Leviticus | Film – Kritik: Zwischen queerer Liebe und religiöser Angst

Leviticus Film 2026

Leviticus

TitelLeviticus
Genre Horror
Jahr2026
FSKungeprüft
RegieAdrian Chiarella

Fantasy Filmfest 2026

Queere Identität trifft auf religiösen Horror

Horror ist seit jeher durch und durch queer. Geschichten über Außenseiter, von der Gesellschaft an den Rand gedrängte Teenager, die von dunklen Gestalten verfolgt werden, aber auch die Antagonisten selbst, die oft missverstanden und verstoßen werden: Genau darin erkennt sich die queere Community bis zu einem gewissen Punkt selbst wieder. Die Realität kann für queere Personen oft grausam und einsam sein, und das Aufwachsen in einem feindseligen Umfeld traumatisch. Doch Horror zeigt immer wieder, dass man genau darüber triumphieren kann. Und genau darin finden so viele Menschen Zuflucht und Komfort.

Leviticus Film 2026
Leviticus ©Neon

Wurden queere Themen in Horrorfilmen früher noch oft subtil in die Handlung eingeflochten und über sogenanntes Queer-Coding vermittelt, werden sie im Genre mittlerweile deutlich offener behandelt. Mainstream-Horror wie „Whistle“ rückt ein lesbisches Paar in den Mittelpunkt, aber auch Arthouse-Horror wie „I Saw the TV Glow“ oder „Teenage Death and Sex at Camp Miasma“ thematisieren sexuelle Identität und Isolation. Und auch das Fantasy Filmfest 2026 hat sich mit „Leviticus“ einen gehypten Genre-Beitrag gesichert. In Adrian Chiarellas Spielfilmdebüt wird eine dämonische Präsenz zur Gefahr für ein schwules Paar (Joe Bird und Stacy Clausen).

Liebe gegen die Dämonen der Scham

„They Follow“, das kommende Sequel zu „It Follows“, kann direkt wieder gecancelt werden. Wir haben mit „Leviticus“ bereits die passende Fortsetzung bekommen. Aber mal Spaß beiseite: Chiarella hat sich tatsächlich so einiges beim modernen Horrorklassiker von David Robert Mitchell abgeschaut. Zumindest, was den Horroraspekt angeht. Das spürt man bereits in der Eröffnungsszene, und dieses Gefühl zieht sich konsequent durch den gesamten Film, bis hin zu den vagen Motiven der dämonischen Präsenz. Auch wenn Mitchell seine Gruselmomente damals zugegeben ein wenig effektiver und mit mehr Wucht eingesetzt hat. Chiarella bleibt dagegen auf lange Strecken deutlich subtiler. Statt den Horror in den Vordergrund zu rücken, nutzt er ihn vor allem als Metapher für die Einsamkeit und Scham, die das Aufwachsen als queere Person in einem religiösen Umfeld mit sich bringen kann. Ein simpler Schreckmoment wird stellvertretend für die verbotene Begierde nach dem gleichen Geschlecht.

Leviticus Film 2026
Leviticus ©Neon

Auf emotionaler Ebene funktioniert das wunderbar, vor allem dank der zwei starken Hauptdarsteller Joe Bird und Stacy Clausen, die eine unbestreitbare Chemie miteinander haben und deren Anziehungskraft förmlich durch die Leinwand hindurch greifbar wird. Etwas schade ist allerdings, dass Chiarella beim Storytelling ins Ungleichgewicht gerät. Schnell wird deutlich, dass vor allem Naim stark auf den persönlichen Erfahrungen des Regisseurs basiert, wodurch er deutlich mehr Raum bekommt und als komplexere, moralisch vielschichtigere Figur gezeichnet wird. Ryans Gefühlswelt bleibt dagegen häufig auf Distanz und wird eher von außen betrachtet. Eine ausgeglichenere Dynamik zwischen den beiden Figuren hätte der Geschichte noch mehr Gewicht verleihen können. Nichtsdestotrotz findet Chiarella zu einer klaren Botschaft und führt seine Geschichte zu einem berührenden Höhepunkt. Und selbst wenn das Drehbuch gelegentlich ins Straucheln gerät, wird das durch die intensive Bildsprache und die eindrucksvollen Darbietungen mehr als aufgefangen.

Leviticus Film 2026
Leviticus ©Neon

Fazit

Trotz seiner kleinen Schwächen ist „Leviticus“ ein bemerkenswert persönliches Horror-Debüt geworden. Adrian Chiarella verbindet queere Themen, religiöse Unterdrückung und klassischen Dämonen-Horror zu einer Geschichte, die vor allem dann funktioniert, wenn sie ihren Horror subtil einsetzt und den emotionalen Konflikten ihrer Figuren Raum lässt. Joe Bird und Stacy Clausen tragen das Ganze mit viel emotionaler Glaubwürdigkeit und machen die Beziehung ihrer Figuren zum eigentlichen Herzstück des Films.

Bewertung: 3.5 von 5.