X | Film – Kritik: A24-Slasher zwischen Porno und Verfall

Texas Chainsaw Massacre trifft Pornodreh

„Texas Chainsaw Massacre“ trifft Porno – so oder so ähnlich wurde Ti Wests neuer Horrorfilm Anfang des Jahres angekündigt. Eine zugegebenermaßen durchaus interessante Prämisse, aber nicht der ausschlaggebende Punkt, der den Südstaaten-Slasher zu einem der meisterwarteten Filme des Jahres machte. Der eigentliche Grund für die hohen Erwartungen lässt sich auf eine kleine Zahlen-Buchstaben-Folge auf den internationalen Kinopostern zurückführen. Die Rede ist natürlich von A24, dem für außergewöhnliches Horrorkino bekannten Filmstudio, das sich nun auch für „X“ verantwortlich zeigt. Doch während das eingangs erwähnte Massaker-/Porno-Versprechen definitiv eingelöst wird, ist vom A24-Geist leider recht wenig zu spüren. Dafür ist „X“ am Ende dann doch zu sehr klassischer Retro-Slasher und zu wenig jener unangenehme Genre-Stachel, den man sich von diesem Paket vielleicht erhofft hatte.

X ©Capelight Pictures

Texas, 1979: Eine kleine Filmcrew reist auf eine abgelegene Farm, um dort heimlich einen Pornofilm zu drehen. Produzent Wayne (Martin Henderson), Regisseur RJ (Owen Campbell), Tonfrau Lorraine (Jenna Ortega) und die Darsteller*innen Maxine (Mia Goth), Bobby-Lynne (Brittany Snow) und Jackson (Kid Cudi) wollen mit „The Farmer’s Daughters“ den großen Durchbruch schaffen. Die alten Besitzer Howard und Pearl wissen zunächst nicht, was auf ihrem Grundstück wirklich gedreht wird. Als sie begreifen, was die jungen Gäste treiben, kippt die Stimmung auf der Farm zunehmend ins Bedrohliche.

X ©Capelight Pictures

hübsch gemacht, nur eben nicht so dreckig, wie es sein müsste

Die große Stärke von „X“ ist der authentische Retro-Look. Ti West verpackt die blutigen Ereignisse in verwaschene Bilder, mit altertümlichen Blenden, 70er-Jahre-Ausstattung und glaubhaften Kostümen. Auch der Score könnte so direkt der „Texas Chainsaw Massacre“-Ära entstammen. Im direkten Vergleich mit seinem großen Vorbild zieht „X“ dennoch den Kürzeren. An die dichte Atmosphäre des Klassikers, dessen Dreck und Hitze jederzeit spürbar sind, kommt West mit seinem Retro-Slasher nicht heran – dafür ist dieser dann doch zu glatt produziert. Der Film sieht zwar aus, als wolle er nach Grindhouse, Schweiß und modrigem Farmholz riechen, bleibt aber immer ein Stück zu sauber, zu kontrolliert, zu bewusst arrangiert. Das ist hübsch gemacht, nur eben nicht so dreckig, wie es sein müsste.

X ©Capelight Pictures

n Sachen Dialoge, Darsteller und Figuren hebt sich „X“ jedoch deutlich vom Genrestandard ab. Und auch der wenig subtile, aber interessante Subtext über die Sehnsucht nach der Jugend und die Vergänglichkeit der eigenen Sexualität wertet den ansonsten eher durchschnittlichen Slasher auf. Abgesehen von soliden Kills bietet der Horror-Part nämlich eher wenig Spannung und Suspense – die ausgelassene erste Stunde macht deutlich mehr Spaß als das eigentliche Gemetzel im letzten Drittel. Alles in allem eine Enttäuschung – aber trotzdem gut.

X ©Capelight Pictures

Fazit

„X“ ist ein solider Retro-Slasher mit starkem 70er-Jahre-Look, guten Figuren und interessantem Subtext über Jugend, Begehren und Verfall. Vom A24-Versprechen bleibt weniger übrig als erhofft, doch Ti West liefert immer noch ordentliches Genre-Kino.

Bewertung: 3 von 5.