The Mongoose
| Titel | The Mongoose |
| Genre | Thriller, Action |
| Jahr | 2026 |
| FSK | 12 |
| Regie | Mark Vanselow |
Starttermin: 04.11.2026| Prime Video
Liam Neeson macht Liam Neeson-Sachen – nur anders
Liam Neeson und Jason Statham haben erstaunlich viel gemeinsam. Dabei könnten ihre schauspielerischen Werdegänge unterschiedlicher kaum sein. Während sich Neeson einst als ernstzunehmender Charakterdarsteller einen Namen machte, verdiente Statham seine ersten großen Meriten als großmäuliger Ganove in den herrlich pulpigen Gangsterkomödien von Guy Ritchie. Heute genügt es allerdings, einen beliebigen Trailer ihrer jüngsten Actionfilme gesehen zu haben, um auch die nächsten fünf zu kennen. Ein grimmiger Gesichtsausdruck, ein paar gebrochene Knochen, reichlich Schießereien und irgendein austauschbarer Bösewicht, der sich ausgerechnet mit dem falschen Mann angelegt hat. Die einzige wirkliche Überraschung ist häufig der Schriftzug, der am Ende eingeblendet wird. Dass sich diese Filme mittlerweile kaum noch voneinander unterscheiden, wäre halb so schlimm, wenn sie wenigstens etwas taugen würden. Doch aus dem einstigen Charakterdarsteller und dem charismatischen Sprücheklopfer sind zwei ausgesprochen zuverlässige Lieferanten erschreckend langweiliger Actionkost geworden. Umso bemerkenswerter, dass Statham unter Ritchies Regie auch heute noch immer wieder richtig unterhaltsam sein kann und Neeson in den wenigen anspruchsvolleren Rollen, die ihm noch geblieben sind, daran erinnert, was für ein hervorragender Schauspieler in ihm steckt. Was das alles mit „The Mongoose“ zu tun hat? Erstaunlich wenig. Denn ausgerechnet der neue Amazon-Actionthriller lässt sich keiner dieser beiden Kategorien zuordnen. Qualitativ parkt er irgendwo dazwischen. Kein großer Wurf, aber auch längst kein weiterer Tiefpunkt der Neeson’schen Fließbandproduktion. Einfach solide Unterhaltung. Dass sich das mittlerweile beinahe wie ein Befreiungsschlag anfühlt, sagt vermutlich mehr über die vergangenen Jahre als über den Film selbst.

Ryan „Fang“ Flanagan (Liam Neeson) hat seinem Land als hochdekorierter Elitesoldat jahrelang treue Dienste geleistet. Zurück im zivilen Leben gestaltet sich die Rückkehr in einen halbwegs gewöhnlichen Alltag allerdings schwierig. Die traumatischen Erfahrungen seiner Einsätze verfolgen ihn ebenso hartnäckig wie die Erinnerungen an seine gescheiterte Ehe mit Tara (Marisa Tomei). Als diese nach Misshandlungen durch ihren neuen Lebensgefährten Todd (Brett Tucker) im Krankenhaus landet, verspricht Ryan ihr, die Angelegenheit friedlich zu regeln. Eigentlich möchte er lediglich ihre persönlichen Sachen aus der gemeinsamen Wohnung holen. Eine Entscheidung mit verhängnisvollen Konsequenzen. Dort angekommen, wird er von Todd überrascht und unvermittelt angegriffen. Ryan setzt sich zur Wehr, wobei sein Angreifer ums Leben kommt. Besonders verhängnisvoll ist dabei, dass Todd ein einflussreicher Mann mit besten Verbindungen zur örtlichen Polizei ist. Statt sich den Behörden auszuliefern, steigt der ehemalige Soldat in einen Shelby Mustang und ergreift die Flucht. Was zunächst wie ein verzweifelter Versuch aussieht, einer ungerechtfertigten Verurteilung zu entgehen, entwickelt sich bald zu einer landesweiten Verfolgungsjagd. Während Major Walter Pope (Michael Chiklis) sämtliche verfügbaren Polizeikräfte mobilisiert, erhält Ryan Unterstützung von seinem ehemaligen Kameraden Tanker (Ving Rhames) und zahlreichen anderen Veteranen. Selbst die US-amerikanische Bevölkerung beginnt, mit dem Flüchtigen zu sympathisieren, dessen spektakuläre Flucht inzwischen zum medialen Großereignis geworden ist. Ein Kriegsheld auf der Flucht vor seinem eigenen Land. Viel amerikanischer lässt sich eine solche Geschichte wohl kaum erzählen.

