Wenn Exploitation nur noch ausstellt
Feuerwerk aus brachialer Gewalt entlädt, verkommt die rohe Brutalität zu keinem Zeitpunkt zum Selbstzweck, sondern ist wichtiger Bestandteil der Geschichte und erweitert den Plot und die Charaktere um eine weitere Dimension, die essenziell erscheint. Explizite Gewalt ist ein cineastisches Stilmittel, das im richtigen Rahmen einen Film ungemein aufwerten kann – eine Erkenntnis, die der US-amerikanische Filmemacher Brian Frank Visciglia so wohl nicht unterschreiben würde.

Jasmine und Marcus nutzen nach einem gemeinsamen Abend den Fahrdienst „Ryde“ und steigen in Karls Auto. Für den Fahrer endet die Nacht jedoch tödlich, als kurz darauf der charismatische, aber vollkommen enthemmte Paul zusteigt und ihn ermordet. Schnell erkennt Paul, wie leicht sich die App für seine Zwecke missbrauchen lässt. Er übernimmt Karls Wagen, gibt sich als Fahrer aus und lockt ahnungslose Fahrgäste in sein Auto. Während Los Angeles im künstlichen Licht der Nacht vorbeizieht, wird aus dem Mitfahrservice eine mobile Todesfalle – und Jasmine gerät erneut in den Fokus des Killers.

Neonlicht, Synthesizer und Frauenhass
Toxische Männlichkeit, barbusige Topmodels und explizite Gewaltausbrüche. „Ryde – Your Final Destination“ wandert stilistisch auf den Spuren großer Vorbilder wie dem nihilistischen Kultfilm „American Psycho“ oder dem unterkühlten Horrorthriller „Bloodline“ und macht das, reduziert auf das audiovisuelle Gewand, gar nicht mal so übel. Das Problem ist nur, dass der FSK-18-Schocker auf der erzählerischen Ebene komplett versagt, seinem Antagonisten keinerlei Profil gibt und darüber hinaus schlichtweg höchst sexistisch und zutiefst unmoralisch daherkommt.

Die sexuellen Gewaltfantasien eines heterosexuellen Cis-Manns! In Anbetracht der exhibitionistischen Zurschaustellung von nackten Körpern in Verbindung mit roher Brutalität und der Objektifizierung jeder weiblichen Figur muss sich Regisseur Brian Frank Visciglia die Frage nach den fraglichen Motiven für seinen Genrefilm definitiv gefallen lassen. Sein misogyner Gewaltporno ist selbst unter dem Deckmantel der Kunst ein Angriff auf den guten Geschmack. Dabei hätten die kurzen, aber genüsslich zelebrierten Gewaltausbrüche in einem anderen Kontext sicherlich Kultpotenzial. Schade um den tollen Synth-Score und die elektrisierenden Nachtaufnahmen der Straßen von L. A.

Fazit
Ein misogyner Gewaltporno mit hübschem Neonlook und starkem Synth-Score, aber ohne erzählerische Substanz, Figurenprofil oder moralisches Gespür. „Ryde“ will kalt, stylish und brutal sein – und landet viel zu oft einfach nur im Geschmacklosen.

