Apokalypse Z: Neue Welt | Amazon Film – Kritik: Prime Video im Zombie-Modus

Apokalypse Z: Neue Welt Amazon Prime Video Film 2026

Apokalypse Z: Neue Welt

TitelApokalypse Z: Neue Welt
Genre Horror, Action
Jahr2026
FSK16
RegieCarles Torrens

Starttermin: 30.10.2026| Prime Video

Amazon lässt die nächste Zombie-Apokalypse von der Leine

Es ist selten ein gutes Zeichen, wenn von einem Film nur noch die Gewissheit geblieben ist, ihn gesehen und nicht besonders gut gefunden zu haben. Warum eigentlich, lässt sich beim besten Willen nicht mehr sagen. Keine Figur, die sich ins Gedächtnis eingebrannt hätte, keine bemerkenswerte Szene, kein dramaturgischer Einfall, über den man sich heute noch ärgern könnte. Bei „Apokalypse Z: Der Anfang vom Ende“ erleichtern immerhin der Titel und das dazugehörige Filmplakat die gedankliche Einordnung. Zombies also. Irgendwelche Menschen, die vor anderen Menschen wegrennen, weil diese inzwischen tot sind und trotzdem erstaunlich schnell laufen können. So weit, so vertraut. Was die Geschichte darüber hinaus zu erzählen hatte, ist offenbar irgendwann zwischen den unzähligen anderen Endzeitgeschichten verloren gegangen. Selbst eine kurze Auffrischung der Handlung hilft nur bedingt. Ein trauernder Anwalt, sein Kater, die Flucht durch ein verseuchtes Spanien und schließlich ein Hubschrauber auf dem Weg zu den Kanarischen Inseln. Das kommt einem alles irgendwie bekannt vor, ohne tatsächlich Erinnerungen wachzurufen. Umso erstaunlicher, dass Amazon zwei Jahre später mit „Apokalypse Z: Neue Welt“ eine Fortsetzung veröffentlicht. Offenbar hat der erste Teil genügend Menschen vor die Bildschirme gelockt, um eine weitere Reise durch das postapokalyptische Spanien wirtschaftlich zu rechtfertigen. Und vielleicht liegt darin bereits die größte Besonderheit dieser Filmreihe. Sie muss ihrem Publikum offenbar gar nicht besonders viel bieten, solange genügend Untote durch die Gegend rennen. Zumal sich ausgerechnet das Zombie-Genre seit Jahrzehnten hartnäckig dagegen wehrt, endlich selbst zu Grabe getragen zu werden.

Apokalypse Z: Neue Welt Amazon Prime Video Film 2026
Apokalypse Z: Neue Welt ©Amazon Prime Video

Dabei war das Kino der wandelnden Leichen durchaus einmal ein ziemlich ergiebiges Betätigungsfeld für gesellschaftliche Beobachtungen. George A. Romero ließ seine Untoten bereits in den Siebzigern durch Einkaufszentren schlurfen und machte aus der menschlichen Konsumgesellschaft eine ziemlich makabre Angelegenheit. Später erzählte „The Walking Dead“ über viele Jahre hinweg von Menschen, deren gesellschaftliche Ordnung zusammengebrochen war und die sich inmitten einer feindlichen Welt neue Gemeinschaften aufbauen mussten. Die Zombies lieferten die Bedrohung, das eigentliche Interesse galt den Überlebenden. Freundschaften, Machtkämpfe, moralische Entscheidungen und die allmähliche Erkenntnis, dass die Lebenden einander gelegentlich gefährlicher werden können als die Toten. Einen anderen Weg schlug „World War Z“ ein, der das Zombie-Genre mit den Dimensionen eines monumentalen Katastrophenfilms verband. Plötzlich stürmten ganze Menschenmassen durch die Straßen, türmten sich übereinander und verwandelten vertraute Großstädte in Schlachtfelder einer globalen Überlebenskrise. Das hatte durchaus seinen Reiz, weil die schiere Größenordnung der Bedrohung eine neue Form des Schreckens erzeugte. Mittlerweile sind allerdings auch solche Bilder längst vertraut. Das Zombie-Kino hat sich über Jahrzehnte an seinen eigenen Möglichkeiten abgearbeitet, seine gesellschaftskritischen Motive ausgereizt und die Anzahl seiner Untoten immer weiter erhöht. Viel Neues lässt sich aus einem Genre, dessen grundlegender Konflikt letztlich auf der Flucht vor menschenfressenden Leichen beruht, ohnehin kaum noch herausholen. Zumindest braucht es dafür mittlerweile erheblich mehr Einfallsreichtum als eine größere Horde und ein paar zusätzliche Maschinengewehre.

