Das trügerische Idyll der Vorstadt
Weiße Gartenzäune, akribisch gemähte Vorgärten und perfekt gepflegte Hecken – das Bild der ruhigen, idyllischen Vorstadt könnte nicht trügerischer wirken. Was auf den ersten Blick wie das Abbild des amerikanischen Traums erscheint, birgt meist dunkle Geheimnisse, die tief unter der glänzenden Oberfläche lauern. Filme wie “Don’t Worry Darling” oder “The Stepford Wives” nutzten dieses scheinbar perfekte Setting als Symbol für die verborgenen Abgründe der menschlichen Natur und führt das Publikum über die von Rasensprengern gesäumten Einfahrten, mitten durch die harmonische Postkartenfamilienoberfläche, hinein in das dunkle, konfliktbeladene Verborgene. Ein vertrautes und wirkungsvolles Konzept, das nun auch “Holland” auf Amazon Prime Video aufgreift – aber auch mit ähnlich gutem Effekt?

Und darum geht es…
Holland, Michigan: Zusammen mit ihrem Ehemann Fred (Matthew Macfadyen) und ihrem Sohn Harry (Jude Hill) führt Hauswirtschaftslehrerin Nancy Vandergroot (Nicole Kidman) ein idyllisches Vorstadtleben. Doch als sie sich auf die Suche nach einem auf mysteriöse Weise abhanden gekommenen Perlenohrring begibt, stößt sie auf etwas, das den Verdacht schürt, Fred könnte eine Affäre haben. Bei ihrer Suche nach der Wahrheit wird sie immer tiefer in ein Netz aus Lügen verwickelt. Sie entdeckt, dass Fred ein gefährliches Doppelleben führt, das mit einem dunklen Geheimnis verbunden ist. Die Wahrheit, die sie aufdeckt, stellt nicht nur ihre gesamtes Leben auf den Kopf, sondern bringt sie auch in Lebensgefahr.

Stil ohne Substanz
Nancy Vandergroot fühlt sich gefangen in der Vorstadthölle und zieht ihre vorherbestimmten Bahnen, Runde für Runde, wie die elektrisch angetriebene Modelllok auf den Schienen der Miniaturgleiswelt ihres Ehemanns – dass selbiger ein dunkles Geheimnis zu hüten scheint, ist da nur die Spitze des Eisbergs. Um ihrem Bild der unglücklich Verheirateten, hinter der scheinbar perfekten Fassade Ausdruck zu verleihen, verlegt Mimi Cave die gern genommene Hamsterrad-Metaphorik um ein Stück zur Seite und verlegt sie auf das symbolische Gleisbett der Modelleisenbahn. So weit, so spannend. Wenn es jedoch darum geht, dieses vielversprechende Bild mit einer ebenso fesselnden Geschichte zu unterfüttern, gerät “Holland” ins Straucheln. So dümpelt die suburbane Thriller-Handlung zunächst einmal sehr lange Zeit überraschungs- und spannungsarm vor sich hin, ehe nach dem überraschend knapp gehaltenen und unaufgeregt in Szene gesetzte Finale am Ende auch schon der Abspann über den Bildschirm flimmert.

Sieht man einmal von einem visuell interessant gestalteten Albtraumszenario und der immer wieder aufgegriffenen Modelleisenbahnmetaphorik ab, bietet „Holland“ trotz stilistisch ansprechender Ansätze wenig Substanz. Die Charakterentwicklung bleibt statisch, und die angedeuteten Geheimnisse entfalten sich in einem Tempo, das die Spannung eher drosselt, anstatt sie voranzutreiben. Von der dramaturgischen Raffinesse, die Mimi Cave in ihrem feministischen Ausflug ins Horrorgenre „Fresh“ bewies, ist in “Holland“ jedenfalls kaum mehr etwas zu spüren. Was dann noch bleibt, ist die gewohnt souverän agierende Nicole Kidman, die nach ihrer starken Leistung in “Baby Girl“ immerhin punktuell positive Akzente setzen kann, während der Versuch, tiefere psychologische und gesellschaftliche Themen zu erkunden, weit hinter den Möglichkeiten zurückbleibt.

Fazit
Dieses “Holland” ist keine Reise wert – auch nicht mit der metaphorischen Modelleisenbahn!

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