„The Mongoose“ gerät ins Schleudern zwischen Asphaltromantik und US-Heldenkitsch
Hätte man vor zwanzig Jahren behauptet, dass einer der besten Liam-Neeson-Filme seit langer Zeit gerade einmal zweieinhalb von fünf Sternen verdient, wäre das vermutlich mit herzhaftem Gelächter quittiert worden. Heute fühlt sich „The Mongoose“ beinahe wie eine kleine Offenbarung an. Und das liegt ausgerechnet an einer Eigenschaft, die man in einem Actionthriller über einen flüchtigen Kriegsveteranen kaum erwarten würde. Was Amazon Prime Video hier liefert, ist unglaublich herzlich. Zwischen quietschenden Reifen, heulenden Polizeisirenen und den obligatorischen Explosionen verbirgt sich eine Geschichte, die vor menschlicher Zuneigung geradezu übersprudelt. Das mag angesichts des ausgeprägten US-amerikanischen Heldenpathos zunächst befremdlich wirken. Schließlich gehört die beinahe religiöse Verehrung militärischer Verdienste zu den fragwürdigeren Eigenheiten einer Gesellschaft, die ihren Veteranen gerne Denkmäler errichtet, während deren tatsächliche Probleme unbeachtet bleiben. Genau diese Doppelmoral hat „The Mongoose“ durchaus im Blick, auch wenn seine Antwort darauf amerikanischer kaum ausfallen könnte. Für ihr Land dürfen Soldaten alles geben, nach ihrer Rückkehr müssen sie mit den seelischen Trümmern ihrer Einsätze selbst zurechtkommen. Was ihnen die Gesellschaft an Fürsorge schuldig bleibt, versuchen deshalb diejenigen aufzufangen, die denselben Wahnsinn durchlebt haben. Hier genügt die gemeinsame Vergangenheit im Militär, um ein lebenslanges Band zwischen völlig unterschiedlichen Menschen zu knüpfen. Männer, deren Leben eigentlich kaum noch Berührungspunkte aufweist, stehen plötzlich füreinander ein. Wildfremde Veteranen helfen einem flüchtigen Kameraden, weil sie sich ihm allein durch ihre Kriegserfahrungen verbunden fühlen. Und während sich die Unterstützung immer weiter ausbreitet, sitzt man irgendwann vor dem Bildschirm und freut sich tatsächlich über jeden weiteren Menschen, der Ryan auf seiner Reise unter die Arme greift. Natürlich ist das polemisch. Ein patriotisches Gemeinschaftsmärchen, in dem sich die amerikanische Bevölkerung voller Begeisterung hinter einen ihrer größten Helden stellt. Aber ja, es funktioniert. Nicht zuletzt, weil Liam Neeson seiner Figur eine beinahe väterliche Wärme verleiht, die man in seinen jüngsten Actionrollen schmerzlich vermisst hat. Sein Ryan ist ein gezeichneter, erschöpfter Mann, dessen stoische Entschlossenheit immer wieder von einer erstaunlich liebenswerten Verletzlichkeit durchbrochen wird. Gemeinsam mit dem wunderbar sympathischen Ving Rhames entsteht daraus eine Kameradschaft, deren emotionale Wirkung sich erstaunlich mühelos über sämtliche erzählerischen Ungereimtheiten hinwegsetzt. Man möchte diesen Männern ihre Verbundenheit einfach glauben. Und wenn halb Amerika irgendwann vor dem Fernseher mitfiebert, dann tut man es eben auch.

