Paradise [2023] Kritik / Netflix

TitelParadise
Genre Sci-Fi, Thriller
Jahr2023
FSK16
RegieBoris Kunz

Starttermin: 27.07.2023 [Netflix]

Lebenszeit als Währung

Zeit ist Geld. So besagt es zumindest ein weitläufig bekanntes Sprichwort. In der dystopischen Zukunftsvision des deutschen Netflix Originals “Paradise”, das ab dem 27. Juli 2023 für Sci-Fi-begeisterte Abonennt*innen des Streaminganbieters zu sehen gibt, ist diese Weisheit nicht im übertragenen, sondern im wörtlichen Sinne zu verstehen. Wie bereits Justin Timberlake und Mila Kunis im US-amerikanischen Actionthriller “In Time” bekommen auch Kostja Ullmann und Marlene Tanczik die volle Ladung Ungerechtigkeit einer Gesellschaft zu spüren, in der Reichtum neben Wohlstand auch ein langes, langes Leben gewährt…

Paradise ©Andrej Vasilenk/Netflix

Und darum geht es…

Als Angestellter der Firma AEON hat Max die Aufgabe neue Spender*inne zu akquirieren, die einen Teil ihrer Lebenszeit für eine beachtliche Geldsumme veräußern. Für viele ist dies die einzige Möglichkeit, sich und ihren Familien aus der Armut zu befreien. Die kostbare Ware steht seitens der wohlhabenden Bevölkerung hoch im Kurs, schließlich können diese so ihre Jugend zurückerlangen und mit ihr auch ein langes Leben. Max’ positive Einstellung zu seiner vom großen Teil der Menschen verurteilten Tätigkeit ändert sich jedoch prompt, als er und seine Frau Elena sich nach einem Hausbrand vor einem gigantischen Schuldenberg wiederfinden. Und viel schlimmer noch: Elena hatte bei der Finanzierung knapp 40 Jahre ihrer Lebenszeit als Sicherheit hinterlegt, die nun von ihren Schuldnern eingefordert werden. Ein nicht nur sprichwörtlicher Wettlauf gegen die Zeit beginnt!

Paradise ©Andrej Vasilenk/Netflix

Das deutsche “Black Mirror”

Auf die Gefahr hin, dass der oft gewählte Vergleich zur erfolgreichen Anthologieserie den meisten Leser*innen vermutlich schon längst aus den Ohren herauskommt, ist die “Black Mirror”-Gegenüberstellung einfach viel zu naheliegend, um sie bei der Beschreibung des deutschen Sci-Fi-Thrillers “Paradise” nicht heranzuziehen. Wie so oft in letzter Zeit – zuletzt vor einer Woche beim ebenfalls direkt für Netflix produzierten “They Cloned Tyron” mit Jamie Foxx – breiten sich die Black Mirror-esken Geschichten in der Film- und Serienwelt immer weiter aus. In Zeiten von Künstlicher Intelligenz und fortschreitender Digitalisierung bietet sich der Mix aus gesellschaftskritischen Themen und düsterer Science Fiction nun mal hervorragend als Stilmittel an, um auf Missstände hinzuweisen und die Menschen zum Denken anzuregen. Wieso der Vergleich für eine Besprechung im Fall von “Paradise” aber tatsächlich essenziell ist, liegt daran, dass der zweistündige Thriller im Rahmen einer einstündigen “Black Mirror”-Episode deutlich besser aufgehoben wäre.

Paradise ©Andrej Vasilenk/Netflix

Während die erste Hälfte als reduziertes Sci-Fi-Drama mit einnehmender Stimmung und ethischen Fragen zu fesseln weis, geht “Paradise” in der zweiten Hälfte einen anderen, weitaus generischeren Weg und entwickelt sich mehr und mehr zum handelsüblichen Thriller ohne eigene Identität. Mit dem inszenatorischen Wechsel erhalten auch erstmals spürbare Längen Einzug in einen bis dato überraschend spannenden Genrefilm made in Germany. Dass “Paradise” letzten Endes doch noch eine gute Figur macht, liegt einerseits am überzeugenden Cast, zu dem auch “Triangel of Sadness”-Darstellerin Iris Berben gehört und der handwerklich sauberen Inszenierung, die sich nicht hinter anderen internationalen Netflix Originals verstecken muss. Einzig die Antwort auf die Frage, wieso in einer fortschrittlichen Zukunft wie dieser eine Versicherungspolice grobe Fahrlässigkeit ausschließt, bleibt ein Rätsel – aber dieses Mysterium dürfte wohl nur brancheninternes Fachpersonal beschäftigen.

Paradise ©Andrej Vasilenk/Netflix

Fazit

Auf eine starke erste Hälfte mit spannender Sci-Fi, folgt ein generischer Thriller!

Bewertung: 3 von 5.

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