Citizen Vigilante | Kritik: Bolls verbotener Film ist keiner – aber ein Desaster

Citizen Vigilante Film 2026 Verboten?

Citizen Vigilante

TitelCitizen Vigilante
Genre Thriller
Jahr2026
FSKungeprüft
RegieUwe Boll

Starttermin: unbekannt

Der verbotene Film, der nie verboten war 

Der verbotene Film. Der Film, den Regierung und Justiz angeblich vor der Öffentlichkeit verstecken wollen. Der Film, in dem Uwe Boll endlich ausspricht, was sich sonst niemand mehr zu sagen traut. Der Film, der dem Volk aus dem Herzen spricht. So oder so ähnlich lauten die Schlagzeilen, die man zu „Citizen Vigilante“ lesen kann. Vorausgesetzt natürlich, man informiert sich ausschließlich in rechtspopulistischen Pseudo-Medien, aufgeheizten Kommentarspalten oder jenen Social-Media-Ecken, in denen aus jeder verweigerten Jugendfreigabe sofort Zensur, aus jedem Widerspruch Unterdrückung und aus jedem schlechten Film ein angeblich gefährliches Meisterwerk wird. Dabei wurde „Citizen Vigilante“ nie verboten. Der Film hat lediglich keine FSK-Freigabe erhalten, was für Verleih, Bewerbung und reguläre Auswertung ein Problem ist, aber eben kein staatliches Verbot. Boll hätte den Film trotzdem veröffentlichen können. Hat er ja auch. Der Rest ist Skandalverpackung, Opferpose, Marketingnebel. Und damit im Grunde sehr Uwe Boll. Provokation war bei ihm nie ein Nebenprodukt, sondern Geschäftsmodell. Schon immer lebte sein “Kino” davon, sich mit beiden Händen in Themen zu wühlen, bei denen andere wenigstens kurz innehalten würden. „Hanau“ etwa, sein Versuch, den Opfern eines rassistischen Anschlags zu gedenken, war bereits so geschmacklos und grotesk taktlos, dass man kaum wusste, ob man über die Unfähigkeit oder die Dreistigkeit mehr erschrecken sollte. Trotzdem stand dahinter zumindest noch der behauptete Impuls, Opfer sichtbar zu machen. „Citizen Vigilante“ kippt nun auf die andere Seite. In eine Selbstjustizfantasie, die Migranten als Bedrohungsmasse zeichnet, den Rechtsstaat als lächerliche Kulisse behandelt und einen Mann mit Waffe dort zum Vollstrecker erhebt, wo Demokratie und Justiz angeblich versagen.

Citizen Vigilante Film 2026 Verboten?
Citizen Vigilante ©Event Filmproduktion

Das Irritierende daran ist nicht einmal, dass Boll provoziert. Natürlich provoziert Boll. Das tut er immer. Irritierend ist die Zielrichtung. Ob er dieses rassistische, ausländerfeindliche und rechtsstaatsverachtende Weltbild tatsächlich teilt oder nur genau weiß, bei wem solche Bilder zünden, bleibt am Ende fast zweitrangig. Denn der Film steht nun einmal da. Mit allem, was er zeigt, behauptet und nahelegt. Und er weiß sehr genau, in welche offenen Wunden er seine schmutzigen Finger legt. In Frust. In Abstiegsangst. In institutionelles Misstrauen. In das Bedürfnis nach einfachen Schuldigen. Dort, wo Menschen die eigene Ohnmacht nicht mehr als eigenes Problem begreifen wollen, sondern als Beweis dafür, dass „die anderen“ schuld sind, kommt ein Film wie dieser nicht als Provokation an. Sondern als Bestätigung. Dabei wäre „Citizen Vigilante“ selbst ohne diesen ideologischen Bodensatz kaum erträglich. Handwerklich ist das eine einzige Trümmerfläche. Szenen hängen wie schlecht vernagelte Bretter aneinander. Licht wirkt nicht gesetzt, sondern versehentlich vorhanden. Räume sehen aus, als seien sie kurz vor Drehbeginn gefunden, aber nie eingerichtet worden. Der Schnitt stolpert. Die Dialoge liegen tot auf der Tonspur. Dramaturgie, Spannung, Action-Choreografien gibt es nicht.  Und wenn dann doch einmal geschossen wird, dann so fahrig und  reizlos inszeniert, dass selbst der Gewalt ihre behauptete Wucht fehlt. 

