Bock auf deutsches Genre-Kino? Mit Lukas Rinkers Indie-Produktion „Ach du Scheiße!“ darf sich bald eine in Blut und Unrat getränkte Thriller-Komödie auf der großen Leinwand beweisen. Das abgefahrene Poster jedenfalls verspricht einen actiongeladenes Spektakel mit verrückten Einfällen und weckt dabei Erinnerungen an die “Crank”-Filme der Regisseure Mark Neveldine und Brian Taylor. Um mit dem Low-Budget-Streifen Spaß haben zu können, sollte man jedoch zuvor seine Erwartungen anpassen, denn Rinkers Film geht einen komplett anderen und eigenen Weg!

Handlung
Als der Architekt Frank in einer Lache aus seinem eigenen Blut erwacht, kann er sich an nichts erinnern. Nun ist er gefangen in einem umgekippten Dixi-Klo, direkt neben einer großen Sprengladung, die kurz vor der Detonation steht. Eine massive Metallstange, die sich direkt durch seinen Arm bohrt, macht ein Entrinnen schier unmöglich. Während die Stimme des bayrischen Bürgermeisterkandidaten Horst über die Lautsprecheranlage die immer näher rückende Sprengung ankündigt, versucht sich Frank mit aller Kraft aus seinem Plastiksarg zu befreien. Doch die Uhr tickt bereits…

Kritik
„Ach du Scheiße!“ – passender könnte man den Titel für Lukas Rinkers schwarzhumoristischen Independentfilm nicht wählen, denn Frank steckt im wahrsten Sinne des Wortes bis zum Hals in menschlichen Fäkalien. Wenn sich Porno-Sternchen Micaela Schäfer gleich zu Beginn zu den schmalzigen Klängen des deutschen Pop-Klassikers „Ohne dich“ der Band Münchener Freiheit entblößt, weckt dies große Hoffnungen auf einen völlig überdrehten Kino-Spaß, doch Rinkers entscheidet sich für einen anderen Weg – die absurden Einfälle hingegen bleiben bestehen.

Das knallbunte Cover, die überdrehte Anfangsszene und der quietschbunte Look schreien förmlich nach einem abgefahrenen Ritt im Stile des Jason Statham Actioners „Crank“ oder der nicht minder verrückten Netflix-Serie „Happy“, zu dessen Hauptdarsteller der deutsche Schauspieler Thomas Niehaus lustigerweise auch noch optische Parallelen aufweist. Doch Fehlanzeige! „Ach du Scheiße!“ ist zwar immer wieder völlig drüber, entpuppt sich aber schon nach dem Opener als ein auf wenige Quadratmeter beschränkte Survival-Kammerspiel a la „Buried“. Anders als einst Ryan Reynolds findet sich der Protagonist jedoch nicht in einem Holzsarg mehrere Meter unter der Erde, sondern in einem umgestürzten Dixie-Klo in einer Baugrube wieder – und das zu knapp 90 Prozent der gesamten Spielzeit.

Bisschen Gaga, aber nicht genug! Mit Cartoon-Print verzierte Socken, kindische Unterwäsche und ein sprechender Smiley auf einem Toilettendeckel sind nun mal kein Vergleich zu Sex auf der Pferderennbahn („Crank 2: Hight Voltage“) oder einem sprechenden Einhorn („Happy“). Besonders lustig ist „Ach du Scheiße“ nie, daran ändert auch ein Polizisten-Duo, das mit ihrem albernen Overacting direkt aus einem Tom Gerhard Film stammen könnten. Der oft deplatziert wirkende Humor hat ebenfalls zur Folge, dass auch die emotionalen Momente wirkungslos verpuffen und die Spannung im Keim erstickt wird. So anschaulich und stellenweise unterhaltsam Gaga „Ach du Scheiße!“ auch sein mag, zieht sich der vorhersehbare Plot dann doch sehr und lässt dabei vieles vom durchaus vorhanden Potenzial liegen.

Fazit
„Crank“ goes Kammerspiel!
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