Psycho Killer | Kritik – Film auf Disney Plus: „Sieben“ war gestern

Psycho Killer 2026 Film

Hellcat

TitelPsycho Killer
Genre Horror, Thriller
Jahr2026
FSK18
RegieGavin Polone

Starttermin: 10.09.2026 | Disney+

DIsney+ exhumiert einen Slasher

Was einmal im Archiv begraben wurde, sollte dort auch verrotten. Mit Hollywoods Giftschrank verhält es sich ein bisschen wie mit dem verfluchten Erdreich auf dem Friedhof der Kuscheltiere – denn Dinge, die dort unter einer dicken Schicht aus Staub und kreativen Differenzen ruhen, kehren nur selten unbeschadet ans Tageslicht zurück. Wenn sie nach Jahrzehnten doch noch exhumiert werden, entsteigt dem Grab oft eine entstellte, seelenlose Kreatur, die nur noch vage an ihre einstige Vision erinnert. Das jüngste Opfer dieser filmischen Nekromantie ist ein Projekt, das auf dem Papier wie die glorreiche Rückkehr des düsteren Psychothrillers der 90er- und 00er-Jahre anmutete, in der finalen Umsetzung jedoch zum Mahnmal der Entwicklungshölle mutiert ist. „Psycho Killer“ nämlich lauerte schon ziemlich lange im Limbus der Vorproduktion, während die Welt des Horrors längst an ihm vorbeigezogen ist.

Psycho Killer 2026 Film
Psycho Killer ©xxx

Der Auftakt wirkt dabei eigentlich stimmig, wenngleich etwas blutarm – gerade bei einem plakativen, B-Movie-Trash verheißenden Titel wie „Psycho Killer“. Alles beginnt auf einem gottverlassenen Highway in Kansas, wo das Leben der Polizistin Jane Archer (Georgina Campbell) plötzlich und blutig aus den Fugen gerät. Bei einer Routinekontrolle eines Fahrzeugs wird ihr Ehemann vor ihren Augen hingerichtet. Der Täter: Ein hünenhafter Maskierter, der medial betitelt als „The Satanic Slasher“ eine Schneise des Todes durch den Mittleren Westen schlägt. Während der Killer seinen blutigen Roadtrip unbeirrt fortsetzt und seine Opfer in okkulten Ritualen dem Bösen widmet, nimmt die traumatisierte Witwe auf eigene Faust die Verfolgung auf. Ihre Obsession führt sie durch das triste Hinterland Amerikas, vorbei an verlassenen Tankstellen und zwielichtigen Gestalten, tiefer und tiefer hinein, in einen Sumpf aus satanischem Wahn und roher Gewalt. Ein klassisches Katz-und-Maus-Spiel eben – nur ziemlich fußlahm.

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Der lange Schatten von „Sieben“

Manche Drehbücher reifen wie guter Wein, andere versauern: Sie lagern ewig im Keller, werden aber mit der Zeit nicht besser – sondern kippen. Diesen essigsauren Beigeschmack einer Überlagerung trägt auch „Psycho Killer“ in sich. Das Skript aus der Feder von „Sieben“-Schreiberling Andrew Kevin Walker staubte bereits seit 2006 in den Schubladen Hollywoods vor sich hin, gebeutelt von wechselnder Regie und neuen kreativen Köpfen, die kamen und gingen, um am Ende doch noch reanimiert zu werden. Dass sich das Genre über die Jahre gewandelt hat, mit neuen Impulsen, trendigen Gimmicks und experimenteller Trittbrettfahrerei ist dabei kaum zu übersehen. Was mit einem B-Movie-Plot aus den Untiefen der einstigen Direct-to-DVD-Hölle begann – ein bisschen „Sieben“ hier, ein wenig „8mm“ da –, wurde letztlich mit viel Opportunismus und wenig Liebe verquirlt mit allem, was seitdem in der Welt des Horrors mal mehr, mal weniger innovativ war. Das Ergebnis wirkt wie ein verzweifelter Versuch, den artifiziellen Einfluss des modernen Genrefilms in einen hanebüchenen Videotheken-Slasher Schrägstrich Serienkillerthriller zu zwingen. So kopiert „Psycho Killer“ die wagemutige Third-Person-Perspektive eines wortkargen Maskenmannes aus „In a Violent Nature“, übernimmt die fast schon grausame Entschleunigung eines „Longlegs“ und versucht sich am düsteren Serienkiller-Mysterium eines „Zodiac“.

Psycho Killer 2026 Film
Psycho Killer ©xxx

Unter der Regie von Gavin Polone entfaltet sich so ein Roadtrip, dessen Straßen zwar viele Leichen pflastern, aber auch logische Abgründe, tief wie Schlaglöcher. Egal ob die Kamera den grimmigen Maskenmann mit dokumentarischer Unspektakularität verfolgt – „In a Violent Nature“ hat diesen voyeuristischen Ansatz ungleich interessanter gestaltet –, oder parallel dazu Jane Archer begleitet, die nicht minder unspektakulär nahezu nichts zur Aufklärung beiträgt – „Psycho Killer“ scheint sich auf keinem seiner dramaturgischen Abwege um Glaubwürdigkeit zu scheren. Angesichts der schieren Gleichgültigkeit, mit der „The Satanic Slasher“ seine Spuren meist öffentlichkeitswirksam hinterlässt, hätte vermutlich selbst ein Forensik-Team vor der revolutionären Verhaltensanalyse der 1970er-Jahre binnen Stunden eine Verhaftung vorgenommen. Und genau hier zieht sich das Geschehen, zwar stimmungsvoll inszeniert und mit visuellem Gespür, aber losgelöst von charakterlichen Entwicklungen und Tiefgang, bis zum immer absurder werdenden Finale. Auf dem Weg dorthin bleibt immerhin eine Sequenz im Gedächtnis, die als visueller Exzess aus der Trägheit heraussticht: In einer vermeintlichen „Plansequenz“ wird mit einer Axt in Zeitlupe eine gesamte Sekte während einer satanistischen Sexparty abgeschlachtet. Das ist Hochglanz-Gewalt mit fragwürdigem Style – gewollt, pietätlos und exhibitionistisch, aber immerhin mit einem Schockeffekt, der im erzählerischen Vakuum hängen bleibt.

Psycho Killer 2026 Film
Psycho Killer ©xxx

Fazit

„Psycho Killer“ ist eine missglückte filmische Exhumierung: Trotz atmosphärischer Bilder und brutaler Spitzen scheitert der Thriller an seinem veralteten Skript, logischen Abgründen und dem verzweifelten Versuch, moderne Horror-Trends zu kopieren.

Bewertung: 2 von 5.
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