Ein Plastiksarg voller Fäkalien
Lukas Rinkers „Ach du Scheiße!“ verspricht ein actiongeladenes Spektakel mit verrückten Einfällen und weckt dabei Erinnerungen an die „Crank“-Filme der Regisseure Mark Neveldine und Brian Taylor. Um mit dem Low-Budget-Streifen Spaß haben zu können, sollte man jedoch zuvor seine Erwartungen anpassen, denn Rinkers Film geht einen komplett anderen und eigenen Weg. Weniger Dauereskalation auf offener Straße, mehr klaustrophobischer Überlebenskampf im schlimmstmöglichen Raum der Welt: einem umgekippten Dixi-Klo, in dem Blut, Dreck, Panik und sehr viele schlechte Entscheidungen zusammenkommen.

Architekt Frank wacht schwer verletzt in einem umgestürzten Dixi-Klo auf. Er weiß nicht, wie er dort gelandet ist, steckt in einer Lache aus Blut und Fäkalien fest und kann sich kaum bewegen, weil eine Metallstange seinen Arm durchbohrt. Draußen wird eine Baustelle für eine Sprengung vorbereitet, während der Bürgermeisterkandidat Horst die Aktion öffentlichkeitswirksam ankündigt. Frank bleiben nur wenige Minuten, um herauszufinden, was passiert ist, Hilfe zu rufen und irgendwie aus seinem Plastiksarg zu entkommen. Doch je mehr Erinnerungsfetzen zurückkehren, desto deutlicher wird, dass sein Elend nicht einfach ein Unfall war.

Mehr Buried als Crank
„Ach du Scheiße!“ – passender könnte man den Titel für Lukas Rinkers schwarzhumoristischen Independentfilm nicht wählen, denn Frank steckt im wahrsten Sinne des Wortes bis zum Hals in menschlichen Fäkalien. Wenn sich Porno-Sternchen Micaela Schäfer gleich zu Beginn zu den schmalzigen Klängen des deutschen Pop-Klassikers „Ohne dich“ der Band Münchener Freiheit entblößt, weckt dies große Hoffnungen auf einen völlig überdrehten Kino-Spaß, doch Rinkers entscheidet sich für einen anderen Weg – die absurden Einfälle hingegen bleiben bestehen. Das knallbunte Cover, die überdrehte Anfangsszene und der quietschbunte Look schreien förmlich nach einem abgefahrenen Ritt im Stile des Jason-Statham-Actioners „Crank“ oder der nicht minder verrückten Netflix-Serie „Happy“, zu deren Hauptdarsteller der deutsche Schauspieler Thomas Niehaus lustigerweise auch noch optische Parallelen aufweist. Doch Fehlanzeige!

„Ach du Scheiße!“ ist zwar immer wieder völlig drüber, entpuppt sich aber schon nach dem Opener als ein auf wenige Quadratmeter beschränktes Survival-Kammerspiel à la „Buried“. Anders als einst Ryan Reynolds findet sich der Protagonist jedoch nicht in einem Holzsarg mehrere Meter unter der Erde, sondern in einem umgestürzten Dixi-Klo in einer Baugrube wieder – und das zu knapp 90 Prozent der gesamten Spielzeit. Bisschen Gaga, aber nicht genug! Mit Cartoon-Print verzierte Socken, kindische Unterwäsche und ein sprechender Smiley auf einem Toilettendeckel sind nun mal kein Vergleich zu Sex auf der Pferderennbahn in „Crank 2: High Voltage“ oder einem sprechenden Einhorn in „Happy“. Besonders lustig ist „Ach du Scheiße!“ nie, daran ändert auch ein Polizistenduo nichts, das mit seinem albernen Overacting direkt aus einem Tom-Gerhardt-Film stammen könnte. Der oft deplatziert wirkende Humor hat ebenfalls zur Folge, dass auch die emotionalen Momente wirkungslos verpuffen und die Spannung im Keim erstickt wird. So anschaulich und stellenweise unterhaltsam Gaga „Ach du Scheiße!“ auch sein mag, zieht sich der vorhersehbare Plot dann doch sehr und lässt dabei vieles vom durchaus vorhandenen Potenzial liegen.

Fazit
„Ach du Scheiße!“ ist „Crank“ goes Kammerspiel, nur deutlich weniger wild, als Cover und Auftakt versprechen. Die Dixi-Klo-Prämisse ist herrlich absurd, der Low-Budget-Einfallsreichtum sichtbar, doch Humor, Spannung und Emotionen greifen zu selten sauber ineinander.

