Bloody Tennis | Film – Kritik: Tennis kann tödlich sein!

Bloody Tennis Film 2026

Bloody Tennis

TitelBloody Tennis
Genre Horror
Jahr2026
FSK18
RegieNikias Chryssos

Kinostart: 10.12.2026

„Bloody Tennis“ treibt den Wahnsinn des Leistungssports auf die blutige Spitze

Leistungssport ist eine der wenigen Formen der Selbstzerstörung, für die es Applaus gibt. Nach außen geht es um Disziplin, Ehrgeiz und den großen Traum, irgendwann ganz oben zu stehen. Dahinter liegen Jahre körperlicher Strapazen, mentaler Belastung und des Verzichts. Wer es an die Spitze schaffen will, muss Schmerzen ertragen, Grenzen überwinden und vor allem lernen, sich gegen andere durchzusetzen. Denn so gemeinschaftlich Training und sportlicher Alltag auch sein mögen, gewonnen wird am Ende alleine. Der Erfolg des einen bedeutet zwangsläufig die Niederlage des anderen. Und je näher man der Spitze kommt, desto weniger Platz bleibt für diejenigen, mit denen man sich den Weg dorthin geteilt hat. Es ist ein eigentümlicher Widerspruch: Man opfert einen beträchtlichen Teil seines Lebens für einen Augenblick, in dem man möglichst allein dastehen möchte. Selbst wenn dieser Augenblick irgendwann kommt, bleibt die Frage, wie viel vom eigenen Körper und der eigenen Persönlichkeit bis dahin auf der Strecke geblieben ist. Sport ist Mord, sagt der Volksmund. Normalerweise dient diese Weisheit allerdings eher dazu, sich mit gutem Gewissen vor der nächsten Trainingseinheit zu drücken. „Bloody Tennis“ nimmt das erstaunlich wörtlich – und das klingt zunächst verdächtig nach „HIM“. Erst kürzlich wählte der von Jordan Peele produzierte Horrorfilm den US-amerikanischen Football zum Schauplatz einer grotesken Auseinandersetzung mit Leistungsdruck, Ehrgeiz und körperlicher Selbstaufgabe. Visuell hatte der Film durchaus etwas zu bieten, behandelte seine eigentlich reizvolle Idee allerdings mit einer derartig konzeptionellen Holzhammermethode, dass aus dem möglichen Schrecken größtenteils plakative Symbolik wurde. „Bloody Tennis“ bewegt sich auf bemerkenswert ähnlichem Terrain. Nur sind es diesmal keine muskelbepackten Alphamänner, sondern junge Tennisspielerinnen, die Körper und Geist für die Aussicht auf sportlichen Ruhm an ihre Grenzen treiben. Ob das weibliche Gegenstück dem Gedanken nun mehr abgewinnen kann?

Bloody Tennis Film 2026
Bloody Tennis ©augenschein Filmproduktion, Port au Prince Pictures

Es gibt Ideen, die größer sind als die Geschichten, in denen sie erzählt werden. „Bloody Tennis“ ist ein solcher Fall. Der deutsche Regisseur und Drehbuchautor Nikias Chryssos („Rave On“, „Der Bunker“) findet durchaus einen reizvollen Ansatz, um die ohnehin fragwürdige Logik des sportlichen Konkurrenzkampfes bis ins Monströse zu übersteigern. Im Mittelpunkt steht Sophie (Sandra Guldberg Kampp), die an einer abgelegenen Elite-Tennisakademie aufgenommen wird. Schon bei ihrer Ankunft scheint dort vieles nicht mit rechten Dingen zuzugehen. Der Kontakt zur Außenwelt ist unterbunden, die Familie bleibt außen vor, und neben den insgesamt sechs jungen Spielerinnen bevölkern lediglich die undurchsichtige Leiterin (Elina Löwensohn) und ihr sonderbarer Gehilfe das abgeschottete Gelände. Die gesamte Einrichtung vermittelt dabei weniger den Eindruck einer renommierten Ausbildungsstätte als den eines sorgfältig abgeschirmten Experiments, dessen Teilnehmerinnen besser nicht allzu viele Fragen stellen sollten. Dass hinter den aschroten Mauern kaum gewöhnliche Trainingsmethoden stecken dürften, ahnt man entsprechend früh. Doch das Versprechen ist groß genug, um die Bedenken zunächst beiseitezuschieben: Wer sich gegen die anderen durchsetzt, erhält die Chance auf Wimbledon. Und für eine solche Aussicht kann man wohl einiges über sich ergehen lassen. Schließlich gehört die Bereitschaft, sich für den Erfolg zu quälen, ohnehin zum Selbstverständnis ambitionierter Nachwuchstalente. Nur muss Sophie ziemlich schnell herausfinden, dass der leistungsorientierte Lehrplan unter sportlicher Förderung etwas entschieden anderes versteht als sie.

