Ob Colin Farrell in „Nicht auflegen!“, Halle Berry in „The Call“ oder Naomi Watts in “The Desperate Hour” – manchmal reicht ein Anruf vollkommen aus, um Hochspannung zu generieren. In “On the Line” hat nun auch der ehemalige Hollywood-Star Mel Gibson – dessen filmisches Schaffen seit seinen Skandalen zwischenzeitlich eher im C-Movie-Bereich angesiedelt ist – den Schrecken auf der Leitung. Ob das gut geht?

Handlung
Während einer nächtlichen Radio-Talksendung kidnappt ein anonymer Anrufer die kleine Tochter und Ehefrau des Moderators Elvis Cooney und droht ihm, sie zu töten. Um seine Familie zu retten, muss der raubeinige Talkmaster ein sadistisches Überlebensspiel bestreiten, bei dem mehrere Unbeteiligte im Gebäude des Senders getötet werden. Der nicht immer freundliche Cooney hat nur einen Ausweg: er muss seine Vergangenheit durchforsten, um die Identität des Killers zu ermitteln. Gespannt verfolgt die ganze Stadt im Radio, wie sich der perfide Wettstreit zu einem für alle Beteiligten unerwarteten Ende entwickelt.

Kritik
Bei Anruf Thriller! Wenn “On the Line” nach rund einem Drittel seiner Laufzeit seinen spannungsgeladenen Höhepunkt findet, wäre dies der perfekte Moment für Regisseur Romuald Boulanger gewesen, das Publikum mit dem Einsetzten des Abspanns aus einem unterhaltsamen Kurzfilm zu entlassen. Bis dato macht der minimalistische Telefon-Thriller nämlich einen verdammt guten Job, zieht die Spannungsschraube gemächlich an und holt das Beste aus seinen wenigen Darsteller*innen heraus. Aber Fehlanzeige. Ähnlich wie bei einem Telefonat zwischen zwei vertrauten Menschen, die nach der ersten Verabschiedung doch nochmal weiter quatschen, versäumt es Boulanger den Hörer rechtzeitig aufzulegen – und das filmische Desaster nimmt seinen Lauf.

Vom intimen Kammerspiel auf der audiovisuellen Ebene zum hanebüchenen Gaga-Thriller samt dämlichen Wendungen. Während Mel Gibson als schlagfertiges Arschloch zu Beginn darstellerisch glänzen kann – besonders verstellen muss er sich dafür ja nicht – ist das Schauspiel des einstigen Mega-Stars gegen später eine reine Zumutung – und der restliche Cast tut es ihm gleich. Schreckliche Dialoge treffen auf ausgelutschte Klischees – und der Plot wird immer absurder und unlogischer. Tipp aus der Redaktion: Bis zum Ende des fesselnden ersten Drittels dran bleiben und dann selbst zum Smartphone greifen. Durch Instagram scrollen, alte Fotos anschauen oder vielleicht mal wieder die Eltern anrufen – ganz egal.

Fazit
Erst so gut, dann so schlecht!
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