| Titel | Immaculate |
| Genre | Horror, Drama |
| Jahr | 2024 |
| FSK | 18 |
| Regie | Michael Mohan |
Heimkinostart: 25.07.2024
Zwischen Suspense und Wahnsinn
Glaube und Fanatismus, ein unheilvolles Duo, das sich enge verzahnt, durch die Jahrhunderte zieht – auch im Christentum, wo der heilige Anspruch auf Wahrheit oft die Pforten zur Hölle öffnet. Der Glaube, einst Quelle der Hoffnung und des Trostes, mutiert unter den falschen Händen zur Rechtfertigung für Kreuzzüge, Inquisitionen und Hexenverbrennungen und verkommt dabei zum Werkzeug der Intoleranz. Ist der Grat zwischen wahrem Glauben und blindem Fanatismus wirklich so schmal, oder ist es nicht doch der Mensch, der diesen aus seiner eigenen Unsicherheit heraus pervertiert? Denn was bleibt dann noch übrig von der Religion, wenn sie letztlich als Waffe missbraucht wird? Eine Frage, die sich auf “Immaculate” stellt – und prompt eine überraschend blutige Antwort liefert!

Und darum geht es…
Cecilia (Sydney Sweeney) hat infolge eines tragischen Vorfalls in ihrer Kindheit schon früh zum Glauben gefunden. Aus diesem Grund beschließt sie ihre Heimatstadt in den USA zugunsten einer Arbeit in einem abgelegenen italienischen Kloster zu verlassen, um sich dort der Pflege älterer und kranker Nonnen zu widmen. Doch schon bald muss sie entdecken, dass sich hinter der ruhigen Fassade des von Father Sal Tedeschi (Álvaro Morte) geführten Klosters unheimliche Geheimnisse lauern. Während sie tiefer in die mysteriösen Ereignisse eintaucht, stößt sie auf eine düstere Verschwörung, die ihren eisernen Glauben auf die Probe stellt!

Sydney Sweeney brilliert in Michael Mohans bizarrer Horrorvision
Unter der Brust von Michael Mohans bizarrer Horrorvision „Immaculate” schlagen zwei Herzen. Zum einen das eines auf Slowburn getrimmten Suspensedramas, das die atmosphärische Beklemmung in den Vordergrund rückt und den Grusel aus den stimmigen Originalschauplätzen und der unheilverheißenden Musik schöpft, während demgegenüber ein weiteres, in doppelter Geschwindigkeit vor sich hinklopfend, Exploitation und Wahnsinn in den Blutkreislauf pumpt. Was bedächtig beginnt, schockt mit ungenierter Brutalität, die verdächtig nahe am karikatur-esken Wahnwitzig gebaut ist. Der ungewöhnliche Spagat gelingt und macht “Immaculate” zum Nonnenhorror der etwas anderen Art – schön irre, andersartig und eigenwillig bis zum Ende!

Wer 2024 auf der Suche nach religiösen Abgründen, den naheliegenden Weg des Mainstreams betritt, stößt unweigerlich auf “Das erste Omen” und läuft dabei Gefahr, das eigentliche Highlight des Jahres vollkommen zu übersehen: “Immaculate”. Sydney Sweeneys (“Reality – Wahrheit hat ihren Preis“) glaubwürdige Performance zwischen zurückhaltender Schockstarre und inbrünstiger Scream Queen ist nur eines von vielen schlagkräftigen Argumenten, die die beklemmende Horrorgroteske zutage bringt. Wie zuletzt “Knock Knock Knock” zeichnet “Immaculate” vor allem der Mut aus, zwei diametral zueinander verlaufende Aspekte des Horrors zu kombinieren. Michael Mohan liebt die Extreme, driftet vom einen, ins andere, ohne dabei das große Ganze aus den Augen zu verlieren. Summa summarum gelingt ihm das hervorragend – da sind selbst zwei, drei platte Jumpscares zu verkraften.

Fazit
„Immaculate“ meistert den ungewöhnlichen Spagat zwischen langsamem Suspensehorror und schockierender Brutalität mit Bravour!


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