Dabei bedient sich Regisseur Mark Vanselow ausgesprochen großzügig an den Konventionen des amerikanischen Verfolgungsjagdkinos der 1970er-Jahre. Endlose Highways, sonnenverbrannte Landschaften und ein leistungsstarker Sportwagen, der scheinbar nur darauf wartet, die nächste Polizeisperre zu durchbrechen. Die warme Farbgebung verleiht den ausgedehnten Fahrten eine nostalgische Atmosphäre, während die Inszenierung ihre größte Stärke aus dem handwerklichen Spektakel der zahlreichen Stunts bezieht. Wenn Ryan seinen Mustang über die Landstraßen jagt und ein Polizeifahrzeug nach dem anderen aus dem Weg räumt, entwickelt das durchaus einen gewissen Reiz. Zumal Vanselow als ehemaliger Stuntkoordinator offensichtlich weiß, wie man solche Szenen wirkungsvoll in Szene setzt. Mit zunehmender Laufzeit macht sich allerdings bemerkbar, dass das Amazon Original abseits seiner motorisierten Flucht nur wenig erzählerischen Nachschub besitzt. Irgendwann folgt eine Verfolgungsjagd auf die nächste, während Ryan mit immer unwahrscheinlicheren Manövern entkommt und sein erstaunlich widerstandsfähiger Mustang offenbar mehr Leben besitzt als eine durchschnittliche Hauskatze. Dass auch noch eine überaus leistungsfähige künstliche Intelligenz mit an Bord sitzt, macht die Sache kaum glaubwürdiger. Überhaupt nimmt es das Drehbuch mit der Wahrscheinlichkeit ausgesprochen locker. Polizeiliche Maßnahmen wirken gelegentlich wie die improvisierten Einfälle einer besonders überforderten Streifenbesatzung, während sich Hindernisse immer dann in Wohlgefallen auflösen, wenn Ryan gerade einen Ausweg benötigt. Trotzdem bleibt die Verfolgungsjagd über weite Strecken unterhaltsam. Auch weil „The Mongoose“ seine absurde Grundkonstellation mit einer solchen Selbstverständlichkeit ausspielt, dass man irgendwann aufhört, jedes neue Manöver auf seine physikalische Machbarkeit zu überprüfen. Wesentlich schwerer fällt es dagegen, die sentimentale Überzeichnung der eigentlichen Geschichte zu ignorieren. Die Rückblenden in Ryans militärische Vergangenheit sollen den Zusammenhalt seiner ehemaligen Kameraden erklären und seine psychischen Verletzungen begreifbar machen, erschöpfen sich allerdings häufig in einer ausgesprochen plakativen Kriegstraumadarstellung. Auch die Beziehung zu seiner Exfrau wird mit einer derart großzügigen Portion Zuckerguss überzogen, dass selbst die aufrichtige Zuneigung zwischen den Figuren irgendwann etwas künstlich erscheint. Und über allem schwebt diese eigentümliche Vorstellung einer amerikanischen Volksgemeinschaft, die ihre militärischen Helden bedingungslos liebt und sich geschlossen hinter sie stellt. Dabei ist Ryans Verhalten durchaus nachvollziehbar. Er gerät unverschuldet in eine tragische Situation und versucht anschließend verzweifelt, einer drohenden Verurteilung zu entkommen. Die eigentliche Fragwürdigkeit liegt deshalb weniger in seinen Entscheidungen als in der maßlosen Verklärung, mit der die Geschichte praktisch jeden Menschen in seinem Umfeld auf seine Seite zieht. Das hat stellenweise etwas von einem patriotischen Wunschkonzert, bei dem die amerikanische Flagge zwar nicht permanent durchs Bild weht, gedanklich aber über jeder zweiten Szene gehisst wird.

