Ryde – Your Final Destination

Wenn sich die sich zuspitzenden Spannung in Nicolas Winding Refns Meisterwerk „Drive“ plötzlich explosionsartig in einem unbändigen Feuerwerk aus brachialer Gewalt entlädt, verkommt die rohe Brutalität zu keinem Zeitpunkt zum Selbstzweck, sondern ist wichtiger Bestandteil der Geschichte und erweitert den Plot und die Charaktere, um eine weitere Dimension, die essenziell erscheint. Explizite Gewalt ist ein cineastisches Stilmittel, das im richtigen Rahmen einen Film ungemein aufwerten kann – eine Erkenntnis, die der US-amerikanische Filmemacher Brian Frank Visciglia so wohl nicht unterschreiben würde…

Ryde – Your Final Destination ©Nameless

Handlung

Nachdem seine beiden Fahrgäst*innen Jasmin und Marcus das Auto des „Ryder“-Fahrers Karl verlassen haben, ahnt er noch nicht, dass sein nächster Mitfahrer auch sein letzter sein wird. Während es sich Jasmine und ihr Freund Marcus bei einem romantischen Date gut gehen lassen, wird Karl vom zugestiegenen Psychopathen Paul kurzerhand ermordet. Der charismatische Killer erkennt schnell das Potenzial, des Mitfahrservices „Ryder“ für sich und schlüpft für die restliche Nacht in die Rolle seines letzten Opfers, um weitere unwissende Nutzer der App in sein Auto zu locken.

Ryde – Your Final Destination ©Nameless

Kritik

Toxische Männlichkeit, barbusige Topmodels und explizite Gewaltausbrüche. „Ryder – Your Final Destination“ wandert stilistisch auf den Spuren großer Vorbilder wie dem nihilistischen Kultfilm „American Psycho“ oder dem unterkühlten Horrorthriller „Bloodline“ und macht das, reduziert auf das audiovisuelle Gewand, gar nicht mal so übel. Das Problem ist nur, dass der FSK-18-Schocker auf der erzählerischen Ebene komplett versagt, seinem Antagonisten keinerlei Profil gibt und darüber hinaus schlichtweg höchst sexistisch und zutiefst unmoralisch daherkommt.

Ryde – Your Final Destination ©Nameless

Die sexuellen Gewaltfantasien eines heterosexuellen Cis-Manns! In Anbetracht der exhibitionistischen Zurschaustellung von nackten Körpern in Verbindung mit roher Brutalität und der Objektifizierung einer jeden weiblichen Figuren, muss sich Regisseur Brian Frank Visciglia die Frage nach den fraglichen Motiven für seinen Genrefilm definitiv gefallen lassen. Sein misogyner Gewaltporno ist selbst unter dem Deckmantel der Kunst ein Angriff auf den guten Geschmack. Dabei hätten die kurzen, aber genüsslich zelebrierten Gewaltausbrüche in einem anderen Kontext sicherlich Kult-Potential. Schade um den tollen Synthe-Score und die elektrisierenden Nachtaufnahmen der Straßen von LA.

Ryde – Your Final Destination ©Nameless

Fazit

Ein misogyner Gewaltporno!

Bewertung: 1.5 von 5.

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