Pretty Lethal – Schön tödlich: Kritik – Blutiges Ballett auf Amazon Prime Video

Pretty Lethal - Schön tödlich Amazon Prime Video Film 2026
TitelPretty Lethal – Schön tödlich
Genre Action, Thriller
Jahr2026
FSK16
RegieVicky Jewson

Starttermin: 25.03.2026| Prime Video

Prime Video präsentiert: Tüll und Tränen – und Totschlag

„John Wick“ hat dem westlichen Kino eine Lektion erteilt, die dort erstaunlich lange niemand hören wollte: Töten ist, richtig ausgeführt, nichts anderes als Choreografie. Timing, Präzision, Körperkontrolle – im Grunde dieselben Prinzipien wie im Tanz, nur dass am Ende niemand applaudiert, sondern jemand liegen bleibt. Während man in Korea, China und Co. diese Verbindung längst verinnerlicht hat, wirkte Hollywoods Action lange wie das Gegenteil davon: kein Rhythmus, kein Fluss, nur stumpfes Draufhauen. Erst „John Wick“ hat daraus so etwas wie ein System gemacht – ein brutales Ballett, bei dem jede Bewegung sitzt. Da wirkt ein Spin-off wie „Ballerina“ mit Ana de Armas fast schon zwangsläufig: Wenn Kampf ohnehin schon Tanz ist, warum dann nicht gleich echte Tänzerinnen ins Zentrum stellen? Nur hat selbst dieser Film die Idee nie ganz zu Ende gedacht. Viel Pose, wenig Konsequenz. Mit „Pretty Lethal – Schön tödlich“ folgt nun der nächste Versuch, diese Gleichung endlich aufzulösen – Tanz als Kampf, nicht nur als hübsche Metapher. Weniger Andeutung, mehr Umsetzung. Die Frage ist nur: Kann das Amazon Original mehr als nur behaupten, dass beides zusammengehört?

Pretty Lethal - Schön tödlich Amazon Prime Video Film 2026
Pretty Lethal – Schön tödlich ©Amazon Content Services LLC

In „Pretty Lethal – Schön tödlich“ verwandelt sich der Traum vom Gold in Budapest schlagartig in einen Überlebenskampf irgendwo im Nirgendwo. Bones (Maddie Ziegler), Princess (Lana Condor), Zoe (Iris Apatow) und Chloe (Millicent Simmonds) wollten eigentlich nur zum nächsten Wettbewerb – bis eine Buspanne sie in das verdächtig abgelegene „Teremok Inn“ spült. Geführt wird das Ganze von Devora Kasimer (Uma Thurman), einer ehemaligen Ballerina, die ihre zweite Karriere offenbar in den eher weniger legalen Bereich verlegt hat. Als eine Attacke auf ihre Trainerin die Lage kippen lässt, verabschiedet sich der Film dann auch endgültig von jeder Form tänzerischer Höflichkeit. Der Tüll wird rot, die Bewegungen härter, und aus Pirouetten werden Tritte. Der Überlebenskampf läuft – zumindest theoretisch.

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Starke Tritte, schwacher Unterbau

Man muss schon ziemlich großzügig sein, um das konstruierte Szenario hinter Amazons‘ „Pretty Lethal – Schön tödlich“ ernst zu nehmen. Dass es ausgerechnet eine abgehalfterte Ballerina ist, die nebenbei ein kriminelles Netzwerk am Laufen hält, ist geschenkt. Dass die komplette Belegschaft wirkt, als würde sie nachts Leute verschwinden lassen – wenig überraschend. Aber dass die Protagonistinnen nach einer Buspanne im strömenden Regen erstmal beschließen, genau dort, also an diesem zwielichtigen, alles andere als einladenden Ort, in Tütüs zu Tschaikowskis „Zuckerfee“ zu proben, statt einfach zu gehen, ist weniger Stil als unfreiwillige Komik. Wer hier länger bleibt als nötig, macht sich im Grunde selbst zum Opfer. Aber gut, es geht ja um die Action – und um die Idee, dass Tanz und Gewalt ineinander greifen. Nur leider scheint sich Prime Video zunächst erstaunlich wenig für genau das zu interessieren. Stattdessen zieht sich das Szenario mit Dialogen in die Länge, die wirken, als hätten sie selbst keine Lust, hier zu sein. Die Spannung bleibt flach, der Humor zündet kaum, und die vielversprochenen Weaponized Dance Moves stehen erstmal dekorativ im Hintergrund herum. Dabei dauert es, glaubt man dem Timer, gerade einmal 30 Minuten – also eigentlich gar nicht mal so lange –, bis die Sache so richtig eskaliert. Nur fühlt sich selbst diese halbe Stunde schon wie eine kleine Ewigkeit an. Das Setting passt, die visuelle Gestaltung funktioniert – das Spiel aus weißem Tüll und rotem Blut hat durchaus Reiz –, aber der Film „Pretty Lethal – Schön tödlich“ schafft es nicht, daraus etwas zu machen, das über einzelne überzeugende Momente hinausgeht.

Pretty Lethal - Schön tödlich Amazon Prime Video Film 2026
Pretty Lethal – Schön tödlich ©Amazon Content Services LLC

Man denkt schnell an den Vampir-Ballett-Hybriden „Abigail“, der genau diese Mischung aus Tanz und Gewalt deutlich lockerer und selbstbewusster ausgespielt hat. In „Pretty Lethal – Schön tödlich“ dagegen bleiben die Figuren uninteressant und charmlos, die Konflikte egal und die Gegner so eindimensional, dass selbst ihre Bedrohung nur noch Formsache ist. Selbst wenn dann mal eine Szene sitzt – sauber inszenierte Zeitlupen, blutige Gewaltspitzen, zweckentfremdete Tanzmoves und Ballettchoreografien gibt es schließlich zur Genüge – folgt direkt wieder der Rückzug in belangloses Geplänkel. Verstecken, diskutieren, Zeit schinden. Als würde die Geschichte sich selbst ständig ausbremsen, sobald sie anfängt, interessant zu werden. Wer wirklich kreative, kompromisslose Survival-Action sehen will, muss vielleicht nur einen Tag warten, ehe „They Will Kill You“ in den deutschen Kinos erscheint, oder eine Woche mehr, um sich an „Ready or Not 2“ zu erfreuen. „Pretty Lethal – Schön tödlich“ bleibt dagegen das, was viele dieser Projekte am Ende sind: gut gemeint, ordentlich verpackt – doch abseits der ordentlichen Choreografien und blutigen Einfälle erstaunlich leblos. Eine Fingerübung an der Ballettstange, die so tut, als wäre sie ein großer Auftritt.

Pretty Lethal - Schön tödlich Amazon Prime Video Film 2026
Pretty Lethal – Schön tödlich ©Amazon Content Services LLC

Fazit

„Pretty Lethal – Schön tödlich“ ist ein klassischer Fall von Style over Substance: Während die Action-Szenen mit chirurgischer Präzision und tänzerischer Eleganz glänzen, stolpert das Drehbuch ständig über die eigenen Füße. 

Bewertung: 2.5 von 5.
Amazon Prime Video

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