Filmpodcast

Das Zombie-Kino frisst sich selbst auf

Regisseur Carles Torrens versucht es in seiner Fortsetzung vor allem mit Letzterem. Nachdem das sogenannte TSJ-Virus Europa weitgehend verwüstet hat, gelten die Kanarischen Inseln als einer der letzten verbliebenen Zufluchtsorte. Dort haben sich Überlebende unter militärischem Schutz eingerichtet, während auf dem spanischen Festland längst die Infizierten das öffentliche Leben bestimmen. Allerdings braucht auch eine Gesellschaft nach ihrem eigenen Untergang weiterhin Lebensmittel, Medikamente und andere Versorgungsgüter. Eine Militäreinheit wird deshalb nach Madrid geschickt, um dringend benötigte Vorräte zu beschaffen. Unter den Soldaten befindet sich Roberto (Carlos Alcaide), ein junger Rekrut, dessen persönliche Absichten nicht unbedingt mit den Interessen seiner Vorgesetzten übereinstimmen. Dass er im Vorgänger überhaupt keine Rolle gespielt hat, erleichtert die Angelegenheit immerhin. An die neue Hauptfigur muss sich niemand erinnern. Die Mission entwickelt sich erwartungsgemäß zu einem Überlebenskampf, bei dem sich die Soldaten immer wieder gegen gewaltige Zombiehorden behaupten müssen, während unterschiedliche Interessen und fragwürdige Loyalitäten die ohnehin angespannte Situation zusätzlich erschweren. Aus dem vergleichsweise persönlichen Survival-Horror des ersten Teils ist damit ein militärischer Actionfilm geworden, der seine Handlung weitgehend zwischen Schusswechseln, Verfolgungsjagden und verzweifelten Rückzugsmanövern abwickelt. Dass sich dabei gelegentlich auch eine politische Frage stellt, dürfte angesichts des gesellschaftlichen Ausnahmezustands kaum überraschen. Schließlich ist eine Pandemie, die ganze Staaten zum Zusammenbruch bringt, zwangsläufig mehr als ein medizinisches Problem. Wer die Corona-Jahre miterlebt hat, dürfte davon zumindest eine ungefähre Vorstellung besitzen. Die Welt ist einige Jahre später zwar weitgehend zu ihrem gewohnten Alltag zurückgekehrt, doch die gesellschaftlichen Verwerfungen dieser Zeit wirken bis heute nach. Politische Lager haben sich verhärtet, wissenschaftliche Erkenntnisse wurden zu Gegenständen ideologischer Auseinandersetzungen und ausgerechnet eine Krise, die gemeinschaftliches Handeln verlangte, offenbarte die Schwierigkeiten menschlicher Solidarität. Dazu kommen Erfahrungen aus anderen gesellschaftlichen Konflikten, etwa der Migrationspolitik, bei der Fragen nach Schutz, Verantwortung und begrenzten Ressourcen regelmäßig zu politischen Machtkämpfen werden. „Apokalypse Z: Neue Welt“ greift einiges davon auf und versetzt diese Auseinandersetzungen in eine Welt, in der die Folgen politischer Entscheidungen kaum unmittelbarer sein könnten. Die Kanarischen Inseln bieten Schutz, sind aber selbst auf funktionierende Versorgungswege angewiesen. Das Militär soll Sicherheit gewährleisten und muss zugleich entscheiden, welches Risiko für die Rettung weiterer Menschen vertretbar ist. Während Überlebende um ihren Platz in der verbliebenen Gesellschaft kämpfen, versuchen politische Akteure weiterhin, aus Angst und Unsicherheit persönlichen Einfluss zu gewinnen. Das ist durchaus ein interessanter Ausgangspunkt. Schließlich verschwinden menschliche Verhaltensweisen nicht automatisch mit den gesellschaftlichen Strukturen, in denen sie entstanden sind. Auch nach einer Apokalypse bleiben Menschen egoistisch, opportunistisch und bisweilen erschreckend bereit, das Unglück anderer für ihre eigenen Zwecke zu nutzen. Nur hilft eine solche Ausgangslage wenig, wenn der Film seine gesellschaftlichen Widersprüche zwar erkennt, sich anschließend aber kaum ernsthaft mit ihnen beschäftigen möchte.

