Species
| Titel | Species |
| Genre | Horror |
| Jahr | 2026 |
| FSK | ungeprüft |
| Regie | Marion Le Corroller |
Fantasy Filmfest 2026
Wo beruflicher Ehrgeiz auf Body Horror trifft
Coralie Fargeat hat 2024 mit ihrem Horrorhit „The Substance“ eine regelrechte Welle an Body-Horror-Filmen losgetreten, die man auch immer wieder im Programm des Fantasy Filmfests findet. „The Ugly Stepsister“ verwandelte eine Märchengeschichte in einen grotesken Film über Schönheitsdruck, „Saccharine“ ließ einen hungrigen Geist zur Metapher für ein verzerrtes Selbstbild werden und Regisseurin Marion Le Corroller widmet sich in ihrem Debüt „Species“ den unmenschlichen Leistungsanforderungen und dem extremen Druck im modernen Arbeitsleben. Ein Thema, das sich mehrmals beim diesjährigen Fantasy Filmfest finden lässt

Der Film feierte seine Weltpremiere bei den Midnight Screenings der Filmfestspiele von Cannes und konnte bereits dort die Zuschauer mit seiner Mischung aus bissiger Satire und blutigem Body Horror von sich überzeugen. Die französisch–belgische Produktion handelt von der jungen Medizinpraktikantin Margot (Mara Taquin), die in der stressigsten Notaufnahme des Landes arbeitet. Als mehrere gleichaltrige Personen mit seltsamen Symptomen eintreffen, beginnt auch ihr Körper beunruhigende Veränderungen zu zeigen.

Arbeiten bis zum körperlichen Verfall
Vergleiche zu „The Substance“ lassen sich natürlich bei fast jedem Film dieser Art leicht herstellen, in diesem Fall sind sie aber durchaus berechtigt. Le Corroller versteckt ihre Inspirationsquellen nicht, im Gegenteil: Eine Szene wird zur direkten Hommage an Fargeats Meisterwerk. Auch Ähnlichkeiten zu Filmen wie „Heldin“ und vor allem „Raw“ lassen sich nicht verleugnen. Gleichzeitig macht die junge Regisseurin in ihrem Debüt aber erfolgreich ihr eigenes Ding, insbesondere was die kreative Kameraarbeit betrifft. Im Original trägt der Horrorfilm den Titel „Sanguine“, was so viel wie blutrot oder blutig bedeutet und deutlich schöner und passender klingt als „Species“. Le Corroller spielt intensiv mit der Farbe Rot, sei es in der Beleuchtung, dem Setdesign oder den blutigen Szenen, sodass diese beinahe zu einem eigenen Charakter wird.

Ein Body-Horrorfilm wäre natürlich nichts ohne den Body Horror. Und der hat es in sich. Der kaum auszuhaltende Leistungsdruck der Arbeitswelt wird zum Monster der Geschichte, visuell umgesetzt als grotesker körperlicher Verfall der Protagonistin. Mara Taquin trägt diesen körperlichen und emotionalen Zusammenbruch mit einer intensiven und unglaublich starken Darbietung, die den zunehmenden Kontrollverlust ihrer Figur jederzeit spürbar macht. Hier dreht sich selbst hartgesottenen Horrorfans der Magen um. Untermalt wird das Ganze vom Score des Produzenten ROB, der sich passenderweise auch für den Soundtrack von Fargeats Erstling „Revenge“ verantwortlich zeigt. In „Species“ treibt die Musik das Chaos in der Notaufnahme zusätzlich an. Die schnellen Schnitte in Kombination mit dem pulsierenden Score treiben den Puls in die Höhe und lassen den Stress förmlich durch die Leinwand spüren.

Fazit
„Species“ ist ein kompromissloser Body-Horrorfilm, der den Leistungsdruck der modernen Arbeitswelt wortwörtlich unter die Haut gehen lässt. Auch wenn die Einflüsse von „The Substance“ und „Raw“ deutlich spürbar sind, findet Le Corroller in ihrem Debüt eine eigene visuelle Sprache und liefert einige wahrlich magenverdrehende Momente. Ein blutroter Albtraum über Stress, Überforderung und den Preis, den man für beruflichen Erfolg zu zahlen bereit ist.

