Hatching

Was für ein Jahr für Horrorfans! 2022 entpuppt sich immer mehr zu einem denkwürdigen Filmjahr des Elevated Horror und zeigt, dass gerade im europäischen Raum ein ungeahnt großes Potenzial für das Genrekino schlummert. Nach dem isländischen “The Lamb” und dem norwegischen “The Innocents” darf nun auch Finnland beweisen, dass abseits des Mainstreamhorros aus Hollywood so vieles mehr möglich ist.

Hatching ©Wild Bunch

Handlung

Tinja, ein 12-jähriges Mädchen, lebt unter dem strengen Regime ihrer perfektionistischen Mutter, die ein makelloses Familienbild aufrechterhalten will. Eines Tages findet Tinja ein merkwürdiges Ei im Wald und bringt es nach Hause. Das Ei wächst ungewöhnlich schnell und schlüpft schließlich in eine Kreatur, die Tinja eine verstörende, aber auch faszinierende Verbindung erleben lässt. Während das Wesen heranwächst, entfalten sich unheimliche Ereignisse, die Tinja und ihre Familie vor große Herausforderungen stellen.

Hatching ©Wild Bunch

Kritik

Unter der perfekten Oberfläche brütet… Pardon, brodelt es! Man könnte fast meinen, die junge Tinja und ihre Familie leben in einem Katalog eines hochpreisigen Möbelgeschäfts. Ein derartig makellose Familienglück muss selbstverständlich mit der Social-Media-Welt geteilt werden. Jedoch wäre „Hatching“ natürlich kein Horrorfilm, wenn diese öffentliche Zurschaustellung nichts als Fassade wäre. Trotz der Omnipräsenz von schrägem Body-Horror und blutigen Schockmomenten steckt das wahre Grauen wie so oft wieder einmal in zutiefst menschlichen Problemen. Die Metamorphose, die Tinja durchlebt, nutzt Regisseurin Hanna Bergholm als bildliche Metapher für das Nicht-Perfektsein, um daraus ein satirisch angehauchtes Horrordrama zu entsinnen. Fehler und Schwächen sind Teil eines jeden Menschen, wer dies nicht zulassen kann – oder besser noch – wer dies nicht zulassen darf, wird den Kampf mit sich selbst unweigerlich verlieren.

Hatching ©Wild Bunch

Im Kern ist „Hatching“ eine Geschichte über das Erwachsenwerden, was von Natur aus schon ein schwieriges Unterfangen ist, erst recht, wenn die Eltern ihr verpasstes Glück stellvertretend durch ihre Kinder erleben wollen. Die junge Siiri Solalinna entpuppt sich dabei als kleine Entdeckung. Tinja droht unter dem körperlichen und seelischen Druck ihrer fordernden Mutter zu zerbrechen – und Solalinna transportiert diesen Schmerz mit Bravour! Gerade unter dem Coming-Of-Age-Aspekt geht „Hatching“ als Film vollkommen auf. Da ist es auch zu verkraften, dass der stets mitschwingende satirische Unterton dem Horror einen großen Teil des Schreckens nimmt. Das macht „Hatching“ letztendlich eher zum grotesk surreal Erlebnis als zu einem reißerischen Horrorfilm – aber irgendwie ist das auch gut so!

Hatching ©Wild Bunch

Fazit

Ach du dickes Ei! Was für ein Film!

Bewertung: 4 von 5.

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