Ricky Gervais‘ Alley Cats | Netflix Serie – Kritik: Katzenjammer auf höchstem Niveau

Ricky Gervais Alley Cats Netflix Serie 2026

Ricky Gervais‘ Alley Cats

TitelRicky Gervais‘ Alley Cats
Genre Komödie
Jahr2026
FSK16
CreatorRicky Gervais

Starttermin: 07.08.2026| Netflix

Wenn Netflix die Krallen ausfährt, miaut sogar der Watchdog

Menschen lachen über vieles. Über das Scheitern anderer, über peinliche Momente, über die kleinen Grausamkeiten des Alltags. Und vielleicht am meisten über genau die Dinge, die ihnen selbst unangenehm vertraut sind. Humor ist schließlich nicht immer nur eine Flucht vor der Wirklichkeit. Manchmal ist er auch ein Schutzschild. Eine Möglichkeit, der eigenen Angst vor Einsamkeit, Bedeutungslosigkeit oder dem Gefühl, im großen Getriebe des Lebens übersehen zu werden, für einen Augenblick die Schärfe zu nehmen. Genau diese menschliche Widersprüchlichkeit begleitet das Werk von Ricky Gervais seit vielen Jahren. Seine Figuren sind selten strahlende Siegertypen. Es sind Menschen mit Macken, Verletzungen und einer bemerkenswerten Fähigkeit, ihre eigene Verwundbarkeit hinter einer Mauer aus Sarkasmus und Überheblichkeit zu verstecken. Mit „Ricky Gervais’ Alley Cats“ verlagert der britische Comedian dieses Prinzip nun auf vier Pfoten. Die Netflix Serie erzählt von einer Gruppe verwilderter Straßenkatzen und nutzt dabei die vertraute Tierwelt als Spiegel für sehr menschliche Abgründe.

Ricky Gervais Alley Cats Netflix Serie 2026
Ricky Gervais‘ Alley Cats ©Netflix

Im Mittelpunkt steht Gus, gesprochen von Ricky Gervais selbst, eine faule, großmäulige Katze mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein und einer tief sitzenden Abneigung gegen alles, was nach Schwäche aussieht. Gemeinsam mit einer Gruppe anderer Außenseiter streift er durch die Straßen und versucht, in einer Welt zu überleben, in der niemand auf ihn wartet und niemand ihm etwas schenkt. An seiner Seite befinden sich unter anderem Olive, gesprochen von Diane Morgan, der eigenwillige Ponce von Tom Basden sowie Puke, dem David Earl seine Stimme leiht – eine Ansammlung schräger Figuren, deren größte Gemeinsamkeit vermutlich darin besteht, dass sie mit sich selbst kaum zurechtkommen. Dass diese Figuren Katzen sind, ist dabei weit mehr als ein niedlicher Anstrich für eine Comedyserie. Denn Katzen haben gegenüber Menschen einen entscheidenden Vorteil: Sie müssen ihre Existenz nicht rechtfertigen. Sie fressen, schlafen, scheißen, markieren ihr Revier und werfen Dinge vom Tisch, weil ihnen danach ist. Kein Lebenslauf, keine Selbstoptimierung, kein Seminar über die eigenen Stärken. Ein ziemlich beneidenswertes Dasein, bis die Katzen anfangen zu reden. Dann stellt sich nämlich heraus, dass auch ein Tier mit neun Leben irgendwann darüber nachdenken muss, was es eigentlich mit diesen neun Leben anfangen soll.