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Aufschlag, Rückschlag, Fehlschlag

Mit zunehmender Spielzeit wird immer deutlicher, dass Chryssos den realen Schrecken, wie er in der Welt des Hochleistungssports routiniert seine Bahnen zieht, nicht einfach abbilden, sondern konsequent weiterspinnen möchte. Nur fügt sich das Geschehen deshalb noch lange nicht zu einem schlüssigen Ganzen. Die einzelnen Torturen wirken wie willkürlich eingestreute Versuche, den Wahnsinn weiter anzufachen. Ein auf dem Papier schauerlicher, im Kontext jedoch kaum wirkungsvoller Einfall jagt den nächsten, während die innere Logik irgendwo auf dem Trainingsgelände liegen bleibt. Was da zusammengehören soll, versteht man eher über das übergeordnete Motiv als über die eigentliche Handlung. Chryssos hat eine Vorstellung davon, welchen Schrecken er hervorrufen möchte, bekommt dessen Bestandteile aber kaum aufeinander abgestimmt. So wächst das Arsenal an bemühten Geschmacklosigkeiten, ohne dass daraus eine entsprechend zwingende Eskalation entsteht. Dass die filmische Tonlage ähnlich unstet bleibt, macht die Angelegenheit kaum besser. Mal wagt sich „Bloody Tennis“ in Richtung Slasher, ohne dessen Mechanismen wirklich auszureizen, dann übernimmt der physische Horror, bevor das Makabere wieder in beinahe absurden Humor kippt. Über allem schwebt derweil unübersehbar „Suspiria“. Eine abgeschottete Institution, junge Frauen, eine rätselhafte Autoritätsfigur und Rituale, deren Bedeutung sich zunächst nur erahnen lässt. Wo dort das Ballett den Rahmen bildete, ist es hier der Tennissport. Nur entfaltet die Akademie trotz ihrer reichlich zweifelhaften Gepflogenheiten kaum eine Sogwirkung – und was einen zunehmend beklemmenden Albtraum ergeben könnte, gerät zum unsteten Wechselspiel verschiedener Horrortraditionen. Dabei hätte gerade das ausschließlich weibliche Teilnehmerfeld durchaus Möglichkeiten geboten, dem vertrauten Sport-Horror eine eigene Richtung zu verleihen. Schließlich bewegen sich Frauen im Spitzensport in einem Spannungsfeld, das sich mit gesellschaftlichen Vorstellungen von Weiblichkeit und dem Anspruch, über den eigenen Körper selbst zu bestimmen, weit über Leistungsfähigkeit und Durchsetzungsvermögen hinausreicht.

Bloody Tennis Film 2026
Bloody Tennis ©augenschein Filmproduktion, Port au Prince Pictures

Daraus ließe sich einiges gewinnen, zumal Chryssos ohnehin ein auffälliges Interesse an der Verfügbarkeit menschlicher Körper besitzt. Doch weibliche Lust und Sexualität bleiben weitgehend Randerscheinungen, ebenso die queeren Anspielungen, die im weiteren Verlauf kaum Bedeutung erlangen. Nun muss nicht jeder Horrorfilm mit weiblichem Ensemble gleich eine Abhandlung über Geschlechterrollen liefern. Auffällig ist allerdings, wie wenig sich die Inszenierung für die Besonderheiten dieser Konstellation interessiert. Immerhin gelingt es Chryssos immer wieder, seine eigentümliche Welt in atmosphärisch bemerkenswerte Bilder zu übersetzen. Die dunkelroten Mauern, die den tristen Ascheplatz umschließen, verleihen der Akademie etwas Künstliches, beinahe Bühnenhaftes. Die hellen Tennisoutfits stechen aus den schweren Farbflächen hervor, während Sand, Schweiß und Blut zu einem einzigen schmutzigen Gesamtbild verschmelzen. Manche Einstellungen besitzen tatsächlich eine unangenehme Schönheit, eine eigentümliche Beklemmung, die trotz aller erzählerischen Schwächen punktuell hängen bleibt. Nur nutzt sich dieser Eindruck mit zunehmender Spielzeit merklich ab. Das Geschehen bleibt seinem überschaubaren Schauplatz derart treu, dass aus der anfänglich reizvollen Beschränkung irgendwann schlichte Monotonie wird. Immer dieselben Mauern, dieselben Wege, dieselben roten Flächen. Eine ähnliche Austauschbarkeit macht sich leider auch beim Ensemble bemerkbar. Sophie besitzt als Hauptfigur zumindest ausreichend Präsenz, um die Handlung zu tragen. Ihre Mitspielerinnen bleiben dagegen größtenteils blass. Bündnisse und Rivalitäten bleiben schemenhaft, persönliche Beweggründe verlieren sich zwischen den zunehmend bizarren Trainingsmethoden. Besonders unglücklich fällt dabei Helena Zengel auf. Deutschlands inzwischen auch international etablierte Hollywood-Export wirkt in ihrer ohnehin schwach gezeichneten Rolle stellenweise erstaunlich unsicher und verkommt zu einem Fremdkörper innerhalb des Ensembles. Gerade die blutleere Figurenzeichnung nimmt dem grausamen Treiben viel von seiner möglichen Wirkung. So schickt Chryssos seine Spielerinnen durch einen immer absonderlicheren Leidensparcours, versäumt es aber, ihre Beziehungen und persönlichen Abgründe mit ähnlicher Sorgfalt auszuloten – und die jungen Frauen werden zu Statistinnen ihrer eigenen Zerstörung. Der Weg an die Spitze mag erschreckend grausam sein. Wirklich erschreckend wäre allerdings erst, wenn einem auch etwas an den Menschen liegen würde, die ihn gehen müssen.

Bloody Tennis Film 2026
Bloody Tennis ©augenschein Filmproduktion, Port au Prince Pictures

Fazit

„Bloody Tennis“ ist nicht der erste Horrorfilm, der den realen Wahnsinn des Profisports zu einem grotesken Albtraum aufbauscht. Und auch nicht der erste, der beim Versuch, immer noch einen draufzusetzen, seine eigentliche Idee aus den Augen verliert. Nikias Chryssos schickt seine Spielerinnen durch einen zunehmend bizarren Leidensparcours, dessen visuelle Eigenwilligkeit über die erzählerische Beliebigkeit nur bedingt hinwegtäuschen kann.

Bewertung: 2 von 5.
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