Amazon lädt ein zum Einsteigen und Wohlfühlen – aber bitte nicht hinterfragen
Und trotzdem fällt es erstaunlich schwer, dieser hemmungslosen Gefühlsduselei ernsthaft böse zu sein. Vielleicht liegt darin sogar die größte Besonderheit von „The Mongoose“. Denn selten klafften die nüchterne Betrachtung eines Films und seine tatsächliche emotionale Wirkung so weit auseinander. Auf dem Papier ist Mark Vanselows Regiedebüt ein ausgesprochen durchschnittlicher Actionthriller, der seine dünne Geschichte mit reichlich Wiederholungen streckt, gesellschaftliche Konflikte auf beinahe kindliche Vorstellungen von Zusammenhalt reduziert und seine Figuren gelegentlich mit einer Sentimentalität überfrachtet, die selbst eingefleischten Romantikern peinlich werden könnte. Beim Anschauen fühlt sich das alles allerdings erstaunlich angenehm an. Man genießt die charmante Dynamik zwischen den Darstellern, freut sich über jede noch so unglaubwürdige Hilfestellung und fiebert einem Happy End entgegen, dessen Ausgang kaum ernsthaft infrage steht. Gerade die bedingungslose Solidarität der Veteranen besitzt eine emotionale Aufrichtigkeit, die sich durch dramaturgische Einwände nur bedingt entkräften lässt. Natürlich könnte man Prime Video vorwerfen, eine geradezu naive Vorstellung von Kameradschaft und gesellschaftlicher Geschlossenheit zu propagieren. Doch vielleicht muss eine Geschichte über menschlichen Zusammenhalt auch nicht zwangsläufig sämtliche Widersprüche ihrer eigenen Idealisierung ausdiskutieren. Vanselow übergießt seine durchaus berechtigte Kritik an einer Gesellschaft, die ihre Soldaten im Krieg braucht und nach ihrer Rückkehr allzu gerne vergisst, allerdings mit so viel patriotischem Heldenkitsch, dass sie gelegentlich ihre eigentliche Schärfe verliert. Er möchte einen Mann nach Hause bringen, der im Krieg bereits genug verloren hat und dem auf diesem Weg möglichst viele Menschen helfen sollen. Eine einfache, beinahe rührend altmodische Vorstellung, deren filmische Umsetzung ebenso viele Schwächen wie liebenswerte Eigenheiten besitzt. Und genau darin offenbart sich die Schwierigkeit, „The Mongoose“ gerecht zu werden. Denn was erzählerisch kaum einen Blumentopf gewinnt, kann emotional trotzdem einiges richtig machen. Das entschuldigt weder die plumpen Kriegserinnerungen noch die zahlreichen dramaturgischen Bequemlichkeiten. Es erklärt allerdings, weshalb man nach knapp anderthalb Stunden überraschend zufrieden aus einem Film kommt, den man bei genauerer Betrachtung eigentlich gar nicht besonders gut finden dürfte. Dass sich dahinter diesmal ein tatsächlich liebenswerter Film verbirgt, ist für Liam Neesons jüngere Karriere fast schon versöhnlich. Und tatsächlich unterscheidet sich „The Mongoose“ damit endlich durch mehr als den Schriftzug am Ende von seinen zahlreichen Vorgängern. Man hat ausnahmsweise wieder gerne zugesehen.

Fazit
„The Mongoose“ ist ein repetitiver, reichlich unglaubwürdiger Actionthriller voller US-amerikanischem Heldenkitsch. Dank sympathischer Darsteller, handgemachter Verfolgungsjagden und erstaunlich viel Herzlichkeit funktioniert die sentimentale Veteranengeschichte trotzdem besser, als sie eigentlich dürfte.


