Whalefall | Film – Kritik: Wie viel Horror steckt in einem Wal?

Whalefall Film 2026

Whalefall

TitelWhalefall
Genre Thriller
Jahr2026
FSK16
RegieBrian Duffield

Kinostart: 15.10.2026

Austin Abrams hat mal wieder den schlimmsten Tag seines Lebens

Austin Abrams hat sich innerhalb kürzester Zeit zum gefragten Scream King entwickelt und tritt damit zunehmend in die Fußstapfen von Justin Long („Coyotes“). Denn ähnlich wie bei seinem Kollegen scheint auch bei Abrams eine Regel zu gelten: Kaum ein anderer Schauspieler muss sich in seinen Horrorfilmen durch derart albtraumhafte Situationen kämpfen. In „Weapons – Die Stunde des Verschwindens“ bekommt es seine drogenabhängige Figur mit dem bösen Zauber einer Hexe zu tun, in „Resident Evil“ muss er sich im Alleingang gegen Zombies behaupten und in seinem neuesten Film „Whalefall“ wird er kurzerhand von einem riesigen Pottwal verschluckt. Abrams bleibt also kaum Zeit zum Durchatmen. Und wir schauen ihm nur allzu gerne dabei zu.

Whalefall Film 2026
Whalefall ©20th Century Studios

„Whalefall“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Daniel Kraus, der sich zum Bestseller entwickelte. Die Verfilmung entstand unter der Regie von Brian Duffield, der unter anderem für den Science-Fiction–Thriller „No One Will Save You“ und die Horrorkomödie „Zerplatzt“ bekannt ist. Im Mittelpunkt von „Whalefall“ steht der junge Jay (Austin Abrams), der an die Pazifikküste reist, um nach den Überresten seines Vaters Mitt (Josh Brolin) zu suchen. Bei seinem Tauchgang wird er von einem Pottwal verschluckt und findet sich plötzlich in dessen Innerem wieder. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, bei dem er auf die Überlebenstechniken zurückgreifen muss, die sein Vater ihm in harten Lektionen beigebracht hat, bevor ihm der Sauerstoff ausgeht.

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Wenn jeder Atemzug der letzte sein könnte

Jedes Mal, wenn ein Arbeitskollege das Poster zu „Whalefall“ sieht, sieht er sich als Taucher gezwungen, zu erzählen, wie lächerlich die Prämisse des Films ist. Warum? Die Speiseröhre eines Wals sei nicht breit genug, um einen Menschen zu verschlucken. Und damit liegt er fast richtig. Denn eine Ausnahme bildet der Pottwal, der Jay in diesem Film zum Verhängnis wird. Unwahrscheinlich ist ein solches Szenario dennoch. Aber wer legt bei einem Film dieser Art schon großen Wert auf Realismus? Allein der Gedanke, die geringe Wahrscheinlichkeit, dass so etwas tatsächlich passieren könnte, reicht aus, um daraus einen nervenzerreißenden Film zu machen. Und alter Schwede, hat es „Whalefall“ in sich. Brian Duffield holt inszenatorisch alles aus der Ausgangssituation heraus und beschert Austin Abrams den wohl bisher furchtbarsten Tag seiner Filmkarriere. Wer unter Platzangst leidet, sollte sich den Kinobesuch zweimal überlegen. Duffield erzeugt ein unglaublich unangenehmes Gefühl von Klaustrophobie. Egal, ob es die Enge im Inneren des Wals, der Sauerstoffmangel oder die ätzende Magensäure ist: Jay hat es während der 104 Minuten alles andere als leicht, und man fiebert unentwegt mit ihm mit. In Zeiten von KI-Slop und übermäßigem CGI-Einsatz ist es umso bewundernswerter, dass Duffield und sein Team das Innere des Wals vollständig mit praktischen Effekten zum Leben erweckt haben. Für jeden Atemzug und jede Bewegung des Wals standen sieben Crewmitglieder außerhalb des Sets bereit, die mit Schaumstoffpaddeln gegen die fleischartigen Wände drückten oder daran zogen.

Whalefall Film 2026
Whalefall ©20th Century Studios

Diese Authentizität trägt, unterstützt durch ein großartiges Sounddesign, ungemein zur beklemmenden Atmosphäre bei. Wenn sich der Magen des Wals immer weiter zusammenzieht, Jay langsam der Sauerstoff ausgeht und er mit immer neuen Problemen zu kämpfen hat, überträgt sich dank der starken Inszenierung jeder Moment des Horrors spürbar auf das Publikum und lässt den Puls in die Höhe schnellen. Unterbrochen wird Jays Überlebenskampf immer wieder von Rückblenden, die das schwierige Verhältnis zwischen ihm und seinem verstorbenen Vater Mitt beleuchten. Diese Dynamik bildet den emotionalen Kern der Geschichte. Die ausweglose Situation wird zur Metapher für Jays Schuldgefühle, seine Trauer und unverarbeitete Traumata. Eigentlich ein mittlerweile etwas müdes Thema im Genre, das hier allerdings weitgehend effektiv umgesetzt wird. Symbolisch betrachtet wird der Wal zu einer Vaterfigur, in deren Ansprüchen sich Jay selbst nach dessen Tod noch immer gefangen fühlt. Gegen Ende nimmt Duffield diese Metapher allerdings etwas zu wörtlich, wodurch „Whalefall“ zunehmend ins Melodramatische abdriftet. Abgefedert wird das durch die starken Leistungen der beiden Hauptdarsteller. Josh Brolin ist trotz der schroffen Art seiner Figur so charmant wie eh und je. Und verdammt fit für sein Alter. Scream King Austin Abrams macht seinem Titel hingegen alle Ehre, vermittelt Jays Panik glaubwürdig und überzeugt zugleich in den emotional bewegenden Momenten.

Whalefall Film 2026
Whalefall ©20th Century Studios

Fazit

„Whalefall“ ist ein klaustrophobischer Überlebensthriller, der mit handgemachten Effekten, einem herausragenden Sounddesign und einem panischen Austin Abrams für Nervenkitzel sorgt. Auch emotional hat der Film einiges zu bieten, verliert sich gegen Ende jedoch etwas zu sehr im Melodrama. Ein packender Unterwasseralbtraum, der einem spürbar den Atem raubt.

Bewertung: 3.5 von 5.
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