| Titel | Ruth & Boaz |
| Genre | Romanze, Drama |
| Jahr | 2025 |
| FSK | 12 |
| Regie | Alanna Brown |
Starttermin: 26.09.2025 | Netflix
Tyler Perry sucht die große Liebe und findet nur Pathos
Eine Bibeladaption im Jahr 2025 weckt automatisch Skepsis – zu groß ist die Gefahr von Pathos, zu klein die Hoffnung auf Nuancen. „Ruth & Boaz“ erzählt von Loyalität, Hingabe und der Kraft einer Bindung, die über Generationen hinweg Bedeutung hatte. Was Netflix und Tyler Perry Studios daraus machen, ist allerdings weniger Offenbarung als Seifenoper mit religiösem Anstrich. Statt subtiler Neuinterpretation gibt es plakative Botschaften, ausgestellte Konflikte und eine Bildsprache, die auf sentimentale Überwältigung setzt.

Und darum geht es…
Ruth (Serayah McNeill), eine aufstrebende Sängerin aus Atlanta, flüchtet aus den Klauen ihres manipulativen Produzenten Syrus (James Lee Thomas). In Tennessee begegnet sie Boaz (Tyler Lepley), Winzer und Musterbild des aufrechten Mannes. Während ihre Beziehung langsam wächst, legt sich ein Schatten über das Idyll: Ruths Vergangenheit, die Gewalt Syrus’ und die Vorbehalte ihrer Schwiegermutter Naomi (Phylicia Rashad) bedrohen das fragile Glück.

Liebe, Glaube, Kitsch
Die Zutaten klingen nach klassischem Melodram – doch auf dem heimischen Bildschirm verwandelt sich alles in eine ausladende Predigt. Regisseurin Alanna Brown folgt dabei exakt dem Muster, das Tyler Perry zuletzt in unerträglichen Netflix Originals wie „Straw“ und „Tyler Perry’s Doppelspiel“ gefahren ist, um plakativen Moralpredigten echten Emotionen den Vorrang zu geben. Die Dialoge wirken wie Bibelstundenzitate, nicht wie echte Interaktionen, während jede Ambivalenz zugunsten künstlich aufgesetzter Klarheit aufgegeben wird. Ruth ist Engel mit Wunden, Syrus Teufel im Produzentenanzug, Boaz der strahlende Retter. Differenzierte Figurenzeichnung fehlt. Stattdessen wird der Pathos immer lauter, bis der Kitsch schwerer wiegt als die ohnehin schon dünne Handlung. „Ruth & Boaz“ ist kein moderner Bibelfilm, sondern ein moralinsaures Melodram, das große Gefühle behauptet, aber nur Seifenoper liefert. Wer Nuancen sucht, wird enttäuscht; wer Predigten liebt, könnte sich immerhin verstanden fühlen.

Die klebrige Inszenierung trägt das Drama kaum, sie überhöht es nur künstlich. Voice-over begleiten das Treiben, kommentieren Gefühle, die nicht da sind, und wiederholen floskelhafte Weisheiten, die die Bilder ohnehin schon vermitteln. Sentimentale Musik legt sich wie ein schwerer Teppich über jede Interaktion, dramatisiert jede Träne und jeden Blick, bis selbst banale Momente künstlich aufgeladen wirken. In diesem Morast aus übertriebenem Pathos und leeren Floskeln reihen sich Szenen aneinander, deren einziger Antrieb ist, das Publikum möglichst nahe an die geplante emotionale Wirkung zu bringen. Was dann noch bleibt, ist ein Gefühl von Überkompensation, ein kleingeistiger Film, der größer sein möchte als er ist und dessen Inszenierung jeden Anspruch auf Authentizität untergräbt.

Fazit
„Ruth & Boaz“ verwandelt die alte Bibelgeschichte in eine flache Seifenoper: Pathos stapelt sich, Figuren wirken hohl, und Emotionen werden mit dem Holzhammer serviert.