Apokalypse Z: Neue Welt Amazon Prime Video Film 2026
Apokalypse Z: Neue Welt ©Amazon Prime Video

Tatsächlich bleiben die politischen und gesellschaftlichen Konflikte in Amazons „Apokalypse Z: Neue Welt“ über weite Strecken erstaunlich beiläufig. Mal geht es um die Verantwortung gegenüber Schutzsuchenden, dann um militärische Befehlsgewalt oder die persönlichen Interessen politischer Entscheidungsträger. Kaum gewinnt einer dieser Gedanken etwas Kontur, steht bereits die nächste Horde Infizierter vor der Tür und verlangt nach einer möglichst spektakulären Beseitigung. Die gesellschaftlichen Motive wirken dadurch häufig wie nachträglich eingestreute Randbemerkungen, mit denen das Drehbuch seinen ohnehin vertrauten Überlebenskampf etwas gehaltvoller erscheinen lassen möchte. Dabei wäre gerade die Frage, was von einer Gesellschaft übrig bleibt, wenn ihre Mitglieder nur noch ums eigene Überleben kämpfen, durchaus eine längere Auseinandersetzung wert gewesen. Stattdessen werden moralische Konflikte vor allem dann interessant, wenn sie den nächsten Einsatz gefährden oder eine weitere dramatische Entscheidung ermöglichen. Welche Überzeugungen die beteiligten Menschen tatsächlich vertreten, woher ihre Ängste kommen und weshalb sie sich bestimmten Autoritäten anschließen, bleibt weitgehend unerforscht. Das wäre möglicherweise noch zu verschmerzen, wenn wenigstens die Figuren selbst genügend Persönlichkeit besäßen, um die Geschichte unabhängig von ihren politischen Ambitionen zu tragen. Doch ausgerechnet daran mangelt es der Fortsetzung besonders deutlich. Roberto bekommt persönliche Beweggründe mit auf den Weg, die ihm eine gewisse emotionale Bedeutung verleihen sollen, bleibt als Mensch aber ebenso schwer greifbar wie seine Begleiter. Die Soldaten unterscheiden sich hauptsächlich durch ihre Position innerhalb der militärischen Ordnung, gelegentliche Meinungsverschiedenheiten und die Entscheidungen, die das Drehbuch für ihren weiteren Überlebenskampf benötigt. Dass hinter ihren Uniformen Menschen mit einer eigenen Vergangenheit, individuellen Bedürfnissen und widersprüchlichen Charakterzügen stecken könnten, gerät dabei erstaunlich schnell in Vergessenheit.

