet.

Japanischer Psychothriller zwischen Ohnmacht und Ekel
„Under Your Bed“ macht es seinem Publikum von Anfang an nicht gerade leicht. Das Gefühl von Ohnmacht, selbst nicht einschreiten zu können und als stiller Beobachter mit einer ähnlich benommenen Teilnahmslosigkeit wie die Hauptfigur Naoto die gezeigten Torturen ertragen zu müssen, ist einerseits nervenaufreibend und bedrückend, fühlt sich dabei aber oft auch einfach nur falsch an. „Under Your Bed“ geht an die Grenzen und macht wütend – nur eben auch auf eine unangenehme Art. Gerade diese Zuschauerposition ist schwer auszuhalten. Man blickt durch die Augen eines Mannes, der längst jede Grenze überschritten hat, und wird trotzdem mit einer Gewalt konfrontiert, die ihn im direkten Vergleich fast klein wirken lässt. Ein sauberer moralischer Boden entsteht dabei nie. Genau das ist die Stärke, aber auch das Problem des Films.

Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Kei Ôishi erzählt „Under Your Bed“ eben keine klassische Geschichte von Gut und Böse, sondern ergötzt sich regelrecht an den niedersten Formen des Menschseins. Auch wenn das psychologische Drama sicher keine voyeuristischen Absichten verfolgt, hinterlässt das Fernbleiben von jeglicher nachvollziehbarer Menschlichkeit in Verbindung mit der expliziten sexuellen Gewalt ein sprichwörtliches Geschmäckle. Das haben ähnlich ausgerichtete Filme trotz zügelloser Brutalität und menschenverachtender Handlungen schon deutlich pietätvoller abgebildet. Mari Asato inszeniert das Leid mit einer Kälte, die Wirkung zeigt, aber nicht immer reflektiert genug wirkt. Dadurch bleibt

Fazit
Schwere Kost aus Japan: „Under Your Bed“ ist ein verstörender Psychothriller über Einsamkeit, Stalking und häusliche Gewalt. Intensiv, bedrückend und konsequent unangenehm – aber in der Darstellung sexueller Gewalt auch grenzwertig und nicht immer pietätvoll.

