| Titel | Joe’s College Road Trip |
| Genre | Komödie |
| Jahr | 2026 |
| FSK | 12 |
| Regie | Tyler Perry |
Starttermin: 13.02.2026 | Netflix
Braucht man für Tyler Perry einen speziellen Pass?
Muss man Schwarz sein, um Tyler Perrys Humor zu verstehen? Es ist eine Frage, die sich bereits beim Aussprechen shady anfühlt – eine hauchdünne Eisfläche, die man eigentlich nicht betreten will, aber irgendwann betreten muss. Um jede Irritation sofort im Keim zu ersticken: Natürlich hat es nichts mit der ethnischen Herkunft oder der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kultur zu tun. Humor ist keine Frage der Identität, sondern der Resonanz. Und doch kommt nach unzähligen Filmen, Serien und den endlosen Ablegern seiner Kultfiguren rund um Tante Madea und Onkel Joe der Punkt, an dem man sich ratlos am Kopf kratzt und fragt, warum man diesen Quatsch eigentlich nicht mag. Es ist nicht die kulturelle Prägung, die hier die Schranke bildet; vielleicht ist es schlicht die Art, wie Perry seine Komik mit dem Vorschlaghammer serviert. Es ist nicht die politische Unkorrektheit, die das Problem darstellt – Seth MacFarlane zelebriert diese schließlich mit einer Inbrunst und Intelligenz, die uneingeschränkt unterhält und gleichzeitig den Spiegel vorhält. Bei Perry hingegen wirkt es wie ein krampfhaftes Festhalten an Witzen, die schon in den 90ern einen Bart hatten. Sein neuestes Netflix Original „Joe’s College Road Trip“ tritt nun den endgültigen Beweis an, dass laut nicht automatisch lustig ist.

BJ (Jermaine Harris) ist den Kinderschuhen entwachsen, und der Ernst des Lebens steht vor der Tür: Das College ruft. Doch die Vorstellungen über seine Zukunft klaffen in der Familie weit auseinander. Während sein Vater Brian (Tyler Perry) ihn mit eindringlichen Worten auf eine HBCU (Historically Black College or University) schicken will – jene prestigeträchtigen Schmieden, die bereits Größen wie Martin Luther King Jr. oder Kamala Harris hervorbrachten –, hat BJ ganz andere Pläne. Ihn zieht es gemeinsam mit seinen weißen Freunden an die Pepperdine University in Malibu: christlich geprägt, elitär und direkt unter der kalifornischen Sonne. Dass BJ damit seine Wurzeln für den „Malibu-Lifestyle“ einzutauschen scheint, ruft Großvater Joe (ebenfalls Tyler Perry) auf den Plan. Der alte Haudegen fackelt nicht lange und verdonnert seinen Enkel zu einem Roadtrip quer durch die Staaten. Sein Ziel: BJ auf seine ganz eigene, rabiate Weise zu zeigen, was es bedeutet, „echt Schwarz“ zu sein. Was folgt, ist eine Odyssee zwischen Generationenkonflikt und politischer Unkorrektheit – oder eben genau das, was Fans an Perrys Humor lieben und alle anderen…nicht.

Boomer-Humor aus der Mottenkiste
„Joe’s College Road Trip“ beginnt mit einer Art Trigger-Warnung, verpackt als fiktiver Lehrfilm über seinen Titelhelden – seines Zeichens Schulabbrecher, Ex-Zuhälter, Relikt einer anderen Zeit. Dabei wird das Kommende als nicht weniger als „Eskapaden einer aussterbenden Art“ tituliert: Wer mit Begriffen wie „Motherf*cker“, „B*tch“ oder dem N-Wort ein Problem hat, soll gefälligst ausschalten. Doch in Anbetracht dessen, was das Netflix Original präsentiert, wirkt diese Ansage weniger wie ein gutgemeinter Rat, sondern eher wie eine präventive Rechtfertigung – ein Feigenblatt für die darauffolgende Einfallslosigkeit. Wenn Perry politisch unkorrekt sein will, dann bitte mit Rückgrat und Pointen, die sitzen, oder eben gar nicht. Stattdessen bedient er sich aus einem Pool an Gags, den man von jeder verkrampften Weihnachtsfeier kennt, auf der man dem Opa erklären muss, dass er bestimmte Dinge heute nicht mehr sagen darf, während sich die Jüngeren anhören müssen, dass sie vom „echten Leben“ keine Ahnung haben. Der fast zweistündige Clash der Generationen fischt seine Pointen aus einem Pool aus E-Autos, Veganismus, Bio-Wahn und Apps. Tyler Perry schlägt sich dabei zwar offiziell auf keine Seite, lässt aber kein einziges Klischee aus und wirkt am Ende doch erschreckend einseitig.

Wer in Mario Barth einen humoristischen Dinosaurier sieht – was dringend zu hoffen ist –, wird hier schmerzhafte Flashbacks erleben. Perry liefert den filmischen Beweis für die „Früher war alles besser“-Attitüde: Navigationsgeräte sind für Weicheier, Sicherheitsgurte unnötiger Ballast und Energieeffizienz ein Fremdwort. Kein Gag ohne Plattitüde, kein Wortwechsel ohne ausgelutschter Boomer-Retorik. Alles nur Satire, klar – aber wo ist der Witz? Es geht um schlecht gealterte Songtexte, Marihuanakonsum, Alkohol am Steuer. Früher gut, heute schlecht – wir wissen es. Die Jugend hat keine Manieren, hängt nur am Handy und ist sowieso viel zu empfindlich. Toxische Männlichkeit hier, Sexismus da – für die einen ein akutes Problem, für andere neumodischer Quatsch, den man früher einfach aus den Leuten rausgeprügelt hätte. Perry mag sich hierbei als neutraler Beobachter präsentieren, der den Generationenkonflikt lediglich als Fundsachenkiste für seine Gags nutzt – erst wühlen, dann abstauben – und doch bleibt er in ebenjener Vergangenheit stecken, die er eigentlich parodieren wollte. Dabei hat er in Projekten wie „Straw“ durchaus bewiesen, dass ihm soziale Gerechtigkeit und echte Werte am Herzen liegen – wenn auch auf die schlimmstmögliche, kitschigste Weise. In seinem neuesten Roadtrip ist von dieser Ambition jedoch nichts mehr zu spüren. Vielleicht ist er also doch kein direkter geistiger Verwandter von Mario Barth, aber in Sachen Gag-Trefferquote landen beide im selben, tiefen Tal der Belanglosigkeit.

Fazit
Tyler Perry verwechselt Quantität mit Qualität. „Joe’s College Road Trip“ ist eine ideenlose Ansammlung abgestandener Klischees, die weder als Satire noch als bissiger Kommentar auf den anhaltenden Generationenkonflikt funktioniert.