Apokalypse Z: Neue Welt Amazon Prime Video Film 2026
Apokalypse Z: Neue Welt ©Amazon Prime Video

Prime Video schickt leblose Figuren gegen lebendige Tote

„Apokalypse Z: Neue Welt“ behandelt seine Überlebenden als austauschbare Bestandteile einer militärischen Operation. Das Ergebnis ist ein Kampf zwischen zwei weitgehend anonymen Menschenmassen, deren wesentlicher Unterschied darin besteht, dass die einen noch leben und die anderen bereits gestorben sind. Für welche Seite Sympathien entstehen sollen, ist damit zwar geklärt. Einen wirklichen Grund, irgendjemandem die Daumen zu drücken, liefert Prime Video damit allerdings noch lange nicht. Dabei kann sich die Inszenierung durchaus sehen lassen. Torrens versteht es, die Übermacht der Infizierten in wuchtige Bilder zu übersetzen und seinen militärischen Auseinandersetzungen eine beachtliche räumliche Dimension zu verleihen. Die großen Massenszenen besitzen eine körperliche Wucht, während die hektischen Gefechte den zunehmenden Kontrollverlust der Soldaten stellenweise wirkungsvoll vermitteln. Wenn sich die Infizierten durch die zerstörten Schauplätze bewegen und die militärische Feuerkraft gegen ihre schiere Anzahl anzukämpfen versucht, entsteht durchaus ein Gefühl von Bedrohung, das der erste Film in dieser Größenordnung kaum erreichen konnte. Nur verwechselt „Apokalypse Z: Neue Welt“ die Intensität der Action allzu häufig mit tatsächlicher Spannung. Schließlich entscheidet sich die Wirkung keineswegs ausschließlich daran, wie viele Zombies auf eine Gruppe Menschen zustürmen oder wie knapp eine Flucht gelingt. Mindestens ebenso wichtig wäre, dass das Schicksal der Beteiligten überhaupt etwas bedeutet. Genau dieser emotionale Unterbau fehlt dem Amazon Original vollständig. Da wird geschossen, gerannt, geschrien und gestorben, während das Drehbuch kaum eine Gelegenheit nutzt, seinen Figuren außerhalb des unmittelbaren Überlebenskampfes irgendeine Bedeutung zu verleihen. Je größer das Spektakel wird, desto deutlicher tritt diese Leere hervor. Selbst die gesellschaftskritischen Ansätze verschwinden unter einer Masse aus Infizierten, deren unaufhaltsamer Vormarsch offenbar wesentlich interessanter sein soll als die Menschen, die sich ihnen entgegenstellen. Ausgerechnet ein Film über die letzten Überreste der Menschheit bringt damit erstaunlich wenig Interesse an menschlichem Leben auf. Und während die Zombies wenigstens noch mit einiger Entschlossenheit ihren Instinkten folgen, wirken ihre Gegner häufig wie leblose Hüllen, die lediglich darauf warten, von der nächsten dramatischen Entwicklung in Bewegung gesetzt zu werden. So schließt sich letztlich auch der Kreis zum Vorgänger, von dem nach zwei Jahren kaum mehr als eine vage Erinnerung geblieben ist. Amazon hat seine Apokalypse erheblich vergrößert, ohne ihr einen entsprechenden erzählerischen Mehrwert zu verleihen. Die Bilder sind lauter geworden, die Gefechte umfangreicher, die gesellschaftlichen Ambitionen größer. Nur fehlt weiterhin etwas, das über den Abspann hinaus im Gedächtnis bleibt. Wenn die Welt erneut untergeht, ist das irgendwann eben auch nichts Besonderes mehr.

Apokalypse Z: Neue Welt Amazon Prime Video Film 2026
Apokalypse Z: Neue Welt ©Amazon Prime Video

Fazit

In „Apokalypse Z: Neue Welt“ sind ausgerechnet die Zombies noch die lebendigsten Figuren. Amazon lässt seine Untoten in beeindruckenden Massen aufmarschieren, vergisst zwischen politischen Randnotizen und militärischem Dauerfeuer allerdings die Menschen. So dürfte auch diese Apokalypse bald wieder in Vergessenheit geraten.

Bewertung: 2 von 5.
Amazon Prime Video