Handling the Undead: Kritik zum Zombiefilm – Untote in einem anderen Licht!

Handling the Undead 2023 Film
TitelHandling the Undead
Genre Horror, Drama
Jahr2023
FSKungeprüft
RegieThea Hvistendahl

Fantasy Filmfest 2024

Manchmal ist der Tod besser

Die Untoten sind mal wieder auf dem Fantasy Filmfest los, doch „Handling the Undead“ von Thea Hvistendahl ist kein klassisch blutrünstiger Zombiefilm. Bereits auf dem renommierten Sundance Festival begeistert, besticht der norwegische Film durch emotionalen Tiefgang. Unter anderem mit Renate Reinsve, bekannt aus dem Oscar-nominierten „Der schlimmste Mensch der Welt“, wirft der Film die eindringliche Frage auf: Wie würde man damit umgehen, wenn verstorbene geliebte Menschen plötzlich wieder zum Leben erwachen?

Handling the Undead 2023 Film
Handling the Undead ©Pierrot le Fou

Und darum geht es…

Das Leben dreier Familien wird auf den Kopf gestellt, als nach einem mysteriösen Stromausfall in Oslo ihre kürzlich verstorbenen Angehörigen plötzlich wieder zum Leben erwachen. Mahler (Bjørn Sundquist) und seine Tochter Anna (Renate Reinsve) stehen unerwartet ihrem früh verstorbenen Enkel und Sohn gegenüber, während Tora (Bente Børsum) ihre verstorbene Frau erneut in die Arme schließen kann. Gleichzeitig hofft eine vierköpfige Familie, dass ihre bei einem Autounfall getötete Mutter und Ehefrau gerettet werden kann, nachdem sie ebenfalls wiederbelebt wurde. Doch die zentrale Frage bleibt: Was steckt hinter diesen unheimlichen Wiederauferstehungen?

Ein Zombiefilm ohne Blutrausch, dafür mit umso mehr Emotionen

Der Tod markiert bekanntlich das Ende. Außer im Horrorgenre – dort ist er oft nur der Anfang. Ob Besessenheit, Geister oder Zombies, es gibt immer einen Weg, die Toten auf für die große Leinwand wieder zum Leben zu erwecken. Meistens geschieht das in Zombiefilmen auf die gleiche, blutige Art, die schnell repetitiv wirken kann. Doch nicht hier. Statt auf blutige Splatterelemente zu setzen, wählt Regisseurin Thea Hvistendahl in „Handling the Undead“ einen ruhigen, intensiven Ton und fokussiert sich auf den inneren Aufruhr, den die Rückkehr eines geliebten Menschen auslösen würde. Der Film erinnert dabei mehr an „Friedhof der Kuscheltiere“ als an „The Walking Dead“ und verleiht dem Zombiegenre eine tief emotionale Note. Eine der eindringlichsten Szenen zeigt einen trauernden Großvater, der seinen wiederauferstandenen Enkel ausgräbt, ihm ein Bad gibt und ihm liebevoll seine Zuneigung gesteht – makaber und zugleich zutiefst bewegend. Hvistendahl meistert es, eine bedrückende Atmosphäre aufzubauen, die den Zuschauer nicht loslässt.

Handling the Undead 2023 Film
Handling the Undead ©Pierrot le Fou

Wer alt genug ist, um sich noch an die Zeiten der Videotheken zu erinnern, wird Diese wird durch herausragende Schauspielleistungen des Ensemble-Casts nur verstärkt. Die Darsteller:innen bringen die Trauer, Verwirrung und Angst ihrer Charaktere authentisch auf die Leinwand, was den Film zu einem intensiven emotionalen Erlebnis macht. Auch visuell ist „Handling the Undead“ beeindruckend und wunderschön gefilmt. Die tristen Farben und ruhigen, weiten Aufnahmen fangen die Isolation und Traurigkeit der Protagonisten perfekt ein, was zur beklemmenden Stimmung beiträgt. Das langsame Erzähltempo und der Verzicht auf Erklärungen könnten einige Zuschauer abschrecken – doch braucht man nach zig Zombiefilmen wirklich noch eine Begründung? Hier stehen die Gefühle der Betroffenen im Vordergrund, nicht reißerische Schockmomente – und das ist auch gut so. Im letzten Akt gibt es dennoch einige klassische Horrormomente, in denen verweste Zombies auf blutige Weise über ihre Opfer herfallen. Diese Augenblicke setzt Hvistendahl jedoch so bedacht ein, dass der Film den typischen Horror-Konventionen entgeht.

Handling the Undead ©Pierrot le Fou

Fazit

„Handling the Undead“ ist ein ruhiger, emotionaler Zombiefilm, der das Genre mit einer melancholischen Note und starken Darstellerleistungen bereichert. Statt auf blutige Schocks setzt Regisseurin Thea Hvistendahl auf eine intensive Auseinandersetzung mit Verlust und Trauer, was den Film zu einem eindringlichen und atmosphärischen Erlebnis macht.

Bewertung: 3.5 von 5.
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