| Titel | 791 km |
| Genre | Komödie, Drama |
| Jahr | 2023 |
| FSK | 0 |
| Regie | Tobi Baumann |
Kinostart: 14.12.2023
Vier Fremde und ein grummeliger Taxifahrer
Deutsches Kino durchlebt ein ständiges Auf und Ab. Nur selten gelingt es deutschen Regisseuren, Filme zu produzieren, die authentisch wirken, ohne dabei unangenehm gestellt oder klischeehaft zu erscheinen. Nach jedem einigermaßen guten Film, wie beispielsweise den diesjährigen „Wochenendrebellen“ und „Das Lehrerzimmer“, folgen drei Mainstreamkomödien mit Elyas M’Barek oder, noch schlimmer, Filme von und mit Till Schweiger. Ob Tobi Baumann, Regisseur von „Vollidiot“ und „Der Wixxer“, mit „791 KM“ dem deutschen Kino zu einem besseren Ruf verhelfen kann? Fraglich, aber schauen wir mal.

Und darum geht es…
Durch einen Sturm fällt die Zugfahrt von München nach Hamburg ins Wasser. Vier Fremde, die unterschiedlicher kaum sein könnten, finden sich durch die Bereitstellung von Gutscheinen der Deutschen Bahn im gleichen Taxi wieder. Der Fahrer, Josef (Joachim Król), erweist sich als eher mürrisch. In dem beengten Raum des Taxis kommt er mit Marianne (Iris Berben), Philipp (Ben Münchow), Tiana (Nilam Farooq) und Susi (Lena Urzendowsky) ins Gespräch. Trotz anfänglicher Meinungsverschiedenheiten und Auseinandersetzungen entwickelt sich nach und nach eine tiefere Verbindung zwischen den fünf Fremden.


Eine Taxifahrt mit Höhen und Tiefen
Filme bieten eine ausgezeichnete Plattform, um sozialkritische Themen einem breiten Publikum näherzubringen. Allerdings verfehlt „791 KM“ in der Art und Weise, wie es dies umsetzt, deutlich das Ziel. Die Inszenierung vermittelt den Eindruck, dass das Publikum nicht intelligent genug sei, um sich selbstständig eine Meinung zu bilden. In kurzen Abständen greifen die Charaktere verschiedene Themen auf, diskutieren intensiv und präsentieren dem Zuschauer scheinbar vorgefertigte Antworten. Dies wirkt nicht nur erzwungen, sondern gewährt dem Publikum auch keinerlei Raum, um selbstständig zu reflektieren. Auch der Versuch Humor in die Dialoge einzubringen geht meistens in die Hose und ist an manchen Stellen fast schon unangenehm.

In der ersten Hälfte macht „791 KM“ also so ziemlich alles falsch. Jedoch verlagert sich der Fokus in der zweiten Hälfte von oberflächlich behandelten sozialkritischen Themen zu den persönlichen Geschichten der Charaktere, und hier entfaltet der Film seine Stärke. Sobald die fünf Fremden sich öffnen und über ihre Erfahrungen mit häuslicher Gewalt, Verlust oder Krankheit sprechen, entsteht auch beim Zuschauer eine spürbare Verbindung. In dieser Phase verwandelt sich der Film von einer öden Tragikkomödie zu einem emotionalen Werk, das sich mit der Thematik befasst, wie wir dazu neigen, andere Menschen vorschnell zu beurteilen und dennoch Wege finden können, trotz unserer Unterschiede zueinander zu finden. Obwohl dies an einigen Stellen klischeehaft und kitschig wirken mag, funktioniert es dank der überzeugenden schauspielerischen Leistungen dennoch.

Fazit
„791 KM“ startet als anstrengende und wenig amüsante Tragikkomödie, offenbart jedoch in der zweiten Hälfte überraschend viel Herz und verhindert einen totalen Reinfall, dank eines talentierten Casts und emotional gelungener Dialoge.

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