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Kostenlos auf X – und trotzdem zu teuer 

Armie Hammer, einst Hollywood-Versprechen, nun nach schweren Missbrauchsvorwürfen und dem daraus folgenden Karriereabsturz praktisch aus dem Mainstream verschwunden, steht mittendrin wie jemand, der selbst nicht ganz glauben kann, wo er gelandet ist. Strafrechtlich wurde er nicht angeklagt, beruflich aber ist der Schaden längst eingetreten. Große Studios meiden Risikofiguren. Uwe Boll sammelt sie ein. Auch das gehört zum Geschäftsmodell: Namen, die noch Wiedererkennungswert besitzen, aber kaum noch Marktwert. Hammer spielt entsprechend leblos, müde, abwesend – und nie präsent genug, um den Film zu tragen. Er existiert einfach, als blasser Körper im Dienst einer noch blasseren Erzählung. Und diese Erzählung schleppt sich schließlich auf einen Punkt zu, an dem ein Mann eine muslimische Migrantenfamilie erschießt, weil ein Sohn für eine Vergewaltigung nicht belangt wurde – und genau dort fällt endgültig jede Maske. Nicht, weil Kino keine Gewalt zeigen dürfte. Nicht, weil Selbstjustiz kein Thema sein kann. Sondern weil „Citizen Vigilante“ daraus keinen Konflikt macht, keine moralische Zumutung, keine finstere Befragung von Schuld, Wut und Vergeltung. Er macht daraus eine Entlastungsfantasie. Der Rechtsstaat hat versagt, also darf der Einzelne richten. Die Justiz ist schwach, also spricht die Kugel. Die Demokratie ist zu langsam, also übernimmt der Abzug. 

Citizen Vigilante Film 2026 Verboten?
Citizen Vigilante ©Event Filmproduktion

Das ist nicht mutig. Das ist erbärmlich simpel – und zutiefst menschenverachtend. Genau deshalb verweilt die vermeintliche Handlung dort, wo man ohnehin lieber nach Feindbildern als nach Ursachen sucht. Er erzählt Menschen, die sich betrogen, übersehen oder abgehängt fühlen, nicht, dass die Welt kompliziert ist. Er erzählt ihnen, dass ihre Wut recht hat. Dass ihre Verachtung Erkenntnis sei. Dass Gewalt nur Konsequenz bedeute. Und damit betreibt er keine Analyse, sondern Affektbewirtschaftung. Ein Hassverstärker im Gewand eines Thrillers, nur ohne Thriller, ohne Kino, ohne Verstand. Dass „Citizen Vigilante“ für 48 Stunden kostenlos auf X zu sehen war – Elon Musk sei Dank, und ja, zynischer lässt sich dieser Dank kaum formulieren –, ist fast die einzige Pointe, die dieser Film besitzt. Genau deshalb erscheint diese Review auch bewusst erst nach Ablauf dieses Gratis-Zeitfensters, damit niemand auf die Idee kommt, aus reiner Neugier doch noch nachzuschauen, ob das alles wirklich so schlimm sein kann. Ja. Kann es. Am Ende bleibt von „Citizen Vigilante“ nicht einmal ein gelungener Skandal. Nur ein miserabel gemachter Film, der seine eigene handwerkliche Nichtigkeit unter politischem Dreck begräbt und dann hofft, dass die Empörung schon reichen wird. Die einzige Grenze, die Boll hier sprengt, ist die des guten Geschmacks, und selbst das nicht auf eine Weise, die erschüttert, sondern auf eine, die beschämt. Schlechter Film des Jahres? Sicher. Schlechter Film des Jahrzehnts? Gut möglich. Schlechtester Film überhaupt? Man hat nicht alle gesehen. Aber die Chancen stehen erschreckend gut. 

Citizen Vigilante Film 2026 Verboten?
Citizen Vigilante ©Event Filmproduktion

Fazit

„Citizen Vigilante“ ist kein gefährlich unterdrücktes Meisterwerk, sondern ein miserabel inszenierter Selbstjustiz-Schund, der rassistische Feindbilder, Rechtsstaatsverachtung und kalkulierte Empörung als Provokation verkauft. Uwe Bolls angeblich verbotener Film ist handwerklich erbärmlich, politisch widerlich und jetzt schon der schlechteste Film des Jahres.

Bewertung: 0.5 von 5.
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