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Vier Pfoten, neun Leben und jede Menge Gründe, einzuschalten

Genau aus diesem Widerspruch zieht „Ricky Gervais’ Alley Cats“ seinen Humor. Die Katzen diskutieren über den Tod, über Einsamkeit und darüber, ob das Leben überhaupt einen Sinn besitzt. Selbstmord wird nicht zum schweren Drama aufgeblasen, sondern aus der Logik einer Katze heraus betrachtet. Vom Gebäude springen? Blöde Idee. Man landet schließlich auf den Pfoten. Und wer neun Leben besitzt, hat ohnehin ein etwas anderes Verhältnis zur Endgültigkeit als der Mensch, der nach siebzig oder achtzig Jahren feststellen muss, dass er seine Zeit hauptsächlich damit verbracht hat, doomzuscrolllen. Auch das Verhältnis zu den Menschen wird konsequent aus dieser Perspektive betrachtet. Besitzer? Ein freundliches Wort für jemanden, der entscheidet, wann gegessen wird, wo geschlafen werden darf und wann die Tür aufgeht. Die Katzen nennen es sinngemäß Sklaverei und beginnen anschließend darüber zu philosophieren, ob ihre Zuneigung zu den Menschen vielleicht nur eine besonders ausgeklügelte Form des Stockholm-Syndroms ist. Das ist nicht deshalb lustig, weil die Pointe besonders laut wäre. Sie funktioniert, weil in dieser absurden Betrachtung plötzlich ein Körnchen Wahrheit steckt. Der Mensch hält sich für die Krone der Schöpfung, während er aus Sicht der Katzen vor allem ein riesiges, gefährliches Säugetier ist, das regelmäßig Dinge zerstört und trotzdem erwartet, dafür geliebt zu werden. Die vermeintlich niedlichen Haustiere beobachten ihre Besitzer und kommen zu erstaunlich ernüchternden Ergebnissen. Die Menschheit wird dabei nicht zum moralischen Maßstab, sondern zum Untersuchungsobjekt. Das macht die Dialoge zum Zentrum, während die Animation selbst eher der Zweckmäßigkeit dienen. Hintergründe können statisch wirken, Bewegungen bleiben mitunter funktional. Es ist nebensächlich. 

Ricky Gervais Alley Cats Netflix Serie 2026
Ricky Gervais‘ Alley Cats ©Netflix

Netflix‘ „Alley Cats“ ist eine Serie des gesprochenen Wortes. Entscheidend ist, was die Figuren einander erzählen, wie trocken eine Bemerkung im Raum stehen bleibt und wie aus einem zunächst absurden Gedanken plötzlich eine ziemlich bittere Wahrheit hervorgeht. Dabei kennt der Humor kaum eine Schmerzgrenze. Kindsmord, körperliche Ausscheidungen, Geschlechtsteile, Tod und die Frage nach Schuldfähig: Alles darf auf den Tisch, sofern sich daraus eine Pointe destillieren lässt – und viel wichtiger noch, eine unangenehme Wahrheit. Unter diesem ganzen Dreck findet Netflix letztlich sogar etwas erstaunlich Zartes. Denn je länger man den Katzen zuhört, desto deutlicher wird, dass ihre große Klappe vor allem eine Verteidigungsanlage ist. Sie reden über den Tod, weil sie Angst davor haben. Sie machen sich über Beziehungen lustig, weil Nähe verletzlich macht. Sie erklären ihre Besitzer zu Sklavenhaltern, weil es angenehmer ist, sich überlegen zu fühlen, als zuzugeben, dass man deren Zuwendung braucht. So erzählt „Ricky Gervais’ Alley Cats“ letztlich weniger von Katzen als von Persönlichkeiten, die nicht wissen, wohin mit sich und deshalb so tun, als wäre ihnen alles egal. Das ist unerquicklich, manchmal widerlich – auf die gute Art – und verdammt komisch. Vor allem aber ist es erstaunlich menschlich. Am Ende zeigt es einfach wie beschissen es sein kann, ein Leben zu haben – und trotzdem froh darüber zu sein, nicht allein darin herumzulaufen.

Ricky Gervais Alley Cats Netflix Serie 2026
Ricky Gervais‘ Alley Cats ©Netflix

Fazit

„Ricky Gervais’ Alley Cats“ ist derb, gnadenlos und sicher nicht für jedes Publikum gemacht. Doch hinter all den geschmacklosen Momenten und schwarzen Pointen verbirgt sich eine überraschend ehrliche Beobachtung über das Leben selbst.

Bewertung: 4 von 5.
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