Meat Kills
Tierschutz war noch nie so blutig
Die Niederlande sind im Horrorgenre vor allem für atmosphärische Genreperlen bekannt. Als Erstes kommen einem dabei Filme wie „The Vanishing“ oder der fantastische „Speak No Evil“ in den Sinn, der vor wenigen Jahren so erfolgreich war, dass bereits ein Jahr später ein amerikanisches Remake produziert wurde. Gewalt und blutige Eskapaden bleiben dabei meist aus, stattdessen setzt der niederländische Horror eher auf subtile Schrecken. Bis jetzt. Denn Regisseur Martijn Smits präsentiert mit „Meat Kills“ den ersten niederländischen Horrorfilm der in seinem Land eine FSK-18-Freigabe erhalten hat. Die Busch Media Group bringt den Film in verschiedenen hübschen Mediabook-Varianten ins deutsche Heimkino, worüber sich vor allem Fans blutiger Massaker freuen dürften. Im Mittelpunkt steht die junge Tierliebhaberin Mirthe (Caro Derkx), die sich auf eine Schweinefarm einschleust, um die grausamen Zustände und den Umgang mit den Tieren zu dokumentieren. Damit will sie in die radikale Aktivistengruppe „Animal Army“ aufgenommen werden. Ihr Plan geht auf: Gemeinsam mit der Gruppe bricht sie nachts auf die Farm ein, um die Tiere zu befreien. Doch die Aktion verläuft anders als geplant.

Als erster niederländischer Horrorfilm mit einer FSK-18-Freigabe sind die Erwartungen an die Gewaltexzesse in „Meat Kills“ entsprechend hoch. Und tatsächlich überrascht der Film mit deftigen Gewaltspitzen und gelungenen handgemachten Effekten. Seinen offensichtlichen Vorbildern aus der Welle des französischen Extremhorrors, der sogenannten French Extremity, oder dem Klassiker „The Texas Chain Saw Massacre“ wird er zwar nicht immer ganz gerecht, nicht zuletzt, weil viele Tötungen im Off stattfinden, doch zumindest die Folgen der Gewalt werden explizit gezeigt und können sich sehen lassen. Fans harter Kost dürften hier keineswegs enttäuscht werden. Auch inszenatorisch erweist Regisseur Martijn Smits seinen Vorbildern liebevoll die Ehre. Wenn die Figuren durch eine Kühlkammer voller aufgehängter Schweineleichen flüchten oder Kreissägen zum Einsatz kommen, werden unweigerlich Erinnerungen an „Frontier(s)“ oder „High Tension“ wach. Doch die Gewalt ist längst nicht das Spannendste an „Meat Kills“. Tatsächlich wirft Smits interessante Fragen über Moral und den Zustand unserer gespaltenen Gesellschaft auf.

Heute auf der Schlachtbank: die Moral
Mal davon abgesehen, dass selbst radikale Tieraktivisten statistisch gesehen nur in sehr seltenen Fällen Gewalt gegen Menschen ausüben, entwickelt sich aus filmischer Sicht aus diesem Konflikt eine durchaus packende Dynamik. Die klaren Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen zunehmend. Auf der einen Seite steht eine Gruppe junger Menschen, die aus den richtigen Gründen die falschen Mittel wählt. Auf der anderen Seite befindet sich eine Familie, deren Zuhause überfallen wird und die sich zur Wehr setzt. Eine Kette fataler Zwischenfälle lässt die Situation schließlich in blinden Hass und rohe Brutalität umschlagen. Smits wirft die Frage auf, wie weit man für die eigenen Moralvorstellungen gehen darf und ob die Entmenschlichung Andersdenkender tatsächlich der richtige Weg ist, unabhängig davon, auf welcher Seite man steht. Dieser Ansatz hebt „Meat Kills“ geschickt von anderen Genrevertretern ab. Noch besser hätte er allerdings funktioniert, wenn die Figuren etwas komplexer ausgearbeitet wären. Auf beiden Seiten bleiben sie in klischeehaften und eindimensionalen Kategorien gefangen. Auch die Argumente gegen den Veganismus werden nur oberflächlich angerissen, was wiederum der Haltung vieler Fleischesser entsprechen mag. Am Ende bleibt man mit reichlich Stoff zum Nachdenken über gesellschaftliche Doppelmoral und Fleischkonsum zurück. Für einen Film dieser Art ist das bereits mehr, als man erwarten würde. Eines macht „Meat Kills“ jedoch unmissverständlich deutlich: Gewalt kennt keine Gewinner und sollte niemals das Mittel sein, um die eigenen Überzeugungen durchzusetzen. Denn Gewalt erzeugt nur weitere Gewalt. Das verdeutlicht auch das düstere Ende, in dem sich der gefährliche Teufelskreis fortsetzt.

Fazit
„Meat Kills“ verbindet blutige Gewalt mit einer überraschend gesellschaftskritischen Auseinandersetzung über Moral, Fleischkonsum und die zunehmende Feindseligkeit zwischen Menschen mit gegensätzlichen Überzeugungen. Trotz klischeehafter Figuren überzeugt der Film mit handgemachten Effekten und einem düsteren Blick auf einen Teufelskreis aus Hass und Gewalt. Ein kompromissloser Genrebeitrag, der mehr zu bieten hat als blutige Eskalationen.



