X [2022] Kritik

„Texas Chainsaw Massacre“ trifft Porno – so oder so ähnlich wurde Ti Wests neuer Horrorfilm Anfang des Jahres angekündigt. Eine zugegebenermaßen durchaus interessante Prämisse, aber nicht der ausschlaggebende Punkt, der denn Südstaaten-Slasher zu einem der meisterwarteten Filme des Jahres machte. Der eigentliche Grund für die hohen Erwartungen lässt sich auf eine kleine Zahlen-Buchstaben-Folge auf den internationalen Kinopostern zurückführen. Die Rede ist natürlich von A24, dem für außergewöhnliches Horrorkino bekannte Filmstudio, das sich nun auch für „X“ verantwortlich zeigt. Doch während das eingangs erwähnte Massaker- / Porno-Versprechen definitiv eingelöst wird, ist vom A24-Geist leider recht wenig zu spüren.

X ©Capelight Pictures

Handlung

Im Jahr 1979 mietet sich eine Gruppe Filmschaffender auf einer abgelegenen Farm ein, um dort heimlich einen Porno abzufilmen. Die zelebrierte Freizügigkeit der jungen Leute hat jedoch ungeahnte Auswirkungen auf den Gemütszustand auf die unwissenden Besitzer*innen…

X ©Capelight Pictures

Kritik

Die große Stärke von „X“ ist der authentische Retro-Look. Ti West verpackt die blutigen Ereignisse in verwaschenen Bilder, mit altertümlichen Blenden, 70er Jahre Ausstattung und glaubhaften Kostümen. Auch der Score könnte so direkt der „Texas Chainsaw Massacre“-Ära entstammen. Im direkten Vergleich mit seinem großen Vorbild zieht „X“ dennoch den Kürzeren. An die dichte Atmosphäre des Klassikers, dessen Dreck & Hitze jederzeit spürbar sind, kommt West mit seinem Retro-Slasher nicht heran – dafür ist dieser dann doch zu glatt produziert.

X ©Capelight Pictures

In Sachen Dialoge, Darsteller & Figuren hebt sich „X“ jedoch dafür deutlich vom Genrestandard ab. Und auch der wenig subtile, aber interessante Subtext über die Sehnsucht nach der Jugend & die Vergänglichkeit der eigenen Sexualität wertet den ansonsten eher durchschnittlichen Slasher auf. Abgesehen von soliden Kills bietet der Horror-Part nämlich eher wenig Spannung & Suspense – die ausgelassene erste Stunde macht deutlich mehr Spaß als das eigentliche Gemetzel im letzten Drittel. Alles in allem eine Enttäuschung – aber trotzdem gut.

X ©Capelight Pictures

Fazit

Ein solider Retro-Slasher!

Bewertung: 3 von 5.

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