| Titel | Cortafuego – Umgeben von Feuer |
| Genre | Thriller |
| Jahr | 2026 |
| FSK | 16 |
| Regie | David Victori |
Starttermin: 20.02.2026 | Netflix
Prisoners-Light im Flammenmeer
Eigentlich kennen wir die Bilder nur aus den Eilmeldungen: Verbrannte Hänge auf Rhodos, Evakuierungen in Portugal und eine Hitze, die alles Leben aus dem Boden saugt. Der Klimawandel hat den Waldbrand vom fernen Schreckgespenst zum jährlichen Fixpunkt unserer Sommerferien gemacht. Regisseur David Victori – der mit dem spanischen Thriller „Cross the Line – Du sollst nicht töten“ einen der spannendsten Filme der vergangenen Jahre lieferte – nimmt diese reale Angst und gießt sie in das Gewand eines tragischen Vermisstenfalls, mit einer moralischen Grenzerfahrung im Zentrum. „Cortafuego – Umgeben von Feuer“ auf Netflix nutzt die Flammen nicht als Special-Effects-Gewitter, sondern als Taktgeber eines familiären Dramas, bei dem sich Verzweiflung zunehmend in waschechte Paranoia verwandelt. Doch während die Ausgangslage noch hochkarätigen Nervenkitzel verspricht, bleibt von der vielbeschworenen Prämisse kaum mehr als verbrannte Erde und graue Asche.

In „Cortafuego – Umgeben von Feuer“ steht Mara (Belén Cuesta – stand bereits in „Vergiftetes Vermächtnis“ für Netflix vor der Kamera) vor den Trümmern ihres Lebens. Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes ist das alte, abgelegene Ferienhaus in den Wäldern nur noch eine schmerzhafte Erinnerung, die es abzustreifen gilt. Zusammen mit ihrem Schwager Luis (Joaquín Furriel – ebenfalls Netflix-Bekannt dank „Der Milliardärsbunker“) und dessen Frau Elena (Diana Gómez) will sie das Anwesen räumen und so schnell wie möglich verscherbeln. Doch die dicke Luft im Haus ist noch gefährlicher als der trockene Wald draußen. Als Mara den Kummer ihre achtjährige Tochter Lide nicht ernst nimmt, entlädt sich der aufgestaute Schmerz der Kleinen in einer folgenschweren Kurzschlussreaktion: Lide rennt in den dichten Forst – genau in dem Moment, in dem die ersten Funken eines nahegelegenen Brandes den Horizont in ein apokalyptisches Rot tauchen.

Viel Qualm um Nichts
Ein Funkenflug am Strommast reicht aus, um den trockenen Waldboden in Brand zu setzen – doch ein Funke, der auf die Zuschauerschaft überspringt, sucht man hier vergeblich. Dabei ist das heimische Sofa nach all den Netflix-Rohrkrepierern wie dem saudi-arabischen Drama „Feueralarm: Die Grube“ oder Tyler Perrys polemischem Wutbürger-Thriller „Straw“ eigentlich ausgedörrt und empfänglich für gute Unterhaltung. Während aus dem Funken also ein Feuer und schließlich ein tausend Hektar großes Inferno wird, während Feuerschneisen überrollt werden und der Ascheregen das nahende Unheil verkündet, bleibt das Publikum weitestgehend auf der Strecke. Was dann noch brennt, ist höchstens das Sodbrennen vom Verzehr von Nacho Chips, Popcorn und Co., oder eben die Müdigkeit hinter den Augen – weniger das Interesse am Gesehenen. Dabei ist „Cortafuego – Umgeben von Feuer“ eigentlich schnell getaktet, wenn es um die Verkettung der sich rasch zuspitzenden Ereignisse geht, bei dem das flammende Szenario eigentlich nur die Kulisse für die familiäre Trauerbewältigung dient, verpackt als verzweifelte Vermisstensuche und Racheverhöhr der Marke „Prisoners“.

Denn anders als zunächst erwartet, entpuppt sich das Netflix Original weniger als actionlastige Rettungsmission im Flammenmeer – wie etwa der höchst unspektakuläre „They Want Me Dead“ mit Angelina Jolie –, sondern als Light-Version von Denis Villeneuves Auslotung von Moral und Selbstjustiz. Nachdem die Achtjährige verschwunden ist und der seltsame Nachbar Santi immer kryptischer reagiert, scheint die Gefahr plötzlich menschlicher Natur zu sein. Doch hier liegt die Krux: Sowohl die Reaktionen der verzweifelten Familie als auch das Verhalten des mutmaßlichen Entführers wirken hölzern und kaum plausibel. Die Eskalation breitet sich zwar schneller aus als das Feuer am Horizont, doch dem angedeuteten Familiendrama fehlt es an echtem Brennstoff. Das Drehbuch wirkt schlicht nicht ausgefeilt genug, um die psychologische Wucht eines echten Thrillers zu entfalten. Daran ändert auch Victoris plumper Kniff nicht, das Bild immer dann ins klaustrophobische 4:3-Format zu verengen, wenn die Situation zunehmend auswegloser scheint. Das passt zur insgesamt plumpen Erzählweise, die zwar bemüht um Spannung rinnt, diese aber nur auf so stumpfe Art einlöst, dass der cineastische Funke nie zur lodernden Leidenschaft wird.

Fazit
„Cortafuego – Umgeben von Feuer“ hat viel Hitze, aber keine Seele – ein Film, der zwar ordentlich qualmt, dessen Feuer aber schneller erlischt, als der Abspann über den Bildschirm flimmern kann.


